Entscheidungsfreiheit zum Töten

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Eine Frau hat nicht die "Freiheit", ihr Kind zu töten

Wie kommt es, dass die Abtreibungstötung, dieses verabscheuungswürdige Verbrechen (II. Vatikanum) an den Ungeborenen - alleine in Deutschland sind es vermutlich über 1000 Abtreibungs-Morde jeden Tag - in einer Gesellschaft, die human und noch weitgehend christlich sein will, geduldet und toleriert wird?

Ein wesentlicher Grund ist die selbst von Kirchen postulierte sog. Entscheidungsfreiheit (Gewissensentscheidung, Letztentscheidung) der Frau zur Tötung ihres Kindes im Mutterschoß. Man will die "Entscheidungsfreiheit" der Frau um keinen Preis antasten. Viele lehnen zwar die Dogmen der Kirche ab, merken aber nicht, dass der Feminismus hier ein entscheidendes "Dogma" aufgestellt hat, dem auch viele Kirchenvertreter stattgegeben haben.

Überlegungen nach Stephen Schwarz

 

Keine moralische Rechtfertigung

Man könnte fragen:

Spielt dieses "Dogma der Entscheidungsfreiheit" in der Frage der Abtreibungstötung eine so wichtige Rolle für die Moralität oder Sittlichkeit dieses Tuns?

Klar ist:

  • Eine Frau hat nicht die "Freiheit", ihr Kind zu töten. Moralisch hat sie kein Recht dazu, warum sollte sie es vor dem Gesetz haben?

Trotzdem billigt der Paragraph 219 StGB ihr eine verantwortliche "Entscheidung" zu, was weder moralisch noch juristisch gerechtfertigt ist. Denn auch der Gesetzgeber hat nicht das Recht, ein sittlich verwerfliches Tun wie Abtreibungstötung, Vergewaltigung, Terrorismus etc. zu gestatten, auch dann nicht, wenn sich eine parlamentarische Mehrheit dafür entscheiden sollte.

Artikel 19 (2) GG sagt:

"In keinem Fall darf ein Grundrecht in seinem Wesensgehalt angetastet werden."

Hitler hatte ebenfalls nicht das Recht, Juden, Regimegegner oder Behinderte u. a. umzubringen oder foltern zu lassen. Die Tatsache, dass er vom deutschen Volk gewählt war und ihm eine durch Manipulation und falsche Zusage zustande gekommene Mehrheit im Reichstag zu uneingeschränkter Macht verhalf, berechtigte ihn nicht zu den furchtbaren Gräueltaten.

 

Die ewigen Normen des Naturrechts

Ein Gericht urteilte 1947 bezüglich des sog. "Rechtspositivismus" (Recht ist, was eine Mehrheit für Recht hält):

"Hier endet der Rechtspositivismus, weil der Staat niemals die alleinige Quelle allen Rechts ist und nie willkürlich bestimmen kann, was Recht oder Unrecht ist. Es gibt ein über den Gesetzen stehendes Recht, das allen formalen Gesetzen als letzter Maßstab dienen muss. Es ist das Naturrecht, das der menschlichen Rechtssatzung unabdingbare und letzte Grenzen zieht. ... Verstößt ein Gesetz hiergegen und verletzt es die ewigen Normen des Naturrechts, so ist dieses Gesetz seines Inhaltes wegen nicht mehr Recht gleichzusetzen....

Einer dieser in der Natur tief und untrennbar verwurzelten Rechtssätze ist der Satz von der Heiligkeit des menschlichen Lebens und dem Recht des Menschen auf dieses Leben. ...

Daraus ergibt sich, dass die über die sog. Euthanasie ergangenen Erlasse oder auch Gesetze rechtsunwirksam sind, kein Recht geschaffen und somit niemals materielle Gesetzeskraft erlangt haben." (Frankfurt, AZ: 4 KLs 7/47)

Das Bundesverfassungsgericht hat in seinem Urteil vom Februar 1975 deshalb erklärt, dass das "Selbstbestimmungsrecht der Schwangeren nie Vorrang vor dem Lebensrecht der Leibesfrucht" habe. Die Betonung der "Entscheidungsfreiheit" ist also kein Argument zur Rechtfertigung der Abtreibungstötung!

Es ist lediglich ein Slogan, ein ideologisches Schlagwort zur Durchsetzung feministischer Forderungen.

Entscheidungsfreiheit besagt zwar vom Wortsinn her, dass der Einzelne das Recht auf eine bestimmte Entscheidung hat. Dies kann aber nicht gelten, wenn es sich um die Verfügungsgewalt über das Leben Dritter handelt, diese ist ihm entzogen.

 

Die Orientierung des Gewissens

Im kirchlichen Raum sprach man sogar von einer "Gewissensentscheidung" für oder gegen die Abtreibung, ohne dabei zu bedenken, dass das Gewissen einer Frau nie zu einer Abtreibungstötung drängen wird. Allenfalls könnte eine Frau glauben, es "noch" mit ihrem Gewissen vereinbaren zu können. Ein Gewissensurteil setzt aber Wissen voraus, das immer orientiert sein muss an den Geboten Gottes. Katholische Christen haben sogar die Pflicht, ihr Gewissen an diesem Maßstab und der Lehre der Kirche auszurichten.

Dennoch funktioniert "Entscheidungsfreiheit" als psychologisches Druckmittel, quasi als brauchbarer Schild, hinter dem das Grauen der Abtreibungstötung verborgen werden soll.

Es war von den Abtreibungsbefürwortern wohlbedacht, das Schlagwort von der "Entscheidungsfreiheit" zugunsten der Freigabe der Abtreibungstötung ins Feld zu führen, um damit den Massenmord an wehrlosen, unschuldigen ungeborenen Kindern zu kaschieren. Man versuchte, unter Vorgabe einer positiv klingenden Idee über das Grauen hinwegzutäuschen.

