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Gruppendynamik

Das Trojanische Pferd in der Stadt Gottes

Schriftenreihe der AKTION LEBEN e.V., Postfach 61 - D-69518 Abtsteinach/Odw.


Rudolf Willeke

INHALT

  • 01.     Die „Geheimen Verführer" unserer psychologisierenden Theologen
  • 02.     30 Kardinäle und Bischöfe öffnen der Psychologie die Kirchentüren
  • 03.     Psychotechnik und Psychokult statt Seelsorge
  • 04.    30 Jahre Gruppendynamik im General-Vikariat Münster
  • 05.     Gruppendynamik - Psychotechnik - Gruppentherapie: Was ist das?
  • 06.     Den Glauben an Gott nicht mehr bekämpfen?
  • 07.     Paradigmenwechsel in der Societas Jesu –
      das Bildungsprogramm des Lasalle-Hauses Bad Schönbrunn
  • 08.     Bibliodrama fürs „ökumenische" Bewußtsein
  • 09.     Keine Macht der Psychologie im Priesterseminar
  • 10.     Literaturhinweise und Anmerkungen


VORWORT

Mit der Psychoanalyse beginnt der Sklavenaufstand der Amoral. Die ganze Welt soll neurotisiert, sexualisiert, diabolisiert werden. Die Psychoanalyse verkündet den Anbruch des Satansreiches.

Egon Friedell, Kulturphiosoph und -historiker

Es gibt nur einen Weg, das Gottessyndrom auszumerzen - das Rollenspiel der Gruppe. Ich habe die Menschen gelehrt, Gott zu spielen.

Jacov Levi Moreno, Vater des psychodramatischen Rollenspiels

Die Psychiatrie ist nicht nur eine Religion, die vorgibt, eine Wissenschaft zu sein, sondern tatsächlich eine falsche Religion, die versucht, die wahre Religion zu zerstören.

Th. Szasz, Professor für Psychiatrie der Staatlichen Universität New York 

Vier „falsche Götter der amerikanischen Kultur" gefährden die christliche Gemeinde:

- der Materialismus (Marx, Darwin)

- der Psychologismus (Freud, Moreno)

- der Pragmatismus (Skinner, Maslow)

- der Ökumenismus (der Globalisier)

Les Lofquist, Direktor der „Unabhängigen Fundamentalistischen Kirchen Amerikas"

„Scheidung der Geister" ist Christenpflicht, denn „ihr wart tot durch eure Sünden, in denen ihr einst gewandelt seid nach dem Zeitgeist dieser Welt, unter dem Einfluß des Herrschers der Mächte in der Luft, der Geisterwelt, die noch jetzt in den Kindern des Ungehorsams wirksam ist."

Eph 2,1-3

„Wir haben ja nicht zu kämpfen mit Fleisch und Blut, sondern mit den Mächten und Gewalten, mit den Weltherrschern dieser Finsternis ..."

Eph 6,12 -

Abtsteinach/Odw., St. Michaels-Tag 2004 


 

1. DIE „GEHEIMEN VERFÜHRER" UNSERER PSYCHOLOGISIERENDEN THEOLOGEN

Karl Marx (1818-1883) und Sigmund Freud (1856-1936), beide Söhne des jüdischen Bürgertums und beide dem aufgeklärten Atheismus zuzurechnen, verstanden sich beide als Stifter einer neuen, innerweltlichen wissenschaftlichen Religion, der „Religion" des Sozialismus der eine, bzw. der „Religion" des Sexualismus der andere.

Während Marx die Selbsterlösung des Menschen durch die endgültige Niederringung und Überwindung des Kapitalismus und den Sieg des Kommunismus „verkündigte", den qualitativen Sprung nämlich aus dem Reiche der Notwendigkeiten in das Reich der Freiheit, der Freiheit des Arbeiter- und Bauernparadieses, stellte Freud die Selbsterlösung, das Heil des Menschen durch Befreiung der menschlichen Sexualität von allen religiös-ethischen und gesellschaftlich-kulturellen Bindungen (Normen, Geboten, Sanktionen) in Aussicht: Erlösung durch Emanzipation.

Beide sahen sich zu ihrer Zeit als Gründer/Stifter einer neuen „Kirche des Fortschritts", einer profanen Gegenkirche, die den bis dahin nahezu unumschränkt herrschenden höchsten Autoritäten (Gott, Papst, König) eine Absage und Niederlage erteilen wollten. Marx und Freud sahen sich selbst als wissenschaftlich legitimierte Gegen-Päpste gegenüber höchsten religiösen und politischen Autoritäten ihrer Zeit.

Thomas Mann, der 1929 zum ersten Mal einen Vortrag über Freud und die Freudsche Psychoanalyse hielt, wies darauf hin, dass Freuds Denken insbesondere von Friedrich Nietzsche (Nihilismus) und Arthur Schopenhauer (Atheismus) vorgeprägt sei, dass sich Freud schon als Student einem Wiener Lesezirkel angeschlossen habe, in dem er sich mit der Philosophie des Atheismus/Nihilismus vertraut gemacht habe.

Karl Marx hat „Das Kapital" und das „Kommunistische Manifest" als „Bibel" des atheistischen Materialismus/Sozialismus bzw. als Handbuch der ökonomisch-sozialen Revolution verfaßt, die 1917 in Rußland ausgelöst wurde und eine schreckliche Zahl von Menschen in den Tod riß.

Sigmund Freud hat uns die Psychoanalyse und Psychotherapie als Rezeptur der anthropologischen und kulturell-religiösen Revolution hinterlassen, die nach dem II. Weltkrieg und in Deutschland nach 1960 die Psychowelle auslöste und die kulturrevolutionär-gruppendynamische Bewegung (angeleitet von Jacov Levy Moreno) auf den Weg brachte.

Für Marx war Religion nichts anderes als „Opium des Volkes", im Namen des Marxismus wurden Kirchen zerstört und Christen verfolgt und ausgehungert. Freud betrachtete den religiösen Glauben als „allgemeine menschliche Zwangsneurose", als „Illusion", gewissermaßen als Defekt am psychischen Apparat und als „unaufgeklärtes Bewußtsein". Er erwartete, dass die Psychoanalyse den Tod der Kirche herbeiführen werde. In diesem Aufklärungsprozeß – angeleitet durch die Psychoanalyse – gebe es kein Aufhalten. Je mehr Menschen die Schätze unseres Wissens zugänglich gemacht würden, desto mehr verbreite sich der Abfall vom religiösen Glauben (Zukunft einer Illusion).

Freud haßte die Kirche zeitlebens: Einem Besucher, der ihn gegen Ende seines Lebens vor dem Einzug der Nationalsozialisten in Wien warnte, antwortete er: „Helfen Sie mir lieber, meinen wirklichen Feind zu bekämpfen, die römisch-katholische Kirche."

Diese tiefverwurzelte, antikirchliche Grundeinstellung teilte Freud mit seinem geistigen Ahnen, dem großen Widersacher des Christentums Friedrich Nietzsche (1844-1900) und dem aufgeklärten französischen Freimaurer François Marie Arnet, genannt Voltaire (1694-1778), Mitglied der Loge „Neuf Soeurs" (Neun Schwestern).

In einer seiner letzten Stunden vor dem endgültigen Versinken in die geistige Umnachtung schrieb Nietzsche den Satz: „Ich verurteile das Christentum, ich erhebe gegen die christliche Kirche die furchtbarste aller Anklagen, die je ein Ankläger in den Mund genommen hat, sie ist mir die höchste aller denkbaren Korruptionen, sie hat den Willen zur letzten auch nur möglichen Korruption gehabt. Ich heiße das Christentum einen großen Fluch, die eine große innerliche Verdorbenheit, ... ich heiße das Christentum den einen unsterblichen Schandfleck der Menschheit."

