Über die Achtung vor dem beginnenden menschlichen Leben und die Würde der Fortpflanzung

Bioethik | In vitro Fertilisation

Ein Beitrag von Dr. Bruno Hügel

  

Aus dem Inhalt:

  1. Die Unfruchtbarkeit und das Verfahren der Retortenzeugung
  2. In Vitro Fertilisation und Bevölkerungskontrolle
  3. In Vitro Fertilisation als Manipulation mit Menschenleben
  4. Mehrlingsschwangerschaften und der selektive Fetozid
  5. Das Embryonenschutzgesetz in Deutschland
  6. Bilanzierung der Retortenzeugung
  7. Dokumentation des Embryonenschutzgesetzes
  8. Glossar
  9. Fußnoten

1. Die Unfruchtbarkeit und das Verfahren der Retortenzeugung

Vordergründig betrachtet, wird die Zeugung neuen menschlichen Lebens in der Retorte* als bedeutsamer medizinischer Fortschritt bei der Behebung von Unfruchtbarkeit bewertet und als Erfolg in den Medien gefeiert. Dabei wird fast immer verschwiegen, dass alle diese Erfolge durch eine „verbrauchende Embryonenforschung" ermöglicht worden sind. Ebenso wird nur selten darüber reflektiert, auf welche Ursachen die zu behandelnden Sterilitätsfälle im Einzelfall zurückzuführen sind. So wurde und so wird in ungezählten Fällen die In-vitro-Fertilisation (IVF) als Therapie zur Erfüllung eines Kinderwunsches bei Paaren praktiziert, in denen die Frau nach oft jahrelanger hormoneller Empfängnisverhütung kaum noch eine Chance hat, auf natürlichem Wege schwanger zu werden. Einen weiteren fertilitätsmindernden Faktor stellt das steigende Durchschnittsalter von Frauen dar, die sich ihr erstes Kind wünschen. In wieder anderen Fällen dient IVF der Behebung von Sterilität, die als Folge vorausgegangener Abtreibung(en)1 oder Tubenligaturen in Erscheinung tritt.

Weltweit2,3 ist die manipulierte Fortpflanzungstechnologie zu einem einträglichen Geschäft geworden. (Von der künstlichen Reproduktionsbiologie ist die Gentechnologie, bei der es sich um die In-vitro-Neukombination von Nukleinsäuren, der Erbsubstanz, handelt, scharf abzugrenzen).

Die Abbildung 1 veranschaulicht, auf welchen verschiedenen Wegen die Retortenzeugung oder In-vitro-Fertilisation (IVF) beim Menschen praktiziert wird.

Abb. 1:  Schema zu den Methoden der manipulierten menschlichen Fortpflanzung

Verfahren der künstlichen Befruchtung beim Menschen

Betrachtete man anfangs ausschließlich die Eileiterabbindungen als Indikation für Sterilitätsbehandlung durch In-vitro-Befruchtung (IVF) mit anschließendem Embryo-Transfer (ET), so wurde in den letzten Jahren die Bandbreite der medizinischen Indikationen ausgeweitet. Dies bedeutet, dass nicht nur die homologe IVF mittels Fortpflanzungszellen des Ehemannes durchgeführt wird, sondern auch die Spendung von Gameten einer dritten Person akzeptiert wird (heterologe Befruchtung).

Bei der Retortenzeugung trat eine Entwicklung ein, wie sie analog schon bei der künstlichen Besamung zu konstatieren war. Zunächst wurde sie als Notlösung zur Behebung von Extremfällen akzeptiert, indem die homologe künstliche Besamung praktiziert wurde. Führte dieselbe nicht zum Erfolg, wandte man als ultima ratio die heterologe künstliche Insemination an.

Entsprechend dieser Indikationenausweitung entwickelten sich auf dem Gebiet der IVF mit anschließenden ET jene Praktiken, die das Schaubild 1 aufzeigt. Es kam schließlich zur Anwendung aller erdenklichen Eingriffe, die unter Negierung ethischer und juristischer Bedenken ausführten, was biotechnisch notwendig ist, um das Ziel Kinderwunsch zu realisieren.

Es werden nachfolgend jene aufwendigen Eingriffe aufgezählt, die letztendlich zu Erfolgsergebnissen auf dem Gebiet der Retortenzeugung führen: Zur Gewinnung der männlichen Fortpflanzungszellen wird die Masturbation angewandt. Um Eizellen zu erhalten, wird durch Hormonbehandlung eine sogenannte „Superovulation" hervorgerufen, das heißt, es wird bewirkt, dass während eines jeden Zyklus mehrere Eizellen heranreifen und für die IVF zur Disposition stehen.

Nach erfolgter IVF in geeignetem Kulturmedium werden die Embryonen bereits im 2- bis 4-Zellstadium in die Gebärmutter der Frau übertragen, um die künstlichen Wachstumsbedingungen in-vitro auf ein Mindestmaß zu verringern.

Der größte Prozentsatz von Misserfolgen beim ET beruht auf dem erfolglosen Nidationsversuch des embryonalen Menschen, was zu einem frühen Abortus führt.

Die technische Lösung dieses Problems wird durch sogenannten multiplen Transfer versucht. Hierbei werden jedes Mal mehrere Embryonen in die Gebärmutter der Frau übertragen, wodurch die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Einnistung pro Eingriff wächst.4 Die Übertragung mehrerer Embryonen in den Uterus der Frau führt zu guten Nidationsraten, die allerdings auch die Anzahl der sich nicht einnistenden Embryonen und damit die Rate der Frühabgänge signifikant erhöht.

Seit Jahren wird auch bei Männern eine steigende Unfruchtbarkeitsrate beobachtet, über deren Ursachen gerätselt wird. Möglicherweise führt die Dauereinwirkung analytisch kaum erfassbarer Hormonmengen im Trinkwasser5 oder zunehmende Belastung mit toxischen Schwermetallionen über die Nahrungswege zu einer Verringerung der Menge und der Vitalität der Spermien im Ejakulat. Auch hier versucht man durch Techniken der IVF einzugreifen, wie ein Artikel aus „Die Welt" vom 5. Januar 1994 aufzeigt:

„Unfruchtbarkeit bei Männern äußert sich häufig durch eine Verminderung der Spermaqualität. Normal ist ein Ejakulatvolumen von zwei bis sechs Millilitern, ein pH-Wert von sieben bis acht und mindestens 20 Millionen Spermien mit normaler Beweglichkeit und ohne Missbildungen. Fruchtbarkeitsstörungen treten auf bei zu geringer oder zu hoher Anzahl der Spermien, zu geringer Beweglichkeit und bei Missbildungen (Schwanz fehlt, Zwei-Kopf-Bildung) der Samenfäden. Mangelt es an Beweglichkeit, sind die Spermien nicht in der Lage, bis zum Ei vorzudringen und es zu befruchten. Bei zu geringer Spermienanzahl lassen sich durch Konzentrierung des Spermas in einer Zentrifuge und besondere Techniken des Aussonderns der kranken Spermien gute Erfolge bei der anschließenden künstlichen Befruchtung (Insemination) erzielen. Ist allerdings die Beweglichkeit der Spermien zu gering, kann mit dieser Technik nicht gearbeitet werden. Hier kann die In-vitro-Fertilisation (IVF) helfen. Dabei werden Eizellen der Frau entnommen und außerhalb des Körpers befruchtet. Die Eizelle lässt sich unter dem Mikroskop mit Hilfe eines Mikromanipulators handhaben: An einer Pipette wird sie zuerst vorsichtig festgesaugt (siehe Abb. 2). Mit einer dünnen Nadel kann nun direkt in die Eizelle eine Samenzelle injiziert werden. Bei einer anderen Methode werden fünf Spermien unter die erste Hülle der Eizelle gespritzt. Für diese Methoden sind nur wenige Samenzellen mit einem normalen Chromosomensatz nötig. Fand eine Befruchtung statt, kann die Eizelle Tage später der Frau eingepflanzt werden.6

 

Abb. 2:

Methodik der "Infrazytoplasmatischen Spermainjektion" bei Bewegungsschwäche der Spermien.

 

Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls 74

Instruktion der Kongregation für die Glaubenslehre

über die Achtung vor dem

beginnenden menschlichen Leben

und die Würde der Fortpflanzung

 

Antworten auf einige aktuelle Fragen

10. März 1987

Herausgeber: Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz - Kaiserstraße 163, 5300 Bonn 1

Inhalt

Vorwort

 

Einführung

 

  1.

Die biomedizinische Forschung und die Unterweisung der Kirche

  2.

Wissenschaft und Technik im Dienst an der menschlichen Person

  3.

Anthropologie und Eingriffe auf biomedizinischem Gebiet

  4.

Grundlegende Kriterien für ein moralisches Urteil

  5.

Unterweisung des Lehramtes

I. Kapitel

Die Achtung vor dem menschlichen Embryo

  1.

Welche Achtung schuldet man dem menschlichen Embryo aufgrund seiner Natur und seiner Identität?

  2.

Ist die vorgeburtliche Diagnostik moralisch erlaubt?

  3.

Sind therapeutische Eingriffe am menschlichen Embryo erlaubt?

  4.

Wie sind Forschung und Experimente mit menschlichen Embryonen und Föten moralisch zu bewerten

  5.

Wie ist die Benutzung der durch In-vitro-Befruchtung erlangten Embryonen zu Forschungszwecken moralisch zu bewerten?

  6.

Welches Urteil ist über die anderen Verfahren zur Manipulation von Embryonen im Zusammenhang mit den "Techniken menschlicher Reproduktion" abzugeben?

II. Kapitel

Eingriffe in die menschliche Fortpflanzung

A.

Die heterologe künstliche Befruchtung

  1.

Warum muss die menschliche Fortpflanzung in der Ehe stattfinden?

  2.

Entspricht die heterologe künstliche Befruchtung der Würde der Eheleute und der Wahrheit der Ehe?

  3.

Ist die "Ersatzmutterschaft" moralisch erlaubt?

B.

Die homologe künstliche Befruchtung

  4.

Welches Band ist aus moralischer Sicht zwischen Fortpflanzung und ehelichem Akt erforderlich?

  5.

Ist die homologe In-vitro-Befruchtung moralisch erlaubt?

  6.

Wie ist die künstliche homologe Besamung aus moralischer Sicht zu bewerten?

  7.

Welches moralische Kriterium ist bezüglich des Eingriffs des Arztes in die menschliche Fortpflanzung aufzustellen

  8.

Das Leiden wegen ehelicher Unfruchtbarkeit

III. Kapitel

Moral und staatliche Gesetzgebung

Schlussbemerkung

 

 


    

Vorwort

Die Kongregation für die Glaubenslehre ist von verschiedenen Bischofskonferenzen wie auch von einzelnen Bischöfen, von Theologen, Ärzten und Vertretern der Wissenschaft bezüglich der Übereinstimmung der Grundsätze der katholischen Moral mit den biomedizinischen Techniken befragt worden, die Eingriffe in die Anfangsphase des menschlichen Lebens und in die Fortpflanzungsvorgänge selbst ermöglichen. Die vorliegende Instruktion, Frucht einer umfangreichen Befragung und besonders einer sorgfältigen Bewertung bischöflicher Erklärungen, will nicht die gesamte Lehre der Kirche über die Würde des beginnenden menschlichen Lebens und der Fortpflanzung neu vorlegen, sondern möchte im Licht der vorangegangenen Aussagen des Lehramtes spezifische Antworten auf die in diesem Zusammenhang hauptsächlich erhobenen Fragen bieten.

Die Darlegung ist wie folgt gegliedert: Eine Einführung ruft die grundlegenden anthropologischen und moralischen Prinzipien in Erinnerung, die für eine angemessene Bewertung der Probleme und für die Ausarbeitung der Antworten auf diese Fragen notwendig sind; der erste Teil hat die Achtung des menschlichen Wesens vom ersten Augenblick seiner Existenz an zum Thema; der zweite Teil begegnet den moralischen Fragestellungen, die die Eingriffe der Technik in die menschliche Fortpflanzung aufgeworfen haben; der dritte Teil bietet einige Orientierungen über die Beziehungen zwischen dem Sittengesetz und der staatlichen Gesetzgebung über die den menschlichen Embryonen und Föten *) geschuldete Achtung in Bezug auf die Zulässigkeit der Techniken künstlicher Fortpflanzung.

*) Die Ausdrücke "Zygote", "Prä-Embryo", "Embryo" und "Fötus" können in der Begrifflichkeit der Biologie aufeinanderfolgende Entwicklungsstadien eines menschlichen Wesens bedeuten. Die vorliegende Instruktion macht von diesen Begriffen ohne Scheu Gebrauch, indem sie jedem von ihnen die gleiche ethische Bedeutung zuweist, um die Frucht der menschlichen Zeugung, sei sie nun sichtbar oder nicht, vom ersten Augenblick ihrer Existenz an bis zur Geburt zu bezeichnen. Der Grund für diesen Sprachgebrauch wird im Text erklärt (vgl. 1, 1).


 

   

Einführung

1. Die biomedizinische Forschung und die Unterweisung der Kirche

Das Geschenk des Lebens, das Gott als Schöpfer und Vater dem Menschen anvertraut hat, verlangt von diesem, sich des unschätzbaren Wertes solchen Lebens bewusst zu werden und die Verantwortung dafür zu übernehmen: Dieses grundlegende Prinzip muss in den Mittelpunkt der Überlegung gestellt werden, um die moralischen Probleme zu klären und zu lösen, die die künstlichen Eingriffe in das beginnende Leben und in die Fortpflanzungsvorgänge aufgeworfen haben.

Dank des Fortschritts der biologischen und medizinischen Wissenschaften kann der Mensch über immer wirksamere therapeutische Mittel verfügen, aber er kann auch neue Macht erwerben, mit unvorhersehbaren Folgen für das menschliche Leben an seinem Beginn selbst und in seinen ersten Stadien. Verschiedene Verfahren ermöglichen heute Eingriffe nicht nur zur Unterstützung, sondern auch zur Beherrschung der Fortpflanzungsvorgänge. Derartige Techniken gestatten es dem Menschen, "sein eigenes Schicksal in die Hand zu nehmen", aber sie setzen ihn auch "der Versuchung aus, die Grenzen einer vernunftgemäßen Herrschaft über die Natur zu überschreiten".1 So sehr sie einen Fortschritt im Dienst am Menschen bedeuten können, bringen sie doch auch schwerwiegende Risiken mit sich. Von vielen kommt daher ein dringender Aufruf, bei den Eingriffen in die Fortpflanzung mögen die Werte und Rechte der menschlichen Person gewahrt werden. Die Anfragen nach Klärung und Orientierung kommen nicht nur von den Gläubigen, sondern auch von denen, die jedenfalls eine Sendung der Kirche, die "erfahren in allem Menschlichen"2 ist, im Dienst der "Zivilisation der Liebe"3 und des Lebens anerkennen.

Das Lehramt der Kirche tritt nicht im Namen einer besonderen Kompetenz im Bereich der Naturwissenschaften auf, sondern will, nach Kenntnisnahme der Daten der Forschung und Technik, ihrem vom Evangelium kommenden Auftrag und ihrer apostolischen Pflicht gemäß die Morallehre vorlegen, die der Würde der Person und ihrer ganzheitlichen Berufung entspricht. Sie tut es, indem sie die moralischen Urteilskriterien für die Anwendung der wissenschaftlichen Forschung und besonders der auf das menschliche Leben und seine Anfänge bezogenen Technik darlegt.

Solche Kriterien sind die Achtung, die Verteidigung und die Förderung des Menschen, sein "ursprüngliches und grundlegendes Recht" auf Leben,4 seine Würde als Person, mit einer Geistseele begabt, mit moralischer Verantwortung5 ausgestattet und zur seligen Gemeinschaft mit Gott gerufen.

Das Eingreifen der Kirche ist auch in diesem Bereich getragen von der Liebe, die sie dem Menschen schuldet, dem sie hilft, seine Rechte und Pflichten zu erkennen und zu achten. Diese Liebe nährt sich aus den Quellen der Liebe Christi: Indem sie das Geheimnis des fleischgewordenen Wortes betrachtet, erkennt die Kirche auch das "Geheimnis des Menschen";6 indem sie das Evangelium des Heiles verkündet, offenbart sie dem Menschen seine Würde und lädt ihn ein, seine Wahrheit in voller Weise zu entdecken. So legt die Kirche erneut das göttliche Gesetz vor, um das Werk der Wahrheit und Befreiung zu tun.

Denn es geschieht aus Güte — um den Weg des Lebens zu weisen —, dass Gott den Menschen seine Gebote gibt und die Gnade, sie zu befolgen; und es ist ebenfalls aus Güte — um ihnen zu helfen, auf demselben Weg auszuharren —, dass Gott immer allen seine Vergebung anbietet. Christus hat Mitleid mit unserer Gebrechlichkeit: Er ist unser Schöpfer und unser Erlöser. Möge sein Geist die Herzen für das Geschenk des Friedens Gottes und für das Verständnis seiner Gebote öffnen.


 

   

2. Wissenschaft und Technik im Dienst an der menschlichen Person

Gott hat den Menschen nach seinem Bild und Gleichnis erschaffen:

"Als Mann und Frau schuf er sie" (Gen 1,27) und vertraute ihnen den Auftrag an, "die Erde zu beherrschen" (Gen 1,28).

Die wissenschaftliche Grundlagenforschung und die angewandte Forschung sind bezeichnender Ausdruck dieser Herrschaft des Menschen über die Schöpfung. Wissenschaft und Technik, kostbare Hilfen für den Menschen, wenn sie sich in seinen Dienst stellen und seine umfassende Entwicklung zum Wohle aller fördern, können nicht für sich allein den Sinn des Daseins und des menschlichen Fortschritts aufzeigen. Auf den Menschen hingeordnet, dem sie ihr Entstehen und ihr Wachstum verdanken, empfangen sie von der Person und ihren moralischen Werten her den Aufweis ihrer Zielsetzung und das Bewusstsein ihrer Grenzen.

Es wäre deshalb illusorisch, die moralische Neutralität der wissenschaftlichen Forschung und ihrer Anwendungen zu fordern; andererseits kann man die Orientierungsmaßstäbe nicht aus der bloßen technischen Effizienz ableiten, noch von dem Nutzen, den sie einigen zum Schaden anderer bringen können oder, noch schlimmer, von den herrschenden Ideologien. Daher erfordern Wissenschaft und Technik aus ihrer innersten Bestimmung heraus die unbedingte Achtung der grundlegenden Kriterien der Moral: Sie müssen also im Dienst der menschlichen Person stehen, ihrer unveräußerlichen Rechte sowie ihres wahren und ganzheitlichen Wohls gemäß dem Plan und dem Willen Gottes.7

Die rasche Entwicklung der technologischen Entdeckungen macht die Forderung nach Achtung der hier in Erinnerung gebrachten Kriterien noch drängender: Eine Wissenschaft ohne Gewissen kann zu nichts anderem führen als zum Untergang des Menschen.

"Unsere Zeit braucht mehr als die vergangenen Jahrhunderte diese Weisheit, damit alle neuen Entdeckungen des Menschen auch immer menschlicher werden. Das künftige Geschick der Welt gerät nämlich in Gefahr, wenn nicht weisere Menschen hervortreten."8

 


  

3. Anthropologie und Eingriffe auf biomedizinischem Gebiet

Welche moralischen Maßstäbe muss man anlegen, um die heute im Umfeld der Biomedizin gestellten Probleme zu klären? Die Antwort auf diese Frage setzt eine angemessene Auffassung über die Natur der menschlichen Person in ihrer leiblichen Dimension voraus.

Denn nur in der Richtung ihrer wahren Natur kann sich die menschliche Person als "geeinte Ganzheit"9 verwirklichen: Nun ist diese Natur aber zugleich leiblich und geistig. Kraft seiner substantiellen Vereinigung mit einer Geistseele kann der menschliche Leib nicht nur als ein Gefüge von Geweben, Organen und Funktionen angesehen noch auf gleiche Weise wie der Tierkörper bewertet werden, denn er ist konstitutiver Teil der Person, die sich durch ihn manifestiert und ausdrückt.