 

Der Erfolg dieser Strategie beruhte auf mehreren Faktoren, denn:

"Entscheidungsfreiheit" ist an sich etwas Positives.

In gewisser Hinsicht hat die Frau natürlich die Freiheit der Wahl. Sie kann das Kind austragen oder töten, wenn der Gesetzgeber das nicht verhindert. Aber selbst wenn unrechtmäßige Gesetze das gestatten, eine Mehrheit es für richtig hält und viele hunderttausend Bürger davon Gebrauch machen, ist damit nichts über die Erlaubtheit oder Unerlaubtheit gesagt. Die Schuld wird allenfalls sozialisiert, und der Einzelne fühlt sich - vielleicht vorerst einmal - entlastet.

Im heutigen Klima der Frauenemanzipation und des Feminismus ist es nicht leicht, sich gegen etwas zu stellen, das als "Grundrecht" der Frauen verteidigt wird.

 

Unterscheide:

JA zu den legitimen Rechten der Frau.

NEIN zu dem angemaßten Recht, das Kind zu töten.

Viele Leute sagen heute: "Ich persönlich bin gegen die Abtreibung, aber ich möchte meine Meinung niemandem aufzwingen. Die Frau soll `entscheiden´."

Manche von denen, die das sagen, haben im Grunde nichts gegen die Abtreibungstötung. Andere sehen, dass Abtreibung unrecht ist, aber sie lassen sich durch die Schlagkraft des Slogans einschüchtern.

Man stelle sich einmal vor, dass jemand sagt: "Ich persönlich bin dagegen, dass man kleine Kinder zu Tode quält, aber ich möchte anderen nichts vorschreiben." Natürlich ist das absurd. Doch warum findet man es hier absurd, dort aber nicht, wenn es sich um das ungeborene Kind handelt? Warum wird seine Tötung so widerstandslos hingenommen, wenn es unerwünscht ist. Eben wegen der psychologischen Schlagkraft des einen Wortes - "Entscheidungsfreiheit".

In einer Diskussion der US-Präsidentschaftskandidaten am 13.10.1988 mit George Bush und Michael Dukakis sagte letzterer, dass der Abtreibung eine qualvolle, schwierige Entscheidung vorausgehe, die der Frau überlassen werden müsse.

Es klingt so edelmütig und menschlich, es stellt die schwierige Situation der Frau in den Mittelpunkt, erweckt Sympathie für sie. Niemand möchte eine qualvolle "Entscheidung" leicht nehmen.

Es wird gesagt, dass die Frau die Wahl haben soll zwischen zwei Möglichkeiten, von denen die eine aber ist, ein kleines Kind auf qualvolle Weise zu töten.

Man muss sich klar machen, dass diese Schlagkraft psychologisch bedingt ist, nicht moralisch!

 

Was verlangt wird, ist ein Gräuel, nämlich die Möglichkeit, ein Kind zu ermorden.

Denken wir einmal an die Apartheid in Südafrika oder die Judenverfolgung in der NS-Zeit. Wenn die Schwarzen oder die Juden in der Gesellschaft schlecht behandelt oder getötet wurden, dann erzählen wir keine Geschichten von komplexen, qualvollen "Entscheidungen" für die Weißen in Südafrika oder die Nazis in Deutschland. Wir verurteilen das Übel des Rassismus. Diese Taten der damals Mächtigen verzeihen wir nicht. Wir verurteilen ein schlimmes Übel!

 

Macht erst der Wunsch der Eltern das Kind zu einer menschlichen Person?

Wenn man das Leben im Mutterleib retten will, spricht man vom Kind. Geht es aber um Abtreibungstötung, heißt es: "Wir haben den Embryo oder den Fötus entfernt." Aber kann der Wunsch der Eltern etwas daran ändern, dass das Kind Person ist? Die Vorstellung, dass jemand nur dann Mensch sei, wenn er erwünscht ist, ist Ausdruck und Folge der "Entscheidungsfreiheit" der Frau. Die Entscheidung, die Schwangerschaft auszutragen, macht dann den Embryo (Fötus, Schwangerschaftsgewebe) zu einem Kind, zu einer Person. Die Entscheidung, die Schwangerschaft abzubrechen, degradiert ihn zur Nichtperson, zu einer Sache.

Das ungeborene Kind wird also zugleich als Person wie als Sache betrachtet!

Das Argument der Befürworter der Abtreibungstötung lautet nicht: Abtreibung ist moralisch erlaubt, also darf die Frau sich dafür entscheiden, sondern, "die Frau hat Entscheidungsfreiheit." Daher sei Abtreibungstötung erlaubt, wenn sie sich dafür entscheide. Sind nicht die nächsten Opfer behinderte und pflegebedürftige Menschen, wenn sie nicht mehr "erwünscht" sind, aus welchem Grund auch immer?

Merke:

Abtreibungsbefürworter halten das Kind

  • für eine Person, wenn die Frau das Kind haben will,
  • für eine Sache, wenn die Frau die Abtreibung will.

Die "Entscheidungsfreiheit" wird so dargestellt, als ob sie ein sittlich begründetes Recht wäre. Das trifft nicht zu! "Entscheidungsfreiheit" wird zum höchsten Prinzip erklärt! Die Frau sagt, ich will, also soll es geschehen! Wir aber sagen: "Gottes Wille geschehe, der uns geboten hat: ´Du sollst nicht töten!`"

 

Literaturhinweis: 

In Anlehnung an Stephen Schwarz, "Die verratene Menschenwürde"

Communio Verlagsges. mbH, Köln, S. 158 ff.

Ein Beitrag von Michael Peters