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Weinheimer Institut für Ehe und Familie Sexualethik u. Erziehung |
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Pressemitteilungen 1998 |
Tickt eine biologische Langzeitbombe?
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Weinheim. Immer mehr Störungen der weiblichen wie der männlichen Reproduktion bei Mensch und Tier sind nicht mehr wegzudiskutieren. In den Industrieländern geht die Fruchtbarkeit der Männer seit Jahrzehnten ständig zurück; etwa 20 % aller Paare bleiben ungewollt kinderlos. Männliche Süßwasserfische in der Nähe von Kläranlagen verweiblichen, wie Untersuchungen in Großbritannien gezeigt haben.
Bei einer Fachtagung des Weinheimer Institutes für Ehe und Familie, Sexualethik und Erziehung (WIESE) beschäftigten sich Experten unter Leitung des Eichstätter Biologen Dr. Bruno Hügel mit der Frage, inwieweit Inhaltsstoffe der kontrazeptiven "Pille" als mögliche Ursache in Frage kommen. Den Hauptbestandteil der "Pille" bilde bekanntlich das synthetische Östrogen 17-alpha-Ethinylöstradiol, das als besonders hochwirksames synthetisches Hormon unabgebaut vom weiblichen Organismus mit dem Urin ausgeschieden werde. Tatsächlich sei bei Testfischen eine starke Bildung an Vitellogenin, einer Vorstufe des Eidotters, gefunden worden, wenn Steroide vorhanden gewesen seien.
Auch Substanzen mit völlig anderer chemischer Struktur als die Steroide könnten östrogene Wirkungen hervorrufen. Zu diesen "Xenoöstrogenen" rechne man u.a. DDT, Dieldrin oder das Holzschutzmittel Pentachlorphenol (PCP). Auch die Herbizide Alachlor und Atrazin, letzteres induziere Tumore in Fortpflanzungsorganen, gehörten dazu. Zur hormonähnlichen Wirksamkeit von Umweltchemikalien wurde eine Stellungnahme des Toxikologen Greim, Vorsitzender des Beratergremiums der Gesellschaft Deutscher Chemiker, angeführt, wonach sorgfältig durchgeführte epidemiologische Studien erforderlich seien, um die Ursachen für "die möglicherweise verminderten Spermienzahlen und die erhöhten Hoden- und Brustkrebsraten zu klären".
Die Teilnehmer der Tagung waren sich darüber einig, daß diesen Entwicklungen viel zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet werde. Bereits im Jahre 1995 habe u.a. der Landtagsabgeordnete Roland Rösler in einer Anfrage an den Hessischen Landtag zu diesem Fragenkomplex um Auskunft gebeten. Vor dem Hintergrund einer weiterhin intensiven Belastung der Umwelt mit Chemikalien hormonähnlicher Wirkungen sowie die Tatsache, daß eine der Quellen für "Östrogenverschmutzung" die Stoffwechselausscheidungen aus der Einnahme von immerhin etwa 20 Millionen Packungen Antibabypillen sowie etwa 4 Millionen Packungen östrogenhaltiger Präparate gegen Osteoporose, und das allein in Deutschland, darstelle, herrschte Einigkeit, daß umfangreiche Forschungen erforderlich seien, um die Fruchtbarkeit bei Mensch und Tier nicht dauerhaft zu gefährden. Die neue, ökologisch orientierte Bundesregierung wurde aufgefordert, sich dieser im wahrsten Sinne überlebenswichtigen Frage anzunehmen.
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