Das natürliche Sittengesetz drückt die Ziele, Rechte und Pflichten aus, die sich auf die leibliche und geistige Natur der menschlichen Person gründen, und schreibt sie so zugleich vor. Deshalb kann es nicht als Normativität des bloß Biologischen angesehen, sondern muss als vernunftgemäße Ordnung definiert werden, der entsprechend der Mensch vom Schöpfer gerufen ist, sein Leben und seine Handlungen zu leiten und zu regeln und insbesondere den eigenen Leib zu gebrauchen und über ihn zu verfügen.10 Eine erste Schlussfolgerung kann aus diesen Prinzipien gezogen werden: Ein Eingriff am menschlichen Leib betrifft nicht nur die Gewebe, Organe und ihre Funktionen, sondern hat auch auf verschiedenen Ebenen mit der Person selbst zu tun. Und insofern trägt er auch moralische Bedeutung und Verantwortlichkeit, vielleicht implizit, aber doch wirklich. Johannes Paul II. bekräftigte vor dem Weltärztebund in aller Deutlichkeit:

"Jeder Mensch besteht in seiner unwiederholbaren Einmaligkeit nicht nur aus Geist, sondern auch aus Leib. So berührt man im Leib und durch den Leib die Person als solche in ihrer konkreten Wirklichkeit. Die Würde des Menschen achten bedeutet demzufolge, diese Identität des aus Leib und Seele einen Menschen (corpore et anima unus) zu wahren, wie das II. Vatikanische Konzil (Pastoralkonst. Gaudium et Spes, 14,1) sagt. Auf der Basis dieser anthropologischen Sicht muss man die grundlegenden Kriterien für die notwendigen Entscheidungen im Fall von Eingriffen finden, die nicht streng therapeutischer Art sind, zum Beispiel solchen, die eine Verbesserung der biologischen Beschaffenheit des Menschen zum Ziel haben."11

Die Biologie und die Medizin tragen mit ihren Anwendungsformen zum ganzheitlichen Wohl des menschlichen Lebens bei, wenn sie der an Krankheit und Schwachheit leidenden Person in Achtung vor ihrer Würde als Geschöpf Gottes zu Hilfe kommen. Kein Biologe oder Arzt kann sich aufgrund seiner wissenschaftlichen Kompetenz vernünftigerweise anmaßen, über Ursprung und Ziel der Menschen zu entscheiden. Diese Norm muss man in besonderer Weise im Bereich von Sexualität und Fortpflanzung anwenden, in dem Mann und Frau die grundlegenden Werte des Lebens und der Liebe verwirklichen.

Gott, der Liebe und Leben ist, hat Mann und Frau die Berufung zu einer besonderen Teilhabe an seinem Geheimnis personaler Gemeinschaft wie auch an seinem Werk als Schöpfer und Vater eingeprägt.12 Deshalb besitzt die Ehe spezifische Güter und Werte in Bezug auf die Vereinigung und die Fortpflanzung, die nicht mit denen vergleichbar sind, welche bei niedrigeren Formen des Lebens bestehen. Solche Werte und Sinngehalte der personalen Ordnung bestimmen aus moralischer Sicht den Sinn und die Grenzen künstlicher Eingriffe in die Fortpflanzung und den Ursprung menschlichen Lebens. Diese Eingriffe sind nicht etwa deshalb abzulehnen , weil sie künstlich sind. Insofern zeigen sie die Möglichkeiten ärztlicher Kunst auf, aber man muss sie aus moralischer Sicht bewerten, indem man sie auf die Würde der menschlichen Person bezieht, die gerufen ist, die göttliche Berufung zum Geschenk der Liebe und zum Geschenk des Lebens zu verwirklichen. 


 

   

4. Grundlegende Kriterien für ein moralisches Urteil

Die grundlegenden Werte, die mit den Techniken der künstlichen Fortpflanzung verbunden sind, sind zwei: das Leben des menschlichen Wesens, das ins Dasein gerufen wird, und die Einzigartigkeit seiner Weitergabe in der Ehe. Das moralische Urteil über solche Techniken künstlicher Zeugung muss infolgedessen in Bezugnahme auf diese Werte formuliert werden.

Das physische Leben, durch das der menschliche Lebensweg in der Welt beginnt, schöpft sicherlich in sich nicht den ganzen Wert der Person aus, noch stellt es das höchste Gut des Menschen dar, der zur Ewigkeit berufen ist. Trotzdem ist es in gewisser Weise der "fundamentale" Wert, gerade weil sich alle anderen Werte der menschlichen Person auf das physische Leben gründen und sich von da aus entfalten.13 Die Unverletzlichkeit des Rechts auf Leben des unschuldigen menschlichen Wesens "vom Augenblick der Empfängnis an bis zum Tode"14 ist ein Zeichen und ein Erfordernis der Unverletzlichkeit der Person selbst, der der Schöpfer das Geschenk des Lebens gemacht hat.

Im Vergleich mit der Weitergabe der anderen Lebensformen im Universum hat die Weitergabe des menschlichen Lebens ihre Einzigartigkeit, die sich aus der Einzigartigkeit der Person selbst ableitet.

"Die Weitergabe des menschlichen Lebens ist von Natur aus einem personalen und bewussten Akt anvertraut und als solcher den heiligsten Gesetzen Gottes unterstellt. Diese Gesetze sind unveränderlich und unverletzlich; niemand darf sie missachten und übertreten. Darum darf man keine Mittel gebrauchen und keinen Methoden folgen, die bei der pflanzlichen und tierischen Fortpflanzung erlaubt sein können".15

Die Fortschritte der Technik haben heute eine Zeugung ohne sexuelle Beziehung ermöglicht, und zwar mittels des Zusammenführens der Keimzellen in vitro, die zuvor von Mann und Frau gewonnen wurden. Aber das, was technisch möglich ist, ist nicht auch deshalb schon moralisch annehmbar. Die Besinnung der Vernunft auf die grundlegenden Werte des Lebens und der menschlichen Fortpflanzung ist infolgedessen unentbehrlich, um zu einer moralischen Wertung solcher Eingriffe der Technik am menschlichen Wesen schon von den ersten Stadien seiner Entwicklung an zu kommen. 


 

  

5. Unterweisungen des Lehramtes

Das Lehramt der Kirche bietet seinerseits auch in diesem Bereich der menschlichen Vernunft das Licht der Offenbarung an: Die Lehre vom Menschen, wie sie das Lehramt darlegt, enthält viele Elemente, welche die hier anstehenden Probleme erhellen.

Vom Augenblick der Empfängnis an muss jedes menschliche Wesen in absoluter Weise geachtet werden, weil der Mensch auf der Erde die einzige Kreatur ist, die Gott "um ihrer selbst willen gewollt" hat,16 und die Geistseele jedes Menschen von Gott "unmittelbar geschaffen" ist;17 sein ganzes Wesen trägt das Abbild des Schöpfers. Das menschliche Leben ist heilig, weil es von seinem Beginn an "der Schöpfermacht Gottes"18 bedarf und für immer in einer besonderen Beziehung zu seinem Schöpfer bleibt, seinem einzigen Ziel.19 Nur Gott ist der Herr des Lebens von seinem Anfang bis zu seinem Ende: Niemand darf sich, unter keinen Umständen, das Recht anmaßen‘ ein unschuldiges menschliches Wesen direkt zu zerstören.20

Die menschliche Fortpflanzung erfordert das verantwortliche Mitwirken der Eheleute mit der fruchtbaren Liebe Gottes;21 das Geschenk des menschlichen Lebens muss innerhalb der Ehe mittels der spezifischen und ausschließlichen Akte der Eheleute verwirklicht werden gemäß den Gesetzen, die ihnen als Personen und ihrer Vereinigung eingeprägt sind.22

 

I. Die Achtung vor dem menschlichen Embryo

Eine aufmerksame Betrachtung dieser Unterweisung des Lehramts und der oben erwähnten Vernunfterkenntnisse erlaubt eine Antwort auf die vielfältigen moralischen Probleme zu geben, die durch die technischen Eingriffe am menschlichen Wesen in den Anfangsstadien seines Lebens und in die Abläufe seiner Empfängnis aufgeworfen wurden.

 

1. Welche Achtung schuldet man dem menschlichen Embryo aufgrund seiner Natur und seiner Identität?

Jedes menschliche Wesen muss — als Person — vom ersten Augenblick seines Daseins an geachtet werden.

Die Einführung von Verfahren der künstlichen Befruchtung hat verschiedenartige Eingriffe an menschlichen Embryonen und Föten möglich gemacht. Die verfolgten Ziele sind verschiedener Natur, nämlich diagnostischer und therapeutischer, wissenschaftlicher und kommerzieller Art. Aus alldem entstehen schwerwiegende Probleme. Kann man von einem Recht sprechen, Experimente an menschlichen Embryonen zu wissenschaftlichen Forschungszwecken vorzunehmen? Welche Normen oder welche Gesetzgebung müssen für diese Materie erarbeitet werden? Die Antwort auf solche Probleme setzt eine vertiefte Reflexion über die Natur und die wahre Identität — man spricht vom "Status" — des menschlichen Embryos voraus.

Die Kirche hat ihrerseits auf dem II. Vatikanischen Konzil dem heutigen Menschen von neuem ihre gleichbleibende und sichere Lehre vorgelegt, wonach das "menschliche Leben von der Empfängnis an mit höchster Sorgfalt zu schützen ist. Abtreibung und Tötung des Kindes sind verabscheuungswürdige Verbrechen".23 Jüngst erklärte die vom Hl. Stuhl veröffentlichte Charta der Familienrechte:

"Menschliches Leben muss vom Augenblick der Empfängnis an absolut geachtet und geschützt werden."24

Diese Kongregation weiß um die aktuellen Diskussionen über den Beginn des menschlichen Lebens, über die Individualität von menschlichen Wesen und über die Identität der menschlichen Person. Sie erinnert an die Lehren, die in der Erklärung zur vorsätzlichen Abtreibung enthalten sind:

"Von dem Augenblick an, in dem die Eizelle befruchtet wird, beginnt ein neues Leben, welches weder das des Vaters noch das der Mutter ist, sondern das eines neuen menschlichen Wesens, das sich eigenständig entwickelt. Es würde niemals menschlich werden, wenn es das nicht schon von diesem Augenblick an gewesen wäre. Die neuere Genetik bestätigt diesen Sachverhalt, der immer eindeutig war ..., , in eindrucksvoller Weise. Sie hat gezeigt, dass schon vom ersten Augenblick an eine feste Struktur dieses Lebewesens vorliegt: eines Menschen nämlich, und zwar dieses konkreten menschlichen Individuums, das schon mit all seinen genau umschriebenen charakteristischen Merkmalen ausgestattet ist. Mit der Befruchtung beginnt das Abenteuer des menschlichen Lebens, dessen einzelne bedeutende Anlagen Zeit brauchen, um richtig entfaltet und zum Handeln bereit zu werden".25

Diese Lehre bleibt gültig und wird außerdem, wenn dies noch notwendig wäre, von neueren Forschungsergebnissen der Humanbiologie bestätigt, die anerkennt, dass in der aus der Befruchtung hervorgehenden Zygote26 sich die biologische Identität eines neuen menschlichen Individuums bereits konstituiert hat.

Sicherlich kann kein experimentelles Ergebnis für sich genommen ausreichen, um eine Geistseele erkennen zu lassen; dennoch liefern die Ergebnisse der Embryologie einen wertvollen Hinweis, um mit der Vernunft eine personale Gegenwart schon von diesem ersten Erscheinen eines menschlichen Wesens an wahrzunehmen: Wie sollte ein menschliches Individuum nicht eine menschliche Person sein? Das Lehramt hat sich nicht ausdrücklich auf Aussagen philosophischer Natur festgelegt, bekräftigt aber beständig die moralische Verurteilung einer jeden vorsätzlichen Abtreibung. Diese Lehre hat sich nicht geändert und ist unveränderlich.27

Deshalb erfordert die Frucht der menschlichen Zeugung vom ersten Augenblick ihrer Existenz an, also von der Bildung der Zygote an, jene unbedingte Achtung, die man dem menschlichen Wesen in seiner leiblichen und geistigen Ganzheit sittlich schuldet. Ein menschliches Wesen muss vom Augenblick seiner Empfängnis an als Person geachtet und behandelt werden, und infolgedessen muss man ihm von diesem selben Augenblick an die Rechte der Person zuerkennen und darunter vor allem das unverletzliche Recht jedes unschuldigen menschlichen Wesens auf Leben.

Dieser Verweis auf die kirchliche Lehre liefert das grundlegende Kriterium für die Lösung der verschiedenen Probleme, die durch die Entwicklung der biomedizinischen Wissenschaften auf diesem Gebiet entstanden sind: Da er als Person behandelt werden muss, muss der Embryo im Maß des Möglichen wie jedes andere menschliche Wesen im Rahmen der medizinischen Betreuung auch in seiner Integrität verteidigt, versorgt und geheilt werden. 

 

2. Ist die vorgeburtliche Diagnostik moralisch erlaubt?

Wenn die vorgeburtliche Diagnostik das Leben und die Integrität des Embryos und des menschlichen Fötus achtet und auf dessen individuellen Schutz oder Heilung ausgerichtet ist, ist die Antwort positiv.

Die vorgeburtliche Diagnostik lässt tatsächlich den Zustand des Embryos und des Fötus erkennen, solange er sich noch im Mutterleib befindet. Sie erlaubt die frühzeitigere und wirksamere Durchführung oder Planung einiger therapeutischer, medizinischer oder chirurgischer Eingriffe.

Eine solche Diagnostik ist erlaubt, wenn die angewandten Methoden —mit der Zustimmung der entsprechend informierten Eltern — das Leben und die Integrität des Embryos und seiner Mutter wahren, ohne sie unverhältnismäßigen Risiken auszusetzen.28 Aber sie steht in schwerwiegender Weise im Gegensatz zum Moralgesetz, falls sie — je nachdem, wie die Ergebnisse ausfallen — die Möglichkeit in Erwägung zieht, eine Abtreibung durchzuführen. So darf eine Diagnose die das Bestehen einer Missbildung oder einer Erbkrankheit anzeigt, nicht gleichbedeutend mit einem Todesurteil sein. Deshalb würde die Frau schwerwiegend unerlaubt handeln, die die Diagnostik mit der bestimmten Absicht verlangte, eine Abtreibung vorzunehmen, falls die Resultate das Vorliegen einer Missbildung oder Anomalie bestätigten. In gleicher Weise würden der Ehegatte, die Eltern oder jeder andere gegen die Moral handeln, falls sie der Schwangeren die Diagnose mit dem gleichen Ziel rieten oder auferlegten, gegebenenfalls bis zur Abtreibung zu gehen. Genauso würde sich der Spezialist der unerlaubten Beihilfe schuldig machen, der beim Durchführen der Diagnose und beim Mitteilen des Ergebnisses absichtlich dazu beitrüge, eine Verbindung zwischen vorgeburtlicher Diagnose und Abtreibung herzustellen.

Verurteilen muss man schließlich als Verletzung des Rechts auf Leben in Bezug auf den Ungeborenen und als Eindringen in die ursprünglichen Rechte und Pflichten der Eheleute eine Richtlinie oder ein Programm der staatlichen Autoritäten des Gesundheitswesens oder wissenschaftlicher Organisationen, die in irgendeiner Weise die Verbindung zwischen vorgeburtlicher Diagnose und Abtreibung begünstigten oder sogar die Schwangeren dazu brächten, sich einer planmäßigen vorgeburtlichen Diagnostik mit dem Zweck zu unterziehen, Föten, die von Missbildungen oder Erbkrankheiten betroffen sind bzw. solche übertragen, zu vernichten. 

 

3. Sind therapeutische Eingriffe am menschlichen Embryo erlaubt?

Wie bei jedem medizinischen Eingriff an Patienten müssen die Eingriffe am menschlichen Embryo unter der Bedingung als erlaubt angesehen werden, dass sie das Leben und die Integrität des Embryos achten und für ihn nicht unverhältnismäßige Risiken mit sich bringen, sondern seine Heilung, die Besserung seines Gesundheitszustandes oder sein individuelles Überleben zum Ziel haben.

Welcher Art auch immer die medizinische Therapie ist, sei sie nun chirurgischer oder anderer Natur, ist die nach entsprechender Information freie Zustimmung der Eltern erforderlich, gemäß den im Fall von Kindern vorgesehenen berufsethischen Regeln. Die Anwendung dieses moralischen Prinzips kann im Fall des Lebens von Embryonen oder von Föten subtile und besondere Vorsichtsmaßnahmen erfordern.

Die Erlaubtheit und die Kriterien für solche Eingriffe sind von Johannes Paul II. klar ausgedrückt worden:

"Ein rein therapeutischer Eingriff, dessen Zweck die Heilung verschiedener Krankheiten ist — wie etwa jener, der auf Missbildungen der Chromosomen zurückzuführen sind —, kann grundsätzlich als wünschenswert betrachtet werden, vorausgesetzt, dass er auf eine wahre Förderung des persönlichen Wohles des Individuums zielt, ohne seine Integrität zu verletzen oder seine Lebensbedingungen zu verschlechtern. Ein solcher Eingriff entspricht tatsächlich in seiner Logik der Tradition der christlichen Moral".29

 

4. Wie sind Forschung und Experimente30 mit menschlichen Embryonen und Föten moralisch zu bewerten?

Die medizinische Forschung muss sich der Eingriffe in lebende Embryonen enthalten, es sei denn, es bestehe die moralische Sicherheit, da weder dem Leben noch der Integrität des Ungeborenen und der Mutter ein Schaden droht, und unter der Bedingung, dass die Eltern nach entsprechender Information ihre freie Zustimmung zu diesem Eingriff gegeben haben. Daraus folgt, dass jede Forschung, auch wenn sie sich lediglich auf die Untersuchung des Embryos beschränkte, unerlaubt würde, wenn sie wegen der angewandten Methoden oder der herbeigeführten Wirkungen eine Gefahr für die körperliche Unversehrtheit oder das Leben des Embryos bedeutete.

In Bezug auf die Experimente muss man die generelle Unterscheidung zwischen denjenigen voraussetzen, die keine direkten therapeutischen Zielsetzungen haben, und solchen, die eindeutig therapeutisch für das Subjekt selbst sind. Zum anderen muss man der Sache nach zwischen dem Experiment mit noch lebenden Embryonen und dem Experiment mit toten Embryonen unterscheiden. Wenn sie leben, müssen sie, ob lebensfähig oder nicht, wie alle menschlichen Personen geachtet werden; das nicht direkt therapeutische Experiment mit Embryonen ist unerlaubt.31

Keine Zielsetzung, auch wenn sie als solche ehrenwert ist, wie die Voraussicht eines Nutzens für die Wissenschaft, für andere menschliche Wesen oder für die Gesellschaft, kann in irgendeiner Weise Experimente mit noch lebenden Embryonen oder Föten rechtfertigen, seien sie nun lebensfähig oder nicht, im Mutterleib oder außerhalb von ihm. Die Zustimmung nach vorhergehender Information, die für klinische Versuche am Erwachsenen normalerweise verlangt wird, kann von den Eltern nicht geleistet - werden; diese können weder über die körperliche Integrität noch über das Leben des Ungeborenen verfügen. Andererseits bringen Versuche mit Embryonen und Föten stets die Gefahr, ja sogar in der Mehrzahl der Fälle die sichere Voraussicht eines Schadens für ihre physische Integrität oder sogar ihres Todes mit sich.

Den menschlichen Embryo oder den Fötus als Gegenstand oder Mittel für Experimente zu benutzen, stellt ein Verbrechen gegen deren Würde als menschliche Wesen dar, denen dasselbe Recht auf Achtung wie dem schon geborenen Kind und jeder menschlichen Person zusteht. Die vom Heiligen Stuhl veröffentlichte Charta der Familienrechte erklärt:

"Die Achtung vor der Würde des menschlichen Wesens schließt jede Art von experimenteller Manipulation oder Verwertung des menschlichen Embryos aus".32

Die Praxis, menschliche Embryonen in vivo oder in vitro für experimentelle oder kommerzielle Zwecke am Leben zu erhalten, steht in völligem Widerspruch zur menschlichen Würde.

Im Fall eines eindeutig therapeutischen Experiments kann die Zuhilfenahme von Pharmaka oder noch nicht vollständig erprobter Methoden erlaubt sein, wenn es sich nämlich um die Anwendung experimenteller Behandlungsmethoden zum Wohl des Embryos selbst handelt, um in einem letzten Versuch — mangels anderer sicherer Therapien — dessen Leben zu retten.33

Die Leichen menschlicher Embryonen und Föten, seien sie nun vorsätzlich abgetrieben oder nicht, müssen geachtet werden wie die sterblichen Überreste von anderen menschlichen Wesen. Besonders dürfen sie nicht Verstümmelungen oder Obduktionen ausgesetzt werden, solange ihr Tod nicht mit Sicherheit festgestellt wurde, und nicht ohne die Zustimmung der Eltern oder der Mutter. Darüber hinaus muss immer die moralische Forderung bestehen bleiben, dass dabei keine Beihilfe zu einer gewollten Abtreibung stattgefunden hat und dass die Gefahr des Ärgernisses vermieden wird. Auch im Fall verstorbener Föten muss, wie bei den Leichen Erwachsener, jede kommerzielle Praxis als unerlaubt erachtet und verboten werden.

 

5. Wie ist die Benutzung der durch In-vitro-Befruchtung erlangten Embryonen zu Forschungszwecken moralisch zu bewerten?

Die in vitro gezeugten Embryonen sind menschliche Wesen und Rechtssubjekte: Ihre Würde und ihr Recht auf Leben müssen schon vom ersten Augenblick ihrer Existenz an geachtet werden. Es ist unmoralisch, menschliche Embryonen zum Zweck der Verwertung als frei verfügbares "biologisches Material" herzustellen.

In der üblichen Praxis der In-vitro-Befruchtung werden nicht alle Embryonen in den Mutterleib übertragen; einige werden zerstört. So wie sie die vorsätzliche Abtreibung verurteilt, verbietet die Kirche auch jeden Anschlag auf das Leben dieser menschlichen Wesen. Es ist nötig, auf die besondere Schwere der freiwilligen Zerstörung der menschlichen Embryonen hinzuweisen, die nur zum Zweck der Forschung — sei es mittels künstlicher Befruchtung, sei es mittels "Zwillingsspaltung" — in vitro hergestellt worden sind. Der Forscher, der so handelt, setzt sich an die Stelle Gottes und macht sich, auch wenn er sich dessen nicht bewusst ist, zum Herrn des Geschicks anderer, insofern er sowohl nach Belieben auswählt, wen er leben lässt und wen er zum Tod verurteilt, als auch insofern er wehrlose Menschen umbringt.

