Die Drahtzieher hinter der Sexualerziehung?

Beitrag von Valerie Riches + Interview mit Carol Everett

Valerie Riches 


Zur Einführung


Dieser Beitrag soll als Hintergrundmaterial dienen sowohl für unsere deutsche Situation hinsichtlich der Schulsexual"erziehung" (nachfolgend SE genannt) wie auch für das neue vatikanische Dokument des Päpstlichen Rates für die Familie, das klärt, was das 2. Vatikanische Konzil und die Kirche wirklich unter "Sexualerziehung" verstehen und das daher alle schädlichen Formen der SE zurückweist und auf dem vorrangigen, GOTTgegebenen Recht der Eltern (und auch der Kirche) besteht.

Wir möchten hier anhand von zwei Beispielen die Situation in Großbritannien und den USA darstellen. Diese Beispiele stehen für die in allen anderen Ländern ähnliche Vorgehensweise der jeweiligen nationalen Familienplanungsorganisationen und der Abtreibungsbefürworter. In Deutschland ist es in besonderer Weise die Organisation „pro familia", die die Verführung der Gesellschaft betreibt, Helfershelfer finden sich jedoch auch in Jugendorganisationen der Parteien, kirchlichen (Jugend-)Verbänden, Wohlfahrtsorganisationen und staatlichen Stellen, wie z.B. der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung.


Der Bericht von Valerie Riches über die Situation in Großbritannien ist einem Buch entnommen, das die Situation in Großbritannien beschreibt. Herausgegeben vom „Family Education Trust" im Jahr 1995 (Family Publications, Oxford), werden in diesem Buch mit dem Titel „Tried but Untested" auf 109 Seiten von verschiedenen Autoren „die Ziele und Ergebnisse der SchulSE" dargestellt. Die vorliegende deutsche Übersetzung des Beitrages wurde uns freundlicherweise vom „Freundeskreis Maria Goretti" (FMG, Engelbertstr. 21, 81241 München) zur Verfügung gestellt. Die Erstveröffentlichung erfolgte im FMG-Rundbrief Nr. 58, April-1996.


Der zweite Beitrag „Wie die Abtreibungsindustrie in die Schulen eindringt" ist ein Interview mit Carol Everett, einer Amerikanerin, die über mehrere Jahre in verschiedenen amerikanischen Bundesstaaten kommerzielle Abtreibungskliniken unterhielt. Sie beschreibt, wie sie durch „Aufklärungsunterricht" in den Schulen ihren „Kundenstamm" vergrößerte. Kommerzielle Abtreibungseinrichtungen finden sich auch in Deutschland, oftmals getarnt in Nebengebäuden größerer öffentlicher Kliniken. Auch „pro familia" unterhält solche Einrichtungen.


Wenn in den vorgelegten Texten notgedrungen manche abstoßenden Details erwähnt werden, bitten wir um Verständnis. Allen, die uns bei den Übersetzungen geholfen haben, ein herzliches Danke. AKTION LEBEN e. V.


 

VALERIE RICHES

Die Autorin, Mutter und ausgebildete Sozialarbeiterin, leitet die Organisationen „Family Education Trust" und „Family & Youth Concern" und vertritt den Standpunkt dieser Vereinigungen regelmäßig in den Medien und in verschiedenen Büchern.


Die meisten Menschen werden der Meinung sein, es sei besser, Kinder würden "sauber" über Geschlechtlichkeit informiert, als dass man es ihnen selber überlässt, es herauszufinden. Viele Eltern werden sich trösten, dass die Schule nun Sexual"erziehung" (nachfolgend SE genannt) erteilt und glauben, sie würden auf diese Weise in ihrer elterlichen Aufgabe unterstützt, die Kinder zu einem feinfühligen Verständnis eines sehr wichtigen Aspektes des menschlichen Lebens hinzuführen. Doch die Erfahrung meiner eigenen Familie und die Nachforschungen, die ich angestellt habe, legen nahe, dass der SE-Bewegung finstere Motive zugrunde liegen und dass der Inhalt der SE den familiären Werten, an denen zahlreiche Eltern festhalten, feindlich entgegensteht.


 

Aus erster Hand


Ich wurde zum ersten Mal mit diesem Thema konfrontiert, als unser damals 14jähriger Sohn eines Tages zutiefst verstört aus der Schule kam - durch eine »Dosis« SE. Während sein Hauptinteresse zu jener Zeit den gefiederten Vögeln galt, nicht den Angehörigen des anderen Geschlechts, hatte sein Biologielehrer (frisch von einer Tagung der Familienplanungsorganisation FPA 1 zurück) einer verlegenen Klasse ein Sortiment von Verhütungsmitteln offeriert. Er erzählte den Schülern, da sie ja wohl auf Partys gingen, auf denen es "unabdingbar" sei, Sex zu haben, wäre ein Verhütungsmittel unentbehrlich. Wenn ein Mädchen nun dennoch schwanger würde, könne eine Abtreibung jederzeit arrangiert werden. Nachdem mein Mann und ich uns beim Schulleiter über diese unverfrorene Schulstunde in Promiskuität beschwert hatten, ächtete der Biologielehrer unseren Sohn vor der ganzen Klasse, weil er es uns erzählt hatte. Man kann sich kaum etwas vorstellen, das Jungen eher zum Schweigen bringt als eine derartige öffentliche Einschüchterung, die, wie wir später erfuhren, nicht unüblich ist. 

  1. FPA: "Familiy Planning Association" ist die Bezeichnung der englischen Mitgliedsvereinigung der International Planned Parenthood Federation", deren deutsche Schwester "pro familia" ist.

Bald nach der quälenden Erfahrung unseres Sohnes kamen weitere Ängste bei uns auf, als ein Lehrer bei einem SE-Symposium in Liverpool erklärte: „Wir müssen in die Schulen hinein, sonst werden die Kinder einfach den Sittenkodex ihrer Eltern befolgen." Was war falsch an unseren moralischen Normen und denen der anderen Durchschnittseltern, fragten wir uns.

 

Wir stießen auf eine Broschüre "Learning to Live with Sex", die 1972 von der FPA veröffentlicht worden war.


FPA: "Familiy Planning Association" ist die Bezeichnung der englischen Mitgliedsvereinigung der "International Planned Parenthood Federation", deren deutsche Schwester "pro familia" ist.Ihr freizügiger und unmoralischer Text endete mit einer Liste von Agenturen, die sich mit Verhütung, Abtreibung und Homosexualität befassten, und der Aufforderung: "Alle diese Stellen werden eure Probleme wohlwollend behandeln und euren Eltern nichts erzählen, solange ihr nicht wollt, dass sie davon erfahren."

Wir fingen an, Fragen zu stellen: Warum die tiefe Verachtung für die moralischen Normen der Eltern? Warum wurde SE in den Lehrplan eingeführt, ohne dass - wie in anderen Fächern - eine unparteiische Lehrkraft an den Stunden teilnahm und Erfolg oder Scheitern der Methode bewertete? Warum stieg, trotz aller SE und freien Verfügbarkeit der Verhütungsmittel, die Zahl der Schwangerschaften und Abtreibungen bei Jugendlichen? Je mehr wir nachforschten, um so erstaunter waren wir über das, was wir entdeckten, und über das Ausmaß, mit dem wir selbst mit den vorherrschenden freizügigen Meinungen indoktriniert worden waren.