Voltaires Parole „Ecrasez l’infame!", „Rottet sie aus, die Verruchte (Kirche)!", ist in die Geschichte eingegangen. Zweihunderttausend Bauern und Kleinbürger in der katholischen Vendée wurden 1794 förmlich ausgerottet.

Dieses psychoanalytische (materialisisch-atheistische) Denken Freuds hat sich auf Generationen von Psychologen, Psychotechnikern, Theologen und Pädagogen übertragen: Normfrei ausgelebte Sexualität gegen christlich-normierte Sexualaskese ist das Programm zur Unterhöhlung der Fundamente der Kirche. Psychoanalyse, neben dem Marxismus die Großideologie des 20. Jahrhunderts mit ihren über 700 teilweise sehr fragwürdigen „therapeutischen" Unterformen, hat mit „Seele", Seelsorge, Seelenheil nach einem gottgefälligen Leben nicht das Geringste zu tun. Psycho-Therapie, -Technik, -Kult sind nicht die Lösung der Probleme in der Kirche, sie sind das Problem!


    

2. 30 KARDINÄLE UND BISCHÖFE ÖFFNEN DER PSYCHOLOGIE DIE KIRCHENTÜREN

Die „Kongregation für das katholische Bildungswesen" gab im Februar 2002 die „Orientierungshilfen für den Gebrauch der Psychologie bei der Aufnahme und Ausbildung der Priesteramtskandidaten" heraus. In seiner Ansprache vor den Prälaten forderte Papst Johannes Paul II., dass die Hilfe der Psychologie in ausgewogenem Maße in den Werdegang eines Priesters einbezogen werde, indem man die Psychologie in das globale Ausbildungsprogramm der Kandidaten integriere. Der Papst warnt also nicht vor der Psychologisierung von Theologie und Seelsorge.

Mit diesen Orientierungshilfen aus dem Jahr 2002 öffneten 30 Kardinäle und Bischöfe der Psychologie und den psychologischen Techniken die Türen der Seminare und damit der Kirche. In einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine vom 22.07.02 räumte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Kardinal Lehmann ein, dass selbst einzelne große und personalintensive Diözesen mit bestimmten Problemen nicht mehr alleine fertig werden könnten und dass deshalb das Bedürfnis nach Transparenz, Koordination und gemeinsamen Leitlinien der Prävention, der Therapie und des Vorgehens wachse. Auch eine stärkere Einbeziehung externer Fachleute und Ansprechpartner werde empfohlen. In deutschen Diözesen werden Kommissionen gegründet, die Theologen, Geistliche und externe Fachleute (der Psychologie) einbeziehen und die den Diözesanbischof bei der Prävention, der Therapie und beim disziplinarischen Vorgehen beraten.

Im Februar des Jahres 2003 gaben Kardinal P. Poupard, Päpstlicher Rat für die Kultur, und Erzbischof M. L. Fitzgerald, Päpstlicher Rat für den Interreligiösen Dialog, ein Grundsatzdokument mit dem Titel „Jesus Christus – Bringer des lebendigen Wassers – Eine christliche Reflexion über „New Age" heraus.

In diesem Grundsatzdokument wird die christliche Religion von der Pseudoreligion des New Age und der Esoterik klar abgegrenzt. Die neue Heilslehre des New Age vermenge in synkretistischer (religionsvermischender) Weise jüdische, christliche und kosmologische Elemente miteinander und verbinde traditionelle religiöse Symbole mit esoterischen Riten und Zeichen, mit orientalischen Elementen und mit psychologischen Techniken.

Diese psychologischen Techniken, die in die Aus- und Fortbildung sowie Therapie der Priester Eingang gefunden haben, werden durch dieses Grundsatzdokument in die Nähe der neuen Heilslehre des New Age gerückt.

Die heute am weitesten verbreiteten psychologischen Techniken sind unbestritten Gruppendynamik, Gruppentherapie und Gruppenpsychotherapie, die sich letztlich alle auf Sigmund Freud und dessen Lehre der Tiefenpsychologie (Psychoanalyse und Psychotherapie) und auf Jacov Levi Moreno und dessen Lehre über Soziometrie, Soziogramm und Psychodrama stützen.

Moreno arbeitete seit 1930 in der „Kommission für Gruppenbeziehungen innerhalb des Jüdischen Weltkongresses" und im amerikanischen nationalen Trainingslabor NTL. 1949 feierte er seine psychologischen Techniken als die „größte Revolution des 20. Jahrhunderts" und seit der Französischen Revolution von 1789. Jede große gesellschaftliche Revolution (Makro-Revolution) bedürfe zu ihrem Gelingen der millionenfachen psychischen Revolutionen im kleinen (Mikro-Revolutionen). Für Moreno ist Gruppendynamik/Soziometrie eine „Sozialrevolution kleineren Ausmaßes".

Moreno hat seiner Erfindung einen quasitheologischen Sinn verliehen: „Ich habe die Menschen gelehrt, Gott zu spielen", und „ich habe versucht, die Saat der schöpferischen Revolution zu säen", und „es gibt nur einen Weg, das Gottessyndrom auszumerzen, das Rollenspiel in der Gruppe". Die Psychotechnik der Gruppendynamik ist nach Morenos Aussage eine religionsfeindliche Strategie gegen das „Gottessyndrom", zur „Heilung" der Menschheit von Religion und Christentum sowie zur Einübung in die neue „Weltreligion ohne Gott" (New Age), in eine „therapeutische Weltanschauung" und eine „therapeutische Gesellschaft" zwischen Sozialismus und Kapitalismus. In dieser therapeutischen Weltgesellschaft analysiert, therapiert, kontrolliert jeder jeden.

Gruppendynamik ist praktischer, praktizierter Atheismus. Aus christlicher Sicht ist daher der Auffassung der vatikanischen Räte zuzustimmen, dass viele psychologische Techniken, Methoden und Verfahren unvereinbar mit dem christlichen Glauben sind und der christlichen Ethik widersprechen. Deshalb darf ihnen kein Platz in der kirchlichen Seelsorge eingeräumt werden. Die Psycho-Techniken stellen fürwahr eine „große Herausforderung für die Kirche" dar.


   

3. PSYCHOTECHNIK UND PSYCHOKULT STATT SEELSORGE

Das Erzbischöfliche Ordinariat München und Freising, Referat 7/FB Frauenseelsorge, macht in seinem Programm „Frauenseelsorge 2003" 90 Angebote, die inhaltlich dem Programm 2003 „Glaubensleben" für ehrenamtliche Mitarbeiter/Innen in den Pfarrgemeinden und dem Programm 2003 „Junge Leute" für Singles und Paare stark ähneln.

Ein erster Blick in diese Seelsorge-/Bildungsprogramme zeigt, dass die Psychologie und die gruppendynamische Bewegung die kleinsten Pfarrgemeinden und abgelegensten Bildungshäuser der Kirche in Bayern erreicht und umgewandelt haben, dass die Unterschiede zwischen den Programmen der Kirche und der Psychosekten (New Age) verschwinden und die Begriffe Seele bzw. Psyche synonym verwendet werden.

Frauenbildung und -seelsorge werden nicht mehr von Priester-Seelsorgern wahrgenommen, sondern werden verstärkt von Referentinnen und Therapeutinnen, von Psychologinnen und Psychotherapeutinnen, von Logotherapeutinnen und Psycho-Synthese-Trainerinnen (!) angeboten. Neben Atem- und Yoga-Lehrerinnen hat das Ordinariat MünchenFreising auch Supervisorinnen (!) und Dozentinnen für „Meditation des Tanzes", Qi-Gong-Expertinnen und Fußreflexzonen-Masseusen, „Kundige in alten Frauentraditionen" sowie EPL- und NLP-Master-Practitioner in Dienst gestellt.

