Sterilisation

Sterilisation - kleiner Schnitt, große Wirkung

Quelle: HLI-Reports, Juli 1999, S. 8 ff. - Autor: Rita A. O‘Donnell, Ehefrau und Mutter von drei Kindern, aus Pennsylvanien - Eigenübersetzung der AKTION LEBEN e.V. aus dem amerikanischen Englisch.


 

Oft sprechen wir vom Übel der Verhütung, und stillschweigend einbegriffen ist die Missbilligung der Sterilisation. Verhütung wie Sterilisation sind von der Sache her gleichermaßen schwere Sünde. Wenn sie einmal angewendet wurden, können sie sich jedoch recht unterschiedlich auswirken: Die Sterilisation ist sehr oft unumkehrbar und engt den Raum für eine Sinnes- oder Meinungsänderung stark ein. Eine in den ersten Jahren der Ehe getroffene Entscheidung kann ein Paar jahrzehntelang quälen.

Dies zeigt auch die folgende Geschichte eines Ehepaares, das zu spät erkannte, dass jedes Kind ein Segen Gottes ist, und dass es große Freude mit sich bringt, Gottes Wunsch, dass die Ehe fruchtbar sei, zu befolgen.


Ein netter junger Mann, 23 Jahre alt, arglos und lebensfroh, betrat eines Tages im Januar 1981 allein die Praxis eines Arztes. Er gehörte zu der Art von Leuten, die für jeden alles tun würden; er war immer bereit zu helfen, um andere vor Leiden zu bewahren. Als die Krankenschwester seinen Namen rief, ging er gehorsam in den Operationsraum. Der frohlockende Feind aus dem Reich der Finsternis zeigte ein teuflisches Grinsen im Gesicht: Der junge Mann war im Begriff, es zu tun! Ja, dieser nette junge Mann unterzog sich einem Gemetzel, dessen er sich in den kommenden Jahren gar nicht voll bewusst war. Der Arzt und die Schwester legten ihre Messer und Brenngeräte zurecht, und die Operation begann; die entscheidenden Schnitte wurden gemacht. Der Anblick und der Gestank des Rauches stiegen wie das Opfer zu einem Götzen auf. Das medizinische Personal tat, was der Feind wollte, und in nur 45 Minuten war ihre zerstörerische Tat vollendet: die Fortpflanzungsfähigkeit dieses Mannes war für immer zerstört.

Dieser reizende junge Mann war mein Ehemann. Er dachte, er würde mich vor dem Erdulden weiterer Leiden bewahren, da ich in den 3 Jahren unserer Ehe drei Kinder bekommen hatte, bei einer normalen Geburt und zwei Kaiserschnitten. Seine Sorge wegen meiner Schmerzen und Leiden veranlasste ihn zu einer Vasektomie (Sterilisation). Es gab mächtige Organisationen in der Gemeinde, wie Planned Parenthood (Anm.: International Planned Parenthood ist die Dachgesellschaft von Pro Familia Deutschland), und auch wohlmeinende Familienangehörige, die uns überzeugten, dass wir keine Kinder mehr haben sollten. Furcht befiel meinen Mann, und er dachte, dass ich keine weitere Schwangerschaft überleben würde, obwohl mir mein Gynäkologe sagte, dass ich weitere Kinder haben könnte. Mein medizinischer Beruf beeinflusste auch mich. Als Katholikin wusste ich, dass die Kirche lehrt, keine Verhütungsmittel zu benutzen, aber als Krankenschwester beugte ich mich der vorherrschenden Meinung und akzeptierte, zu meiner größten Bestürzung und meinem größten Schmerz, die Anwendung von Geburtenkontrolle und Sterilisation.

So oft, wenn wir in schwierigen Situationen oder Schicksalsprüfungen stecken, sieht es aus, als endeten sie nie. Aber alle Prüfungen sind vorübergehend, wie schmerzlich sie momentan erscheinen mögen. Ich hatte 3 Kinder, ein Neugeborenes, je eines von 15 Monaten und 30 Monaten. Wie sehr liebte ich diese 3 prächtigen kleinen Kinder. Aber ich hatte das Gefühl, als ob sie nie größer werden würden. Wie könnte ich es körperlich schaffen, noch mehr Kinder zu haben? Daher dachte ich, dass eine Sterilisation die Antwort wäre. Wir waren ein jung verheiratetes Paar mit großen finanziellen Problemen. Mein Mann war von seiner Arbeitsstelle entlassen worden, und ich konnte nicht arbeiten gehen, weil ich bei meinen kleinen Kindern zu Hause bleiben musste. All diese Probleme auf einmal schienen zu dieser Zeit nie enden zu wollen.