 

Erfahrungen anderer

Ein Vater schrieb uns, wie die Schüler in der Klasse seiner 13jährigen Tochter aufgefordert worden waren, alle möglichen Bezeichnungen für Körperteile und sexuelle Handlungen aufzuschreiben; dann waren die Listen besprochen worden, und die Eltern hörten bestürzt von ihrer Tochter „neugelernte" perverse Ausdrücke. Eine Mutter schrieb: "Mein Mann und ich sind verzweifelt und besorgt, wie das moralische Wohl unserer Tochter uns aus den Händen genommen wird. Wir spüren, dass wir in einen ungleichen Kampf mit mächtigen Kräften geraten sind, die entschlossen scheinen, unsere Tochter mit Werten zu indoktrinieren, die unseren Werten direkt entgegenstehen und für ein Kind dieses Alters unpassend sind. Ehe es zu spät ist und eine ganze Generation von Kindern verdorben worden ist, müssen einige aggressive Gegenmaßnahmen unternommen werden."

Ein Schulleiter erzählte uns von einem von drei Filmen - aus der FPA-Serie ‘Life Begins’ - die vom BBC-Fernsehen ausgestrahlt wurden und sich an 10-11 Jährige richteten. Diese Filme haben Inhalte wie Nacktaufnahmen der „Eltern", Sexualverkehr von Zeichentrick-Tieren, dann wieder die "Eltern" mit Verhütungsmitteln - der erwachsene Zuschauer fühlte sich entwürdigt und beschmutzt beim Ansehen dieser Filme. Der Schulleiter sagte zu uns: „Wir müssen mit dem Strom schwimmen."


 

Die geschichtliche Entwicklung

Jahrhundertelang war die westliche Zivilisation grundlegend (wenigstens in der Theorie) einer wesentlichen Verbindung von Geschlechtlichkeit und treuer Liebe im Kontext einer lebenslangen monogamen Ehe verpflichtet. Kinder wurden als Segen betrachtet - als glückliches Ergebnis einer fruchtbaren Verbindung von Mann und Frau.

Diese natürlichen Voraussetzungen wurden aber untergraben u.a. von Pfarrer Thomas Malthus in seinem 1798 erschienenen „Aufsatz über das Bevölkerungsprinzip". Malthus argumentiert, dass die Weltbevölkerung immer schneller als die Nahrungsmittelproduktion wachsen und dies zu steigender Armut und Lasterhaftigkeit führen würde.

Über die Auswirkungen der Ansichten von Malthus auf Politik und Wirtschaft unseres Jahrhunderts finden sich umfangreiche Materialien in: Roland Rösler, Der Dämon des Thomas Robert, Derscheider Verlag, Abtsteinach, 1997, ISBN 3-930533-04-9


Charles Darwin stieß auf die Theorie von Malthus und erweiterte den Umfang seiner eigenen Arbeit über das Tierreich dahingehend, dass er die Menschheit einbezog. Darwin glaubte, dass die Gesellschaft sich selbst gefährde mit einem unangebrachten Mitleid, das den schwächsten Mitgliedern die Fortpflanzung erlaube. Darwins Cousin Francis Gaiton nutzte Darwins Ideen, um die Eugenik zu formulieren, die auf dem Glauben basiert, bestimmte Menschen gehörten einer höheren Rasse an und die Rasse könne durch selektive Vermehrung veredelt werden.

Die Eugeniker stellten die Frage: „Wie hält man diejenigen, die minderwertigen Rassen angehören, davon ab, sich weiterzuvermehren und der Rasse zu schaden?" Das war der Beginn der „Geburtenkontrollbewegung". Die beiden einflussreichsten Befürworterinnen der "Geburtenkontrolle", Marie Stopes in England und Margaret Sanger in Amerika, waren beide Rassistinnen und Eugenikerinnen sowie hochgradig freizügige Frauen. 


vgl.: Elasah Drogin, Margaret Sanger, Gründerin der modernen Gesellschaft, in: Schriftenreihe der Aktion Leben, Heft 1. Ihr vorrangiges Interesse bestand darin, in Bevölkerungsgruppen, die sie als unerwünscht betrachteten, Geburten zu verhindern. Beide Frauen befürworteten Massensterilisierungsprogramme.


Das Aufkommen des Nationalsozialismus in Deutschland erlaubte es den Eugenikern, ihre Theorien in die Praxis umzusetzen. Nach dem 2. Weitkrieg mussten sie allerdings ihre in Misskredit geratenen Ansprüche aufgeben und rechtfertigten stattdessen ihre Aktivitäten mit der neuen Behauptung, die Welt sei überbevölkert. Sie ließen auch den Begriff "Geburtenkontrolle" wegen seines faschistischen Klanges fallen zugunsten der "Familienplanung".

Indem die Geburtenkontrollbewegung sich selbst modernisierte, wurden die Grundlagen für die moderne sexuelle Revolution gelegt. Die sog. Kinsey-Reporte über das "Sexualverhalten des Mannes" (1948) und "der Frau" (1953) behaupteten, dass es in sexuellen Beziehungen keine Normalität oder Anormalität, kein Richtig oder Falsch gebe. Obwohl die Gültigkeit von Kinseys Untersuchungsmethode gleich beim Erscheinen des ersten Bandes in Frage gestellt wurde, verbreiteten die Medien die Nachricht begeistert in der ganzen Welt, mit der Wirkung, dass wir in eine zuvor nie gekannte Periode vermeintlicher sexueller Freiheit und Glückseligkeit eintraten.

Die Fehler der Methode Kinseys wurden in dem Buch „Kinsey, Sex and Fraud, The Indoctrination of a People" ("Kinsey, Sex und Betrug, die Indoktrinierung des Volkes") von J. A. Reisman, E. W. Eichel, Huntingdon House 1990) dargelegt. Ungefähr ein Viertel der ausgewählten Männer waren Gefangene, männliche Prostituierte eingeschlossen. Kleine Kinder von zwei Monaten waren sexuell stimuliert worden, um zu zeigen, dass sexuelle Aktivität von Kindheit an genossen werden könne. Aus kriminellen Quellen erfasste Daten wurden somit als seriöse wissenschaftliche Forschung dargestellt und lieferten den Plan zur SE-Politik. Es war auch der Durchbruch für die Pädophilenbewegung.