Diese „Frauenseelsorgerinnen" im Kirchendienst bieten allen ihren Psycho-Service an, erklären ihre Adressaten zuvor aber zu Patienten, die der Therapie bedürfen. Sie versprechen den gesunden wie den seelischkranken, den körperlich-verspannten wie den in ihrer Lebensqualität eingeschränkten Menschen „gesteigertes Wohlbefinden", geistige Gesundheit, persönliches Wachstum, Stärkung des Ich- und Selbstwertgefühls sowie die Lösung (fast) aller Probleme, nicht zuletzt die Befriedigung religiöser Bedürfnisse in der Gruppe und durch sie.

Die Programme der Seelsorge und Bildung wollen, manchmal zu hohen Preisen, Selbst-, Glaubens- und Gotteserfahrungen „verkaufen", und zwar durch Kräuter- und Friedenstanz, durch Atem- und Yogaübungen, durch Traumdeutung, Phantasiereise, Tiefenentspannung, durch PsychoImagination oder Psycho-Synthese (Psycho-Puzzle), durch Meditation auf Grundlage östlicher Weisheiten sowie durch Körperarbeit (zarte Gesichtsmassage, Eutonie, Zen, Yoga, Atemübungen, Enneagramm), auf einer Decke am Boden liegend und mit warmen Socken an den Füßen, Knierolle und Wärmflasche.

Die „Frauenseelsorgerinnen", die zur Seelsorge kirchlich nicht ermächtigt sind, die weder die Heilige Messe feiern noch die Absolution erteilen können, behelfen sich mit Psychologie, Psychoanalyse und mit den verschiedensten „Therapien"; denn auch für ärztliche Heilverfahren sind sie nicht qualifiziert. Deshalb laden sie ein zu spirituellen Heilungsund Kraftliedern, die gesungen, getanzt, meditiert und gestaltet werden in dem Wunsch, dass sie „kraftvoll und heilend auf uns wirken", zu Friedenstänzen gegen „Unfrieden in unseren Familien und in uns selbst" und zu Kräutertänzen, deren Schwingung und Wirkkraft erspürt werden sollen.

Der Generalvikar von München-Freising bietet den Frauen „Wege zur inneren Heilung mit dem Enneagramm" an. Dieses Neun-Eck sei ein uraltes Modell zur Selbsterkenntnis, zur „inneren Heilung" wie zum „seelischen Wachstum" und schließe Leiberfahrung, religiösen Tanz und Gottesdienst ein. Diese Wege, Übungen, Tänze und Lieder sollen den Frauen Heilung und Heil bringen, körperliche Heilung und auch ewiges Heil?

In ihrem Grundsatzdokument von 2003 haben die beiden Vatikanischen Räte den christlichen Glauben und die kirchliche Seelsorge von dieser Art „Frauenseelsorge" und von diesem praktizierten Synkretismus kritisch abgegrenzt.

Ein weiteres Element des Konzeptes der Frauenseelsorge von München-Freising stellt die Theologie dar, die feministische Theologie und Frauenliturgie, in denen die Frauen die dritte Person in der Gottheit als „Ruach", als „Heilige Geistin" oder als „Schöpferin Geist" erfahren sollen, als „weibliche Seite Gottes". Frauen von heute sollen bei ihrer Suche nach einer „authentischen weiblichen Spiritualität" den „feministischen Gott" durch religiöse Tänze im pfingstlichen Gottesdienst, durch Nachspüren der Heilkraft des Trostes der Schöpferin Geist bzw. durch Bibliodrama wiederentdecken.

Sollten Frauen nicht auch aufdecken, dass sich christliche Identität von feministischer durch den Glauben an den trinitarischen Gott, die Heilige Dreifaltigkeit – Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist – unterscheidet?


     

4. 30 JAHRE GRUPPENDYNAMIK IM GENERALVIKARIAT MÜNSTER

Im Generalvikariat (GV) Münster entfaltet sich seit Jahrzehnten – gewissermaßen in vorauseilendem Gehorsam – reges gruppendynamisches Leben. Von 1979 bis 2002 leitete Frau Prof. Dr. M. Fehlker das Referat für Personalbegleitung und Beratung. Den Doktorgrad hatte sie mit einer Arbeit über Supervision (!) erlangt. Mit solcher „Fachkompetenz" ausgestattet, hat sie Priester, Pastoralreferenten, Diakone und unzählige hauptamtliche Mitarbeiter im Dienst der Kirche aus- und fortgebildet, in (gruppendynamischen) Prozessen beraten und sich als Supervisorin das Vertrauen ihrer Vorgesetzten erworben. Kurse mit Gruppendynamik und Supervision gehörten jahrelang zum Pflichtprogramm im Priesterseminar.

Aus der Kooperation zwischen dem Bischöflichen Ordinariat und der Katholischen Fachhochschule Nordrhein-Westfalen (KFH/NRW), Fachbereich Sozialwesen, ist der „Weiterbildungsstudiengang Supervision" hervorgegangen, der erste Aufbaustudiengang für Sozialtherapeuten in Deutschland. Dieser gruppendynamische Studiengang unterscheidet sich von anderen Ausbildungsgängen, etwa durch die „Deutsche Gesellschaft für Supervision e.V." oder medizinische Fachverbände, vor allem dadurch, dass der Themenbereich „Ethik und Spiritualität" einbezogen wird. Er schließt nach fünf Semestern mit dem akademischen Grad „Master of Science" (M.Sc.) ab.

Nach Prof. Fehlker ist Supervision „angewandte Wissenschaft, Arbeitslabor zwischen Theorie und Praxis". Hier ist hinzuzufügen, dass der angewandten Wissenschaft, der Supervision und dem gruppendynamischen Arbeitslabor die Psychologie zugrunde liegt, speziell die sog. Tiefenpsychologie Freuds, die Verhaltenstheorie des amerikanischen Behaviorismus und deren Vertreter Maslow, Skinner und Watson sowie die Theorie der Gruppendynamik Morenos. Diese drei Äste vom „Baum der Erkenntnis" können als Wissenschaften zur Manipulation bezeichnet werden, die der christlichen Ethik, Spiritualität und Anthropologie, dem christlichen Menschenbild, eine Absage erteilen.

Der Weiterbildungslehrgang Supervision der KFH/NRW soll die gruppendynamischen Trainer und Supervisoren für den kirchlichen Dienst in der Diözese des Landes NRW qualifizieren. Die ersten 26 Frauen und Männer im pastoralen und schulischen Dienst haben sich bereits der neuen Studien- und Prüfungsordnung unterzogen und warten z.T. noch auf die Einstellung in den kirchlichen Dienst.

Die Einstellungschancen scheinen gut, denn „der Bedarf nach dieser Beratungsform wächst auch im kirchlichen Bereich". Laut Bistumszeitung hat das Bistum Münster schon 60 Männer und Frauen als Supervisoren angestellt. Da immer weniger Männer sich zum Priester-Seelsorger berufen fühlen, aber immer mehr den psychologischen Beraterdienst anstreben, ist abzusehen, dass es im Bistum bald mehr bischöfliche Supervisoren als Geistliche geben wird.

Die psychologische Begleitung und Supervision, die in den letzten 30 Jahren aufgebaut wurden, zeigen sich vor allem in den Angeboten für Seelsorge und Bildung des GV. Das Referat Frauenseelsorge gibt für alle Dekanate des Bistums das Seelsorge- und Bildungsprogramm heraus, wie das Programm für das 2. Halbjahr 2002, dem das Programm 2003 des Referates Ehe- und Familienseelsorge stark ähnelt.

Die Kursleiterinnen in Münster werden darin als „Referentinnen" oder als „Ehrenamtliche" vorgestellt, nicht aber als für den Psycho-Service speziell Qualifizierte. Das lässt den Schluß zu, dass die Seminare und Kurse entweder als „wilde" Gruppendynamik (d.h. von Laien angeleitete, unstrukturierte Gruppendynamik) ablaufen oder dass die gruppendynamischen Titel wie Trainerin, Supervisorin, Gestalt-Therapeutin verschwiegen werden.