Heute sind meine Kinder 21, 20 und 18 Jahre alt. Mein Mann hat eine phantastische Stellung, und wir leben in einem geräumigen Haus, viel zu groß für eine Familie von fünf Personen. Ich erzähle das alles, weil so viele Leute mitten in der Zeit des Kindergebärens und im Stress der ersten Ehejahre die endgültige Entscheidung für eine Sterilisation treffen. Das ist meine dringende Bitte an junge Ehepaare: Bitte, tun Sie es nicht! Ich habe unzählige Tränen vergossen! Dieser ganze Vorfall im Januar 1981, unsere Leichtgläubigkeit, Naivität und Sünde verursachten uns so großen Schmerz. All unsere Träume von weiteren Kindern lösten sich in Luft auf. Jede Verhütung ist Sünde, genauso wie die Sterilisation. Aber darüber hinaus ist die Sterilisation eine bleibende Entscheidung, die keiner Änderung der Gesinnung, der Meinung oder der Umstände Raum lässt.

Als mein jüngstes Kind sieben Jahre alt war, begann ich eine Leere in meinem Herzen und Heim zu bemerken. Wenn wir beim Essen um unseren Tisch saßen, vermisste ich immer jemanden. Ich begann zu erkennen, dass wir einen furchtbaren Fehler gemacht hatten.

In den darauffolgenden Jahren begannen mein Mann und ich den Wert des Lebens auf eine tiefere Art und Weise zu begreifen. Wir schlossen uns Protesten gegen die Abtreibungstötung an. Wir hielten Mahnwachen ab vor Krankenhäusern und Abtreibungskliniken. Dann erkannten wir unsere Scheinheiligkeit. Wie konnten wir als sterilisiertes Paar, das sich gegen weitere Kinder entschieden hatte, gegen andere Personen oder Gruppen, die im wesentlichen dieselbe Überzeugung hatten, vorgehen? Da sprach Gott in meinem Herzen, dass ich genauso schuldig sei, wenn nicht schuldiger als die Abtreibungsbefürworter. Mein Mann und ich machten einen großen Sinnes- und Herzenswandel durch in der Erkenntnis, dass die Abtreibungstötung in diesem Land niemals gestoppt werden könne, bis die Leute in der Kirche, namentlich wir selber, eine Bekehrung des Herzens in Bezug auf die Kinder durchmachten.

Wir begriffen mehr und mehr, dass Kinder wirklich eine Gabe und ein Geschenk Gottes sind und kein Fluch. Psalm 127,3 sagt: „Eine Gabe vom Herrn sind Söhne, eine Belohnung die Leibesfrucht." Heute denken die Leute, das Schlimmste, was ihnen im Leben passieren könnte, sei, sechs Kinder oder acht oder wie viel auch immer zu haben. In Psalm 128,3-4 heißt es: „Deine Gattin gleicht einem fruchtreichen Weinstock im Innern deines Hauses. Deine Söhne sind wie Ölbaumsetzlinge rings um deinen Tisch." Gott betrachtet die vielen Kinder an eurem Tisch als Belohnung und Segen. Unsere Gesellschaft sieht viele Kinder als Fluch an. Wir erkannten, dass wir mehr mit den Augen Gottes als mit den Augen der Gesellschaft sehen sollten.

An diesem Punkt angelangt, fielen wir auf die Knie und baten Gott um Vergebung für unsere Sünde der Sterilisation und dass uns nicht jedes Kind, das Er uns geben wollte, willkommen war. Wir fühlten, dass wir Gottes ursprünglichen Plan und Absicht wiederherstellen wollten, und so entschieden wir uns zum ersten chirurgischen Eingriff, der die Sterilisation rückgängig machen sollte.