Aus demselben Grund sind Beobachtungs- und Versuchsmethoden, die in vitro gewonnenen Embryonen Schaden zufügen oder sie schwerwiegenden und unverhältnismäßigen Risiken aussetzen, moralisch unerlaubt. Jedes menschliche Wesen muss um seiner selbst willen geachtet werden und darf nicht auf den bloßen und einfachen Wert eines Mittels zum Vorteil anderer herabgewürdigt werden. Es entspricht deshalb nicht der Moral, in vitro hervorgebrachte menschliche Embryonen bewusst dem Tod auszusetzen. Infolge der Tatsache, dass sie in vitro hergestellt wurden, bleiben diese nicht in den Mutterleib übertragenen und als "überzählig" bezeichneten Embryonen einem absurden Schicksal ausgesetzt, ohne Möglichkeit, ihnen sichere und moralisch einwandfreie Überlebensmöglichkeiten bieten zu können. 

 

6. Welches Urteil ist über die anderen Verfahren zur Manipulation von Embryonen im Zusammenhang mit den "Techniken menschlicher Reproduktion" abzugeben?

Die Techniken der In-vitro-Befruchtung können die Möglichkeit für andere Formen biologischer oder genetischer Manipulation menschlicher Embryonen eröffnen, und zwar: Versuche oder Pläne zur Befruchtung zwischen menschlichen und tierischen Keimzellen und zur Austragung menschlicher Embryonen in tierischen Gebärmüttern; das hypothetische Vorhaben oder den Plan, künstliche Gebärmütter für den menschlichen Embryo zu konstruieren. Diese Verfahren widersprechen der dem Embryo eigenen Würde als eines menschlichen Wesens und verletzen gleichzeitig das Recht jeder Person, innerhalb der Ehe und durch die Ehe empfangen und geboren zu werden.34 Auch die Versuche und Hypothesen, die darauf abzielen, ein menschliches Wesen ohne jede Verbindung mit der Sexualität mittels "Zwillingsspaltung", Klonierens oder Parthenogenese zu gewinnen, stehen im Gegensatz zur Moral, weil sie sowohl der Würde der menschlichen Fortpflanzung als auch derjenigen der ehelichen Vereinigung widersprechen.

Auch das Einfrieren der Embryonen, selbst wenn es zur Garantie der Lebenserhaltung des Embryos durchgeführt wird (Kryokonservierung), stellt eine Beleidigung der dem menschlichen Wesen geschuldeten Achtung dar, insofern es sie schwerwiegenden Gefahren des Todes oder der Schädigung ihrer physischen Integrität aussetzt, sie zumindest zeitweise der mütterlichen Aufnahme und Austragung entzieht und sie einer von weiteren Verletzungen und Manipulationen bedrohten Lage aussetzt.

Einige Versuche, in das chromosomale oder das genetische Gut einzugreifen, sind nicht therapeutischer Natur, sondern zielen auf die Produktion menschlicher Wesen, die nach dem Geschlecht oder anderen vorher festgelegten Eigenschaften ausgewählt werden. Diese Manipulationen stehen im Gegensatz zur personalen Würde des menschlichen Wesens, seiner Integrität und seiner Identität. Sie können daher in keiner Weise gerechtfertigt werden im Blick auf mögliche wohltätige Folgen für die künftige Menschheit.35 Jede Person muss um ihrer selbst willen geachtet werden: Darin besteht die Würde und das Recht jedes menschlichen Wesens schon von seinem Beginn an.


 

   

II. Eingriffe in die menschliche Fortpflanzung

Unter "künstlicher Fortpflanzung" oder "künstlicher Befruchtung" werden hier die verschiedenen technischen Verfahren verstanden, die darauf abzielen, eine menschliche Empfängnis in anderer Weise als durch die sexuelle Vereinigung von Mann und Frau zu erreichen. Die Instruktion handelt von der Befruchtung einer Eizelle im Reagenzglas (In-vitro-Befruchtung) und von der künstlichen Besamung mittels Übertragung vorher gewonnenen Samens in die Geschlechtsorgane der Frau.

Ein erster Punkt für die moralische Bewertung derartiger Techniken ergibt sich aus der Betrachtung der Umstände und Folgen, die diese in Bezug auf die dem menschlichen Embryo geschuldete Achtung mit sich bringen. Die Durchsetzung der Praxis der In-vitro-Befruchtung hat unzählige Befruchtungen und Zerstörungen menschlicher Embryonen gefordert. Noch heute setzt sie üblicherweise eine gesteigerte Eizellenbildung der Frau voraus: mehrere Eizellen werden entnommen, befruchtet und einige Tage lang in vitro kultiviert. Im allgemeinen werden nicht alle in die Geschlechtsorgane der Frau übertragen; einige gewöhnlich als "überzählig" bezeichnete Embryonen werden zerstört oder eingefroren. Manchmal werden einige der eingepflanzten Embryonen aus verschiedenen eugenischen, wirtschaftlichen oder psychologischen Gründen geopfert. Eine derartige frei gewollte Zerstörung menschlicher Wesen oder ihre Verwertung zu verschiedenen Zwecken, zum Schaden ihrer Integrität und ihres Lebens, widerspricht der schon in Erinnerung gebrachten Lehre bezüglich der vorsätzlichen Abtreibung.

Die Verbindung zwischen der Befruchtung in vitro und der frei gewollten Vernichtung menschlicher Embryonen bestätigt sich allzu häufig. Das ist bezeichnend: Mit diesen Verfahren, deren Zielsetzungen scheinbar entgegengesetzt sind, werden das Leben und der Tod den Entscheidungen des Menschen unterworfen, der sich so selbst zum Herrn über Leben und Tod nach Belieben macht. Diese Dynamik von Gewalt und Herrschaft kann gerade bei denen unbemerkt bleiben, die sie benutzen wollen und sich ihr dabei unterwerfen. Die in Erinnerung gebrachten Fakten und die kalte Logik, die sie verbindet, müssen für ein moralisches Urteil über die FIVET (In-vitro-Befruchtung und Embryoübertragung) in die Überlegungen einbezogen werden: Die Abtreibungsmentalität, die sie möglich gemacht hat, führt so — ob man will oder nicht — zu einer Herrschaft des Menschen über Leben und Tod von seinesgleichen, die zu einer radikalen Erbauslese werden kann. Doch derartige Missbräuche entbinden nicht von einer vertieften und weitergehenden ethischen Reflexion über die künstlichen Fortpflanzungstechniken, in sich selbst betrachtet, indem man, soweit es überhaupt möglich ist, von der Zerstörung der in vitro erzeugten Embryonen absieht. Die vorliegende Instruktion wird deshalb an erster Stelle die Probleme, die von der heterologen künstlichen Befruchtung (II, 1-3)36 aufgeworfen werden, in Betracht ziehen und anschließend jene, die mit der homologen künstlichen Besamung (II, 4-6)37 verbunden sind.

Bevor wir jede von ihnen ethisch beurteilen, werden die Grundsätze und Werte betrachtet, die die moralische Beurteilung jedes dieser Verfahren bestimmen.

 

A. Die heterologe künstliche Befruchtung

1. Warum muss die menschliche Fortpflanzung in der Ehe stattfinden?

Jedes menschliche Wesen muss immer als Geschenk und Segen Gottes aufgenommen werden. Aus moralischer Sicht muss jedoch eine gegenüber dem Ungeborenen wahrhaft verantwortliche Zeugung die Frucht der Ehe sein.

Die menschliche Fortpflanzung hat nämlich kraft der personalen Würde der Eltern und Kinder spezifische Eigenschaften: Die Zeugung einer neuen Person, durch die Mann und Frau mit der Macht des Schöpfers mitarbeiten, soll Frucht und Zeichen des gegenseitigen personalen "SichSchenkens" der Eheleute sein, ihrer Liebe und ihrer Treue.38

Die Treue der Eheleute in der Einheit der Ehe umfasst die gegenseitige Achtung ihres Rechtes, dass der eine nur durch den anderen Vater oder Mutter wird.

Das Kind hat ein Recht darauf, innerhalb der Ehe empfangen, ausgetragen, auf die Welt gebracht und erzogen zu werden: Gerade durch die sichere und anerkannte Beziehung zu den eigenen Eltern kann es seine eigene Identität entdecken und menschlich heranreifen.

Die Eltern finden im Kind eine Bestätigung und Ergänzung ihrer gegenseitigen Hingabe: Es ist der lebendige Widerschein ihrer Liebe, das bleibende Zeichen ihrer ehelichen Gemeinschaft, die lebendige und unauflösliche Einheit ihres Vater- und Mutterseins.39 

Kraft der Berufung und der sozialen Verantwortung der Person tragen das Wohl der Kinder und der Eltern zum Wohl der Gesellschaft bei. Die Lebenskraft und das Gleichgewicht der Gesellschaft erfordern, dass die Kinder im Schoß einer Familie zur Welt kommen und dass diese fest auf der Ehe gegründet ist.

Die Überlieferung der Kirche und die anthropologische Reflexion erkennen in der Ehe und in ihrer unauflöslichen Einheit den einzig würdigen Ort einer wahrhaft verantwortungsvollen Fortpflanzung.

 

2. Entspricht die heterologe künstliche Befruchtung der Würde der Eheleute und der Wahrheit der Ehe?

Durch die FIVET und die heterologe künstliche Besamung wird die menschliche Empfängnis mittels der Begegnung von Keimzellen herbeigeführt, die wenigstens von einem Spender herrühren, der von den in der Ehe verbundenen Gatten verschieden ist.

Die heterologe künstliche Befruchtung widerspricht der Einheit der Ehe, der Würde der Eheleute, der den Eltern eigenen Berufung und dem Recht des Kindes, in der Ehe und durch die Ehe empfangen und zur Welt gebracht zu werden.40

Die Achtung vor der Einheit der Ehe und der ehelichen Treue erfordern, dass das Kind in der Ehe empfangen wird; das Band, das zwischen den Eheleuten besteht, gewährt ihnen objektiv und unübertragbar das ausschließliche Recht, dass der eine nur durch den anderen Vater oder Mutter wird. Der Rückgriff auf die Keimzellen einer dritten Person, um den Samen oder die Eizelle zur Verfügung zu haben, bedeutet einen Bruch der gegenseitigen Verpflichtung der Eheleute und eine schwere Verfehlung in Hinblick auf eine wesentliche Eigenschaft der Ehe, nämlich ihre Einheit. Die heterologe künstliche Befruchtung verletzt die Rechte des Kindes, beraubt es der Kind-Beziehung zu seinen elterlichen Ursprüngen und kann das Reifen seiner persönlichen Identität behindern. Sie bedeutet außerdem einen Angriff auf die gemeinsame Berufung der Eheleute, die zur Vater- oder Mutterschaft berufen sind: Sie beraubt objektiv die eheliche Fruchtbarkeit ihrer Einheit und Integrität; sie bewirkt und manifestiert einen Bruch zwischen genetischer Elternschaft, Austragungselternschaft und Erziehungsverantwortung. Eine solche Veränderung der persönlichen Beziehungen im Inneren der Familie hat ihre Auswirkung auf die staatliche Gesellschaft: Was die Einheit und die Festigkeit der Familie bedroht, ist Quelle von Streit, Unordnung und Ungerechtigkeiten im gesamten sozialen Leben. 

Diese Gründe führen zu einem negativen moralischen Urteil über die heterologe künstliche Befruchtung. Demnach ist moralisch unerlaubt die Befruchtung einer verheirateten Frau mit dem Samen eines von ihrem Ehemann verschiedenen Mannes; ebenso unerlaubt ist die Befruchtung der Eizelle, die von einer anderen Frau stammt, mit dem Samen des Ehemannes. Zudem kann die künstliche Befruchtung einer unverheirateten Frau, sei sie nun ledig oder verwitwet, moralisch nicht gerechtfertigt werden, wer auch immer der Spender ist.

Der Wunsch, ein Kind zu haben, die Liebe der Eheleute, die eine anders nicht überwindbare Sterilität beheben möchte, stellen verständliche Beweggründe dar; aber subjektiv gute Absichten bringen die heterologe künstliche Befruchtung weder mit den objektiven und unveräußerlichen Eigenschaften der Ehe noch mit der Achtung der Rechte des Kindes und der Eheleute in Einklang.

 

3. Ist die "Ersatzmutterschaft"42 moralisch erlaubt?

Nein, und zwar aus denselben Gründen, die zur Ablehnung der heterologen künstlichen Befruchtung führen: Denn sie steht im Gegensatz zur Einheit der Ehe und zur Würde der Fortpflanzung der menschlichen Person.

Die Ersatzmutterschaft stellt einen objektiven Verstoß gegenüber den Pflichten der Mutterliebe, der ehelichen Treue und der verantwortlichen Mutterschaft dar; sie beleidigt die Würde und das Recht des Kindes, von den eigenen Eltern empfangen, ausgetragen, zur Welt gebracht und erzogen zu werden; sie führt zum Schaden der Familie eine Trennung zwischen den physischen, psychischen und moralischen Elementen ein, aus denen die Familie besteht.


 

  

B. Die homologe künstliche Befruchtung

Nachdem die heterologe künstliche Befruchtung für unannehmbar erklärt wurde, stellt sich die Frage nach der moralischen Bewertung der Verfahren der homologen künstlichen Befruchtung FIVET und der künstlichen Besamung zwischen den Eheleuten. Vorher ist eine prinzipielle Frage zu klären.

 

4. Welches Band ist aus moralischer Sicht zwischen Fortpflanzung und ehelichem Akt erforderlich?

a) Die Kirche unterstreicht in ihrer Lehre über die Ehe und die menschliche Fortpflanzung

"die von Gott bestimmte unlösbare Verknüpfung der beiden Sinngehalte — liebende Vereinigung und Fortpflanzung —, die beide dem ehelichen Akt innewohnen. Diese Verknüpfung darf der Mensch nicht eigenmächtig auflösen. Seiner innersten Struktur nach befähigt der eheliche Akt, indem er die Eheleute aufs engste miteinander vereint, zugleich zur Zeugung neuen Lebens, entsprechend den Gesetzen, die in die Natur des Mannes und der Frau eingeschrieben sind".43

Dieses auf die Natur der Ehe und auf die innige Verknüpfung ihrer Güter gegründete Prinzip bringt wohlbekannte Folgen auf der Ebene der verantwortlichen Vaterschaft und Mutterschaft mit sich.

"Wenn die beiden wesentlichen Gesichtspunkte der liebenden Vereinigung und der Fortpflanzung beachtet werden, behält der eheliche Akt voll und ganz den Sinngehalt gegenseitiger und wahrer Liebe und seine Hinordnung auf die erhabene Aufgabe der Elternschaft"44

Dieselbe Lehre bezüglich des Bandes zwischen den Sinngehalten des ehelichen Aktes und zwischen den Gütern der Ehe klärt das moralische Problem der homologen künstlichen Befruchtung, denn "es ist nie erlaubt, diese verschiedenen Aspekte dermaßen zu trennen, dass man entweder die Absicht zur Zeugung oder die eheliche Beziehung positiv ausschließt".45 Die Kontrazeption beraubt vorsätzlich den ehelichen Akt seiner Öffnung auf die Fortpflanzung hin und bewirkt so eine gewollte Trennung der Ziele der Ehe. Die homologe künstliche Befruchtung bewirkt objektiv eine analoge Trennung zwischen den Gütern und Sinngehalten der Ehe, indem sie eine Fortpflanzung anstrebt, die nicht Frucht eines spezifischen Aktes ehelicher Vereinigung ist.

Deshalb ist es erlaubt, eine Befruchtung zu wünschen, wenn sie Ergebnis eines "ehelichen Aktes ist, der aus sich heraus zur Zeugung von Nachkommenschaft geeignet ist, auf den die Ehe ihrer Natur nach hingeordnet ist und durch den die Ehegatten ein Fleisch werden".46 Aber die Fortpflanzung ist aus moralischer Sicht ihrer eigenen Vollkommenheit beraubt, wenn sie nicht als Frucht des ehelichen Aktes, also des spezifischen Geschehens der Vereinigung der Eheleute, angestrebt wird.

b) Der moralische Wert der innigen Bindung, die zwischen den Gütern der Ehe und zwischen den Sinngehalten des ehelichen Aktes besteht, gründet auf der Einheit des menschlichen Wesens, der Einheit des Leibes und der Geistseele.47 Die Eheleute drücken einander ihre personale Liebe in der "Sprache des Leibes" aus, die deutlich den Ausdruck gegenseitiger Hingabe mit der Bestimmung zur Elternschaft verbindet.48 Der eheliche Akt, durch den die Eheleute einander ihre Selbsthingabe kundtun, drückt zugleich die Öffnung zum Geschenk des Lebens aus: Er ist ein untrennbar leiblicher und geistiger Akt zugleich. In ihrem Leib und durch ihren Leib vollziehen die Gatten die Ehe und können Vater und Mutter werden. Um die Sprache des Leibes und seine naturgegebene Fülle zu achten, muss die eheliche Vereinigung in der Achtung vor der Öffnung auf die Fortpflanzung hin erfolgen, und die Zeugung einer Person muss Frucht und Ziel der ehelichen Liebe sein. Der Ursprung des menschlichen Wesens ist so Frucht einer Zeugung, die "nicht nur an die biologische, sondern auch an die geistige Vereinigung der Eltern gebunden ist, die im Bund der Ehe geeint sind".49 Eine außerhalb des Leibes der Eheleute erlangte Befruchtung bleibt gerade deswegen der Sinngehalte und der Werte beraubt, die sich in der Sprache des Leibes und der Vereinigung der menschlichen Personen ausdrücken.

c) Nur die Achtung vor dem Band, das zwischen den Sinngehalten des ehelichen Aktes besteht, und die Achtung vor der Einheit des menschlichen Wesens gestatten eine der Würde der Person entsprechende Fortpflanzung. In seinem einmaligen und unwiederholbaren Ursprung muss das Kind in seiner personalen Würde gleich denen geachtet und anerkannt werden, die ihm das Leben schenken. Die menschliche Person muss in die Zeichen der Einheit und der Liebe ihrer Eltern aufgenommen werden; die Zeugung eines Kindes muss deshalb die Frucht gegenseitiger Schenkung sein,50 die sich im ehelichen Akt verwirklicht, in dem die Eheleute — als Diener und nicht als Herren — am Werk der Schöpfer-Liebe teilnehmen.51 Der Ursprung einer menschlichen Person ist in Wirklichkeit Ergebnis einer Schenkung. Der Empfangene muss die Frucht der Liebe seiner Eltern sein. Er kann nicht als Produkt eines Eingriffs medizinischer Techniken gewollt oder empfangen werden: Dies würde bedeuten, ihn zum Objekt einer wissenschaftlichen Technologie zu erniedrigen. Niemand darf das Auf-die-Welt-Kommen eines Kindes den Bedingungen technischer Effizienz unterwerfen, die nach den Maßstäben von Kontrolle und Beherrschung bewertet werden.

Die moralische Bedeutung des Bandes, das zwischen den Sinngehalten des ehelichen Aktes und zwischen den Gütern der Ehe besteht, die Einheit des menschlichen Wesens und die Würde seines Ursprungs erfordern, dass die Zeugung einer menschlichen Person als Frucht des spezifisch ehelichen Aktes der Liebe zwischen den Eheleuten angestrebt werden muss.

Es zeigt sich also, welch große Wichtigkeit das Band, das zwischen Fortpflanzung und ehelichem Akt besteht, auf anthropologischem und moralischem Gebiet hat, und so erklärt sich die Position des Lehramts bezüglich der homologen künstlichen Befruchtung.

 

5. Ist die homologe In-vitro-Befruchtung moralisch erlaubt?

Die Antwort auf diese Frage hängt eng von den eben erwähnten Grundsätzen ab. Sicherlich kann man die rechtmäßigen Anliegen der unfruchtbaren Eheleute nicht außer acht lassen; einigen von ihnen erscheint der Rückgriff auf die homologe FIVET als einziges Mittel, um ein aufrichtig gewünschtes Kind zu bekommen: Man fragt sich, ob in diesen Situationen nicht die Gesamtheit des ehelichen Lebens genüge, um die der menschlichen Fortpflanzung entsprechende Würde zu sichern. Man erkennt an, dass die FIVET sicherlich fehlende eheliche Beziehungen nicht zu ersetzen vermag52 und nicht den spezifischen Akten der ehelichen Vereinigung vorgezogen werden darf, wenn man die Gefahren, die sie für das Kind mit sich bringen kann, und die Mängel des Verfahrens vor Augen hat. Aber — so fragt man — falls es unmöglich wäre, die Sterilität, die Ursache von Leid ist, anders zu beheben, kann dann die homologe In-vitro-Befruchtung nicht eine Hilfe, ja sogar eine Therapie darstellen, und kann deshalb dann nicht deren moralische Zulässigkeit angenommen werden?