Die Anwendung der Tiefenpsychologie in Theologie und Seelsorge zeigt, dass die Fähigkeit zur Scheidung der Geister, die klare begriffliche Differenzierung zwischen „Seele" und „Psyche", zwischen Theologie und Psychologie, Seelsorge und Therapie verlorengeht. Auf diese Weise werden Institutionen der Seelsorge und Bildung zu Anstalten der Analyse und zu Laboratorien für Therapie und Manipulation des Verhaltens umfunktioniert.

Das GV Münster bietet ebenso wie das in München-Freising einen Psycho-Trainings-Mix aus Aromatherapie, Feminismus, Koran, Enneagramm, Eutonie, Tanz, Psychoimagination, NFP, NLP, EPL, TZI und Bibliodrama an. Ruth Cohn, die Grand-Dame der TZI (Themenzentrierte Interaktion) und eifersüchtige, leicht angestaubte Ikone der Bewegung, hätte ihre helle Freude an ihren folgsamen katholischen Referentinnen und TZI-Konvertitinnen der Diözese Münster.


    

5. GRUPPENDYNAMIK - PSYCHOTECHNIK - GRUPPENTHERAPIE: WAS IST DAS?

Das Diözesanbildungswerk Münster lud kürzlich zur „Systematischen gruppendynamischen Weiterbildung - Workshop 1: Rolle(n) und Normen" in das Bernhard-Otte-Haus, Hopsten, ein, 4 Tage für 280 Euro.

Was erwartet den Teilnehmer? Was verbirgt sich hinter „Gruppendynamik" und „gruppendynamischer Weiterbildung"?

Wie anfangs beschrieben, gehen Gruppentherapie und Gruppendynamik gehen auf Sigmund Freud und besonders auf Jacov Levi Moreno zurück. „Seit Sigmund Freud Anfang des 20. Jahrhunderts die Psychoanalyse begründete, haben sich rund 700 Analyse- und Therapieformen entwickelt, seriöse und vor allem fragwürdige", heißt es in der „Titelgeschichte: Gaukler und Heiler – Was kann Psychotherapie?" in DER SPIEGEL, Nr. 30 vom 25.07.1994.

Selbst die von Politik und Ärztevertretung anerkannte Psychoanalyse wird heute von vielen renommierten Fachleuten des In- und Auslandes, von Bischöfen und Ärzten als Schwindel zurückgewiesen. Analytische Gruppendynamik und Gruppentherapie zählen fraglos zu den „fragwürdigsten" Formen der verschiedenen Psychotechniken.

Ihr Hauptziel ist die Änderung und Aufhebung der (alten) Identität, die „Entstabilisierung der Bildungssubjekte", kurz: die anthropologische Revolution. Im gruppendynamischen Prozeß soll die bestehende, lebensgeschichtlich geprägte Ich-Identität gegen eine neue, gruppenvermittelte, manipulierte Wir-, Gruppen- oder Kollektiv-Identität ausgewechselt werden. Insofern ist die Gruppentherapie eine der „Gehirnwäsche" vergleichbare Psychotechnik, die auf den, wie Freud es nennt, „psychischen Apparat" von Es, Ich, Über-Ich Einfluß nimmt, und zwar durch Instrumentalisierung von Angst und Gruppendruck. Psychotechnik ist Manipulation, weil den Teilnehmern oder deren Erziehungsberechtigten weder die wahren Absichten noch die tiefenseelischen Veränderungen, noch die Verwundungen bekannt gemacht werden, die da stattfinden. Verändert bis aufgehoben werden vor allem die Gewissenskontrolle und die Eingrenzung der Triebe.

Der Gang in den gruppendynamischen Workshop stellt ein psychologisches Experiment am eigenen Ich dar. Gruppendynamik und Psychotechnik wirken als gefährlicher Sprengsatz für alle, auch kirchliche Institutionen.

W. Coulson, katholischer Mitarbeiter des amerikanischen Psychologen und Psychotherapeuten Carl Rogers, berichtet von einem gruppendynamischen Experiment mit Ordensfrauen (s. S. 21).

So wie dieser Orden wurden zwei Drittel aller Orden der USA gruppendynamisch zersetzt, nicht zuletzt der Jesuitenorden.

Die bewußt herbeigeführten, in Kauf genommenen und statistisch erfaßten Veränderungen und Verwundungen reichen von Verunsicherung, Verstörung bis zur Persönlichkeitsspaltung. Nicht selten laufen Gruppendynamik und Gruppentherapie auf Verstöße gegen das Grundgesetz, Art.2(2), hinaus: „Jeder hat das Recht auf körperliche Unversehrtheit", wozu auch der „psychische Apparat" zählt, sowie gegen unser Wert- und Normensystem, das sich christlicher Sittlichkeit und Ethik verdankt.

Mit welchem Recht richten Trainer von gruppendynamischen Workshops ihre nichtsahnenden Klienten auf fragwürdige Ziele aus und führen sie dazu in Identitätskrisen, Verhaltensdilemmata, ja seelische Zusammenbrüche? Werden hier etwa Begrenztheiten des Menschen, Nöte, unerfüllte oder unrealistische Sehnsüchte finanziell ausgenützt, gegebenenfalls auch auf Kosten der Gesetzlichen Krankenversicherung? Werden dadurch gar realistische Möglichkeiten seelischer Hilfe, wohlwollender Rat aus wirklicher Lebens- und Gotteserfahrung verschüttet?

Zu den Zielen der Gruppendynamik paßt ein Zitat des Zeitgeistkritikers und Verteidigers des Glaubens, Gilbert Keith Chesterton (1874 – 1936): „Jene, die dem Menschen seine Identität verweigern, indem sie ihm eine neue, schönere, erfolgreichere anbieten, tragen die Signatur Satans."

Sie feiern den Verlust der Ich-Kontrolle als „Weiterbildung" und den Verlust der Freiheit und Selbstbestimmung als „Befreiung".


      

6. DEN GLAUBEN AN GOTT NICHT MEHR BEKÄMPFEN ?

Der führende Psychotherapeut Tilmann Moser hat in dem aufschlußreichen Beitrag unter dem Titel „Psychoanalyse und Religion – Die Fähigkeit zur Andacht" (Psychologie heute, 11/03) versprochen, dass die Psychotherapie den Glauben an Gott nicht mehr „bekämpfen" und diesen Kampf nicht mehr mit der Bezeichnung „Psychotherapie" tarnen wolle. Er schreibt: „Sie (die Psychotherapie) darf sich weder in den Dienst einer Glaubensgemeinschaft stellen noch Gläubigkeit und Religiosität prinzipiell bekämpfen, will sie nicht selbst einem missionarischen und oft sogar neurotischen Atheismus (!) verfallen."

Offen bleibt, ob dieses Versprechen auch für den Berufsstand der Psychotherapeuten sowie für die therapeutisierenden Psychotechniker in den Bischöflichen Ordinariaten und Klöstern von Münsterschwarzach, Freising, St. Georgen/Ffm. und Bad Schönbrunn (CH) gilt.

Moser, geb. 1938, studierte zunächst Philologie und Sozialwissenschaften und ließ sich anschließend am „Sigmund-Freud-Institut" der Frankfurter Schule als Psychoanalytiker ausbilden. Nach dieser Ausbildung war er als Dozent für Psychoanalyse und als frei praktizierender Therapeut tätig. Einen Namen gemacht hat er sich vor allem mit seiner Schrift „Gottesvergiftung" (Suhrkamp, 1980), einem Taschenbuch, das bis heute ein „gängiger Artikel" in den Buchhandlungen ist. Darin behauptet er, dass religiöse Sozialisation „Gottesvergiftung" sei. Aus dem tiefen Gefühl, durch Gott „vergiftet" worden zu sein, erwacht Moser morgens mit einem Fluch auf den Lippen, der dem Fluch Friedrich Nietzsches gegen das Christentum kaum nachsteht:

„Lieber Gott, ich möchte mit einem Fluch beginnen, ... mit einer Beschimpfung, ... einer Art Explosion, die dich zerfetzte. ... Du warst eine solche Enttäuschung in meinem Leben, dass ich, als ich ganz allmählich und unter Qualen dahinterkam, dich links liegen ließ."