Als Kinseys falschen Schlußfolgerungen immer mehr Glauben geschenkt wurde, gründete Margaret Sanger die „Planned Parenthood Federation" (Verband für geplante Elternschaft) in Amerika und dann, 1952, begann die "International Planned Parenthood Federation" (IPPF) mit dem Zentralsitz in London. Die acht Gründungsmitgliedsverbände schlossen die britische „Family Planning Association" und die deutsche „Pro Familia" mit ein. Der „Bevölkerungsrat" (Population Council) in New York wurde von John D. Rockefeller III. gegründet, und er diente dazu, die Vereinten Nationen zu gewinnen, sich für Bevölkerungskontrolle zu engagieren. Die von diesen Organisationen ausgedachten politischen Vorhaben werden von den IPPF-Mitgliedern rund um die Welt in jedes Land hineingetragen.


Typisch für die in den späten 50er Jahren vorherrschende Ideologie waren die Absichten, die Dr. Brock Chisholm, der erste Direktor der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in „Can People Learn to Learn" (Können die Menschen das Lernen lernen?, London 1958) dargelegt hat. Chisholm wollte die Weltherrschaft und glaubte, dass die dauerhaftesten Hindernisse für das, was er als zivilisierte Lebensweise betrachtete, die Auffassungen von richtig und falsch seien. Glaubenskodizes, feste Regeln und Dogmen waren ihm ein Greuel. Er sah Eltern als Diktatoren an, die die bessere Natur ihrer Kinder unterdrückten, und er glaubte, die Kinder müssten von religiösen und kulturellen Vorurteilen, die ihnen aufgezwungen würden, befreit werden. Er befürwortete SE von einem frühen Alter an und lehrte, dass die Gebräuche der Älteren ausgemerzt werden sollten, wenn nötig mit Gewalt.

Ein anderes, 1977 veröffentlichtes, bemerkenswertes Buch, „The SIECUS Circle, A Humanist Revolution" (Der SIECUS-Kreis, eine humanistische Revolution) dokumentierte die Aktivitäten des Sexualinformations- und Erziehungsrates der Vereinigten Staaten (Sex Information and Education Council of the United States SIECUS). Diese Organisation, 1964 gegründet, beeilte sich sehr, sich an der Manipulation der Gesellschaft durch SE in den Schulen zu beteiligen. Diese Agentur beeinflusste zweifellos die Art der SE an den Schulen der westlichen Welt. Sein erstes Vorstandsmitglied Mary Calderone unterstützte folgende Absichten, die in "The Challenge of Marriage" (Kampfansage an die Ehe) von Rudolph Dreikurs) wiedergegeben wurden:

  • dass die Geschlechter oder Geschlechterrollen ineinander verschmolzen oder umgepolt werden sollten;
  • dass Kinder von ihren Familien befreit werden sollten;
  • dass die Familie, so wie wir sie gekannt haben, abgeschafft werden sollte.

Diese radikalen Ideen waren in politische Vorhaben, Programme und Veröffentlichungen eingebettet und wurden über die ganze Welt unter nichtsahnenden Völkern und Regierungen verbreitet mit den Mitteln der SE-Programme und durch Publikationen, die IPPF durch ihre Mitglieder in aller Welt propagiert.


Im Jahr 1976 legte IPPF die "Strategy of Legal Reform" (Strategie der Rechtsreform, IPPF-News Juli/August 1976) vor, in der sie ihre Mitgliedsorganisationen drängte, Gesetzesbereiche herauszufinden, die reformiert werden könnten, und Argumente für solche Reformen zu finden.

Reformen unter dem Titel der „Stellung der Frau" schlossen die Forderung nach Familienplanung, Abtreibung und Sterilisation mit ein. Es sollte auch Steuerreformen, gelockerte Scheidungs- und Familiengesetze, ein niedrigeres Zutrittsalter zu „Geburtenkontroll"-Beratungsstellen, "um den Bedürfnissen junger Menschen zu entsprechen", und - unvermeidbar - verpflichtende SE geben.

Ein 1984 veröffentlichter IPPF-Report „The Human Right to Family Planning" (Das Menschenrecht auf Familienplanung) erklärt, dass Kinder ab 10 Jahren vollen Zugang zur Empfängnisregelung und zu den „Beratungsstellen" haben sollten - mit garantierter Geheimhaltung und Vertraulichkeit - das bedeutet, ohne elterliche Zustimmung. Ohne jegliche Selbstzweifel und anscheinend davon überzeugt, dass IPPF über allen Gesetzen steht, heißt es in dem Bericht:

"Familienplanungsorganisationen und andere Nichtregierungs-Organisationen (NGO) sollten das Fehlen von Gesetzen oder die Existenz von ungünstigen Gesetzen nicht als Entschuldigung für Tatenlosigkeit benutzen; das Handeln außerhalb des Gesetzes und selbst seine Verletzung sind ein Teil des Prozesses, Veränderungen voranzubringen."

Ein anderer IPPF-Report "A Strategy for Legal Change" (Eine Strategie zur Änderung des Rechts, London 1981) zeigte, wie in Togo die FPA mit Verstoß gegen bestehende Gesetze die SE in den Schulen erreichte. 


 

Die Folgen

Ehe in den 50er Jahren die SE sich auszubreiten begann, gab es unter den 16Jährigen in Großbritannien jährlich nur einige Hundert Schwangerschaften. In den 90er Jahren stieg die Zahl solcher Schwangerschaften auf fast 9.000 - die höchste in Europa -, obwohl SE und Empfängnisverhütung großzügig angeboten wurden und werden.

Dr. Judy Bury von den "Brook Advisory Centres" (Brook-Beratungszentren) gesteht ein: "Es gibt einen überwältigenden Beweis, dass im Gegensatz zu dem, was man erwarten möchte, die Verfügbarkeit empfängnisverhütender Mittel zu einem Anstieg der Abtreibungsrate führt" ("Sex Education for Bureaucrats", in: The Scotsman, 29.6.1981).


Brook: Ein Ableger der FPA, eine steuerbegünstigte Körperschaft öffentlichen Rechts, wurde 1964 gegründet.


Die Bevölkerungskontrollorganisationen geben offen zu, dass die Verhaltensweise der Paare hinsichtlich der Fruchtbarkeit nicht hauptsächlich durch die Verfügbarkeit von Verhütung und Abtreibung bestimmt wird, sondern durch die Kultur, in der sie leben. Da die meisten Kulturen ihr Zentrum in der Familie haben, muss die Geburtenkontrollbewegung das Familienleben in den Entwicklungsländern den Voraussetzungen und Werten der modernen westlichen Konsumgesellschaften anpassen. Die Leute müssen z.B. überzeugt werden, dass Sex und Ehe, Sex und Kinderkriegen nicht notwendig zusammengehören; dass außereheliches Zusammenleben eine lebensfähige, sogar wünschenswerte Option sei; und dass Kinder ein Recht auf ihr eigenes sexuelles Leben ohne Einmischung seitens ihrer Eltern hätten.

Wenn solche Verhaltensformen angenommen werden, fällt die Geburtenziffer; darauf folgt der Angriff auf die Familie, der stets einen Teil des Bevölkerungskontrollprogrammes bildet, und dann kommt die Einflussnahme von IPPF auf anscheinend nebensächliche Gegenstände wie Besteuerung, Frauenbefreiung, Ehe und Ehescheidung und, ganz entscheidend, die SE der Kinder. 