Der Wunsch nach einem Kind — oder zumindest die Bereitschaft dazu, das Leben weiterzugeben — ist aus moralischer Sicht für eine verantwortliche menschliche Zeugung erforderlich. Doch diese gute Absicht ist für eine moralisch positive Bewertung der In-vitro-Befruchtung zwischen Eheleuten nicht ausreichend. Das Verfahren der FIVET muss in sich selbst bewertet werden; es kann seine endgültige moralische Bewertung weder aus dem ehelichen Leben in seiner Gesamtheit herleiten, in das es sich einfügt, noch von den ehelichen Akten, die ihm vorangehen, noch von denen, die ihm folgen mögen.53

Es ist schon daran erinnert worden, wie unter den Umständen, in denen sie üblicherweise praktiziert wird, die FIVET die Zerstörung menschlicher Wesen mit sich bringt, eine Tatsache, die sich gegen die schon vorgelegte Lehre über die Unerlaubtheit der Abtreibung richtet.54 Aber auch in dem Fall, in dem alle Vorsichtsmaßnahmen zur Vermeidung des Todes der menschlichen Embryonen angewandt würden, bewirkt die homologe FIVET die Trennung der auf die menschliche Befruchtung ausgerichteten Handlungen vom ehelichen Akt. Deshalb muss man die eigentliche Natur der homologen FIVET in Betracht ziehen und dabei auch von der Verbindung zur Abtreibung absehen. 

Die homologe FIVET wird außerhalb des Leibes der Eheleute mit der Hilfe der Handlungen dritter Personen durchgeführt, deren Kompetenz und technische Leistung den Erfolg des Eingriffs bestimmen sie vertraut das Leben und die Identität des Embryos der Macht der Mediziner und Biologen an und errichtet eine Herrschaft der Technik über Ursprung und Bestimmung der menschlichen Person. Eine derartige Beziehung von Beherrschung widerspricht in sich selbst der Würde und der Gleichheit, die Eltern und Kindern gemeinsam sein muss.

Die Empfängnis in vitro ist Ergebnis einer technischen Handlung, die die Befruchtung vornehmlich bestimmt; sie ist nicht Ausdruck und Frucht eines spezifischen Aktes ehelicher Vereinigung; weder wird sie tatsächlich so herbeigeführt noch wird sie positiv angestrebt als Ausdruck und Frucht eines spezifischen Aktes der ehelichen Vereinigung. Selbst wenn man sie im Kontext der tatsächlich bestehenden ehelichen Beziehungen betrachtet, ist in der homologen FIVET die Zeugung der menschlichen Person objektiv der ihr eigenen Vollkommenheit beraubt: nämlich Zielpunkt und Frucht eines ehelichen Aktes zu sein, durch den die Eheleute "im Schenken des Lebens an eine neue menschliche Person zu Mitarbeitern Gottes" werden.55

Diese Gründe lassen verstehen, warum in der Lehre der Kirche der eheliche Liebesakt als der einzige der menschlichen Fortpflanzung gewürdigt wird. Aus denselben Gründen bleibt auch der sog. "einfache Fall" - also ein homologes FIVET-Verfahren, das von jeder kompromittierenden Verbindung mit der Abtreibungspraxis, der Zerstörung von Embryonen und der Masturbation frei wäre — eine moralisch unerlaubte Technik, weil sie die menschliche Fortpflanzung der ihr eigenen und naturgemäßen Würde beraubt.

Sicherlich ist die homologe FIVET nicht von all der ethischen Negativität belastet, die man in der außerehelichen Fortpflanzung vorfindet; Familie und Ehe bleiben weiterhin der Raum für die Geburt und die Erziehung des Kindes. Dennoch — in Übereinstimmung mit der traditionellen Lehre über die Güter der Ehe und die Würde der Person — bleibt die Kirche aus moralischer Sicht bei der Ablehnung der homologen In-vitro-Befruchtung; diese ist in sich unerlaubt und steht in Widerspruch zur Würde der Fortpflanzung und der ehelichen Vereinigung, selbst wenn alles getan wird, um den Tod des menschlichen Embryos zu vermeiden.

Obwohl die Art und Weise, in der die menschliche Empfängnis in FIVET herbeigeführt wird, nicht gebilligt werden kann, muss man dabei jedes Kind, das auf die Welt kommt, als lebendiges Geschenk der göttlichen Güte annehmen und mit Liebe aufziehen.

 

6. Wie ist die künstliche homologe Besamung aus moralischer Sicht zu bewerten?

Die homologe künstliche Besamung innerhalb der Ehe kann nicht zugelassen werden, mit Ausnahme des Falls, in dem das technische Mittel nicht den ehelichen Akt ersetzen, sondern ihn erleichtern und ihm helfen würde, sein natürliches Ziel zu erreichen.

Die Unterweisung des Lehramts zu diesem Thema ist schon dargelegt worden.56 Sie ist nicht bloß Ausdruck besonderer historischer Umstände, sondern sie fußt auf der Lehre der Kirche über die Verknüpfung zwischen ehelicher Vereinigung und Fortpflanzung sowie auf der Betrachtung der personalen Natur des ehelichen Aktes.

"Der eheliche Akt ist seiner natürlichen Struktur nach eine persönliche Handlung, ein gleichzeitiges unmittelbares Zusammenwirken der Eheleute. Dieses ist wegen der Natur derer, die hier tätig sind, und wegen der Eigenart des Aktes der Ausdruck gegenseitiger Hingabe, die nach einem Wort der Heiligen Schrift zur Einheit in einem Fleisch führt."57 Deshalb "verwirft" das moralische Gewissen "jedoch nicht notwendigerweise die Anwendung gewisser künstlicher Hilfsmittel, die einzig dazu dienen, den natürlichen Akt zu erleichtern oder dem normal vollzogenen Akt zu seinem Ziel zu verhelfen".58

Wenn das technische Mittel den ehelichen Akt erleichtert oder ihm hilft, seine natürlichen Ziele zu erreichen, kann es moralisch bejaht werden. Falls sich hingegen der technische Eingriff an die Stelle des ehelichen Aktes setzen sollte, ist er moralisch unerlaubt.

Die den ehelichen Akt ersetzende künstliche Besamung ist wegen der freiwillig bewirkten Trennung zwischen den beiden Bedeutungen des ehelichen Aktes verboten. Die Masturbation, mit deren Hilfe normalerweise der Same gewonnen wird, ist ein weiteres Zeichen für diese Trennung; auch wenn sie in Hinblick auf die Fortpflanzung geschieht, bleibt diese Handlung ihrer Bedeutung auf die Vereinigung hin beraubt: "denn es fehlt ihr ... eine von der sittlichen Ordnung geforderte geschlechtliche Beziehung, jene nämlich, die ,den vollen Sinn gegenseitiger Hingabe als auch den einer wirklich humanen Zeugung in wirklicher Liebe‘ realisiert´".59

 

7. Welches moralische Kriterium ist bezüglich des Eingriffs des Arztes in die menschliche Fortpflanzung aufzustellen?

Die ärztliche Handlung darf nicht nur in Bezug auf ihre technische Dimension, sondern muss auch und vor allem im Verhältnis auf ihr Ziel hin bewertet werden, das im Wohl der Personen und in ihrer leiblichen und seelischen Gesundheit besteht. Die moralischen Richtlinien für den medizinischen Eingriff in die Fortpflanzung leiten sich von der Würde der menschlichen Personen, von ihrer Geschlechtlichkeit und ihrem Ursprung ab.

Die Medizin, die auf das ganzheitliche Wohl der Person hingeordnet sein will, muss die spezifisch menschlichen Werte der Geschlechtlichkeit achten.60 Der Arzt steht im Dienst der Personen und der menschlichen Fortpflanzung: Er hat keine Vollmacht, über sie zu verfügen oder über sie zu entscheiden. Der medizinische Eingriff achtet die Würde der Personen dann, wenn er darauf abzielt, den ehelichen Akt zu unterstützen, indem er seinen Vollzug erleichtert oder ihm sein Ziel zu erreichen hilft, sobald er in normaler Weise vollzogen worden ist.61

Im Gegensatz dazu kommt es bisweilen vor, dass der medizinische Eingriff technisch den ehelichen Akt ersetzt, um eine Fortpflanzung herbeizuführen, die weder dessen Ergebnis noch dessen Frucht ist: In diesem Fall steht der medizinische Akt nicht, wie es sein sollte, im Dienst an der ehelichen Vereinigung, sondern eignet sich die Funktion der Fortpflanzung an und widerspricht so der Würde und den Rechten der Eheleute und des Ungeborenen.

Die Humanisierung der Medizin, die heute von allen nachdrücklich gefordert wird, verlangt die Achtung der ganzheitlichen Würde der menschlichen Person an erster Stelle in dem Akt und in dem Augenblick, in dem die Eheleute einer neuen Person das Leben weitergeben. Es ist daher folgerichtig, auch einen dringlichen Appell an die katholischen Ärzte und Forscher zu richten, vorbildliches Zeugnis für die Achtung zu geben, die dem menschlichen Embryo und der Würde der Fortpflanzung geschuldet ist. Die Ärzte und das medizinische Pflegepersonal der katholischen Krankenhäuser und Kliniken sind in besonderer Weise aufgerufen, den eingegangenen moralischen Verpflichtungen, die oft auch in Rechts-Satzungen gefasst sind, Ehre zu machen. Die Verantwortlichen dieser Krankenhäuser und Kliniken, von denen viele Ordensleute sind, werden sich mit ganzem Herzen dafür einsetzen und sicherstellen, die moralischen Normen dieser Instruktion sorgfältig befolgt werden.

 

8. Das Leiden wegen ehelicher Unfruchtbarkeit

Das Leiden der Eheleute, die keine Kinder bekommen können oder die befürchten, ein behindertes Kind auf die Welt zu bringen, ist ein Leid, das alle verstehen und angemessen würdigen müssen. 

Von Seiten der Eheleute ist der Wunsch nach einem Kind natürlich: Er drückt die Berufung zur Vaterschaft und zur Mutterschaft aus, die der ehelichen Liebe eingeprägt ist. Dieser Wunsch kann noch stärker sein, wenn das Ehepaar an einer Sterilität leidet, die unheilbar zu sein scheint. Freilich gewährt die Ehe den Gatten nicht das Recht, ein Kind zu haben, sondern nur das Recht, diejenigen natürlichen Akte zu vollziehen, die aus sich heraus auf die Fortpflanzung hin ausgerichtet sind.62

Ein Recht im wahren und eigentlichen Sinn auf das Kind widerspräche dessen Würde und dessen Natur. Das Kind ist nicht etwas Geschuldetes und kann nicht als Eigentumsobjekt aufgefasst werden: Es ist vielmehr ein Geschenk, "das vorzüglichste"63 und das am freiesten gegebene der Ehe; es ist lebendiges Zeugnis der gegenseitigen Hingabe seiner Eltern. Deswegen hat das Kind das Recht — wie erinnert worden ist —, die Frucht de spezifischen Aktes der ehelichen Hingabe seiner Eltern zu sein, und hat ein Recht darauf, vom ersten Augenblick seiner Empfängnis an als Person geachtet zu werden.

Allerdings ist die Sterilität, was auch immer die Ursachen und die Prognose sein mögen, sicherlich eine harte Prüfung. Die Gemeinschaft der Gläubigen ist aufgerufen, das Leid derer, die einen berechtigten Wunsch nach Vater- und Mutterschaft nicht erfüllen können, zu erhellen und mitzutragen. Die Eheleute, die sich in dieser schmerzlichen Lage befinden, sind aufgerufen, in ihr die Gelegenheit für eine besondere Teilnahme am Kreuz des Herrn zu entdecken, eine Quelle geistlicher Fruchtbarkeit. Die unfruchtbaren Ehepaare dürfen nicht vergessen, dass "das eheliche Leben auch dann nicht seinen Wert verliert, wenn die Zeugung neuen Lebens nicht möglich ist. Die leibliche Unfruchtbarkeit kann den Gatten Anlass zu anderen wichtigen Diensten am menschlichen Leben sein, wie Adoption, verschiedene Formen erzieherischer Tätigkeit, Hilfe für andere Familien, für arme oder behinderte Kinder".64

Viele Forscher haben sich im Kampf gegen die Sterilität eingesetzt. Einige sind, unter vollständiger Wahrung der Würde der menschlichen Fortpflanzung, zu Ergebnissen gelangt, die vorher unerreichbar schienen. Die Wissenschaftler müssen also ermutigt werden, mit ihren Forschungen fortzufahren, um den Ursachen der Sterilität vorzubeugen und ihnen abhelfen zu können, so dass die unfruchtbaren Ehepaare in Achtung ihre personalen Würde und der des Ungeborenen zur Fortpflanzung gelangen.


 

  

III. Moral und staatliche Gesetzgebung

Die moralischen Werte und Pflichten, die die staatliche Gesetzgebung auf diesem Gebiet achten und schützen muss

Das unverletzbare Recht auf Leben jedes unschuldigen menschlichen Individuums, die Rechte der Familie und der Institution Ehe stellen grundlegende moralische Werte dar, weil sie den wesensgemäßen Zustand und die ganzheitliche Berufung der menschlichen Person betreffen; gleichzeitig sind sie konstitutive Elemente der staatlichen Gesellschaft und ihrer Ordnung.

Aus diesem Grund erfordern die neuen auf dem Gebiet der Biomedizin eröffneten technologischen Möglichkeiten das Eingreifen der politischen Autoritäten und des Gesetzgebers, weil ein unkontrollierter Rückgriff auf solche Techniken zu unvorhersehbaren und schädlichen Folgen für die staatliche Gesellschaft führen könnte. Der Verweis auf das Gewissen jedes einzelnen und auf die Selbstbeschränkung der Forscher kann nicht ausreichen, um die personalen Rechte und die öffentliche Ordnung zu wahren. Wenn der Gesetzgeber, der für das Gemeinwohl verantwortlich ist, nicht wachsam ist, könnte er seiner Vorrechte von Forschern beraubt werden, welche die Menschheit im Namen von biologischen Entdeckungen und von angeblichen Verfahren zur "Verbesserung", die sich davon ableiten, zu beherrschen sich anmaßen. Die "Erbauslese" und die Diskriminierungen zwischen den Menschen könnten legitimiert werden: Dies würde eine Vergewaltigung und einen schwerwiegenden Anschlag gegen die Gleichheit, die Würde und die grundlegenden Rechte der menschlichen Person bedeuten.

Das Eingreifen der politischen Autorität muss sich an den Grundsätzen der Vernunft ausrichten, welche die Beziehungen zwischen zivilem und moralischem Gesetz regeln. Aufgabe des staatlichen Gesetzes ist es, das Allgemeinwohl der Personen durch die Verteidigung der Grundrechte, der Förderung des Friedens und der öffentlichen Moral zu sichern.65 In keinem Lebensbereich darf das staatliche Gesetz an die Stelle des Gewissens treten noch Normen über Angelegenheiten vorschreiben, die über seine Zuständigkeiten hinausgehen; es muss bisweilen in Hinblick auf die öffentliche Ordnung Dinge zulassen, die es nicht verbieten kann, ohne dass daraus ein noch größerer Schaden erwüchse. Die unveräußerlichen Rechte der Person aber müssen von der zivilen Gesellschaft und von der politischen Autorität anerkannt und geachtet werden: Diese Rechte des Menschen hängen weder von den einzelnen Individuen noch von den Eltern ab und stellen auch nicht ein Zugeständnis der Gesellschaft und des Staates dar. Sie gehören zur menschlichen Natur und wurzeln in der Person kraft des Schöpfungsaktes, aus dem sie ihren Ursprung genommen hat.

Unter diese fundamentalen Rechte muss man in diesem Zusammenhang zählen:

a) das Recht auf Leben und auf leibliche Unversehrtheit jedes menschlichen Wesens vom Augenblick der Empfängnis an bis zum Tod; b) die Rechte der Familie und der Ehe als Institution und — in diesem Zusammenhang — das Recht des Kindes, von seinen Eltern empfangen, auf die Welt gebracht und erzogen zu werden. Zu diesen beiden Themen müssen hier einige weitere Betrachtungen angestellt werden.

In verschiedenen Staaten haben einige Gesetze die direkte Beseitigung Unschuldiger gestattet: In dem Augenblick, in dem ein positives Gesetz eine Kategorie von Menschen des Schutzes beraubt, den die zivile Gesetzgebung ihnen gewähren muss, leugnet der Staat die Gleichheit aller vor dem Gesetz. Wenn die Staatsmacht sich nicht in den Dienst der Rechte jedes Bürgers stellt, und in besonderer Weise dessen, der am schwächsten ist, dann werden die Grundmauern des Rechtsstaates untergraben. Die politische Autorität kann folglich nicht zulassen, dass menschliche Wesen mit Hilfe von solchen Verfahren ins Dasein gerufen werden, durch die sie unzulässigen Risiken ausgesetzt werden, an die oben erinnert wurde. Wenn das positive Gesetz und die politischen Autoritäten den Techniken künstlicher Übertragung des Lebens und den damit verbundenen Experimenten Anerkennung gewähren würden, würden sie die von der Legalisierung der Abtreibung geschlagene Bresche noch weiter aufreißen.

Als Folge der Achtung und des Schutzes, die man dem Ungeborenen vom Augenblick seiner Empfängnis an zusichern muss, muss das Gesetz die geeigneten Strafmaßnahmen für jede gewollte Verletzung seiner Rechte vorsehen. Das Gesetz darf nicht dulden — im Gegenteil, es muss ausdrücklich verbieten —, dass menschliche Wesen, und seien sie auch im embryonalen Stadium. als Versuchsobjekte behandelt, verstümmelt oder zerstört werden mit dem Vorwand, sie seien überflüssig oder unfähig, sich normal zu entwickeln.

Die politische Autorität ist gehalten, der Institution der Familie, auf der die Gesellschaft gründet, den rechtlichen Schutz zu garantieren, auf den sie ein Anrecht hat. Gerade durch die Tatsache, dass sie im Dienst an den Personen steht, muss die politische Autorität auch im Dienst der Familie stehen. Das staatliche Gesetz darf seinen Schutz nicht denjenigen Techniken künstlicher Fortpflanzung gewähren, die zum Vorteil dritter Personen (Ärzte, Biologen, Wirtschaftskreise oder Regierungsmächte) das an sich ziehen, was ein den Beziehungen der Eheleute innewohnendes Recht ausmacht; ferner darf es nicht die Spendung von Keimzellen zwischen Personen, die nicht legitim verheiratet sind, gesetzlich zulassen.

Da sie der Familie Stütze gewähren muss, muss die Gesetzgebung zudem die Embryo-Banken, die Besamung post mortem und die "Ersatzmutterschaft" verbieten.

Es gehört zu den Pflichten der öffentlichen Autorität, dafür zu sorgen, dass das staatliche Gesetz in all dem, was die Rechte des Menschen, des menschlichen Lebens und der Institution der Familie betrifft, nach den grundlegenden Regeln des moralischen Gesetzes ausgerichtet ist. Die Politiker müssen sich durch ihr Einwirken auf die öffentliche Meinung einsetzen, in diesen entscheidenden Punkten die weitestmögliche Übereinstimmung in der Gesellschaft zu erreichen und diese dort zu bestärken, wo sie geschwächt zu werden oder abzunehmen droht.

In vielen Ländern machen es die Legalisierung der Abtreibung und die rechtliche Toleranz gegenüber unverheirateten Paaren schwieriger, die Achtung der grundlegenden Rechte zu erreichen, an die diese Instruktion erinnert. Es ist zu wünschen, dass sich die Staaten nicht die Verantwortung aufladen, diese schädlichen Situationen sozialer Ungerechtigkeit noch zu verschlimmern. Im Gegenteil, es ist zu wünschen, dass die Nationen und die Staaten sich alle der kulturellen, ideologischen und politischen Verflechtungen bewusst werden, die mit den Techniken der künstlichen Fortpflanzung verbunden sind, und dass sie die notwendige Weisheit und den Mut finden, gerechtere Gesetze zu erlassen, die das menschliche Leben und die Institution Ehe achten.

Die staatliche Gesetzgebung liefert heute in vielen Ländern gewissen Praktiken eine ungerechtfertigte Legitimierung; sie erweist sich als unfähig, diejenige Moralität zu garantieren, die den naturgemäßen Erfordernissen der menschlichen Person und den "ungeschriebenen Gesetzen" entspricht, die der Schöpfer in das Herz des Menschen eingeprägt hat. Alle Menschen guten Willens müssen sich einsetzen, besonders in ihrem Berufsbereich und in der Ausübung ihrer Bürgerrechte, damit die moralisch unannehmbaren staatlichen Gesetze und die unerlaubten praktischen Verhaltensweisen geändert werden.

Zudem muss die "Verweigerung aus Gewissensgründen" gegenüber derartigen Gesetzes angeregt und anerkannt werden.

Ja, mehr noch, im moralischen Bewusstsein vieler, besonders unter den Spezialisten biomedizinischer Wissenschaften, beginnt mit Schärfe die Forderung nach passivem Widerstand gegen die Legitimierung von Praktiken aufzuflammen, die in Widerspruch zu Leben und Würde des Menschen stehen.

 


  

Schlussbemerkung:

Die Verbreitung der Technologien des Eingriffs in die Vorgänge der menschlichen Fortpflanzung wirft schwerwiegendste moralische Probleme in Beziehung auf die dem menschlichen Wesen von seiner Empfängnis an geschuldete Achtung, in bezug auf die Würde der menschlichen Person, ihrer Geschlechtlichkeit und der Weitergabe des Lebens auf.