Diesen Haß auf Gott übertrug Moser zum Teil auch auf seine ElternFamilie, die ihm diese Gotteskrankheit („Tumore der Seele") eingeträufelt habe, die ihm „tückischerweise" die Überzeugung beigebracht habe, dass Gott alles höre, alles sehe und auch die geheimen Gedanken erkennen könne, sich also im Gewissen zu Wort melde. Diese Erziehung habe ihn ganz klein, Gott hingegen übergroß, bedrohlich-mächtig, eben „unerträglich" gemacht.

Mit dieser „Bekenntnisschrift" gibt Moser indirekt zu erkennen, dass er weder durch Gott noch durch die protestantisch-calvinistische Familienerziehung, sondern vielmehr durch klassische Psychoanalyse und durch gruppentherapeutisches Training allmählich dahinterkam, vergiftet worden zu sein.

Moser gibt in dem eingangs erwähnten Beitrag zu, dass er praktische Psychotherapie als Waffe gegen Gott und Religion betrieb, womit er unermeßlichen Schaden anrichtete. Heute erst, nach langjähriger therapeutischer Praxis, bringt der inzwischen 65-Jährige seine Erkenntnis zu Papier, dass es keinesfalls Sache des Therapeuten ist zu entscheiden, was der Patient glauben oder nicht glauben soll.

Hier spricht der führende Therapeut nicht nur für sich, sondern für die klassische Psychoanalyse, wie sie am Sigmund-Freud-Institut vertreten wird. Wenn das so ist, stellt sich die Frage, ob noch etwas und was dann von der klassischen Psychoanalyse übrigbleibt.

In der 2003 erschienenen Schrift „Von der Gottesvergiftung zu einem erträglichen Gott" wird dieser als ein Gott dargestellt, der nicht mehr als „strenger Richter aller Sünder" Höllenängste erzeugt, die Menschen „terrorisiert", unterwürfig und hilfsbedürftig macht, sondern sich in die Weiten des Himmels zurückzieht. Er „greift in dein Leben und in die Welt nicht ein, er ist nicht so mächtig, wie du denkst" und ... wie die Theologen uns das weismachen wollen.

Hier wird ein anderes Gottesbild propagiert, mit dem die revisionistische Psychoanalyse glaubt, ihren Frieden schließen zu können. Doch nach wie vor gilt:

Der prinzipielle Atheismus der Tiefenpsychologie und die prinzipielle Religions- und Kirchenfeindlichkeit der Psychotechniken sind mit (christlicher) Wissenschaft, mit dem Bemühen um moralisches Verhalten und der Sorge um das Seelenheil gemäß christlicher Lehre unvereinbar.


       

7. PARADIGMENWECHSEL IN DER SOCIETAS JESU

DAS BILDUNGSPROGRAMM DES LASALLE-HAUSES BAD SCHÖNBRUN

Joseph Kardinal Ratzinger, Präfekt der Vatikanischen Glaubenskongregation, gab am 04.10.03 der „Deutschen Tagespost" (DT) ein Interview, in dem er gefragt wurde, ob die „Einheitsreligion" vor der Tür stehe. Seine Antwort lautete: „Die Gefahr ist sehr ernst."

Bei der Einschmelzung der christlichen Religion, der katholischen Kirche und der tradierten Liturgie in diese Einheitsreligion, in die „UNOMetropolitan-Church" und in die neuen Rituale spielen Theologen/Ordensleute der Gesellschaft Jesu und gruppendynamische Techniker eine entscheidende Rolle, nicht allein in der katholischen Kirche der Vereinigten Staaten, Hollands und Indiens, sondern auch Deutschlands und der Schweiz.

P. Lawrence D’Souza (Diözese Bombay) z. B. berichtet im Januar 2004 ausführlich, wie die katholische Kirche unter dem Zeichen des „Ökumenismus" wie des „interreligiösen Dialogs" mit dem Hinduismus und mit Praktiken des Brahmanismus verschwimmt und verschwindet.

Ein anschauliches Beispiel für die praktische Einübung in die OneWorld-Religion, bzw. „Universalkirche", die sich 1986 und danach in Assisi, 2003 in Aachen und Fatima und im März 2004 in Bern der Weltöffentlichkeit präsentierten, liefert das Jahresprogramm des Lasalle-Hauses (L.H.) Bad Schönbrunn in der Schweiz.

Dieses jesuitische Seelsorge- und Bildungszentrum wurde als Haus der Begegnung zwischen westlichem und östlichem Denken gegründet. Das Bildungsprogramm 2004 umfaßt (ignatianische) Exerzitien, (buddhistische) Zen-Meditation, (tiefenpsychologische) Kontemplation nach C. G. Jung, Heilfasten nach „Feng Shui" sowie (zen-ethische) „Leadership".

An 150 Tagen werden Exerzitien in allen - auch gruppendynamischen Formen -, an 150 Tagen wird 6-8 Stunden lang Zen-Meditation und an 73 Tagen wird Kontemplation von „einfachen" Ordensmitgliedern und Laien, von „qualifizierten" und „hochqualifizierten" Patres und Ordensfrauen angeboten und inhaltlich ausgelegt.

So hat der bisherige geistige Leiter des L.H., P. Niklaus Brantschen SJ, schon 1988 von Zen-Meister Yamada Roshi die Lehrbefugnis und den Namen GU-UN-KEN erhalten. Die „höchsten Weihen" erhielt er 1999 als „autorisierter Zen-Meister der White Plum Shanga". Als äußeres Zeichen dieser Bevollmächtigung nahm der Jesuit den „Dharma-Namen JINSHU" an.

P. Brantschen hat die geistig-geistliche Leitung des L.H. inzwischen an Sr. Anna Gamma vom St. Katharinen-Werk (StKW) übertragen, die ebenfalls „wiedergetauft" wurde auf den „Dharma-Namen MYOAN". Ihr zur Seite steht der Philosoph Dr. P. Widmer, der die buddhistisch-hinduistisch-shintoistische „missio canonica" bzw. die „Dharma-Transmission" und Zen-Lehrbefugnis von P. Brantschen und Sr. Pia Gyger StKW (ebenfalls Zen-Meister der White Plum Shanga und wiedergetauft auf den Namen JINJI), erhalten hat. Diese und zahlreiche weitere Meister, Lehrer und Dharma-Transmissionare „missionieren" in Za-Zen-Kursen Ungeübte, Geübte und Fortgeschrittene.

Inhaltlich werden diese Zen-Kurse mit „Achtsamkeitsübungen aus dem Früh- und Spätbuddhismus", mit „Schweigekursen inkl. Kurzreferaten und interaktiven Übungen" ausgelegt - mit dem Akzent auf: Wir wünschen, wollen, erwarten und wirken auf andere" und „wir übertragen (alles) auf unseren westlichen Alltag".

Mit diesen Za-Zen-Kursen will das L.H. der „großen Nachfrage nach spiritueller Erfahrung" optimal entsprechen und dazu beitragen, dass die Kursteilnehmer Einheit mit allem (!) Leben erfahren, Sinn finden, zum „wahren Leben erwachen" (!) und zu Mitgefühl finden.

Das Erreichen dieses Zieles scheint man im L.H. vorwiegend fernöstlichen Methoden zuzutrauen. Diese „missionieren" im Sinne des heidnischen Buddhismus, nicht jedoch im Sinne des Auftrages Jesu: „Geht hin und lehrt alle Völker, tauft sie ... und lehrt sie, alles zu halten, was ich euch geboten habe."