 

Die Drahtzieher der Veränderung in Großbritannien

Da öffentliche Erziehung eine Staatsangelegenheit ist, drängen die Befürworter der SE auf eine Ausdehnung des Bereiches der staatlichen Einflußnahme auf die SE der Kinder. Die Vorsitzende und Begründerin der Brook-Beratungszentren, Lady Helen Brook, drückte diese Absicht 1980 in einem Antwortschreiben an Kritiker einer ausführlichen SE kurz und bündig so aus: "Von der Geburt bis zum Tod ist es das Vorrecht von Vater Staat, größere Entscheidungen zu treffen - objektiv und emotionsfrei; der Staat bestimmt, was das Beste für das Kind ist." (Brief von Helen Brook an „The Times", 16.2.1980)

Eine von der "Family Planning Association" (FPA) 1978 veröffentlichte Aussage über ihre Politik besagt, dass SE "... einen Anreiz liefern soll, auf eine Gesellschaft hinzuarbeiten, in der archaische sexuelle Gesetze, irrationale Ängste vor Sex und sexuelle Ausbeutung nicht existieren" (in „Sex Education, an FPA Statement", August 1974). Das wird in vielen der FPA-Materialien für Schulen bestätigt. Ein bei Sexualerziehern beliebtes Buch ist "Make it Happy" (Mache es mit Freude, von Jane Cousins, erstmals 1978 veröffentlicht). 


(Ausführliche Information in FMG-Info 27, S. 6 f (FMG, Engelbertstr. 21, 81241 München)


Es ist ein Sturmbock, um gesellschaftliche Zwänge und Tabus zu brechen. Die heranwachsenden Kinder werden hier aufgeklärt, wie sie Sex auf jede mögliche Weise haben können, einschließlich der Aktivitäten, die von ihrer Natur her keine Schwangerschaft zur Folge haben können, wie Anal- und Oralsex und perverse Praktiken. Dieses und ähnliche Bücher behaupten, dass Ekel vor Perversionen und jegliches Schuldgefühl überwunden werden müssen.

Als einzige absolute Moral gilt nur: Jedesmal, wenn Geschlechtsverkehr ausgeübt wird, muss eine Verhütungsmethode angewandt werden, im sicheren Wissen darum, dass die Eltern nichts erfahren.

Die Sexerzieher möchten bei Kindern schon möglichst früh anfangen. Ein Sprecher der FPA-Erziehungsabteilung sagte 1970 vor einem Regierungskomitee: "Erziehung zur Empfängnisverhütung muss schon in sehr jungen Jahren durchgeführt werden. Es ist fast schon zu spät, wenn die Kinder in die Pubertät kommen... Schulkinder sind ein aufgeschlossenes Publikum."


Das 1993 von FPA herausgebrachte „Primary School Work Book" (Grundschul-Arbeitsbuch) führt den Untertitel "Teaching sex education within the National Curriculum" (SE im Rahmen des staatlichen Lehrplans, von Gill Lenderyou, London 1993) und ist für Kinder von vier bis elf Jahren gedacht. Es beinhaltet ein "Wortpuzzle über sexuelle Aktivität", in dem Kinder aus einem Buchstabengewirr eine Reihe sexuell besetzter Begriffe herausfinden sollen ... Die deutliche Botschaft des Buches heißt: Heterosexualität ist nur eine Möglichkeit, und es ermutigt die Kinder, allein oder mit anderen zu masturbieren. Es wird ihnen gesagt: "Alleinige oder gegenseitige Masturbation empfiehlt sich jetzt als Teil von ,safer sex’."

1994 organisierte FPA einen groß publizierten Besuch eines SlECUS-Teams in England. Das Ziel war, Bemühungen von solchen Vereinigungen wie CARE und „Family & Youth Concern", welche es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Keuschheit zu fördern, entgegenzuwirken. Das Team warnte, die Förderung von Keuschheit würde zu Ängsten und Schuldgefühlen führen. Die FPA arrangierte ebenfalls 1994 eine Konferenz an der "Royal Society of Arts" (Königliche Akademie der Künste) in London, von ORGANON, einem Hersteller von Antibabypillen, finanziell gesponsert. Redner waren u.a. Jenni Murray von der BBC (Britische Rundfunk- und Fernsehanstalt), die öffentlich die Ehe verurteilt, und Suzie Hayman, Autorin von "Say Yes? Say No? Say Maybe?" (Sag ja, sag nein, sag vielleicht, Brook Advisory Centres 1991), das einen "Good Grope Guide" (wohl: Handbuch fürs Betatschen?) beinhaltet. Andere Teilnehmer waren Nick Fisher, Sorgenspaltenonkel der Zeitschrift "Just 17" und Autor von "Your Pocket Guide to Sex" (Dein Taschenbuch für Sex). Exemplare dieses Buches ließ ein Gesundheitsminister einstampfen. Weitere Referenten waren Helen Christopher von der "Health Education Authority" (Staatliche Behörde für Gesundheitserziehung, HEA), die dieses Buch von Nick Fisher herausgeben hat, und eine Lesbierin, die über Elternschaftsprobleme sprach.

Die FPA verfügt über ein Jahresbudget von mehr als 2,5 Millionen Pfund, wovon über ein Drittel aus der Staatskasse kommt. Zusätzliche Gelder fließen aus Mitteln des "Population Concern" und aus Gewinnen der "Family Planning SALES Ltd." (FP- Handelsgesellschaft), einer 1972 errichteten "unabhängig arbeitenden Gesellschaft) die empfängnisverhütende Artikel verkauft. Die FPA-Aktivitäten lassen nicht nur die Gewinne der FP-Handelsgesellschaft, sondern auch die anderer Firmen in die Höhe schnellen. Der 1975 von der "Monopolies & Merges Commission" veröffentlichte Bericht über empfängnisverhütende Mittel zitiert die Aussage eines Vertreters der Londoner Gummiindustrie, dass die Erziehungsaktivität von FPA „den Absatz solcher Artikel bedeutend steigerte". 


"Contrazeptive Sheats: A Report on the Supply of Contraceptive Sheats in the United Kingdom", The Monopolies and Mergers Commission, HMSO, 1975. (Vielleicht hat diese Kommission eine ähnliche Funktion wie unser deutsches Bundeskartellamt.


Interessant wäre zu erfahren, was die Kommission jetzt dazu sagt, dass AIDS den Markt für Kondome stark vergrößert hat. Bemerkenswert ist, dass die staatliche Gesundheitserziehungsbehörde "Health Education Authority" (HEA) es ablehnte, ein vom "Family Education Trust" herausgegebenes Videoband für Jugendliche mit dem Titel "The Truth About AIDS ("Die Wahrheit über Aids") in ihre Filmliste aufzunehmen.

