"Historische Chance vertan"

Presserklärung vom 11.04.2001

Bischöfe als Akzeptanzbeschaffer für gentechnologische Begehrlichkeiten

Weinheim. Jahrelang gab es kaum eine öffentliche Diskussion um bioethische Fragen in der Bundesrepublik. Nun, so schreibt das „Christliche Europäische Ethik Forum" (ceef) in einer Pressemitteilung, gebe es eine wahre Inflation an sog. ethischer Diskussion und das Pendel drohe ins andere Extrem umzuschlagen.

Der Begriff Diskussion komme vom lateinischen „discutere" - zertrümmern, zerteilen, zerschlagen, und genau das könne man derzeit feststellen. Nachdem eine Ethikkommission beim Gesundheitsministerium, die als Bremse gentechnologischer Begehrlichkeiten empfunden wurde, von Bundeskanzler Schröder zerschlagen wurde, plane dieser einen „eigenen" nationalen „Ethikrat". Die Vorgaben in Richtung Akzeptanz diverser gentechnologischer Aktivitäten garantiere die angestrebte Besetzung dieses Gremiums, schreibt das ceef.

Akzeptanz sei begehrt, deshalb greife man offensichtlich auf bewährte Strategien zurück. Das ceef erinnert daran, dass in den siebziger Jahren der SPD-Politiker Wehner, als es um die Liberalisierung der Abtreibungstötung ging, in Bezug auf die Kirchen die Losung ausgegeben hat: „Totschweigen oder einbinden!"

Damals habe man die Kirchen durch die Förderung der staatlich anerkannten Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen eingebunden, und deren Widerstand sei offensichtlich gebrochen worden.

Bei der neuen Herausforderung der gentechnologischen Entwicklungen plane Bundeskanzler Schröder nun, hochrangige Kirchenvertreter als Akzeptanzbeschaffer in seinen „Ethikrat" einzubinden. Dies hätten die Kirchen durch einen öffentlich begründeten Boykott entlarven können. Eine historische Chance sei vertan.