Ordensleute, die ihr Gelübde der Keuschheit, Armut und des Gehorsams gegenüber ihrer Kirche abgelegt haben, treten als falsche Propheten auf, die andere Christen im Glauben irremachen oder irreführen und damit zur wachsenden Gottlosigkeit beitragen. Wer an den dreifaltig-einen Gott nicht glaubt, sucht Hilfe und Rettung bei Göttern, Götzen, Dämonen und Magiern.

Die im Jahresprogramm des L.H. Bad Schönbrunn in der Schweiz angebotenen Exerzitien reichen inhaltlich von den klassischen „Großen Exerzitien nach der Regel des Ignatius von Loyola" bis zu Reflexionen über das Thema: „Bin ich bereit, als Priesterin der kosmischen Wandlung (!) meinen Alltag zu heiligen und an der Wandlung meines Lebens in einen Tempel des Hl. Geistes mitzuarbeiten?"

Die siebentägigen Übungen sind mit „energetischen Leib- und Lichtübungen" und mit „Leibarbeit" (Eutonie, Yoga, Tanz) verbunden und werden von Sr. Pia Gyger StKW (Zen-Meisterin, wiedergetauft auf den Namen JINJI) geleitet. Ihr besonderes Anliegen ist die „personale und gesellschaftliche Transformation".

Andere Seminare bauen auf dem „ignatianischen Modell" auf, verändern es aber und verfälschen es durch „Erkenntnisse aus der Supervision" unter Leitung der Theologinnen und Supervisorinnen Th. SpringHuber bzw. E. Casper.

Ungeklärt bleibt, wie die christliche Spiritualität der ignatianischen Exerzitien („Stärkung der Glaubensgewißheit und Reifung der spirituellen Persönlichkeit") mit Methoden der Psychoanalyse, der Leibarbeit, der Psychotechnik, die dem prinzipiellen Materialismus der Tiefenpsychologie bzw. dem oftmals neurotischen Atheismus entliehen sind, erreicht werden können. Vermutlich ist das den theologisch gebildeten Psychotechnikern des L.H. nicht einmal bewußt. Jedenfalls stellen sie ihrer theologischen Fakultät eine schlechte Note aus.

Ein weiteres Element der Vermittlung zwischen östlichem und westlichem Denken bzw. zur Vertiefung der Wirkungen der Exerzitien ist die „Kontemplation" und das entsprechende Kursangebot.

Kontemplation gilt als das „Einüben in Stille, wo Selbstbezogenheit zur Hingabe gewandelt wird in Gottes So-Sein in der Welt". Diese Kurse werden ebenfalls von Jesuitenpatres, Zen-Meistern, Dozenten der Schule C. G. Jungs, Gestalttherapeuten (!) auf der Linie P. Willigis Jägers (Münsterschwarzach) sowie von Religionswissenschaftlern geleitet, die „"Sadhama vermitteln". Der Fächer dieser Kursangebote umfaßt inhaltlich „christliche Kontemplation (als) die betende Wahrnehmung Gottes" – ohne oder in Verbindung mit Yoga, Za-Zen, Körperarbeit – bis hin zu Sadhama-Meditation („Woher kommen die Hindernisse, die meinen Weg zum Glück verstellen?").

Man darf grundsätzlich bezweifeln und bestreiten, dass Teilnehmer an Kontemplationskursen mit Yoga, Za-Zen, Leibarbeit und Sadhana-Meditation auf diese Weise die „Gegenwart Gottes" wahrnehmen können. Der dreifaltige Gott des Christentums ist ein anderer Gott als der durch „Feng Shui" vermittelte. Wie dem Jahresprogramm zu entnehmen ist, zeigt Feng Shui als Teil der chinesischen Wissenschaft vom Leben in Harmonie mit der Umgebung Mittel und Wege auf, „wie die eigene und die Raumenergie gesteigert" werden können. Auch mit Sakral-Tanz und „Shibassi" kommt man dem Gott der Christen nicht näher, denn Shibassi öffnet angeblich „unser Bewußtsein für die Gegenwart des Göttlichen in allem". Dieses pantheistisch-kosmologisch-esoterisch Göttliche hat nichts gemein mit dem Gott der Bibel und des Großen Glaubensbekenntnisses, dem personalen, transzendenten Gott, der Schöpfer und Erhalter ist und nicht in seiner Schöpfung aufgeht, d. h. nicht mit ihr identisch ist. Das Jahresprogramm des L.H. ist daher Ausdruck tiefer Glaubenserschütterung und Dokument der Glaubensverdunkelung.

Zentrale kultische Handlung der Einheitsreligion „universaler Brüderlichkeit" ist der Tanz, der liturgische Tanz um den Menschen und um den Gaben-Tisch, den „Altar" ohne Gott (fehlende Realpräsenz), man könnte sagen, der Tanz ums Goldene Kalb in der UNO-Metropolitan-Cathedral, die in unmittelbarer Nähe zur Gnadenkapelle der Wallfahrtsstätte von Fatima errichtet wird.

Der Apostel Paulus hätte allen Grund, der Christengemeinde von Bad Schönbrunn zu schreiben: „Es wundert mich nicht, dass ihr euch so schnell von dem abwendig machen laßt, der euch durch die Gnade Christi berufen hat und euch einem anderen Evangelium zuwendet, während es doch kein anderes gibt ..." (Gal. 1, 6-7)


     

8. BIBLIODRAMA FÜRS „ÖKUMENISCHE" BEWUSSTSEIN

Das Jahr 2003 brachte uns zwei religiöse Großereignisse: Das „Jahr der Bibel 2003" und den „Ökumenischen Kirchentag" in Berlin.

Zur Vorbereitung der Christen auf diese Ereignisse gaben die Deutsche Bibelgesellschaft und das Katholische Bibelwerk, beide in Stuttgart, ein „Ideenheft zum Jahr der Bibel 2003" heraus. Das Editorial ist von den geistlichen Führern der „Ökumene" in Deutschland unterzeichnet: Präses Kock für die EKD, Kardinal Lehmann für die DBK, Bischof Kaiser für die ACK und Präses Strauch für die Ev. Allianz.

Mit den Großereignissen und Anregungen des Ideenheftes soll die Bibel „in das Bewußtsein einer breiteren Öffentlichkeit gebracht", das „Leben mit der Bibel in den Gemeinden gestärkt", ein „Neuaufbruch der Ökumene in unserem Lande" unterstützt und sollen die „Menschen für die Bibel neu begeistert" werden. Alle, die dieses ökumenische Bewußtsein nicht teilen, „die sich auf eigene Sonderoffenbarungen berufen", die „konfessionellen Streit schüren wollen", haben kein Recht, bei der Aktion Bibel mitzuwirken. Das Ideenheft bringt Anregungen für die christlichen Gemeinden, sich mit der Bibel praktisch auseinanderzusetzen, z B. durch Bibel-Parcours, Bibel-Lese-Tag und Nacht, Theater-Gottesdienste, Pantomime, Mal- und Tanzkurse und auch durch Bibliodrama.

Die neue Begeisterung für die Bibel und der Neuaufbruch in der Ökumene sollen ausdrücklich nicht durch biblisches Wissen oder dramatisierte Bibeltexte vermittelt werden, „vielmehr sollen existenzielle Erfahrungen und Fragen der Teilnehmenden zum Ausdruck kommen können". Die Leiter/Innen beim Bibliodrama benötigen deshalb in erster Linie „psychologische und gruppenpädagogische (!) Kenntnisse" sowie die Bereitschaft zu eigenen neuen Erfahrungen – nicht biblisch-theologische Ausbildung. Die neue Begeisterung geht also von gefühlsmäßigen Erfahrungen (Stimmungen, Emotionen) aus, die im Bibliodrama vermittelt werden.

Das Katholische Bibelwerk verweist den am Bibliodrama interessierten Laien an ausgewiesene Experten und insgesamt 14 Ausbildungskurse, darunter das Theologisch-Pastorale-Institut für berufsbegleitende Bildung der Diözesen Limburg, Mainz, Trier mit Sitz in Mainz und die Evangelisch-Theologische Fakultät der Universität Marburg, an Prof. Dr. G. M. Martin.