Sie begründete es damit, dass es nicht den Richtlinien des leitenden Gesundheitsbeamten über Aidsvorsorge, d.h. über die Propagierung von Kondomen, entsprach. Die Aussage des Video ist nämlich, dass - um die Verbreitung der Krankheit zu verhindern - der einzige sichere Sex ein keusches geschlechtliches Verhalten ist. Die HEA nahm jedoch in ihren Katalog eine unmoralische, obszöne Videokassette auf mit dem Titel "The Gay Man’s Guide to Safer Sex" (Schwulen-Handbuch über Safer Sex, produziert von Pride Video Productions und dem Terrence Higgins Trust). Dieses Videoband zeigt Praktiken von "safer Sex" und enthält ausführliche Demonstrationen männlichen Sexualverhaltens.


Die "Brook Advisory Centres" (Brook-Beratungsstellen), die Regierungsgelder bekommen, sind eifrig bemüht, überall im Land "Verhütungskliniken" für Teenager einzurichten und ebenso für äußerst permissive SE zu sorgen. Folgender Rat ist typisch für ihre Methode: „Hör auf zu kichern, wenn du Kondome benützt ... und gewöhne dich an ihren Gebrauch. Blase sie bei Parties auf - schau, bei wem sie zuerst platzen oder wer sie am größten aufblasen kann ... Mädchen können üben, wie man sie auspackt und ihren Partnern anlegt (benütze eine Banane als Modell) und Jungen können üben, wie man sie überzieht ... Versuch es nur selbst und bald wirst du ein Experte sein." (Aus: "Say Yes? Say No? Say Maybe?", Brook Advisory Centres 1991)

Diese Organisationen und andere mit ihnen verbundene Interessengruppen wehren sich heftig gegen jeden Versuch, die elterliche Verantwortung für das Sexualverhalten der Kinder wiederherzustellen. Zu dem Zeitpunkt, als dieser Buchbeitrag geschrieben wurde, protestierte man heftig dagegen, dass die Eltern gesetzmäßig das Recht haben sollten, ihre Kinder aus einem SE-Unterricht, der ihre religiösen und philosophischen Überzeugungen verletzt, herauszunehmen. Der Niedergang der Familie in Großbritannien ist ein großes gesellschaftliches Problem. Wir haben in Europa die höchste Scheidungsrate und die meisten unehelichen Kinder. Das unverheiratete Zusammenleben steigt und die Eheschließungszahlen fallen. Dementsprechend nehmen die Verbrechen und der sexuelle und physische Mißbrauch der Kinder zu: mehr zerbrochene Familien bedeuten mehr geschlagene Kinder.


Im Bericht "The Health of the Nation" (Die Gesundheit der Nation) verpflichtet sich die britische Regierung, die Zahl der Teenager-Schwangerschaften bis zum Jahr 2000 zu halbieren, jedoch nicht durch Förderung der Keuschheit, sondern dadurch, dass immer jüngeren Kindern noch ausführlichere SE vemittelt wird, und durch Förderung der sog. "Pille danach" ("Health of the Nation: A Strategy of Health for England", London 1992). Die SE-Lobby hat die Regierung überredet, dass eine weite Verbreitung der Empfängnisverhütung durch eine intensive SE in den Niederlanden bewirkt habe, dass dieses Land die geringste Schwangerschaftsrate bei Teenagern in Europa habe. Aber in einem Brief aus dem Jahr 1990, der zu einer Anlage zum holländischen Abtreibungsgesetz gehört, beschrieb der Staatssekretär für soziale Wohlfahrt, Gesundheit und Kultur eine Abtreibungsmethode, die als "menstruelle Extraktion" (ME) bekannt ist (Hans J. Simons, Staatssekretär ..., Den Haag, Mai 1990).

Dieses Verfahren der instrumentalen Abtreibung kann bis zu 16 Tagen nach der Periode der Frau (oder des Mädchens) und bis zu 44 Tagen nach der vorhergehenden Menstruation durchgeführt werden. Der Staatsekretär weist in dem Brief darauf hin, dass "ME nicht unter das Gesetz fällt und deshalb in zugelassenen Abtreibungskliniken nicht gemacht wird. Deshalb findet keine Kontrolle über ME statt, ja mehr noch, in nicht zugelassenen Kliniken werden unter dem Vorwand der ME ältere Föten leicht abgetrieben, ohne dass eine Kontrolle ... eingreifen kann". Da Fälle von Teenager-Schwangerschaften bei der "menstruellen Extraktion" nicht als Abtreibungen registriert werden, muss man die wirkliche Zahl der Schwangerschaften Jugendlicher in den Niederlanden erheblich größer ansetzen als offiziell angegeben.


 

Zusammenfassung

Sexual"erziehung" in den Schulen wurde nicht als Antwort auf ein Verlangen der Öffentlichkeit hin eingeführt. Es gab keine Elternlobby, die danach verlangte. Vielmehr stand dahinter eine Lobby von Sexualrevolutionären - einfallsreiche Geschäftsleute und Forscher, die die Politiker und die Medien überzeugten, dass die SE in den Schulen angeblich den Kindern helfen könne, die gefährlichen Klippen beim Erwachsenwerden zu vermeiden.

Die hauptsächliche Verantwortung der Eltern besteht nun darin, sicherzustellen, dass die Kinder die Wahrheit kennenlernen ..., und das bedeutet, den Kindern verstehen zu helfen, dass es Richtig und Falsch gibt. Es geht um tiefere Fragen über die wahre Bedeutung der menschlichen Geschlechtlichkeit: um den Sinn der eigenen Hingabe; und welche Wirkung eine solche Hingabe im eigenen Innern und in dem des Partners haben kann. SE muss den Kindern eine Stütze bieten gegen sexuelle Exzesse der modernen Gesellschaft. Sie soll die Kinder lehren, dass jeder einzelne Verstand, Willen und inneren Wert hat. Sie soll sie zur Erkenntnis führen, dass jede Person lebenslang um Selbstbeherrschung ringen muss, wobei Wille und Verstand die sinnlichen Begierden unter rechter Kontrolle halten.

Dagegen unterminiert eine SE von der oben beschriebenen Art die Gewissen der Kinder, indem sie sie zu einem blinden, kritiklosen Streben nach persönlicher Lust ermuntert, und richtet sich somit gegen die Familie. Eltern, Schulleiter und Schüler sollen sich nicht fürchten, die Autorität einzelner oder als angesehen geltender Institutionen in Frage zu stellen, die Publikationen, Anschauungsmaterial, Übungskurse und Schulprogramme anbieten. Es ist der Mühe wert, solche Dinge kritisch zu hinterfragen.


Sind sie kommerziell orientiert? Welche Ziele und Motive verstecken sich hinter solchen Produktionen? Stimmt der Inhalt mit den gesetzlichen Richtlinien des Erziehungsministeriums und der verschiedenen Erziehungsgesetze überein?