Voll freudiger Erwartung sahen wir dem Eingriff entgegen, weil wir von anderen wussten, die Erfolg hatten und nach einer solchen Operation noch weitere Kinder bekommen hatten. Doch die Sterilisation meines Mannes lag zu dieser Zeit schon 12 Jahre zurück, und die beste Chance für eine Rückgängigmachung liegt unter 10 Jahren. Wir erlebten solch einen Aufbruch, Bereicherung und Bewegung in unserer Ehe bei dem Gedanken, dass wir noch mehr Kinder haben könnten. Diesmal sagten wir: „Lieber Gott, wir sind jetzt offen für alle Kinder, die du für uns vorgesehen hast, sogar 10 Kinder." Wir sprachen dieses Gebet mit Bangen und Zagen. Nun waren wir offen für Gottes Plan, den er für die Größe unserer Familie hatte, sogar für eine große Familie. Wir wussten, wenn Gott uns die Kinder gibt, dann wird Er auch für sie sorgen. Das gab uns wirklichen Frieden und Zufriedenheit.

Vier Jahre später, nach vier Operationen, hatten wir noch immer keine weiteren Kinder bekommen. Ich kann nicht all die vergossenen Tränen beschreiben, all die gesprochenen Gebete und unser Schreien zu Gott, uns mit mehr Kindern zu segnen. Und wieder sagte uns Gott: „Ich werde die Größe eurer Familie bestimmen, sei sie groß oder klein." Ich denke, wir mussten die Lektion lernen, dass Gott die Verfügungsgewalt hat, vertrauen wir der Herrschaft Gottes und anerkennen wir Ihn als unseren Herrn. Wenn der Mensch neu zu erschaffen versucht, was Gott erdacht hat, ist das Ergebnis unvollkommen. In unserem Fall konnten die sachkundigen Chirurgen Gottes perfektes anatomisches Werk nicht wiederholen.

Es ist arrogant und stolz zu denken, dass wir den Wert einer Seele bestimmen können oder wann und ob Leben zur Welt kommen soll. Ich habe 12 Jahre lang ohne Erfolg mehr Kinder gewollt; mein Mann hatte vier Jahre lang teure Operationen, aber ohne Erfolg; wir versuchten ein Kind zu adoptieren, auch dieser Versuch misslang. Wir schätzen unsere drei wunderbaren Kinder sehr und Gott belohnte uns mit Seiner Huld. Aber wir wissen, dass Gott für uns mehr Kinder vorgesehen hatte. Wir werden niemals wissen, wodurch sich unsere zukünftigen Kinder ausgezeichnet hätten: Unser achtes Kind hätte vielleicht ein Heilmittel gegen Krebs entdeckt! Wir werden diese Kinder nie in unseren Armen halten können, und ich werde niemals ihre Umarmungen und Küsse erleben.

Die Verhütungsmentalität führt zur Abtreibungsmentalität; sie sind sich gleich. Wir dürfen nicht scheinheilig sein und sagen, wir seien für das Leben, wenn wir uns nicht für die ungeborenen Kinder einsetzen, die zu empfangen wir uns weigern.


Quelle: HLI-Reports, Juli 1999, S. 8 ff.Autor: Rita A. O‘Donnell, Ehefrau und Mutter von drei Kindern, aus Pennsylvanien

Eigenübersetzung der AKTION LEBEN e.V. aus dem amerikanischen Englisch. 


Weiterführende Literatur:

"Liebe, die aufs Ganze geht: „Humanae Vitae" - eine abgelehnte Enzyklika wird neu entdeckt",  Freundeskreis Maria Goretti e.V.

Kongregation für die Glaubenslehre: "Donum vitae, Instruktion über die Achtung vor dem beginnenden menschlichen Leben und die Würde der Fortpflanzung", Deutsche Bischofskonferenz

Papst Johannes Paul II: "Enzyklika Evangelium Vitae, über den Wert und die Unantastbarkeit des menschlichen Lebens"

P. M. Ramm FSSP: "Den Stimmlosen Stimme sein. Zum Kampf für das Lebensrecht der ungeborenen Kinder"

Papst Johannes Paul II: „`Humanae vitae´ immer aktuell - Ethische Norm und autonome Moral", Zeitdokument Nr. 22

Renate Boel: "Die Wirkung der Anti-Baby-Pille vor und nach der Empfängnis", Schriftenreihe Nr. 7


Bücher und Schriften erhältlich bei AKTION LEBEN e.V.