Martin versendet auf Anfrage eine Literaturliste zum Thema Bibliodrama mit 45 Titeln. Über Internet kann eine Liste mit 160 Titeln abgerufen werden (www.bibliodrama.de/literatur)

Diese Literatur weist Jacov Levi Moreno als den Vater des Psychodramas aus. Das Bibliodrama leitet sich daraus ab und stellt eine leicht veränderte Variante des Stegreiftheaters dar.

Martin als der derzeitige Chef-Theologe des Bibliodramas und Promotor der Bewegung bei uns bekennt in seinem „Sachbuch Bibliodrama – Praxis und Theorie" (2. Aufl. 2001, Kohlhammer), stärkste Impulse für seine Bibliodrama-Arbeit in New York von dem Dirigenten Moshe Budmor, dessen Frau Katya Delakova (tätig in Körperarbeit, Ausdruckstanz sozialistischer und ästhetischer Befreiung) sowie dem Verhaltenspsychologen Moshe Feldenkrais erhalten zu haben.

Bei Delakova lernte er „seinen Körper radikal neu kennen", erlebte er seine „leibhaftige Wiedergeburt", denn Delakova arbeitete „mit dem Körper, mit Bewegung, Szenen und Themen, aber nicht – irgendwie auch – bewußt gruppendynamisch oder gar therapeutisch". Danach ging Martin zum Aufbau-Studium nach Kalifornien in die „Psycho-Dampfbäder", um dort 1974 im Esalen-Institut „niedrigere und höhere Weihen" der amerikanischen Humanistischen Psychologie zu empfangen. Das Esalen-Institut kann als die gruppendynamische Hochschule und Zentrale für die Ausbreitung der Bewegung bezeichnet werden, zugleich ist es die Hochburg des Psychodramas. Nach Deutschland zurückgekehrt, nennt der Alt68er-Theologe seine Arbeit mit dem Psychodrama „ganzheitliche Bibelarbeit".

„Gott kann man nur/muss man spielen – auf der bibliodramatischen Bühne wie im Leben – weil es ihn nicht gibt." So spricht ein „Christ", der sich durch „Körperarbeit" wiedergeboren und berufen fühlt, ganz in der Jüngerschaft Morenos zu lehren.

Nach seiner Vorstellung soll das Bibliodrama in der Kirche die „Alternative zu jeder Form des herkömmlichen Gottesdienstes und aller Predigtaktivitäten" bilden.

In der katholischen Bistumszeitung „Kirche und Leben" vom 4. Mai 2003 erschien beispielsweise ein ausführlicher Beitrag über Bibliodrama in der Praxis, nämlich in der St.-Martini-Gemeinde von Münster. Dort sorgt eine sog. „Jugendkirche Effata" schon länger für Wirbel durch liturgische Experimente, Techno-Musik und Show-Einlagen aller Art. Also darf ein Psychotrip per Bibliodrama offenbar nicht fehlen. Das Bistumsblatt berichtet wie folgt darüber:

„Neugierig zeigten sich die Frauen und Männer, als es darum ging, die Passagen aus dem Markusevangelium über die Heilung eines Aussätzigen in der Form des ‘Bibliodramas’ kennenzulernen. Beim ‘Bibliodrama’, einer Darstellungsart zwischen Therapie und Theater, werden in einem kurzen Spiel die Rollen, die sich aus dem Bibeltext ergeben, verteilt und angespielt.

Da gab es doch tatsächlich einen Jesus-Darsteller, der den Aussätzigen nicht heilen wollte. Nüchtern, die kalte Schulter zeigend, von oben herab redend, erregte dieser Jesus doch gar nicht das Bild des lieben, mitfühlenden, selbstverständlich zur Heilung bereiten Jesus Christus, der allen ein Vorbild ist.

Die bewußt verfremdete Spielszene war spannungsgeladen. Einige Teilnehmer reagierten entsetzt. Wut spielte vermutlich auch eine Rolle. Die Dynamik, die sich durch dieses nur kurz angedeutete Anspiel zeigte, gab eine Ahnung davon, dass eine Gruppe unterschiedlichste Vorstellungen vom Bibeltext und von der darstellerischen Form dieses Textes hat.

Irritationen sind aber in dieser Bibelarbeitsform gewollt und fordern die Teilnehmer heraus, sich auf unalltägliche Weise auf die Bibel einzulassen. Da ist es kein Wunder, dass mancher seine Emotionen zeigt: von peinlich pikiert bis zur erstaunten Aha-Ausrufen, von leuchtenden Augen bis zu nachdenklichen Blicken."

Wer Augen hat zu lesen, der lese: biblische Inhalte werden in Spielszenen „bewußt verfremdet"; es entwickelt sich eine emotionsgeladene „Dynamik" in der Gruppe; es kommt zu „Irritationen", die aber in dieser „Bibelarbeitsform" ausdrücklich „gewollt" sind.

Es ist offensichtlich, dass das Bibliodrama auf eine Zersetzung und Verfälschung der Heiligen Schrift hinausläuft und mit einem braven biblischen Theaterspiel, wie vielleicht mancher denken mag, leider ganz und gar nichts zu tun hat. Bibliodrama ist die Verdrängung von Theologie und Seelsorge durch Psychologie - noch dazu durch eine Psychotechnik, die von Experten (vor allem Psychiatern) als völlig unseriös bewertet wird.


      

9. KEINE MACHT DER PSYCHOLOGIE IM PRIESTERSEMINAR

Der am 18. März 2004 im Kloster Reute bei Bad Waldsee gefaßte einmütige(?) Beschluß der Regenten, in allen Priesterseminaren Deutschlands, Österreichs, Liechtensteins und der Schweiz standardisierte Methoden der Psychologie verbindlich einzuführen, um Priesteramtskandidaten „strenger" zu selektieren, und während der Studienzeit im Seminar durch „formating advisors" zu begleiten, hat Skepsis, Besorgnis und vor allem Legitimationsdruck hervorgerufen.

Diese analytischen, therapeutischen und konditionierenden Methoden werden schon seit vielen Jahren in Bildungs- und Seelsorgezentren der bischöflichen Ordinariate und Ordensgemeinschaften angewendet. Mit ihnen sollen vor allem die „sexuelle Struktur" bzw. der psychosexuelle Reifestand der Bewerber analysiert, durchleuchtet und transparent gemacht und die „soziale Kompetenz" der Kandidaten gefördert werden. Der dem Seminaristen zur Seite gestellte „formating advisor" soll ihn bis zur Priesterweihe konditionieren, d.h. kontrollieren, verstärken, sanktionieren.

Die Regenten scheinen sich völlig sicher zu sein, dass die aus den USA stammenden Methoden zuverlässig das messen, was zu messen sie vorgeben. Deshalb räumen sie auch den Kandidaten kein Einspruchs- oder Berufungsrecht an höherer Stelle ein, wie das in Prüfungs- und Gerichtsverfahren selbstverständlich ist.

Weiteres Ziel der Reform des Zulassungs-(Screenings-)Verfahrens sei die Verbesserung der Instrumente zur Aufdeckung von Defiziten in der Persönlichkeitsstruktur oder im Reifestand des Anwärters. Man will also etwaige „homosexuelle Subkulturen in Priesterseminaren" austrocknen und „Skandalen um sexuellen Mißbrauch durch Priester" wie etwa in der Diözese Boston (USA) zuvorkommen.

Vieles deutet allerdings darauf hin, dass diese Methoden in ursächlichem Zusammenhang mit dem Massenaustritt und Glaubensabfall von Priestern und Ordensleuten – vor allem in den Vereinigten Staaten und den Niederlanden – stehen. Erinnert sei nur an das höchst folgenreiche Experiment des katholischen Psychologen W. Coulson mit 560 Ordensfrauen des „Unbefleckten Herzens Mariens" in den USA, bei dem in einem Zeitraum von nur eineinhalb Jahren 530 Nonnen ihren Orden verließen und ihr Gelübde der Keuschheit brachen. Coulson war von diesem Ergebnis schockiert.