In Erfüllung ihrer Aufgabe, die Lehre der Kirche zu fördern und zu schützen, richtet die Kongregation für die Glaubenslehre in diesem Dokument einen neuen, besorgten Aufruf an all diejenigen, die wegen ihrer Stellung oder wegen ihres Einsatzes einen positiven Einfluss ausüben können, damit in der Familie und in der Gesellschaft dem Leben und der Liebe die geschuldete Achtung zuteil wird: an diejenigen, die für die Bildung der Gewissen und der öffentlichen Meinung verantwortlich sind, an die Wissenschaftler, an die in medizinischen Berufen Tätigen, an die Juristen und an die Politiker. Sie wünscht, dass alle die Unvereinbarkeit begreifen, die zwischen der Anerkennung der Würde der menschlichen Person und der Geringschätzung des Lebens und der Liebe besteht, zwischen dem Glauben an den lebendigen Gott und dem Ansinnen, über Herkunft und Schicksal eines menschlichen Wesens willkürlich bestimmen zu wollen.

Insbesondere richtet die Kongregation für die Glaubenslehre eine vertrauensvolle Aufforderung und eine Ermutigung an die Theologen und besonders an die Lehrer der Moral, dass sie die Inhalte der Unterweisungen des Lehramtes vertiefen und den Gläubigen immer mehr zugänglich machen mögen — im Licht einer gültigen Anthropologie der Geschlechtlichkeit und der Ehe, im Kontext der notwendigen interdisziplinären Vorgehensweise. So wird man die Gründe und die Gültigkeit dieser Lehre immer besser verstehen: Indem die Kirche Gottes den Menschen gegen die Auswüchse seiner eigenen Macht verteidigt, erinnert sie ihn an seinen wahren Adel; nur auf diese Weise wird man der Menschheit von morgen die Möglichkeit sichern können, in der Würde und Freiheit zu leben, die sich aus der Achtung vor der Wahrheit herleiten. Die präzisen Hinweise, die in dieser Instruktion vorgelegt werden, sollen daher nicht die Anstrengung der Reflexion aufhalten, sondern ihr vielmehr — in der unverzichtbaren Treue zur Lehre der Kirche — einen erneuten Impuls geben.

Im Licht der Wahrheit über das Geschenk des menschlichen Lebens und der Moralprinzipien, die daraus folgen, ist jedermann eingeladen, in seinem eigenen Verantwortungsbereich wie der barmherzige Samariter zu handeln und auch das kleinste unter den Menschenkindern als seinen Nächsten zu erkennen (vgl. Lk 10,29—37). Das Wort Christi findet hier ein neues und besonderes Echo: "Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan" (Mt 25,40).

Papst Johannes Paul II. hat bei einer dem unterzeichneten Präfekten gewährten Audienz, im Anschluss an die Vollversammlung dieser Kongregation, die vorliegende Instruktion gebilligt und ihre Veröffentlichung angeordnet.

Rom, am Sitz der Kongregation für die Glaubenslehre, am 22. Februar 1987, dem Fest Kathedra Petri.

JOSEPH KARDINAL RATZINGER
Präfekt

+ ALBERTO BOVONE
Titularerzbischof von Cäsarea in Numidien
Sekretär

 


  

Anmerkungen

  1. Johannes Paul II., Ansprache an die Teilnehmer des 81. Kongresses der italienischen Gesellschaft für Innere Medizin und des 82. Kongresses der italienischen Gesellschaft für Allgemeinchirurgie, 27. Oktober 1980: AAS 72 (1980) 1126.
  2. Paul VI., Ansprache vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen, 4. Oktober 1965: AAS 57 (1965), 878; Enzykl. Populorum progressio, 13: AAS 59 (1967), 263.
  3. Paul VI., Homilie bei der heiligen Messe zum Abschluß des Heiligen Jahres, 25. Dezember 1975: AAS 68 (1976) 145; Johannes Paul II., Enzykl. Dives in misericordia, 30: AAS 72 (1980) 1224.
  4. Johannes Paul II., Ansprache an die Teilnehmer der 35. Generalversammlung des Weltärztebundes, 29. Oktober 1983: AAS 76 (1984) 390.
  5. Vgl. Erklärung Dignitatis humanae, 2.
  6. Pastoralkonst. Gaudium et Spes, 22; Johannes Paul II., Enzykl. Redemptor hominis 8: AAS 71 (1979) 270-272.
  7. Vgl. Pastoralkonst. Gaudium et Spes, 35.
  8. Pastoralkonst. Gaudium et Spes, 15. Vgl. auch Paul VI., Enzykl. Populorum progressio, 20: AAS 59 (1967) 267; Johannes Paul II., Enzykl. Redemptor hominis, 15: AAS 71 (1979) 286-289; Apost. Schreiben Familiaris consortio, 8: AAS 74 (1982) 89.
  9. Johannes Paul II., Apost. Schreiben Familiaris consortio, 11: AAS 74 (1982) 92.
  10. Vgl. Paul VI., Enzykl. Humanae vitae, 10: AAS 60 (1968) 487-488.
  11. Johannes Paul II., Ansprache an die Teilnehmer der 35. Generalversammlung des Weltärztebundes, 29. Oktober 1983: AAS 76 (1984) 393.
  12. Johannes Paul II., Apost. Schreiben Familiaris consortio, 11: AAS 74 (1982) 91-92. Vgl. auch Pastoralkonst. Gaudium et Spes, 50.
  13. HI. Kongregation für die Glaubenslehre, Erklärung zur vorsätzlichen Abtreibung, 9: AAS 66 (1974) 736-737.
  14. Johannes Paul II., Ansprache an die Teilnehmer der 35. Generalversammlung des Weltärztebundes, 29. Oktober 1983: AAS 76 (1984) 390.
  15. Johannes XXIII., Enzykl. Mater et Magistra, III: AAS 53 (1961) 447.
  16. Pastoralkonst. Gaudium et Spes, 24.
  17. Vgl. Pius XII., Enzykl. Humani generis: AAS 42 (1950) 575, Paul VI., Professio fidei: AAS 60 (1968) 436.
  18. Johannes XXIII., Enzykl. Mater et Magistra, III: AAS 53 (1961) 447; vgl. Johannes Paul II., Ansprache an die an einem Studienseminar "Über die verantwortliche Elternschaft" teilnehmenden Priester, 17. September 1983: Insegnamenti di Giovanni Paolo II, VI, 2 (1983) 562: "Am Anfang jeder menschlichen Person steht ein schöpferischer Akt Gottes: Kein Mensch kommt durch Zufall ins Dasein; er ist immer der Zielpunkt der schöpferischen Liebe Gottes."
  19. Vgl. Pastoralkonst. Gaudium et Spes, 24.
  20. Vgl. Pius XII., Ansprache an die medizinisch-biologische Vereinigung "St. Lukas", 12. November 1944: Discorsi e Radiomessaggi IV (1944—1945) 191-192.
  21. Vgl. Pastoralkonst. Gaudium et Spes, 24.
  22. Vgl. Pastoralkonst. Gaudium et Spes, 51: "Wenn es sich daher um das Zusammengehen von ehelicher Liebe und verantwortlicher Weitergabe des Lebens handelt, hängt die sittliche Qualität der Handlungsweise nicht allein von der guten Absicht und Bewertung der Motive ab, sondern auch von objektiven Kriterien, die sich aus dem Wesen der menschlichen Person und ihrer Akte ergeben und die sowohl den vollen Sinn gegenseitiger Hingabe als auch den einer wirklich humanen Zeugung in wirklicher Liebe wahren."
  23. Pastoralkonst. Gaudium et Spes, 51.
  24. Hl. Stuhl, Charta der Familienrechte, 4: L‘Osservatore Romano, 25. November 1983.
  25. HI. Kongregation für die Glaubenslehre, Erklärung zur vorsätzlichen Abtreibung, 12-13: AAS 66 (1974) 738.
  26. Die Zygote ist die Zelle, die aus der Verschmelzung der Kerne der beiden Keimzellen entsteht.
  27. Vgl. Paul VI., Ansprache an die Teilnehmer des XXIII. Nationalen Kongresses der Katholischen Juristen Italiens, 9. Dezember 1972: AAS 64 (1972) 777.
  28. Die Verpflichtung, unverhältnismäßige Risiken zu vermeiden, erfordert eine wirkliche Achtung der menschlichen Wesen und die Lauterkeit der therapeutischen Absichten. Dies schließt ein, dass der Arzt ,,vor allem sorgfältig die eventuellen negativen Folgen abwägen muss, welche die notwendige Anwendung einer bestimmten Untersuchungstechnik auf den Embryo haben kann, und den Rückgriff auf diagnostische Verfahren meidet, über deren ehrenhafte Finalität und grundsätzliche Unschädlichkeit man keine ausreichenden Garantien besitzt. Und wenn — wie es häufig bei menschlichen Entscheidungen vorkommt — ein Risiko in Kauf genommen werden muss, muss er dafür Sorge tragen festzustellen, dass es gerechtfertigt ist durch eine wirkliche Dringlichkeit der Diagnose und der Wichtigkeit der Resultate, die damit zugunsten dieses Embryos gewinnbar sind" (Johannes Paul II., Ansprache an die Teilnehmer der Tagung der "Bewegung für das Leben", 3. Dezember 1982: Insegnamenti di Giovanni Paolo II, V, 3 [1982] 1512). Diese Präzisierung des "verhältnismäßigen Risikos" muss man auch in den folgenden Abschnitten dieser Instruktion vor Augen haben, und zwar immer dann, wenn dieser Begriff auftaucht.
  29. Johannes Paul II., Ansprache an die Teilnehmer der 35. Generalversammlung des Weltärztebundes, 29. Oktober 1983: AAS 76 (1984) 392.
  30. Da die Ausdrücke "Forschung" und "Versuch" häufig äquivalent und zweideutig benutzt werden, erscheint es notwendig, die ihnen im vorliegenden Dokument beigelegte Bedeutung zu präzisieren. - 1) Unter Forschung wird jede induktiv-deduktive Vorgehensweise verstanden, die darauf zielt, systematische Untersuchung eines vorliegenden Phänomens im menschlichen Bereich zu fördern oder eine aus früheren Untersuchungen hervorgegangene Hypothese zu überprüfen. - 2) Unter Experiment wird jede Forschung verstanden, in der das menschliche Wesen (in den verschiedenen Abschnitten seiner Existenz: als Embryo, Fötus, Kind oder Erwachsener) den Gegenstand darstellt, mittels dessen oder an dem die Wirkung einer gegebenen Behandlungsmethode (z. B. eine pharmakologische, theratogene, chirurgische etc.), sei sie nun bekannt oder noch nicht bekannt, geprüft werden soll.
  31. Vgl. Johannes Paul II., Ansprache an die Teilnehmer eines Treffens der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften, 23. Oktober 1982: AAS 75 (1983) 37: "Ich verurteile ausdrücklich und offiziell experimentelle Eingriffe am menschlichen Embryo, da ein menschliches Wesen vom Augenblick der Zeugung bis zum Tod für keinen wie immer gearteten Zweck missbraucht werden darf."
  32. Hl. Stuhl, Charta der Familienrechte, 4 b: L‘Osservatore Romano, 25. November 1983.
  33. Vgl. Johannes Paul II., Ansprache an die Teilnehmer der Tagung der "Bewegung für das Leben", 3. Dezember 1982: Insegnamenti di Giovanni Paolo II, V, 3 (1982) 1511: "Unannehmbar ist jede Art von Experiment mit dem Fötus, das dessen Integrität schädigen oder seinen gesundheitlichen Zustand verschlimmern könnte, es sei denn, es handelt sich um einen letzten Versuch, ihn vom Tod zu retten." Hl. Kongregation für die Glaubenslehre, Erklärung zur Euthanasie, 4: AAS 72 (1980) 550: "In Ermangelung anderer Mittel ist es mit Zustimmung des Kranken zulässig, sich der von den Fortschritten der Medizin zur Verfügung gestellten Heilmittel zu bedienen, auch wenn sich diese noch im Versuchsstadium befinden und nicht ohne Risiko sind."
  34. Niemand kann vor seinem Dasein ein subjektives Recht auf Beginn seiner Existenz geltend machen; es ist jedoch legitim, das Recht des Kindes zu bejahen, einen ganz und gar menschlichen Ursprung durch die der personalen Natur des menschlichen Wesens entsprechende Empfängnis zu haben. Das Leben ist ein Geschenk, dem sowohl das Subjekt, das es empfängt, als auch die Subjekte, die es weitergeben, in würdiger Weise entsprechen müssen. Diese Präzisierung muss man auch für das, was zur künstlichen menschlichen Fortpflanzung gesagt werden wird, vor Augen haben.
  35. Vgl. Johannes Paul II., Ansprache an die Teilnehmer der 35. Generalversammlung des Weltärztebundes, 29. Oktober 1983: AAS 76 (1984) 391.
  36. Die Instruktion versteht unter der Bezeichnung heterologe künstliche Befruchtung oder Zeugung die Techniken, die darauf ausgerichtet sind, in künstlicher Weise eine menschliche Empfängnis herbeizuführen, und zwar ausgehend von Keimzellen, die mindestens von einem Spender stammen, der von den in der Ehe verbundenen Gatten verschieden ist. Solche Techniken können von zweierlei Art sein: a) heterologe FIVET: Die Technik, die darauf ausgerichtet ist, eine menschliche Empfängnis herbeizuführen, und zwar durch die In-vitro-Begegnung von Keimzellen, die mindestens von einem Spender stammen, der von den in der Ehe verbundenen Gatten verschieden ist. - b) künstliche heterologe Besamung: Die Technik, die darauf ausgerichtet ist, eine menschliche Empfängnis herbeizuführen, und zwar durch die Übertragung von Samen in die Geschlechtsorgane der Frau, der von einem vom Ehemann verschiedenen Spender stammt.
  37. Die Instruktion versteht unter homologer künstlicher Befruchtung oder Zeugung die Technik, die darauf ausgerichtet ist, eine menschliche Empfängnis herbeizuführen, und dabei von den Keimzellen zweier verheirateter Eheleute ausgeht. Die homologe künstliche Befruchtung kann mittels zweier verschiedener Methoden verwirklicht werden: a) homologe FIVET: Die Technik, die darauf ausgerichtet ist, eine menschliche Empfängnis herbeizuführen, und zwar durch die In-vitro-Begegnung der Keimzellen verheirateter Ehegatten. - b) homologe künstliche Befruchtung: Die Technik, die darauf ausgerichtet ist, eine menschliche Empfängnis herbeizuführen, und zwar durch die Übertragung des Samens des Ehemannes in die Geschlechtsorgane der Ehefrau.
  38. Vgl. Pastoralkonst. Gaudium et Spes, 50.
  39. Vgl. Johannes Paul II., Apost. Schreiben Familiaris consortio, 14: AAS 74 (1982) 96.
  40. Vgl. Pius XII., Ansprache an die Teilnehmer des IV. Internationalen Kongresses katholischer Ärzte, 29. September 1949: AAS 41 (1949) 559. Nach dem Plan des Schöpfers "verlässt der Mann Vater und Mutter und bindet sich an seine Frau, und sie werden ein Fleisch" (Gen 2,24). Die Einheit der Ehe, die an die Schöpfungsordnung gebunden ist, ist eine Wahrheit, die der natürlichen Vernunft zugänglich ist. Die Tradition und das Lehramt der Kirche beziehen sich häufig auf das Buch Genesis, sowohl direkt als auch über die Stellen des Neuen Testamentes, die sich darauf beziehen: Mt 19,4-6; Mk 10, 5-8; Eph 5,31. Vgl. Athenagoras, Legatio pro christianis, 33: PG 6, 965-967; Hl. Johannes Chrysostomus, In Matthaeum homiliae, LXII, 19, 1; PG 58, 597; Hl. Leo d. Gr., Epistula ad Rusticum, 4: PL 54, 1204; Innozenz III., Epist. Gaudemus in Domino: DS 778; II. Konzil von Lyon, IV sess.: DS 860; Konzil von Trient, XXIV sess.: DS 1798, 1802; Leo XIII., Enzykl. Arcanum divinae sapientiae: ASS 12 (1879-80) 388-391; Pius XI., Enzykl. Casti connubii: AAS 22 (1930) 546-547; II. Vatikanisches Konzil, Pastoralkonst. Gaudium et Spes, 48; Johannes Paul II., Apost. Schreiben Familiaris consortio, 19: AAS 74 (1982) 101-1 02; CIC, can. 1056.
  41. Vgl. Pius XII., Ansprache an die Teilnehmer des IV. Internationalen Kongresses katholischer Ärzte, 29. September 1949: AAS 41 (1949) 560; Ansprache an die Kongressteilnehmer des katholischen italienischen Hebammenverbandes, 29. Oktober 1951: AAS 43 (1951) 850; CIC, can. 1134.
  42. Unter der Bezeichnung "Ersatzmutter" versteht die Instruktion: a) die Frau, die einen in ihre Gebärmutter eingepflanzten Embryo austrägt, der ihr genetisch fremd ist, weil er durch die Vereinigung der Keimzellen von "Spendern" erlangt wurde mit der Verpflichtung, das Kind nach seiner Geburt demjenigen zu übergeben, der eine solche Austragung in Auftrag gegeben oder vereinbart hat; - b) die Frau, die einen Embryo austrägt, zu dessen Zeugung sie mit der Spende ihrer eigenen Eizelle beigetragen hat, die durch Besamung mit dem Samen eines von ihrem Gatten verschiedenen Mannes befruchtet wurde mit der Verpflichtung, das Kind nach seiner Geburt demjenigen zu übergeben, der die Austragung in Auftrag gegeben oder vereinbart hat.
  43. Paul VI., Enzykl. Humanae vitae, 12: AAS 60 (1968) 488-489.
  44. Ebenda, 489.
  45. Pius XII., Ansprache an die Teilnehmer des II. Weltkongresses in Neapel über die menschliche Fruchtbarkeit und Sterilität, 19. Mai 1956: AAS 48 (1956) 470.
  46. CIC, can. 1061. Gemäß diesem Kanon ist der eheliche Akt jener, durch den die Ehe vollzogen wird, wenn ihn die Ehegatten "auf menschliche Weise miteinander gesetzt haben".
  47. Vgl. Pastoralkonst. Gaudium et Spes, 14.
  48. Vgl. Johannes Paul II., Generalaudienz‘ 16. Januar 1980: Insegnamenti di Giovanni Paolo II, III, 1 (1980) 148-152.
  49. Johannes Paul II., Ansprache an die Teilnehmer der 35. Generalversammlung des Weltärztebundes, 29. Oktober 1983: AAS 76 (1984) 393.
  50. Vgl. Pastoralkonst. Gaudium et Spes, 51.
  51. Vgl. Pastoralkonst. Gaudium et Spes, 50.
  52. Vgl. Pius XII., Ansprache an die Teilnehmer des IV. Internationalen Kongresses katholischer Arzte, 29. September 1949: AAS 41 (1949) 560: "Es wäre falsch zu glauben, dass die Möglichkeit, auf dieses Mittel (die künstliche Befruchtung) zurückzugreifen, die Ehe zwischen Personen gültig machen könnte, die unfähig sind, sie zu schließen aufgrund des ,impedimentum impotentiae‘."
  53. Eine analoge Frage wurde von Paul VI. behandelt, Enzykl. Humanae vitae‘ 14: AAS 60 (1968) 490-491.
  54. Vgl. oben: I, 1 f.
  55. Johannes Paul II., Apost. Schreiben Familiaris consortio‘ 14: AAS 74 (1982) 96.
  56. Vgl. Antwort des HI. Offiziums‘ 17. März 1897: DS 3323; Pius XII., Ansprache an die Teilnehmer des IV. Internationalen Kongresses katholischer Ärzte, 29. September 1949: AAS 41 (1949) 560; Ansprache an die Kongressteilnehmer des katholischen italienischen Hebammenverbandes, 29. Oktober 1951: AAS 43 (1951) 850; Ansprache an die Teilnehmer des II. Weltkongresses in Neapel über menschliche Fruchtbarkeit und Sterilität, 19. Mai1956: AAS 48 (1956) 471-473; Ansprache an die Teilnehmer des VII. Internationalen Kongresses der Internationalen Gesellschaft für Hämatologie‘ 12. September 1958: AAS 50 (1958) 733; Johannes XXIII., Enzykl. Mater et Magistra, III: AAS 53 (1961) 447.
  57. Pius XII., Ansprache an die Kongressteilnehmer des katholischen italienischen Hebammenverbandes, 29. Oktober 1951: AAS 43 (1951) 850.
  58. Pius XII., Ansprache an die Teilnehmer des IV. Internationalen Kongresses katholischer Ärzte, 29. September 1949: AAS 41 (1949) 560.
  59. Hl. Kongregation für die Glaubenslehre, Erklärung zu einigen Fragen der Sexualethik, 9: AAS 68 (1976) 86, welche die Pastoralkonst. Gaudium et Spes, 51, zitiert. Vgl. Dekret des Hl. Offiziums, 2. August 1929: AAS 21 (1929) 490; Pius XII., Ansprache an die Teilnehmer des XXVI. Kongresses der italienischen Gesellschaft für Urologie, 8. Oktober 1953: AAS 45 (1953) 678.
  60. Johannes XXIII., Enzykl. Mater et Magistra, III: AAS 53 (1961) 447.
  61. Vgl. Pius XII., Ansprache an die Teilnehmer des IV. Internationalen Kongresses katholischer Ärzte, 29. September 1949: AAS 41 (1949) 560.
  62. Vgl. Pius XII., Ansprache an die Teilnehmer des II. Weltkongresses in Neapel über menschliche Fruchtbarkeit und Sterilität, 19. Mai 1956: AAS 48 (1956) 471-473.
  63. Pastoralkonst. Gaudium et Spes, 50.
  64. Johannes Paul II., Apost. Schreiben Familiaris consortio, 14: AAS 74 (1982) 97.
  65. Erklärung Dignitatis humanae, 7.