Die wahren Hintergründe, Ziele und Praktiken der SE-Lobby werden auf viele Eltern und Politiker schockierend wirken. Nicht wenigen wird es in der Tat schwer fallen, so etwas zu glauben. Doch die Wahrheit muss gesagt werden: Scheinbar angesehene nationale und internationale Organisationen, die von den Regierungen finanziell unterstützt werden, sind an der SE unserer Kinder interessiert, weil sie darin ein Mittel sehen, Unmoral zu verbreiten, die sich gegen die Familie und die Heiligkeit des menschlichen Lebens richtet. Die SE-Bewegung ist als „eine der brutalsten demagogischen Interessengruppen, mit denen je eine Gesellschaft konfrontiert wurde", beschrieben worden (von Patrick Cosgrave, „The Politics of Sex Education" in: "The Spectator, August 1974").

Das Wohl der Kinder dieser und der zukünftigen Generationen steht auf dem Spiel. Die Grundfesten der Familie und sogar die Zukunft der menschlichen Rasse sind ernstlich bedroht. Deshalb ist es ein Gebot der Stunde, dass die Menschen guten Willens mit aller Kraft und Energie dieser Bedrohung Widerstand leisten.


Kommentar des FMG

(FMG (Freundeskreis Maria Goretti), Engelbertstr. 21, 81241 München, setzt sich seit vielen Jahren mit den Auswirkungen der SchulSE auseinander und berät und unterstützt Eltern, deren Kinder hiervon betroffen sind.)

Frau Riches, die gar nicht vom christlichen Glauben her bewertet, schildert in ihrem Aufsatz die wahrhaft erschreckenden Vorgehensweisen in der SE in Großbritannien und die internationalen menschenfeindlichen Mächte, die dahinter stehen. Mag manche Einzelheit in der SE-Praxis sich unterscheiden von der Situation in Deutschland - die Drahtzieher im Hintergrund und die Vorgehensweise sind dieselben; das bewußte oder unbewußt blinde Mitwirken der Politiker und staatlicher Einrichtungen und der Massenmedien sind ähnlich, und dass auch hierzulande die „Pillen" herstellenden Chemiefirmen, die Kondomindustrie usw. gewinnorientiert gewaltig mitmischen, ist ebenso sicher. (Die im Aufsatz von Frau Riches erwähnte Firma ORGANON etwa hatte in Deutschland von 1988 bis 1990 das Verhütungstheaterstück "Sehnsucht nach Bang Yai", in das bundesweit unzählige Schüler getrieben wurden, gesponsert.)


(vgl.: FMG-Info Nr. 36 bis 42)


Machen wir uns nur einmal klar, welchen Geschäftsinteressen die seit Jahren unter dem Vorwand der "AIDS-Prävention" von höchsten Stellen bis zu den staatlichen Gesundheitsämtern und zu „kirchlichen" Jugendverbänden betriebene Kondomwerbung dient! Und was Frau Riches von der schädlichen Tätigkeit der staatlichen Gesundheitsbehörden in England berichtet, hat sein Gegenstück in den Mitarbeitern der hiesigen Gesundheitsämter, die in vielen Schulen ihren Verhütungsunterricht darbieten dürfen. 


(vgl.: FMG-Info Nr. 56 und Nr. 58)


Von der auch hier mit öffentlichen Mitteln geförderten Tätigkeit von „pro familia" (der deutschen IPPF-Tochter und Mitbegründerin!), - auch in den Schulen! - gar nicht zu reden. 


(vgl.: FMG-Info Nr. 56, S. 25)


II. WIE DIE ABTREIBUNGSINDUSTRIE IN DIE SCHULEN EINDRINGT

Zur Person von Carol Everett

„Aus den Klassen, in denen ich gesprochen hatte, sah ich schließlich drei bis fünf Mädchen wieder."

Über dem Schreibtisch von Carol Everett hängt ein Pastellbild - ein Engel hält ein neugeborenes Kind in seinen Armen. Auf dem Boden liegen stapelweise Briefe von Frauen aus allen Teilen der Vereinigten Staaten, die eine Abtreibung vornehmen lassen wollten, ihre Entscheidung aber rückgängig machten, nachdem sie Carol gehört hatten. Während Carol auf Fotos dieser Mütter mit ihren Kindern in den Armen hinweist, kommen ihr die Tränen. Es ist kaum zu glauben, dass das dieselbe Frau sein soll, die vor zehn Jahren noch am Mord von 35.000 ungeborenen Kindern, der Verstümmelung von 19 Müttern und dem Tod einer Mutter beteiligt war.

Mit 16 Jahren wurde Carol schwanger und heiratete. Als sie 19 war, hatte sie zwei Kinder. Neun Jahre später ließ sie sich scheiden und heiratete nochmal. Weil ihr zweiter Mann keine Kinder wollte, ließ Carol ihr Baby abtreiben, wonach die Ehe bald zu Ende ging. Da sie zwei Kinder hatte und wenig Geld, begann Carol für den Inhaber von vier Abtreibungszentren zu arbeiten. Sie übernahm die Öffentlichkeitsarbeit, und die Geschäfte gingen mehr als gut.

Doch unter ihrer kühlen Sachlichkeit saß eine tiefe Scham, die Carol zu rechtfertigen versuchte. Bei jeder Abtreibung, die sie verkaufte, sagte sie zu sich selbst: „Wenn all diese Frauen abtreiben lassen, dann war meine eigene Abtreibung auch in Ordnung." Als sie sah, wie enorm das Einkommen ihres Arbeitgebers gestiegen war, entschied sie sich, ein größeres Stück von diesem Kuchen zu verlangen. Nachdem ihr Chef nicht darauf einging, eröffnete Carol zwei eigene Abtreibungszentren. Nach ihrer Bekehrung zu einer überzeugten Christin gab sie ein Interview, worin sie über Gottes Gnade und Vergebung, über die Habgier und Täuschung im Zusammenhang mit der Abtreibung sprach.


  

Interview mit Carol Everett

Wie wurden sie Christin, wiewohl Sie selbst Abtreibungszentren unterhielten?

Obwohl unter meiner Verantwortlichkeit 500 Abtreibungen im Monat vorgenommen wurden, dachte ich, ich sei Christin, weil ich zur Kirche ging, der Kirche Geld gab und der Meinung war, durch Abtreibung Frauen zu helfen. Ich verdiente sehr viel im Monat und hatte alles, was man mit Geld kaufen kann - doch es war zuviel falsch in meinem Leben.

Ich hatte keinen Frieden, war arbeitswütig und musste Schlaftabletten nehmen, um einschlafen zu können. Es gab auch immer wieder interne Konflikte im Abtreibungszentrum - fortwährender Streit zwischen den Abtreibern, dem Pflegepersonal und den Beratern.

Als Leiterin des Abtreibungszentrums war für mich ein guter Berater unbedingt notwendig. Ein Freund empfahl mir den Betriebsberater Jack Shaw. Mit Jack traf ich mich einmal monatlich eine Stunde. Bei einem dieser Treffen schlug er seine Bibel auf und zeigte mir im 1. Brief des Hl. Paulus an Timotheus Kapitel 6 Vers 9 und 10: „Denn die reich werden wollen, fallen in Versuchung und Fallstricke des Teufels und in viele unnütze und schädliche Begierden, welche die Menschen in den Abgrund des Verderbens stürzen. Denn eine Wurzel aller Übel ist die Liebe zum Geld; und schon manche, die sich ihr ergaben, sind abgefallen vom Glauben und haben sich selber viel bitteres Leid bereitet."

