Diözesanbrief

Die Abtreibungstötung hat eine Vorgeschichte im sexuellen Bereich

Diözesanbrief des katholischen Bischofs Joseph A. Fiorenza, Houston, USA


 

In den letzten Wochen wurde der wachsenden Zahl von Teenager-Schwangerschaften viel Aufmerksamkeit gewidmet. Das Fernsehen, nationale Magazine und Zeitungen, ebenso die lokale Presse schlugen Alarm über die erschreckende Häufigkeit von Teenager-Schwangerschaften.

Die Lösung, die viele Kommentatoren anbieten, ist nicht weniger erschreckend: kontrazeptive Mittel Teenagern leichter zugänglich zu machen und sie im Gebrauch derselben zu unterrichten. Jenen, die solche Lösungen vorschlagen, scheint nicht einzufallen, dass Mittel der Kontrazeption niemals zuvor in der menschlichen Geschichte leichter zugänglich waren als heute. Niemals zuvor kannten Teenager die kontrazeptive Technik besser als jetzt, und keine andere Generation erhielt soviel Information über Sexualität wie die heutige.

  • Ich habe keinen Zweifel daran, dass der entsetzliche Mangel an sittlicher Erziehung einer der wichtigsten Faktoren ist, die zu diesem Problem beitragen. Information über Sexualität ohne moralischen Kontext ist äußerst gefährlich. Teenager, die mit Beispielen sexueller Permissivität unter Erwachsenen überschwemmt werden, können kaum noch einen moralischen Grund erkennen, der sie davon abhält, dem Beispiel der Erwachsenenwelt zu folgen.

  • Die unverhohlene und unverfrorene Sexualität in Fernsehen und Kino und die Selbstverständlichkeit, mit der man zusammen lebt, ohne verheiratet zu sein, - dem Anschein nach unter Duldung, ja sogar mit Zustimmung der Gesellschaft - kann nicht hilfreich sein, sondern trägt zur sexuellen Aktivität unter Teenagern bei.

  • Außerhalb der Kirchen gibt es nur sehr wenige Institutionen, Organisationen oder Programme, die sich gegen die Woge der Permissivität aussprechen, die die Welt junger Menschen überschwemmt. Viele Eltern lassen ihre Kinder in einem Meer sexueller Immoralität treiben, weil sie sich überwältigenden Kräften machtlos ausgeliefert fühlen. Wenn man die Verbannung des natürlichen Schutzes der Keuschheit und sexueller Enthaltsamkeit in unserem Land betrachtet, ist es fast ein Wunder, wenn ein Teenager der Versklavung durch sexuelle „Freiheit" entgeht.

  • Wir können nicht zulassen, dass sich diejenigen durchsetzen, die das Problem der Teenager-Schwangerschaften durch den leichten Zugang zu Kontrazeptiva lösen wollen. Zunächst darum nicht, weil die Empfehlung der Kontrazeption als Mittel der Verhütung von Teenager-Schwangerschaften versagt hat. Eine solche Empfehlung beinhaltet aber auch die schreckliche Annahme, dass junge Menschen nicht in der Lage sind, sich moralisch zu verhalten und ihre sexuellen Wünsche zu kontrollieren, dass ihr sexuelles Verhalten vorbestimmt ist wie das der Tiere.

  • Mit anderen Worten, eine solche „Lösung" entwurzelt die menschliche Würde der Teenager, trägt zur Schwächung ihres moralischen Rückgrats bei und eliminiert die Freiheit, sich für ein moralisches Verhalten zu entscheiden.

  • Teenagern Kontrazeptiva zu geben, ist gleichbedeutend mit einer Einladung zu sexueller Aktivität. Die Annahme, sie täten es sowieso, darum sei es besser, ihnen Verhütungsmittel zu geben, spricht Teenagern die Fähigkeit zu moralischer Entscheidung ab. Wenn Erwachsene eine so geringe Meinung von ihnen haben, ist es dann überraschend, dass so viele sexuell aktiv sind? Eine der heute beklagenswertesten Situationen ist die Entscheidung einiger Schulbezirke, Oberschülern Kontrazeptiva verfügbar zu machen. Das ermutigt nicht nur zu sexueller Aktivität, sondern drückt diesem Verhalten den Zustimmungsstempel der Schule auf.

  • Der Weg zu einer richtigen Lösung ist der, zu begreifen, dass Teenager-Schwangerschaften sowohl ein soziales als auch ein moralisches Problem sind. Sie allein als soziales Problem zu behandeln, ist falsch. Das Problem hat moralische Wurzeln, das bedeutet, es betrifft den Respekt vor Gottes Gebot und den Werten der Heiligen Schrift, es betrifft Haltungen und den Gebrauch personaler Freiheit. Wenn Teenagern die Werte von Keuschheit und Enthaltsamkeit in ihrer emotionalen Entwicklung und moralischen Bildung nicht beigebracht werden, werden diese Schwangerschaften kaum zurückgehen. Das effektivste Mittel, Teenager-Schwangerschaften zu vermeiden, ist der Mut der Teenager, „nein" zu sagen zu sexueller Aktivität. Sie finden dafür kaum Unterstützung. Eltern, Kirchen und Schulen sollten zusammenarbeiten, um ihnen zu helfen. Gleichzeitig müssen große Anstrengungen unternommen werden, die Hersteller und Geldgeber von Kino- und Fernsehprogrammen davon zu überzeugen, dass sie auf schmutzige Darstellungen verzichten müssen oder einen wirtschaftlichen Boykott besorgter Bürger zu erwarten haben. Solange solche Schritte nicht unternommen werden, werden Teenager-Schwangerschaften nicht zurückgehen.

Das Wichtigste ist, jungen Menschen die Sexualität als Gabe Gottes, die nur für die Ehe bestimmt ist, verständlich zu machen. Wir würden unsere Jugend betrügen, wenn wir ihr nicht die Werte der Bibel vermitteln würden.


Quelle: Joseph A.Fiorenza, Bischof von Houston, in: Theologisches, Nr. 3, März 1987, Übersetzung: Elisabeth Backhaus