 


 


 

 
 

RÖTZER führt aus, dass derzeit bereits 10-15% aller Paare ungewollt kinderlos bleiben.7 Über die Indikationen zur In-vitro-Fertilisation infolge tubarer Sterilität, immunologischer Barriere des Zervixschleimes, Oligospermie, etc. gibt JANISCH8 einen Überblick. Die Überflutung der Umwelt mit den Hormonen der Pille bzw. deren Abbauprodukten, sowie der Einfluss östrogenartig wirkender Substanzen (z.B. Nonylphenole, halogenierte Kohlenwasserstoffe) auf die Fortpflanzungsorgane diskutieren KUBITSCHEK9 sowie SÜSSMUTH und HÜGEL10.

 

2. IVF und Bevölkerungskontrolle

Vor dem Hintergrund der seit mehr als zwei Jahrzehnten andauernden weltweiten Propaganda der Vereinten Nationen, der „International Planned Parenthood Association" in London (deutscher Zweig „Pro Familia") über eine angeblich drohende „Bevölkerungsexplosion"11 wird die politische Dimension der Förderung von IVF und der wiederum davon abhängigen Forschung an frühen menschlichen Embryonalstadien verständlich. Obwohl doch die IVF die behauptete Bevölkerungsexplosion konterkariert, wird deren Förderung plausibel, weil die vor allem von den angelsächsischen Mächten Großbritannien und den USA betriebene malthusianische Geopolitik12 der Grundlagenforschung an menschlichen Embryonen bedurfte, um effiziente Instrumentarien zur weltweiten Bevölkerungskontrolle entwickeln zu lassen.

Den Nachweis dafür führt Peggy NORRIS in ihrer Veröffentlichung „In Vitro Fertilization and Population Control". So sei beispielsweise die „Internationale Bevölkerungskonferenz" 1969 in London durch die Regierungen Großbritanniens, Dänemarks, Finnlands, Westdeutschlands, Norwegens, Schwedens, der USA und durch die Vereinten Nationen einberufen worden. Dahinter stünden aber letztendlich die Commonwealth Foundation, der Population Council (New York) und die Rockefeller-Stiftung. Auf der genannten Konferenz seien bereits Projekte vorgeschlagen worden, welche die Verringerung der menschlichen Fruchtbarkeit zum Ziele hatten. Um dies zu erreichen, sei die gezielte Förderung der IVF notwendig geworden. Dabei sei es ganz konkret um die Erforschung von Substanzen gegangen, welche die befruchtete menschliche Eizelle zerstören.

Die Abtreibungspille, das Antigestagen, RU 486 [= RV 38486 = Mifeggue(e) = Mifepristone(e)], ist als ein Ergebnis derartiger Forschungen anzusehen, in die auch die Weltgesundheitsbehörde WHO über ein Projekt zur „postovulatorischen Fruchtbarkeitsregulierung" eingebunden war. Die Hintergründe für die Förderung der IVF wurden auch in Fachkreisen nur zurückhaltend publiziert. Aus diesem Grunde protestierten renommierte Wissenschaftler in Frankreich gegen Desinformationen, die in dieser Angelegenheit lanciert wurden, in einem Beitrag, den „Le Monde" am 18.12.1987 veröffentlichte.13

Dieses Vorhaben wurde langfristig anvisiert. Nobelpreisträger James D. WATSON führte als Sachverständiger bereits im Januar 1971 vor dem Ausschuss für Wissenschaft und Technik des amerikanischen Repräsentantenhauses aus, dass viele vor einem Jahrzehnt noch kaum antastbare Tabus plötzlich überwunden sein würden, sei es durch die Initiative der Regierung der Vereinigten Staaten für bewusste Familienplanung oder auf anderen Wegen. Und weiter:

„... noch bedeutender war ein Gesetz im Staat New York, das jeder Frau, die es wünschte, Abtreibung gestattete. So wird sicherlich die Zahl der Menschen steigen, die sich dem Studium aller Aspekte der menschlichen Embryologie widmen möchten. Nicht nur mit der klassischen Observierung, also der beobachtenden Analyse, wird man sich im zunehmenden Maße beschäftigen, sondern noch gewichtiger, das direkte Experiment mit dem menschlichen Ei wird zu Hauptbeschäftigung einiger hochqualifizierter Biologen werden."14

In diesem Zusammenhang muss daran erinnert werden, dass verdiente Naturforscher sich von phantastischen Zukunftsvorstellungen enthusiastisch zu Bemerkungen hinreißen ließen, die die Öffentlichkeit sehr beunruhigt haben und dem Ansehen des Berufsstandes nicht gerade förderlich waren. JUNKG und MUNDT seien mit einer Aussage wie z. B. dieser zitiert:

„Haben die Menschen überhaupt ein Recht, Kinder zu bekommen?"15

   

3. IVF als Manipulation mit Menschenleben

Der erste spektakuläre Fall der modernen Fortpflanzungstechnik war die Zeugung des weltweit ersten Babys durch IVF mit anschließendem Embryotransfer. 1978 wurde dieses Kind in England geboren. Es trägt den Namen Louise Brown. Verfolgt man die Entstehungsgeschichte dieses Kindes, erhebt sich die Frage, ob das Vorgehen der Mediziner Edwards und Steptoe ethisch überhaupt vertretbar war, denn es wurden etwa 200 Embryonen verbraucht, bis schließlich diese eine befruchtete Eizelle, die Zygote mit dem gesamten genetischen Programm der Louise Brown, im Uterus ihrer Mutter heranwuchs.

Inzwischen ist diese In-vitro-Fertilisation gang und gäbe. Sie ist auch heute noch mit hohen Verlustraten verbunden. Einige Ergebnisse und Risiken in Kurzfassung: 1983 wiesen Wood und Mitarbeiter darauf hin, dass von 984 eingepflanzten Embryonen nur 94, also knapp 10%, ausgetragen wurden, die restlichen aber starben.16

Auf dem 3. Weltärztekongress in Helsinki im Mai 1984 erbrachten die Ergebnisse von 58 Ärzteteams folgende Resultate: von 7733 Embryoübertragungen (viele von diesen waren multiple Transfers) kam es nur in 1.160 Fällen zur Schwangerschaft (also in 15%). Insgesamt kam es zu 590 erfolgreichen Geburten, eine Erfolgsrate von 7,6%. Die Anzahl der Embryonenverluste ist demnach beträchtlich hoch.16

Verfolgt man die Entwicklung von Louise Brown, dem ersten Retortenbaby, bis hin zum ersten deutschen „Tiefkühl-Retortenbaby", so war die moderne Fortpflanzungsbiologie scheinbar doch recht erfolgreich. Im April 1984 wurden der Mutter des Tiefkühlbabys nach einer hormonellen Vorbehandlung neun Eizellen operativ entnommen. Acht derselben wurden erfolgreich mit den Spermien des Ehemannes im Reagenzglas befruchtet. Dies bedeutet: acht menschliche Individuen waren ins Dasein gerufen worden! Acht Lebewesen, denen ein Existenzrecht nach unserer Verfassung zustand.

Was geschah in der Folgezeit? Drei der befruchteten Eizellen verpflanzten die Mediziner in die Gebärmutter von Frau X. - eine Schwangerschaft blieb jedoch aus. Sodann wurden die verbliebenen fünf Embryonen in Erlangen tiefgefroren und bei -196° Celsius in flüssigem Stickstoff aufbewahrt. Im Juni 1985 wurden dieselben wieder aufgetaut. Nur drei davon überstanden den Einfrier- und Auftauvorgang ohne Schaden. Sie wurden am 12. Juni 1985 in die Gebärmutter der Frau X. übertragen. Dort nistete sich eine der drei befruchteten Eizellen ein. Das auf diese Weise erzielte Ergebnis: das in aller Welt freudig begrüßte erste deutsche Baby, das „aus der Kälte" kam.

Dieses erblickte am 27. 02. 1986 als Anna Katharina in Erlangen das Licht der Welt. Dieses Baby war ohne jeden Zweifel die sehnliche Erfüllung des Kinderwunsches seiner glücklichen Eltern. „Geschaffen, nicht gezeugt", könnte die Kurzformel für die Begleitumstände lauten, die zur künstlichen Zeugung des bei der Geburt 3220 Gramm schweren Mädchens geführt haben. Die in der Bundesrepublik Deutschland bislang einmalige Geburt eines Kindes, das als Embryo tiefgefroren worden war, erregte Aufsehen. Die Presse feierte die Geburt des ersten deutschen Kindes, das „aus der Kälte kam", als Aufsehen erregenden Erfolg der Medizin.

Trotz dieses für die Medizin positiven Ergebnisses darf eines nicht aus dem Auge verloren werden: der „Erfolg" wurde mit dem Verlust mehrerer Embryonen bezahlt, die sich genauso gut wie Anna Katharina zu gesunden, lebensfrohen Kindern hätten entwickeln können. Selbst die Erlanger Mediziner gaben zu, dass das Einfrieren von Embryonen nur in Sonderfällen erfolgen solle. Der Grund: „Diese Methode wirft fast unlösbare juristische Probleme auf, wenn die eingefrorenen Embryonen aus den verschiedensten Gründen, die nicht vorhersehbar sind, nicht in die Gebärmutter verpflanzt werden!"17

Grundüberlegung der Mediziner aus Erlangen: „Wenn es nicht klappt, so kann man die Embryonen der Mutter ja später einsetzen!".17 Und so glaubten die Erlanger Ärzte, eine Lösung gefunden zu haben: nämlich die betroffenen Eltern eine Erklärung unterschreiben zu lassen, wonach sie sich damit einverstanden erklärten, dass innerhalb von zwei Jahren alle tiefgefrorenen Embryonen durch die Frau ausgetragen würden. Im „Fall Erlangen" hat sich dies aus den geschilderten Gründen erübrigt. Mit der Erzeugung von „Tiefkühlbabys" wurde nach einhelliger Meinung namhafter Mediziner, Juristen und Moraltheologen jener Rubikon überschritten, der nicht hätte überschritten werden dürfen. Waren nicht auch „fortschrittliche" Moraltheologen aus dem katholischen Lager Wegbereiter für eine Mentalität, die jene Praktiken als vertretbar erscheinen ließen?

Das HAMBURGER ABENDBLATT, Ausgabe vom 01.03.1986, schrieb:

Erstes deutsches "Tiefkühl-Baby" - Gesundes Mädchen geboren

- aber es gibt ethische und juristische Probleme -

(dpa) Erlangen - Erstmals ist in der Bundesrepublik ein Baby zur Welt gekommen, dessen Embryo kurz nach der Befruchtung außerhalb des Mutterleibes vorübergehend eingefroren worden war. Das 3220 Gramm schwere und 52 Zentimeter große Mädchen wurde am Donnerstagabend in der Erlanger Universitätsfrauenklinik mit Kaiserschnitt entbunden. Die 31jährige Mutter aus Franken, deren Name nicht genannt wurde, und ihr Kind sind nach Angaben der Klinik wohlauf.

Das erste „Tiefkühl-Baby" der Welt wurde im März 1985 in England geboren.

Die bisher kinderlose junge Frau war vor knapp zwei Jahren in das In-vitro-Fertilisations-Programm (Befruchtung außerhalb des Mutterleibs) der Erlanger Klinik aufgenommen worden. Eine langjährige vergebliche Behandlung wegen undurchgängiger Eileiter war vorausgegangen. Die einzige Chance, ein Kind zu bekommen, bestand in der extrakorporalen Befruchtung.

Nach einer hormonellen Vorbehandlung wurden der Frau im April 1984 neun Eizellen operativ entnommen, von denen acht mit dem Samen des Ehemannes im Reagenzglas befruchtet werden konnten. Drei dieser befruchteten Embryonen verpflanzten die Ärzte in die Gebärmutter - eine Schwangerschaft blieb jedoch aus.

Die übrigen fünf Eizellen wurden in einer in Erlangen speziell entwickelten Technik eingefroren und bei minus 196 Grad in flüssigem Stickstoff aufbewahrt. Im Juni 1985 wurden sie wieder aufgetaut. Nur drei Embryonen überstanden den Einfrier- und Auftauvorgang unbeschadet und wurden der Frau am 12. Juni 1985 in die Gebärmutter übertragen.

Dort nistete sich eine der befruchteten Eizellen ein. Dieser Embryo habe sich, so die Klinik, im Verlauf der Schwangerschaft normal entwickelt. Das Geschlecht des Kindes sei aufgrund von Vorsorgeuntersuchungen bereits vor der Geburt bekannt gewesen.

Das Einfrieren von Embryonen bei der für bestimmte Sterilitätserkrankungen angewandten Methode der Befruchtung außerhalb des Mutterleibs sollte nach Meinung des Direktors der Erlanger Klinik, Norbert Lang, jedoch nur in Ausnahmefällen erfolgen.

„Es ist keine Methode, die wir verfolgen, aber ein Hilfsmittel, das im Einzelfall erforderlich sein kann", sagte der Gynäkologe. Denn diese Methode werfe fast unlösbare ethische sowie juristische Probleme auf, wenn die eingefrorenen Embryonen aus den verschiedensten Gründen, die nicht vorhersehbar seien, nicht in die Gebärmutter zurückverpflanzt werden könnten.

Norbert Lang hält es für besser, entnommene, aber noch nicht befruchtete Eizellen zu konservieren.

Dabei ist längst unbestritten: Das menschliche Leben nimmt seinen Anfang mit der Befruchtung der Eizelle durch eine väterliche Fortpflanzungszelle. Das ist der Anfang eines jeden neuen Individuums.

Jahrzehnte währende Forschungsarbeiten des Göttinger Embryologen Erich BLECHSCHMIDT führten zu der Erkenntnis des „Gesetzes von der Erhaltung der Individualität, die vor allem durch die Chromosomen gewährleistet wird".

Es besagt sinngemäß:

  1. Die Wesensart des Individuums bleibt von der Befruchtung des Eies (Zygote) an während der ganzen Lebensdauer bis zum Tode erhalten.
  2. Das Erscheinungsbild (Phänotyp) hingegen ist während der gesamten Embryonalentwicklung im Wandel begriffen. In allen Phasen lässt sich die Gestaltbildung als planvoller zielgerichteter Prozeß verstehen.18

Diese Erkenntnisse haben wesentlich zu einer Einschränkung des Biogenetischen Grundgesetzes Ernst Haeckels als einer Regel beigetragen.19

Anwendung und Missbrauch der künstlichen Fortpflanzung beim Menschen sind Realität. Es liegen Beweise dafür vor, dass im Vorfeld der Manipulationen an menschlichen Zygoten nicht primär der Wunsch stand, kinderlosen Frauen zu helfen.20 Es sei an dieser Stelle ausdrücklich betont, dass die lautere Absicht von Ärztinnen und Ärzten, kinderlosen Frauen zu einem Wunschkind zu verhelfen, nicht in Zweifel gezogen wird. Weltweit hat jedoch die In-vitro-Fertilisation menschlicher Embryonen auch den Weg freigemacht für genmanipulatorische Versuche mit menschlichem Erbgut. Außerdem ist die Embryokonservierung nicht unproblematisch. Neben Gefahren beim Tieffrieren und Auftauen gibt es Bedenken auch aus biologischer Sicht, weil es dadurch zu einer Erhöhung der Missbildungsrate kommen könnte.21 Allerdings gibt es in der Zwischenzeit auch Studien, die nahelegen, dass die Fehlbildungsrate der nach IVF geborenen Kinder nicht erhöht und dass das Gedeihen dieser Kinder im Vergleich zu „Normalkindern" eher überdurchschnittlich gut sein soll.

   

4. Mehrlingsschwangerschaften und der selektive Fetozid

Einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung" vom 7.10.1997 zufolge leben in Deutschland bereits rund 20.000 künstlich gezeugte Kinder.22

Da immer mehr Fakten über diese Manipulationen bekannt werden, verwundert nicht, dass die Reproduktionsmedizin sich um ihren Ruf besorgt zeigt.23 Es wird nicht mehr verhehlt, dass die Reproduktionsmedizin ein großes finanzielles Geschäft für die betroffenen Ärzte ist, die Krankenkassen jedoch enorm belastet. So kostet beispielsweise eine Schwangerschaft, die durch In-vitro-Fertilisation wegen verminderter Fruchtbarkeit des Mannes zustande kommt, rund 60.000 DM und wird derzeit noch von den Krankenkassen bezahlt.24

Ein Beispiel, wie die Medizin selbst über ihre Publikationsorgane die Ergebnisse ihres Tuns „schönt", zeigt eine Zeitschrift, die für den Kassenpatienten gedacht ist: „Medizin heute" (Ausgabe vom Mai 1986). In ihr erschien, kurz nachdem das erwähnte Tiefkühlbaby Anna Katharina zur Welt kam, ein Bericht, in dem die Versuche über die Zeugung dieses Kindes geschildert werden, wobei aber behauptet wird, es sei bei der Reagenzglaszeugung des weltweit ersten Retortenbabys in England nur ein Embryo übertragen worden. Allerdings wird an anderer Stelle des Aufsatzes zugegeben, dass für die bereits 1986 weltweit ca. 3000 in der Retorte gezeugten Kinder „mehrere zigtausend" Embryonen geopfert worden sind.

Weil die Technik der Fortpflanzung außerhalb des Mutterschoßes an Präzision gewinnt, die Erfolgsraten also steigen, hat sich inzwischen ein Folge-Problem ergeben. Je mehr Embryonen, also ungeborene embryonale Menschen im Mutterleib heranwachsen, umso „enger" wird es dort. Das heißt, es sind aus medizinischen Gründen meist nicht mehr als drei Embryonen „erwünscht". Die vorhandenen Erfahrungen bei der Reagenzglas-Zeugung zeigen, dass aufgrund der häufig praktizierten verbesserten Übertragungstechniken die Zahl an embryonalen Menschen, die im Uterus der Frau heranwachsen, zunimmt. Es kommt somit zu unerwünschten Mehrlingsschwangerschaften. Die Konsequenz daraus: war man schon inkonsequent bezüglich des Schutzes dieser ungeborenen Patienten, tötet man nun selektiv die unerwünschten Mehrlinge, die Drillings- oder Vierlingsbrüder oder -schwestern. Dies umschreibt die Fachsprache mit dem Ausdruck „selektiver Fetozid", also das gezielte Töten von Mehrlingen. Damit hat sich auch die Bundesärztekammer auseinandergesetzt und im Sonderdruck („Deutsches Ärzteblatt - Ärztliche Mitteilungen") über die Ambivalenz medizinischen Fortschritts vom August 1989 die entstandene Problematik dargelegt.25

In der Stellungnahme der "Zentralen Kommission der Bundesärztekammer zur Wahrung ethischer Grundsätze in der Reproduktionsmedizin, Forschung an menschlichen Embryonen und Gentherapie", aus: "Deutsches Ärzteblatt", 86. Jahrgang, Heft 31/32 ist zu lesen:

Die Ambivalenz medizinischen Fortschritts wird auch in der modernen Reproduktionsmedizin sichtbar. So treten nach Behandlung der weiblichen Sterilität mittels

- hochdosierter hormonaler Stimulierung zur Erzielung einer Spontan-Schwangerschaft,

- intrauterinem oder intratubarem Transfer von vier oder mehr in-vitro-erzeugten Embryonen oder

- intratubarem Gametentransfer mit vier und mehr Oozyten

immer häufiger Mehrlingsschwangerschaften auf. Bei Austragen von vier und mehr Feten kommt es meist zur Geburt nicht lebensfähiger Kinder, oft auch zur Gefährdung der Mutter. Zur Verringerung dieser Risiken und zur Vermeidung schwerer Leiden für Mutter und Kind wird deshalb eine Reduktion der Anzahl auszutragender Feten auf drei und weniger durch intrauterine Abtötung überzähliger Feten (Fetozid) empfohlen. Das unselektive Abtöten der am leichtesten zugänglichen Feten ist jedoch mit schweren ethischen und rechtlichen Problemen belastet und steht im Widerspruch zu ärztlichen Grundsätzen.

Die Indikation zur Erstellung von Empfehlungen präventiven Charakters erschien daher zwingend. Ihr Ziel ist die Verhütung von Mehrlingsschwangerschaften durch entsprechende Modifizierung der hormonalen Stimulationsbehandlung beziehungsweise durch Verringerung der Anzahl zu transferierender Embryonen oder Gameten. Kommt es trotzdem zu einer höhergradigen Mehrlingsschwangerschaft, so wird die medizinische Indikation zur Mehrlingsreduktion unvermeidlich. Ihre ethische und rechtliche Vertretbarkeit wird erörtert.

 (Dr. K. Vilmar) Präsident der Bundesärztekammer und des Deutschen Ärztetages

(Prof. Dr. H. P. Wolff) Vorsitzender der Zentralen Kommission der Bundesärztekammer zur Wahrung ethischer Grundsätze in der Reproduktionsmedizin, Forschung an menschlichen Embryonen und Gentherapie. 