Das traf mich jäh, denn es war mein Ziel, durch die Abtreibungsindustrie Millionärin zu werden. An diesem Tag betete ich, Christus in mein Leben aufnehmen zu dürfen.


Was haben Sie damals gebetet und warum sind Sie der Meinung, dass gerade dieses Gebet Sie verändert hat?

Jack betete mir folgendes Gebet vor: „Gott, ich bin ein Sünder, verzeih mir bitte all meine Sünden." Ich hatte das zuvor noch nie gebetet. Danach beteten wir: „Dank Dir, dass Du Deinen Sohn gesandt hast, Jesus Christus, der auch für meine Sünden gestorben ist. Regiere auf dem Thron meines Herzens als Herr und Erlöser. Laß mich ein Arbeiter in Deinem Königreich und Weinberg sein."

Weil ich so inständig noch nie zu Gott gebetet hatte, glaube ich, dass dieses Gebet mein Leben verändert hat. Ich bat Christus, in mein Leben einzutreten. Gott hat alle meine Gebete erhört. 


Sind Sie an diesem Tag noch zum Abtreibungszentrum zurückgekehrt?

Ein paar Stunden, nachdem ich mit Jack gebetet hatte, bin ich zurückgegangen. Als ich zur Tür hineinging, sah ich, dass im Wartezimmer alle weinten - so etwas war mir früher nie aufgefallen. Ich begann mit den Mädchen ein Gespräch und erfuhr von ihnen zum erstenmal, wie ihnen Abtreibung eingeredet worden war. Ich hörte und sah ihren Schmerz. Mich selbst hörte ich sagen: „Sie brauchen nicht abtreiben zu lassen." Ein Mädchen fragte ich, ob ich mit ihr nach Hause gehen solle, um ihren Eltern zu sagen, dass sie schwanger sei.

Ich konnte es nicht glauben! Ein Gebet mit Jack am Morgen, und mittags begann ich, Mädchen die Abtreibung auszureden! Nachmittags ging ich zu dem Raum, in dem die Abtreiber Abtreibungen nach dem dritten Monat vornahmen. Obwohl ich Föten Babys nannte, hatte ich sie nie als menschliche Wesen betrachtet; ich hatte mir das so überlegt, dass Gott abgetriebene Babys nicht für das Leben bestimmt habe.

Aber auf einmal war mir klar geworden: „Diese Babys haben alle Organe, die zum Leben notwendig sind." In dem Moment wußte ich, dass Gott sie nicht zum Sterben bestimmt hatte, ich wußte, dass diese Föten Menschen waren. Es war mir bewußt geworden, ich war verantwortlich für den Tod von 35.000 Leben.

Ein paar Tage später brachte der Sender von Dallas eine enthüllende Reportage über Abtreibungszentren. Reporter hatten ausfindig gemacht, dass wir Abtreibungen an noch nicht schwangere Frauen verkauften. An diesem Tag spürte ich, wie Gott zu mir sagte: „Carol, du darfst hier nicht sein." Eine Woche danach verließ ich das Zentrum endgültig.


War es für Sie schwer, Gottes Vergebung anzunehmen?

Als mir bewußt wurde, dass ich innerhalb von sechs Jahren an dem Mord von 35.000 unschuldigen Kindern beteiligt war, lastete auf mir eine so große Schuld, die unmöglich zu tragen war. Der Gedanke, dass Gott mir jemals würde vergeben können, war für mich unmöglich. Doch ein christlicher Freund, der mich in dieser Zeit begleitete, las mir aus dem ersten Johannesbrief Kapitel 1 Vers 9 vor: „Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist Er treu und gerecht; Er vergibt uns unsere Sünden und wird uns rein machen von allem Unrecht."

Dieses Schriftwort war der Anfang eines langen Genesungsprozesses, der noch nicht beendet ist. Er dauert bereits zehn Jahre, und es wird jeden Tag besser. Mir selbst zu vergeben ist der schwierigste Teil gewesen, vor allem die Abtreibung meines eigenen Kindes. Schließlich habe ich meiner abgetriebenen Tochter einen Namen gegeben. Ihr Name ist Heidi, und sie ist der Grund, weshalb ich heute hier bin, um für die Rettung der Ungeborenen zu kämpfen. Unablässig muss ich daran denken, dass ich durch meine Weigerung, mir selbst zu vergeben, Gott nicht die notwendige Ehre erweise. Gottes Gnade ist unergründlich für mich. Es ist schwer zu begreifen, dass Gott, nach allem, was ich getan habe, mich immer noch liebt. Ich las, wie Gott die Hand ausstreckte nach Rahab, der Prostituierten.


Welchen Rat können Sie Frauen geben, denen es schwer fällt, sich selbst für frühere Abtreibungen zu vergeben?

Viele Frauen, die abgetrieben haben, glauben, weil sie ihr Kind ermordeten, diese Sünde sei unverzeihlich. Die Wahrheit jedoch ist, dass das Blut Christi am Kreuz vergossen wurde für alle Sünden, auch für die Sünde der Abtreibung.

Priester müssen den Mut haben, über die Sünde der Abtreibung zu predigen wie auch über die Vergebung der Sünden durch die Beichte, sodass bei den Frauen das Verlangen entsteht, ihre Sünden zu bekennen, damit sie vergeben werden können. Die Kirche soll ein Ort sein, an dem Menschen mit schmerzlich kranker Seele gesund werden können.


Sie gründeten eine Organisation - Life Network. -. Welches Ziel verfolgen Sie damit?

Viele Frauen leiden nach der Abtreibung an dem sogenannten Post-Abortion-Syndrom! Die Abtreibung verwundet Frauen so schlimm, dass sie jahrelang nicht damit fertig werden können. In dieser schwierigen Zeit werden viele Frauen depressiv und selbstzerstörerisch, knüpfen allerlei Beziehungen an oder werden arbeitswütig. Life Network begleitet diese Frauen und steht ihnen hilfreich zur Seite.

Die meiste Zeit befinde ich mich auf Vortragsreisen und arbeite auch noch im Hilfsdienst für Mutter und Kind in Not. Ich glaube, der Herr will, dass ich meine Geschichte vielen Menschen erzähle. In den fünf Staaten, in denen meine Abtreibungszentren bestanden - in New Mexico, Oklahoma, Arkansas, Louisiana und Texas - will ich Hilfe leisten.


Halten Sie das Beten vor Abtreibungszentren für sinnvoll?

Ich denke, es ist wichtig, draußen vor den Abtreibungszentren zu stehen und ausgehend von der Liebe, den jungen Frauen zu sagen: „Kann ich Ihnen helfen, bevor Sie da hineingehen? Es gibt Stellen, wo Sie bleiben können und Organisationen, die Ihnen helfen, damit Sie ihr Kind behalten können. Jemand wird Ihr Kind adoptieren."