Zur Beratung der aufgeworfenen Fragestellungen wurde eine Ethikkommission einberufen, der insgesamt 23 Wissenschaftler angehörten, darunter auch der bekannte, inzwischen verstorbene katholische Moraltheologe Franz Böckle (Bonn). Diese Kommission aus 23 Wissenschaftlern hat sich mit 22 zu 1 Stimme für den gezielten Fetozid ausgesprochen. Jener, der sich dagegen ausgesprochen hat, ist Dr. Carl Schirren, ein emeritierter Medizinprofessor der Universität Hamburg.

Bei der Durchführung dieses „selektiven Fetozids", also der gezielten Tötung überzähliger Mehrlinge im Mutterschoß maßt sich der Arzt die Rolle eines Herrn über Leben oder Tod an. Er entscheidet, welch(e) fetale(n) Menschen er mittels Spritze tötet und welche(r) ausgetragen werden. Ist dies ist nichts anderes als „Selektion im Mutterleib", jenem Ort, der durch die Unrechtsgesetze für das Töten ungeborener Kinder im 20. Jahrhundert zu einem der gefährlichsten Plätze geworden ist? Eine ausführliche Recherche in der „Süddeutschen Zeitung" berichtet über diese Praktiken wie folgt:

„Wegen der hohen Gefährdung der Mutter durch Mehrlinge scheint der selektive Fetozid durch die geltenden Gesetze zum Schwangerschaftsabbruch gedeckt. Allerdings ist dabei noch keineswegs die Frage beantwortet, wer hier eigentlich wen bedroht. Die Kinder die Mutter oder umgekehrt? Fetozid meint die Abtötung eines oder mehrerer Kinder im ersten Schwangerschaftstrimester durch die gezielte Injektion mit einem Herzgift in die Brust des etwa drei Zentimeter großen Embryos, durch Gefäßembolisation oder direkt ins Herz gespritztem Fibrinkleber.

Der Eingriff wird der Treffsicherheit wegen unter Ultraschallkontrolle vorgenommen und verursacht in vielen Fällen nach einigen Wochen Fehlgeburten. Man betrachtet ihn aber dennoch als „Fortschritt", denn anders bliebe der Frau, will sie nicht so viele Kinder haben, nur die Möglichkeit des sofortigen Schwangerschaftsabbruchs. Getroffen wird beim Fetozid der jeweils zufällig oben liegende Embryo. Als komplizierend werten es Gynäkologen der Mount Sinai School of Medicine, New York, dass das Herz eines Embryos außerordentlich widerstandsfähig , das Kind also schwer umzubringen ist. In mehreren Fällen habe sich der Embryo wieder erholt, nachdem die Nadel herausgezogen worden war, obwohl dies erst nach 60 Sekunden Herzstillstand geschah.

Die Prozedur habe dann jedes Mal nach einer Woche wiederholt werden müssen, denn wahrscheinlich habe das Kind beim ersten Eingriff schwere Schäden davongetragen. Den Fetozid nach der zwölften Schwangerschaftswoche vorzunehmen halten die Autoren nicht für ratsam, weil der tote Embryo dann nicht mehr so leicht resorbiert würde, sondern schwere gesundheitliche Störungen bei der Mutter hervorrufen könnte. So bleibt die Frage, was von einer Sterilitätstherapie zu halten ist, die ernsthaft die Tötung gesunder Kinder ins Auge fasst. Stellungnahmen auch von Juristen zu diesem Problem fehlen bisher."26

Aus juristischer Sicht gab die in Köln beheimatete Juristen-Vereinigung Lebensrecht e.V. eine bemerkenswerte Stellungnahme ab, aus der nachfolgend zitiert wird:

„Die vorhandenen Erfahrungen mit der IVF zeigen, dass aufgrund der häufig praktizierten Übertragung von drei bis vier Embryonen die Zahl der Mehrlingsschwangerschaften erheblich zunimmt. In der Praxis werden unerwünschte Mehrlingsschwangerschaften durch so genannten selektiven Fetozid ‘reduziert’. Dabei werden einzelne Kinder im Mutterleib auf furchtbare und möglicherweise auch schmerzhafte Art und Weise getötet. Da es sich bei der Mehrlingsschwangerschaft um eine durch die IVF freiwillig herbeigeführte Folge handelt, führt es zu einer Perversion dieser Behandlungsmethode, aber auch der Regelung der §§ 218 ff. StGB, wenn man in diesen Fällen eine Abtreibung aus finanziellen oder gesundheitlichen Gründen zulässt. Um nicht der Etablierung einer menschenunwürdigen ‘Produktionsregelung’ Raum zu schaffen, sollte deshalb unerwünschten Mehrlingsschwangerschaften durch gesetzliche Beschränkung der Zahl der zu übertragenen Embryonen entgegengewirkt werden.

Es ist darauf hinzuweisen, dass entgegen weit verbreiten Anschauungen nicht das Verbot, sondern die Erlaubnis der IVF rechtfertigungsbedürftig ist. Die mit einer normalen IVF verbundenen erheblichen Risiken eines Missbrauchs menschlicher Embryonen und die zu beobachtenden Fehlentwicklungen, wie der selektive Fetozid, verlagert die Argumentationslast auf den Gesetzgeber: Er hat nachzuweisen, ob und unter welchen Voraussetzungen die IVF vor dem Grundgesetz zu rechtfertigen ist. Diesen Nachweis hat er bisher nicht geführt. Er setzt sich damit dem Vorwurf aus, vielfache Gefährdungen der Menschenwürde bewusst in Kauf zu nehmen, um dem Verlangen von forschungsinteressierten Ärzten und Industrien dienstbar zu sein, die den Kinderwunsch unfruchtbarer Ehepaare oft nur vorschieben, um eigenes Forschungsinteresse zu befriedigen."27

In Deutschland regelt das Embryonenschutzgesetz inzwischen, dass nicht mehr als drei Eizellen befruchtet werden dürfen und infolgedessen sich das Problem des Fetozids nicht mehr stellt. Bei unkontrolliert vorgenommenen hormonellen Stimulationen der Eierstöcke kam es in England und den USA, ohne dass Retortenzeugungen vorgenommen worden waren, zu den nachstehend beschriebenen Eingriffen ( Quelle: Münch. med. Wschr. 130/Nr. 35, 1988, S. 18):

 

Beredte Beispiele

Medien und Öffentlichkeit wurden aufgerüttelt, als im April diesen Jahres im New England Journal of Medicine eine Studie aus der Mount Sinai School of Medicine in New York publiziert wurde (Münch. med. Wschr. 130 [1988] 20, 35.) Die Autoren berichteten über 11 Frauen mit insgesamt 12 Mehrlingsschwangerschaften. Zwei Frauen waren mit Sechslingen schwanger, eine Frau mit Fünflingen, fünf mit Vierlingen und vier mit Drillingen. Zwischen der 9. und 13. Gestationswoche waren dann selektive Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen worden und dadurch die Zahl der Feten in elf Fällen auf zwei, in einem Fall auf drei reduziert. Sieben Frauen gebaren gesunde Zwillinge und eine Frau ein Einzelkind, während es bei vier Schwangerschaften nicht zu Lebendgeburten kam (New. Eng. J. Med. 318 [1988] 16, 1043).

In der Literatur findet man allein aus dem Jahr 1988 gleich mehrere Publikationen zum gleichen Thema. Die Gründe für einen selektiven bzw. unselektiven Abort sind dabei sehr unterschiedliche.

Hier ein Beispiel:

Bei einer 31jährigen Patientin, die aufgrund von polyzystischen Ovarien infertil war, wurde mit Erfolg eine hormonelle Ovulation induziert. In der 8. Gestationswoche wurden sonographisch im Uterus sieben zystische Strukturen ausgemacht. Fünf dieser „Blasen" enthielten jeweils einen einzelnen Embryo, in zweien fanden sich Zwillinge. Alle neun Embryonen lebten. Via transabdomineller Punktion wurde eine Reduktion der Embryonen in drei Sitzungen durchgeführt. In der 34. Schwangerschaftswoche wurde die Patientin dann per Sektion von drei gesunden Kindern entbunden.

Nach der Meinung der Autoren illustriert dieses Beispiel, welche Komplikationen auftreten können, wenn eine Induktion der Ovulation bei Vorliegen polyzystischer Ovarien vorgenommen wird (M. Breckwoldt und Mitarb.: Fertil.-Steril 49/4 [1988]).

(v. Th.) 

Wie rasch Tabus auf dem Gebiet der Reproduktionsmedizin, allen Beteuerungen ethischer Kommissionen zum Trotz, zu Fall gebracht werden, zeigen die Washingtoner Experimente mit geklonten Embryonen. Eine Forschergruppe an der George Washington Universität klonte menschliche Embryonen zu Zwillingen und Drillingen, um die Erfolgsrate bei der künstlichen Befruchtung steigern zu können. Aus 17 Embryonen mit zwei bis acht Zellen entstanden die Zellen von 48 Geschwisterembryonen. Zu Recht stellt E. K. ROLOFF die Frage, welches Menschenbild hinter diesen Versuchen steht, das dem Utilitarismus Tür und Tor öffnen werde. Bereits 1989 habe der Pädagoge Dieter LENZEN in dem Band ‘Der codierte Leib’ geschrieben:

„Die Kulmination dürfte eines Tages das gelungene Klonen eines Menschen darstellen, wenn die Aufschreie dieser Tage angesichts derartiger Perspektiven vergessen sein werden. Der Mensch tut, was er kann."28

Angesichts dieser neuerlichen Attacke gegen die menschliche Würde konstatiert Martin LOHMANN diesen Angriff als bittere Konsequenz absoluten Macherdenkens, überhaupt im Menschen Material zur möglichst freien Verfügung zu sehen. Ob Lebensende oder Lebensanfang, ob Euthanasie oder Abtreibung - in allen erscheine die Maske des vom Schöpfer emanzipierten und sich zum Herrscher über Leben und Tod aufgeschwungenen Geschöpfes, das genau diese seine Geschöpflichkeit nicht wahrhaben wolle.29 


5. Das Embryonenschutzgesetz in Deutschland

Das am 1. Januar 1991 in Kraft getretene „Gesetz zum Schutz von Embryonen" (Embryonenschutzgesetz - ESchG) „verbietet u. a. unter Androhung von Geld- und Freiheitsstrafen die Erzeugung von Embryonen zu Forschungszwecken, das Übertragen von mehr als drei Embryonen einer Frau innerhalb eines Zyklus, die Erzeugung überzähliger Embryonen, verbrauchende Embryonenforschung oder eine Geschlechtswahl vorzunehmen".

Im Arbeits- und Erfahrungsbericht 1990/91 der Zentralen Kommission der Bundesärztekammer zur Wahrung ethischer Grundsätze in der Reproduktionsmedizin, Forschung an menschlichen Embryonen und Gentherapie, wird bedauert, dass dieses Gesetz medizinisch hochrangige Forschungen an Embryonen in Deutschland verbietet. Damit sei die Embryonenforschung hierzulande von der internationalen Entwicklung abgeschnitten. In England, Spanien, Italien, Belgien oder Holland bestünden klare Regelungen zur Embryonenforschung. Wichtige Forschungsziele bestünden z. B. in der Verbesserung der IVF-Therapie, bei der möglichst frühen pränatalen Diagnostik von Erbkrankheiten, sowie zur Erkenntnis der Krebsentstehung am Beispiel des Chorionkarzinoms.30

Wie berechtigt die restriktive Abfassung des Embryonenschutzgesetzes ist, wurde bereits bei einer Anhörung im Rechtsausschuss des Deutschen Bundestages 1986 klar, in deren Verlauf ein Sachverständiger öffentlich erklärte:

„Es hat Pläne gegeben, und es gibt auch noch Pläne, frühe menschliche Embryonen sozusagen als Transplantationsmaterial zu benutzen und sie auch dafür zu züchten. Das Ziel der extrakorporalen Befruchtung, also der Befruchtung außerhalb des Mutterleibs, ist es ja ursprünglich auch gewesen, solches Transplantationsmaterial herzustellen.

Ich muss aber berichten, dass menschliche Leibesfrüchte Substanzen enthalten, die zum Teil nur aus diesen gewonnen werden können und die medizinisch von besonders ungeheurer Bedeutung sind: alpha-Fötoproteine, die man braucht und die aus kindlichen Organen gewonnen werden können. Man begründet das dann, dass diese Stoffe sehr schnell aus dem kindlichen Organismus verschwinden und welche medizinische Bedeutung solchen zukommt."31

Das vollständige Sachverständigengutachten ist im Dokumentationsteil des Buches „Rohstoff Mensch" von Roland RÖSLER nachzulesen. Solche Vorhaben mobilisierten den Gesetzgeber. Es bliebe allerdings zu analysieren, inwieweit das Embryonenschutzgesetz den Schutz von Menschenleben verankert und tatsächlich zu schützen imstande ist. (Siehe nachfolgende Anmerkung des Herausgebers) So stellt beispielsweise der § 3 des Embryonenschutzgesetzes unter Strafe, „eine menschliche Eizelle mit einer Samenzelle künstlich zu befruchten, die nach dem in ihr enthaltenen Geschlechtschromosom ausgewählt worden ist". Dies würde bedeuten, dass die künstliche Geschlechtswahl verboten ist. In Wirklichkeit ist es jedoch heute mit einem erheblichen Grad an Sicherheit möglich, männliche Geschlechtszellen, die das weibliche Geschlechtschromosom enthalten, von jenen mit dem männlichen Geschlechtschromosom zu trennen. Dadurch ist es möglich, in Fällen der IVF das Geschlecht des zukünftigen Kindes mit hohem Wahrscheinlichkeitsgrad festzulegen. Da von dem strafrechtlichen Verbot Fälle ausgenommen sind, in denen die Auswahl der Samenzellen durch den Arzt dazu dienen soll, eine schwerwiegende geschlechtsgebundene Erbkrankheit des zu erzeugenden Kindes zu vermeiden, steht für die missbräuchliche Geschlechtswahl eine Hintertür offen.

Führen wir uns abschließend vor Augen, in welcher Höhe der deutsche Gesetzgeber bei Verstößen gegen das Embryonenschutzgesetz Bußgelder veranschlagt32 und vergleichen wir diese Strafgelder mit den Höchstsätzen an Geldbuße bei Zuwiderhandlungen gegen das Bundesnaturschutzgesetz unseres Landes33, so offenbart sich eine erschreckende Diskrepanz zu Ungunsten des ungeborenen menschlichen Lebens. Der Höchstsatz an Bußgeldern bei Zuwiderhandlungen gegen das Bundesnaturschutzgesetz liegt bei 100.000 DM, der für Verstöße gegen das Embryonenschutzgesetz bei nur 5.000 DM. Zu Recht fordert deshalb Johannes REITER (Mainz) in einer Stellungnahme zum deutschen Embryonenschutzgesetz, dessen zahlreiche Lücken zu beseitigen und eine baldige umfassende Regelung der neuen Techniken der Fortpflanzungsmedizin und ihrer Begleitfolgen anzustreben.34 

 

Anmerkung des Herausgebers:

  • Neben anderen im vorangehenden Kapitel erwähnten Lücken des Embryonenschutzgesetzes ist besonders darauf hinzuweisen, dass § 8 ESchG durch die willkürliche Festlegung des Beginns des Lebensschutzes auf die Kernverschmelzung diesen weiter nach hinten verschiebt. Damit stellt das ESchG allen Interessierten einen Zeitraum zur Verfügung, in dem die menschlichen Embryonen beliebig eingefroren, manipuliert oder auch getötet werden können. (Siehe S. 31, § 8 ESchG)
  • Darüber hinaus bleibt festzuhalten, dass die Lehre der kath. Kirche mit gutem Grund die In-vitro-Fertilisation nicht erlaubt (bekräftigt z. B. im vatikanischen Lehrschreiben „Donum Vitae"). Da In-vitro-Fertilisation die Voraussetzung für die Präimplantationsdiagnostik (PID) ist, verbietet sich die PID von selbst.  
  • Zum Thema Pränataldiagnostik allgemein siehe Heft 11 der Schriftenreihe der Aktion Leben e.V.: „Hauptsache gesund!" - Problemkreis der pränatalen Diagnostik und Abtreibungstötung bis zur Geburt. 

   

6. Bilanzierung der Retortenzeugung

Auf einem Kongress der Evangelischen Akademie Hofgeismar konkretisierte Peter Petersen, Psychotherapeut am Zentrum für Frauenheilkunde und Geburtshilfe an der Medizinischen Hochschule Hannover, die Angriffe auf die menschliche Würde durch die extrakorporale Befruchtung. Diese sei, so Petersen, eine potentiell vorsätzliche seelische Schädigung von Kind und Eltern35.

Weiter führt der Bericht über den Vortag von Petersen aus: „Hier steht mehr auf dem Spiel als nur eine neue medizinische Technik." Der Hannoveraner Psychotherapeut und Arzt ist in seiner Funktion an der Frauenklinik, wie er sagt, ständig mit Frauen und ihren Partnern konfrontiert, die sich heißinnigst ein Kind wünschen und keines bekommen können. Dennoch - oder gerade deshalb - betrachtet er die künstliche Befruchtung sehr kritisch, ja sogar ablehnend.

Petersen sieht einen wesentlichen, wenn nicht den entscheidenden Impuls für die Entwicklung der In-vitro-Fertilisation nicht von den betroffenen Frauen und Männern ausgehen, sondern von Wissenschaftlern und Ärzten. Ihre Motive, so unterstellt er, seien unter anderem „wissenschaftliche Neugier, bequeme Denkgewohnheiten aus fünf Jahrhunderten Medizinentwicklung, sowie Gewinnmaximierung". Zusätzlich bedrängten dann noch die Gefühle der kinderlosen Frauen - Panik, seelisches Chaos und Verzweiflung - die überforderten Ärzte, dem Druck des Kinderwunsches nachzugeben, „entgegen den Überlegungen der Vernunft", wie Petersen hinzufügte. Dem Mann falle dabei die Rolle des „Samen-Lieferanten" zu, die Frau werde zur „Gebärmaschine" abgewertet. 

„Mein Kinderwunsch hat mich erpresst", zitiert Petersen eine seiner Patientinnen. Vielfach reagierten diese Frauen, wenn es dann mit der In-vitro-Fertilisation doch nicht geklappt hat, mit seelischen Zusammenbrüchen, depressiven Reaktionen und psychosomatischen Beschwerden. Angst, Erfolgsdruck und Scham begleiteten die oft wochen- und monatelange Behandlungsprozedur. Das Freisein, meint der Hannoveraner Medizinprofessor, wird dadurch entwertet und entwürdigt. „Zärtlichkeit, sensible, leibliche Kommunikation und Sexualität bleiben auf der Strecke." Sein Fazit: Die leibseelische Beziehung zwischen den Partnern wird anästhesiert. 

Kinderlosigkeit ist kein Beinbruch, der lediglich zu reparieren ist. Petersen: „Hier steht die Menschwerdung zur Diskussion." Sensibel und intuitiv sollten sich deshalb nicht nur die Reproduktionsmediziner - „der Kinderwunsch erpresst auch sie" - sondern auch Psychosomatiker, Psychologen, Soziologen, Religions- und Kulturwissenschaftler mit der künstlichen Befruchtung befassen.

Andererseits ist sich Petersen relativ sicher:

„Diese meine Worte werden von durchschnittlichen Reproduktionsmedizinern mit einem zynischen Lächeln quittiert, bestenfalls als dekorative Sätze eines spinnigen Sonntagsredners abgetan." 

Die zentralen Vorwürfe von Petersen an seine Kollegen von der Reproduktionsmedizin und deren Patientinnen klingen harsch: Der Zweck des Kinderkriegens als absolutes Muss heiligt vielfach die Mittel der kalten, sterilen, hochtechnisierten Biologie: die Gefühle der Betroffenen, ihre Sexualität, ja auch die Partnerschaft sind der zu entrichtende Preis. Der Embryo wird durch die Reproduktionsmedizin zum „Re-Produkt" gemacht, „als beliebig wiederholbares, auf Abruf herstellbares Fakt". Und die kinderwünschenden Frauen? Die sind laut Petersen derart auf ihr Ziel fixiert und dadurch seelisch isoliert, dass man dies nur noch als Narzissmus bezeichnen kann.

Nahezu jede dritte gelungene extrakorporale Befruchtung endet mit einer Mehrlingsschwangerschaft, was die Eltern sehr belaste, häufig sogar seelisch überfordere. Die Kinder werden zu früh geboren und beginnen ihr Leben im Brutkasten. „Neurosen", so Petersen, „sind programmiert." Und: „Somit ist die extrakorporale Befruchtung eine potentiell vorsätzliche seelische Schädigung von Kind und Eltern." Für besonders verantwortungslos hält Petersen die In-vitro-Fertilisation im Hinblick darauf, dass einzelne Mehrlingsfeten selektiv reduziert, das heißt abgetötet werden dürfen. Krass formulierte das eine künstlich befruchtete Frau, die sich höchstens Zwillinge wünschte: Drillinge habe sie nicht bestellt. 