Wenn wir vor Abtreibungszentren stehen, müssen wir die Abtreiber lieben. Ich denke oft: „Was würde Jesus tun?"

Wir müssen für die Abtreiber beten, der Herr möge ihr steinernes Herz aus ihrem Körper nehmen und ihnen ein Herz aus Fleisch einpflanzen. Wir sehen, dass immer weniger Ärzte Abtreiber genannt werden wollen - das ist positiv.


Warum haben Sie etwas gegen die Abtreibungsindustrie?

Weil Abtreibung die größte unkontrollierte Industrie in unserem Land ist. Viele Abtreibungszentren bestehen in Ketten, da sie so gewinnbringend sind. Ich erhielt eine sehr hohe Provision für jede Abtreibung, daher wußte ich auch, wieviele wir ausführten. Im letzten Monat, in dem ich noch damit befaßt war, machten wir 545 Abtreibungen. Wir hatten auch sonntags geöffnet - das war tatsächlich der gewinnbringendste Tag. Wir versuchten jeden Sonntag 15 bis 20 Abtreibungen in zwei bis drei Stunden zu machen. Viele Frauen möchten schnell hinein und schnell wieder fort. Die Abtreibungsindustrie hat nichts mit Wahlen zu tun, es geht um Geld. Abtreibung wird nicht von Frauen gewählt. Abtreibung ist ein clever an den Mann gebrachtes Produkt, verkauft an Frauen in einer sehr problematischen Phase ihres Lebens.


Wie funktionierte die Überredung zur Abtreibung bei einer telefonischen Anfrage?

Eine Frau ruft im Abtreibungszentrum an, um sich nach ihren Alternativen zu erkundigen; ihr ist aber nicht bewußt, dass der Abtreibungsberater eigentlich ein Abtreibungsverkäufer ist. Den Frauen sollte gesagt werden, dass es sich um eine gefahrlose, einfache und legale Methode handele, die sie von ihrem Problem befreit." Eine größere Lüge gibt es nicht. Die telefonische Beratung war nicht die einzige Möglichkeit zur Erlangung von Kunden. Die Abtreibungsindustrie drang auch in das öffentliche Schulsystem ein. Ich weiß es, denn ich ging zu den Schulen, um vor Studenten über Sex und Verhütungsmittel zu sprechen. Das gab mir die Gelegenheit, an Teenager Abtreibungen zu verkaufen.


Was sagten Sie den Studenten, wenn Sie vor ihnen in der Klasse standen?

Ich fragte: „Wer von Ihnen kennt jemand, der sexuell aktiv ist?" Fast jeder hob seine Hand. Ich ging weiter: „Wie viele von denen, die Sie kennen, machen Geburtenkontrolle?" Das wußten sie nicht. Dann sagte ich: „Würden sie da helfen wollen?" Die Antwort war immer ja. Die Teenager wollten über Verhütungsmittel sprechen, weil die meisten von ihnen sexuelle Kontakte hatten. Sie stellten typische Fragen: „Wie ungefährlich ist ein Kondom?"

Viel Zeit nahm ich mir bei der Behandlung der verschiedenen Methoden der Geburtenregelung und deren Zuverlässigkeit. Ich ermunterte sie, über ihre sexuellen Wünsche zu sprechen - und letztendlich auch danach zu handeln. Die Ärzte im Zentrum verschrieben diesen Teenagern Verhütungspillen mit einer leichten Dosierung und einer hohen Unzuverlässigkeit, die jeden Tag genau um dieselbe Zeit eingenommen werden mussten, andernfalls sie nicht wirkten. Diese Jugendlichen aber sind gewöhnlich nicht in der Lage, ohne Hilfe solche strengen Medikationsvorschriften einzuhalten. Hierdurch wurden sie unsere besten Kunden.


Wußten die Schulbehörden oder die Direktionen, worüber Sie sprachen, dass Sie Abtreibung propagierten?

Absolut nicht. Sie hatten keine Ahnung, was ich tat. Wie auch immer, ich erreichte meine Kunden. Es machte mir nichts aus, was die Direktion über mein Tun dachte.


Gab es keine Beschwerden der Eltern gegen das, was Sie ihren Kindern über Verhütung und Abtreibung sagten?

Ja, aber sie sagten das nicht mir. Meine Einstellung war: „Ich bin weg. Das ist nicht mein Problem, sondern das des Direktors." Von jeder Klasse, in der ich gesprochen hatte, sah ich drei bis fünf Mädchen wieder. Nach den Vorträgen erlebte ich eine Zunahme der Kundenzahl. Wenn sie eine Abtreibung benötigten, riefen sie mich an und sagten dabei: „Wissen Sie noch, dass Sie in meiner Schule waren?"


Was können Mütter tun, um ihre Kinder vor einer solchen Art der Beeinflussung zu schützen?

Wir müssen unseren Kindern Gottes Gebote lehren und ihnen erklären, dass Gott die Sexualität geschaffen hat, mit der er einen ganz besonderen Plan verfolgt - innerhalb der Ehe. Wir beschützen hierdurch nicht allein unsere Kinder, sondern auch ihre Freunde.


Sind Sie der Meinung, dass Abtreibung im Falle von Vergewaltigung oder Blutschande gerechtfertigt ist?

Weniger als ein Prozent der Abtreibungen ist die Folge von Vergewaltigung oder Blutschande. Sollte aber Vergewaltigung oder Blutschande geschehen, so glaube ich, dass Gott das, was der Teufel für das Böse zu tun beabsichtigte, annehmen und für eine gute Sache gebrauchen wird. Für das Leben eines jeden Kindes hat er ein ganz bestimmtes Ziel. Und das natürliche, das normale Ende einer Schwangerschaft ist immer die Geburt.

Wir wissen, dass durch die Abtreibung die Frau ein Trauma erleidet. Eine Frau, die Opfer einer Vergewaltigung oder einer Blutschande wurde, ist traumatisiert worden. In vielen Fällen der Blutschande wird eine Frau aus der Situation des Missbrauchtwordenseins befreit, bekommt sie eine Abtreibung, wird sie wieder in die alte Situation zurückversetzt.


Was sagen Sie einer Frau, die eine Abtreibung erwägt?

Ich werde sagen: „Spüren Sie die Veränderung Ihres Körpers? Es ist das sichere Zeichen für die Kraft des Kindes, Signale auszusenden, um Sie wissen zu lassen, dass ER oder SIE - ist. Es gibt Hilfsdienste für Mutter und Kind in Not, um Iihnen zu helfen mit allem Notwendigen. Auch ist wichtig, Menschen zu finden, die sie annehmen und lieben. Ich weiß, es ist nicht immer leicht, durch diese Krisenzeit hindurchzukommen - ich habe beides durchlebt und durchlitten. Ich habe abgetrieben und das Kind vernichtet, von dem ich heute unaussprechlich gerne wollte, dass ich es geboren hätte. Auch habe ich in einer Krisenzeit, als ich 16 Jahre alt war, ein Kind zur Welt gebracht. Und heute sind meine beiden Kinder der größte Segen in meinem Leben. (J. B.)