Auch eine Art Kosten-Nutzen-Analyse führte Petersen gegen die künstliche Befruchtung ins Feld: Den mageren Erfolgsaussichten von etwa 6 Geburten auf 100 Ei-Entnahmen stünden die Risiken übermäßig häufiger Ultraschallaufnahmen und hoher Hormondosen gegenüber, was in mehr Aborte und weniger Schwangerschaften münde. „Die Medizin züchtet ihre eigenen Fruchtbarkeitsschäden."36

 

7. Dokumentation des Embryonenschutzgesetzes

Gesetz zum Schutz von Embryonen

 (Embryonenschutzgesetz - ESchG) vom 13. Dezember 1990 

 

§1 Missbräuchliche Anwendung von Fortpflanzungstechniken

(1) Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer

1. auf eine Frau eine fremde unbefruchtete Eizelle überträgt,

2. es unternimmt, eine Eizelle zu einem anderen Zweck künstlich zu befruchten, als eine Schwangerschaft der Frau herbeizuführen, von der die Eizelle stammt,

3. es unternimmt, innerhalb eines Zyklus mehr als drei Embryonen auf eine Frau zu übertragen,

4. es unternimmt, durch intratubaren Gametentransfer innerhalb eines Zyklus mehr als drei Eizellen zu befruchten,

5. es unternimmt, mehr Eizellen einer Frau zu befruchten, als ihr innerhalb eines Zyklus übertragen werden sollen,

6. einer Frau einen Embryo vor Abschluss seiner Einnistung in der Gebärmutter entnimmt, um diesen auf eine andere Frau zu übertragen oder ihn für einen nicht seiner Erhaltung dienenden Zweck zu verwenden, oder

7. es unternimmt, bei einer Frau, welche bereit ist, ihr Kind nach der Geburt Dritten auf Dauer zu überlassen (Ersatzmutter), eine künstliche Befruchtung durchzuführen oder auf sie einen menschlichen Embryo zu übertragen.

(2) Ebenso wird bestraft, wer

1. künstlich bewirkt, dass eine menschliche Samenzelle, in eine menschliche Eizelle eindringt, oder

2. eine menschliche Samenzelle in eine menschliche Eizelle künstlich verbringt,

ohne eine Schwangerschaft der Frau herbeizuführen zu wollen, von der die Eizelle stammt.

(3) Nicht bestraft werden

1. in den Fällen des Absatzes 1 Nr. 1, 2 und 6 die Frau, von der die Eizelle oder der Embryo stammt, sowie die Frau, auf die die Eizelle übertragen wird oder der Embryo übertragen werden soll, und

2. in den Fällen des Absatzes 1 Nr. 7 die Ersatzmutter sowie die Person, die das Kind auf Dauer bei sich aufnehmen will.

(4) In den Fällen des Absatzes 1 Nr. 6 und des Absatzes 2 ist der Versuch strafbar.

   

§2 Missbräuchliche Verwendung menschlicher Embryonen

(1) Wer einen extrakorporal erzeugten oder einer Frau vor Abschluss seiner Einnistung in der Gebärmutter entnommenen menschlichen Embryo veräußert oder zu einem nicht seiner Erhaltung dienenden Zweck abgibt, erwirbt oder verwendet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Ebenso wird bestraft, wer zu einem anderen Zweck als der Herbeiführung einer Schwangerschaft bewirkt, dass sich ein menschlicher Embryo extrakorporal weiterentwickelt.

(3) Der Versuch ist strafbar.

   

§3 Verbotene Geschlechtswahl

Wer es unternimmt, eine menschliche Eizelle mit einer Samenzelle künstlich zu befruchten, die nach dem in ihr enthaltenen Geschlechtschromosom ausgewählt worden ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft. Dies gilt nicht, wenn die Auswahl der Samenzelle durch einen Arzt dazu dient, das Kind vor der Erkrankung an einer Muskeldystrophie vom Typ Duchenne oder einer ähnlich schwerwiegenden geschlechtsgebundenen Erbkrankheit zu bewahren, und die dem Kind drohende Erkrankung von der nach Landesrecht zuständigen Stelle als entsprechend schwerwiegend anerkannt worden ist.

 

§4 Eigenmächtige Befruchtung, eigenmächtige Embryoübertragung und künstliche Befruchtung nach dem Tode

(1) Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer

1. es unternimmt, eine Eizelle künstlich zu befruchten, ohne dass die Frau, deren Eizelle befruchtet wird, und der Mann, dessen Samenzelle für die Befruchtung verwendet wird, eingewilligt haben,

2. es unternimmt, auf eine Frau ohne deren Einwilligung einen Embryo zu übertragen, oder

3. wissentlich eine Eizelle mit dem Samen eines Mannes nach dessen Tode künstlich befruchtet.

(2) Nicht bestraft wird im Fall des Absatzes 1 Nr. 3 die Frau, bei der die künstliche Befruchtung vorgenommen wird.

  

§5 Künstliche Veränderung menschlicher Keimbahnzellen

(1) Wer die Erbinformation einer menschlichen Keimbahnzelle künstlich verändert, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mir Geldstrafe bestraft.

(2) Ebenso wird bestraft, wer eine menschliche Keimzelle mit künstlich veränderter Erbinformation zur Befruchtung verwendet.

(3) Der Versuch ist strafbar.

(4) Absatz 1 findet keine Anwendung auf

1. eine künstliche Veränderung der Erbinformation einer außerhalb des Körpers befindlichen Keimzelle, wenn ausgeschlossen ist, dass diese zur Befruchtung verwendet wird.

2. eine künstliche Veränderung der Erbinformation einer sonstigen körpereigenen Keimbahnzelle, die einer toten Leibesfrucht, einem Menschen oder einem Verstorbenen entnommen worden ist, wenn ausgeschlossen ist, dass

a) diese auf einen Embryo, Foetus oder Menschen übertragen wird oder

b) aus ihr eine Keimzelle entsteht

sowie

3. Impfungen, strahlen-, chemotherapeutische oder andere Behandlungen, mit denen eine Veränderung der Erbinformation von Keimbahnzellen nicht beabsichtigt ist.

  

§6 Klonen

(1) Wer künstlich bewirkt, dass ein menschlicher Embryo mit der gleichen Erbinformation wie ein anderer Embryo, ein Fötus, ein Mensch oder ein Verstorbener entsteht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Ebenso wird bestraft, wer einen in Absatz 1 bezeichneten Embryo auf eine Frau überträgt.

(3) Der Versuch ist strafbar.

 

§7 Chimären- und Hybridbildung

(1) Wer es unternimmt

1. Embryonen mit unterschiedlichen Erbinformationen unter Verwendung mindestens eines menschlichen Embryos zu einem Zellverband zu vereinigen,

2. mit einem menschlichen Embryo eine Zelle zu verbinden, die eine andere Erbinformation als die Zellen des Embryos enthält und sich mit diesem weiter zu differenzieren vermag, oder

3. durch Befruchtung einer menschlichen Eizelle mit dem Samen eines Tieres oder durch Befruchtung einer tierischen Eizelle mit dem Samen eines Menschen einen differenzierungsfähigen Embryo zu erzeugen,

wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Ebenso wird bestraft, wer es unternimmt,

1. einen durch eine Handlung nach Absatz 1 entstandenen Embryo auf

a) eine Frau oder

b) ein Tier

zu übertragen, oder

2. einen menschlichen Embryo auf ein Tier zu übertragen.

  

§8 Begriffsbestimmung

(1) Als Embryo im Sinne dieses Gesetzes gilt bereits die befruchtete, entwicklungsfähige menschliche Eizelle vom Zeitpunkt der Kernverschmelzung an, ferner jede einem Embryo entnommene totipotente Zelle, die sich bei Vorliegen der dafür erforderlichen weiteren Voraussetzungen zu teilen und zu einem Individuum zu entwickeln vermag.

(2) In den ersten vierundzwanzig Stunden nach der Kernverschmelzung gilt die befruchtete menschliche Eizelle als entwicklungsfähig, es sei denn, dass schon vor Ablauf dieses Zeitraums festgestellt wird, dass sich diese nicht über das Einzellstadium hinaus zu entwickeln vermag.

(3) Keimbahnzellen im Sinne dieses Gesetzes sind alle Zellen, die in einer Zell-Linie von der befruchteten Eizelle bis zu den Ei- und Samenzellen des aus ihr hervorgegangenen Menschen führen, ferner die Eizelle vom Einbringen oder Eindringen der Samenzelle an bis zu der mit der Kernverschmelzung abgeschlossenen Befruchtung.

 

§9 Arztvorbehalt

 Nur ein Arzt darf vornehmen:

1. die künstliche Befruchtung,

2. die Übertragung eines menschlichen Embryos auf eine Frau,

3. die Konservierung eines menschlichen Embryos sowie einer menschlichen Eizelle, in die bereits eine menschliche Samenzelle eingedrungen oder künstlich eingebracht worden ist.

 

§10 Freiwillige Mitwirkung

Niemand ist verpflichtet, Maßnahmen der in § 9 bezeichneten Art vorzunehmen oder an ihnen mitzuwirken.

 

§11 Verstoß gegen den Arztvorbehalt

(1) Wer, ohne Arzt zu sein,

1. entgegen §9 Nr. 1 eine künstliche Befruchtung vornimmt oder

2. entgegen § 9 Nr. 2 einen menschlichen Embryo auf eine Frau überträgt,

wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Nicht bestraft werden im Fall des § 9 Nr. 1 die Frau, die eine künstliche Insemination bei sich vornimmt, und der Mann, dessen Samen zu einer künstlichen Insemination verwendet wird.

 

§12 Bußgeldvorschriften

(1) Ordnungswidrig handelt, wer, ohne Arzt zu sein, entgegen § 9 Nr. 3 einen menschlichen Embryo oder eine dort bezeichnete menschliche Eizelle konserviert.

(2) Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße bis zu fünftausend Deutsche Mark geahndet werden.

 

§13 Inkrafttreten

Dieses Gesetz tritt am 1. Januar 1991 in Kraft.

 

8. Glossar

Abortus: Fehlgeburt

Chromosomen: Träger der Erbanlagen im Zellkern

Ejakulat: sog. Samenflüssigkeit (vorwiegend Sekrete aus Prostata und Samenblase) mit darin enthaltenen männlichen Fortpflanzungszellen (Spermien)

Embryo: Bezeichnung für den ungeborenen Menschen während der ersten drei Schwangerschaftsmonate

Embryo-Transfer: Übertragung des Embryos vom Reagenzglas in die Gebärmutter (ca. 2 Tage nach der Befruchtung)

Fertilität: Fruchtbarkeit

Fetus: Bezeichnung für den ungeborenen Menschen nach dem 3. Schwangerschaftsmonat bis zur Geburt

Gamet: Fortpflanzungszelle

Gestationswoche: Schwangerschaftswoche

Indikation: zwingender Grund zur Anwendung eines bestimmten Heilverfahrens in einem bestimmten Krankheitsfall

Insemination: Besamung

in-vitro: im Reagenzglas

In-vitro-Fertilisation: künstliche Befruchtung im Reagenzglas

Ligatur: Unterbindung

Malthusianismus: Ideologie der Beschränkung des Bevölkerungswachstums

Masturbation: syn. für Onanie = künstliche Reizung des Penis bis zur Ergießung des Ejakulats.

Neurose: Psychische Störung

Nidation: Einnistung der befruchteten Eizelle in die Schleimhaut der Gebärmutter

Ovulation: Eisprung

Ovulationshemmer: Hormone, die den Eisprung verhindern sollen

Phänotyp: Erscheinungsbild; Summe aller an einem Einzelwesen vorhandenen Merkmale Präimplantationsdiagnostik (PID): medizinisches Verfahren, bei dem Embryonen auf mögliche Erbfehler untersucht werden: Eine weibliche Eizelle wird außerhalb des Körpers mit einer Samenzelle künstlich befruchtet. Die befruchtete Eizelle wird nicht sofort in die weibliche Gebärmutter eingepflanzt. Die Mediziner warten, bis sich daraus etwa acht Zellen gebildet haben. Dann entnehmen sie ein oder zwei Zellen und untersuchen diese auf mögliche Schäden im Erbgut. Bei genetischem Schaden wird der kleine Mensch „verworfen" oder für die Forschung verwendet, d. h. in jedem Fall getötet.

Reproduktionsmedizin: Fortpflanzungsmedizin

Retorte: syn. für Reagenzglas (Probeglas)

Retortenbaby: durch künstliche Befruchtung außerhalb des Mutterleibes gezeugtes Kind

Retortenzeugung: künstliche Befruchtung im Reagenzglas, siehe In-vitro-Fertilisation

Rubikon: ital. Fluss, übertragen für gesetzte Grenzen überschreiten

Sektion: Kaiserschnitt

Sperma: alle Bestandteile eines Ejakulats (Spermien, Absonderung der Samenbläschen, Prostata, Cowperschen Drüsen)

Spermatozoid: sog. Samenfaden; bewegliche Fortpflanzungszelle des Mannes

Tubenligatur: Chirurgische Unterbrechung der Eileiter durch Ligatur, wobei Metall- oder Plastikklemmen angebracht werden

Zygote: Befruchtete Eizelle

   

9. Fußnoten:

Fußnote

Bedeutung

1

Der Bundesminister der Justiz: "Der Umgang mit dem Leben - Fortpflanzungsmedizin und Recht", Köln 1987, S. 6

2

WESTHOFF, Justin: "Der schöne neue Mensch", in: Die Zeit Nr. 9, 1984, S. 33-35

3

WORMER, Holger: "Ein Ersatzteillager namens Mensch", in: Süddeutsche Zeitung, 07.10.1997

4

Institut für Kultur und Wissenschaftliche Zusammenarbeit (Hrsg.): "Über die künstliche Befruchtung in-vitro" - Informationsschrift des Club Belvedere, Wien o.J.

5

SHARPE, R. M. und SKAKKEBABEK, N. E. S.: "Are oestrogens involved in falling sperm counts and disorders of the male reproductive tract?", in: The Lancet, Bd. 341, 1993, S. 1392

6

SURHOLT, Frank: Ei und Nadel unter dem Mikroskop, in: Die Welt, 05.01.1994

7

RÖTZER, Josef: "Natürliche Empfängnisverhütung", Herder, Freiburg, 20. Auflage, 1990

8

JANISCH, H.: "In-vitro-Fertilisation", in: Künstliche Befruchtung - Versuch einer Standortbestimmung in medizinischer, strafrechtlicher und moraltheologischer Sicht. (BRANDSTETTER et al. Hrsg.) FACULTAS-Universitätsverlag, Wien 1985

9

KUBITSCHEK, J.: "Östrogene in der Umwelt - Die sanfte Kastration.", in: Der Kassenarzt, Nr. 21, 1996

10

SÜSSMUTH, Roland und HÜGEL, Bruno: "Kommen hormonale Kontrazeptiva als bedenkliche Umweltverschmutzer in Betracht?", in: Empfängnisverhütung - Erkenntnisse und Erfahrungen, Hänssler/Christiana-Verlag, Neuhausen/Stein am Rhein 1998

11

MUGGERIDGE, Malcom: "Der große Schwindel der Überbevölkerung", in: Human Concern - Zeitschrift der Gesellschaft zum Schutz der ungeborenen Kinder (SPUC), Nr. 11, London 1982, S. 4-5

12

So entwickelte z. B. der englische Sozialforscher Thomas Robert Malthus (1766 - 1834) aus der Hypothese, dass die Bevölkerungszunahme der Nahrungsmittelproduktion nicht gewachsen sei, die Forderung nach wirksamer Bevölkerungskontrolle. Dies führte im Zuge des Neomalthusianismus zur Propagierung von Empfängnisverhütung und Abtreibung. Weiterführende Literatur zu diesem Fragenkomplex findet sich bei Roland RÖSLER: "Der Menschen Zahl", Christiana-Verlag, Stein am Rhein 1989.

13

NORRIS, Peggy: "In-Vitro-Fertilization and Population Control", in: The Medical Education Trust, 79 St. Mary=s Road, Huyton, Liverpool L 365 SR., 1993

14

WATSON, James D.: zit. aus einem Vortragsmanuskript des Generalsekretärs der "World Federation of Doctors who Respect Human Life", Dr. med. Ph. J. H. SCHEPENS, Straßburg 1987

15

JUNGK, R. und MUNDT, J. (Hrsg.): "Das umstrittene Experiment: Der Mensch." - Kurt Desch Verlag, München 1966, S. 303

16

Institut für Kultur und Wissenschaftliche Zusammenarbeit (Hrsg.): "Über die künstliche Befruchtung in vitro" - Informationsschrift des Club Belvedere, Wien o. J.

17

zit. nach HÜGEL, Bruno: "Wer schützt das ungeborene Leben? Das Tiefkühlbaby Anna Katharina", in: LEITBILD - Christliche Zeitung mit Hintergrundinformationen zum Zeitgeschehen, Ausgabe Nr. 2/1987

18

BLECHSCHMIDT, Erich: `Die Erhaltung der Individualität - Fakten zur Human-EmbryologieA, Hänsler-Verlag, Neuhausen-Stuttgart 1982

19

Es muss hier betont werden, dass es immer wieder vorkommt, dass manche Hypothese, die im Nachhinein nicht verifiziert werden konnte, naturwissenschaftlichen und medizinischen Forschungen gewichtige Impulse verliehen hat. Die Gleichsetzung solcher Arbeitshypothesen mit gesicherten Gesetzen ist illegitim. Sie kann durch Ideologisierung auf der Basis ungesicherter Annahmen den Fortschritt von Naturerkenntnis regelrecht blockieren. Der LYSSENKOismus auf dem Gebiet der Vererbbarkeit erworbener Eigenschaften in der ehemaligen Sowjetunion und dessen Förderung unter STALIN sind ein Analogum zu der Tabuisierung der Bezweiflung der Haeckelschen Hypothesen bis hin zum Ausgang des 20. Jahrhunderts. Die Differenzierung des menschlichen Embryos, seine Wachstumsprozesse und die Veränderung seiner Verhaltensweisen sind nicht die Rekapitulation der Phylogenese, sondern Ausdruck einer ab der Befruchtung sich vollziehenden Individualspezifität einer entwicklungsfähigen Zygote (befruchtete Eizelle). Ein Mensch wird demzufolge nicht während eines bestimmten Entwicklungsstadiums zum Menschen, sondern er ist Mensch von Anfang an, der Mensch entwickelt sich "als" Mensch nicht "zum" Menschen. Dies ist keine Frage der Interpretation, beruht nicht auf einer postulierten Arbeitshypothese, sondern ist das Ergebnis objektiver Sachkenntnis.

20

LAUN, Andreas: "Thesen zur ethischen Bewertung der In-vitro-Fertilisation aus der Sicht eines katholischen Moraltheologen" in: BRANDSTETTER W. et al. (Hrsg.) - `Künstliche Befruchtung´ - FACULTAS-Ng., Wien 1985

21

"In-vitro-Regelungen in der DDR", in: Der Kassenarzt, 29.11.1989, Frankfurt a. Main

22

WORMER, Holger: "Ein Ersatzteillager namens Mensch", in: Süddeutsche Zeitung, 07.10.1997

23

"Reproduktionsmediziner beklagen negatives Image", in: Trostberger Tagblatt, 04.05.1990

24

KRAUSE, W.: "Abnormer Spermabefund - In-vitro-Fertilisation lohnt sich nicht", in: Medical Tribune Nr. 35, 31.08.1990, S. 19

25

Institut für Kultur und Wissenschaftliche Zusammenarbeit (Hrsg.): "Über die künstliche Befruchtung in vitro" - Informationsschrift des Club Belvedere, Wien o. J.

26

BEHRENS, M.: "Selektion im Mutterleib", in: Süddeutsche Zeitung, Nr. 142, 23.03.1988, S. 37

27

BÜCHNER, B.: Stellungnahme zum Embryonenschutzgesetz - Entwurf der Bundesregierung durch die "Juristenvereinigung Lebensrecht", Köln, 23.10.1989

28

ROLOFF, E. K.: "Eiskalter Griff nach dem Menschen - Die Washingtoner Experimente mit klonierten Embryonen sind verwerflich", in: Rheinischer Merkur, Nr. 44, 29.10.1993, S. 132

29

LOHMANN, Martin: "Attacken gegen die Würde", in: Rheinischer Merkur, Nr. 44, 29.10.1993, S. 25

30

BEIER, Henning M.: "Die internationale Entwicklung der Reproduktionsmedizin und der Forschung an menschlichen Embryonen 1990" , in: Arbeits- und Erfahrungsbericht 1990/91 siehe oben

31

zit. nach RÖSLER, Roland: "Rohstoff Mensch - Embryonenhandel und Genmanipulation", Christiana-Verlag, Stein am Rhein/Schweiz, 1986

32

Embryonenschutzgesetz - ESchG (13.12.1990) - Bundesgesetzblatt I/S. 2746 ff

33

Bundesnaturschutzgesetz - BNSchG (12.03.1987) - Bundesgesetzblatt I/S. 88 ff

34

REITER, Johannes: "Zu vieles offengeblieben?", in: Herder Korrespondenz - Monatshefte für Gesellschaft und Religion, Freiburg, 44. Jg., Nr. 12, 1990

35

"Warum Professor Petersen die künstliche Befruchtung verdammt" in: Medical Tribune, Nr. 34, 24.08.1990

36

"Warum Professor Petersen die künstliche Befruchtung verdammt", in: Medical Tribune, Nr. 34, 24.08.1990