Begründet wird diese Reform mit Mißständen in verschiedenen Ländern, legitimiert wird sie vom Vorsitzenden der Regenten-Konferenz mit dem „im Entwurf bereits vorliegenden Dokument der Bildungskongregation über den Einsatz der Psychologie im Rahmen der Priesterbildung.

Der Verweis auf dieses vatikanische Dokument erweckt den Eindruck, die Entschließung der Seminarregenten setze lediglich – gewissermaßen in vorauseilendem Gehorsam – den Beschluß der Bildungskongregation in praktische Normen und Verfahren um.

Deren Orientierungshilfen 2002 haben jedoch keine „normative Kraft" erlangt. Auf besorgte Anfrage vom 20.03.03 bei der zuständigen Kongregation erteilte Kardinal Z. Grocholewski am 30.01.04 folgende Antwort an den Verfasser:

„In Ihrem Schreiben beziehen Sie sich auf angeblich(!) im Februar 2003 vom Heiligen Vater, Papst Johannes Paul II., herausgegebene Orientierungshilfen, die die Integration der Psychologie in die Priesterausbildung empfehlen ...

... Zugleich liegt uns daran, mit Nachdruck(!) festzuhalten, dass weder vom Heiligen Vater selbst noch von einem der Dikasterien das von Ihnen genannte bzw. ein anderes Dokument in diesem Sinne herausgegeben wurde."

Die Reform des Auslese- und Ausbildungsverfahrens ist durch die im Entwurf vorliegenden Orientierungshilfen 2002 also nicht gerechtfertigt.

Rom, d.h. der „Rat für Kultur" und der „Rat für den interreligiösen Dialog" haben vielmehr im Februar 2003 die Erklärung „Jesus Christus – Bringer des lebendigen Wassers" verabschiedet, in der die oben angesprochenen psychologischen Techniken, Methoden und Verfahren in die Nähe von Esoterik und New Age eingeordnet werden. Die Rechtfertigung der Reform durch die Leiter der Priesterseminare entbehrt daher jeder Grundlage.

Gegen das Reformkonzept der Seminarregenten lassen sich Vorbehalte und Einwände vortragen, die z.T. auch von einigen Regenten geäußert wurden. Schon beim ersten Lesen des Berichts („Deutsche Tagespost", 20.03.04) fällt auf, dass sich die Seminarleiter mehr sorgen um die „sexuellen Strukturen" und Strukturdefizite als um den Glauben, das Glaubenswissen und das geistig-geistliche Profil der Priesteramtsbewerber.

Die in der kirchennahen Presse verwendeten Begriffe und Umschreibungen wie psychologische Analyseverfahren, Screening, Eignungsdiagnostik, Psychotherapie, formating advisors lassen Rückschlüsse auf die Theorien zu, die dem Reformkonzept zugrunde liegen, namentlich

– die materialistisch-argumentative Tiefenpsychologie Sigmund Freuds mit den Methoden der Psychoanalyse und Psychotherapie,

– die amerikanische „Humanistische Psychologie" von Maslow, Skinner, Watson und Pawlow, die sich als Wissenschaft von der Handhabbarkeit des Menschen durch Manipulation, Konditionierung und Verhaltensänderung versteht und als „Behaviorismus" bezeichnet wird,

– die Psychotechnik der Gruppendynamik von Moreno u.a., die sich auf die wissenschaftlich umstrittene Lehre Freuds beruft.

Diese drei Bezugssysteme sind mit dem christlichen Menschenbild, christlicher Philosophie und Theologie unvereinbar. Im Zentrum dieser Theorie und ihres Menschenbildes steht der „psychische Apparat", wie Freud ihn bezeichnet, mit seinen Trieben und Bedürfnissen, seinen Instanzen des Es, Ich und Über-Ich sowie seinen unbewußten und bewußten Aktivitäten.

Psychotechniken nehmen Einfluß auf diesen psychischen Apparat. Gruppendynamik ist ein heimtückisches System zur Manipulation und Kontrolle von Menschen durch Gruppen und Gruppenleiter (Trainer/Supervisoren) mit hoher Schädigungswahrscheinlichkeit unterschiedlicher Intensität: von der Auflockerung und Verwirrung der Identität (Ich bin ich) bis zur Persönlichkeitsspaltung, vom normkonformen Verhalten bis zur vollständigen Gleichgültigkeit gegenüber Normen und bis zur Arbeitsunfähigkeit.

Unter Gruppendruck erzeugte Angsterlebnisse wirken ähnlich wie Hypnose, Suggestion, Rauschgift oder Wahnvorstellungen. Sie sind Hauptursache psychischer Schädigungen, die nicht zu rechtfertigen sind. Gruppendynamik zielt auf die „Ausmerzung des Gottessyndroms" (Moreno u.a.), auf die Revolutionierung des Subjekts (d.h. des Menschen), seines Bewußtseins, Fühlens, Strebens, Verhaltens.

Seminarregenten sollten sich bei einer solchen Fundamentalrevision nicht auf Unwissenheit, Gutgläubigkeit oder andere kirchliche Institutionen berufen, wenn sie diese inhumanen, fast schon neurotisch kirchenfeindlichen Methoden den Ortsbischöfen und Priesterseminaren empfehlen.

Vor Anwendung der Gruppendynamik im kirchlichen Bereich kann nicht eindringlich genug gewarnt werden; denn Gruppendynamik divinisiert (vergöttlicht) die Gruppe, die menschliche Gesellschaft und sozialisiert Gott (ordnet ihn der Gesellschaft zu). Die Gleichsetzung von Mensch/Gruppe und Gott stellt eine Leugnung Gottes dar.

Das ist der kulturrevolutionäre Gehalt der Psychotechnik. Es wäre ein glänzender Sieg der gruppendynamischen Bewegung, wenn es ihr gelänge, die Kirche mit ihren Institutionen in eine psychoanalytische, psychotherapeutische Anstalt umzufunktionieren.

Die Deutsche Bischofskonferenz will den sexuellen Verfehlungen von Geistlichen mit „neuen Wegen der Prävention und Therapie" und mit der „stärkeren Einbindung externer Fachleute" begegnen, ohne zu berücksichtigen, dass Psychotherapie und Psychotechnik mit Seele und Seelsorge nichts gemein haben.

Es ist zu befürchten, dass die Bischöfe des deutschsprachigen Raumes mehrheitlich den Reformvorschlägen von Bad Waldsee zustimmen werden – vielleicht in guter Absicht, aber in zu naiver Einschätzung der schwerwiegenden Folgen.

„Habt (also) acht auf euch und auf die ganze Herde, über die der Heilige Geist euch zu Bischöfen bestellt hat, die Kirche Gottes zu regieren, die Er sich mit seinem Blut erworben hat." (Apg. 20, 28)



              

10. LITERATURHINWEISE UND ANMERKUNGEN


Anmerkungen zu Folge 1

K. Marx, Das Kapital, 1. Bd., in: MEW (Marx-Engels-Werk), Bd. 23, Berlin 1956

K. Marx, Fr. Engels, Manifest der Kommunistischen Partei, in: MEW, Bd. 4, Berlin 1956

K. Marx, Fr. Engels, Philosophie - Studienausgabe I bis IV, Fischer TB, 1972

S. Freud, Abriß der Psychoanalyse, Fischer TB, 1955

ders., Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie, Fischer TB 1975

ders., Zukunft einer Illusion, Ges. Werke XIV, 1927

Fr. Nietzsche, Also sprach Zarathustra

ders., Der Wille zur Macht

ders., Die fröhliche Wissenschaft, Kröner, Stuttgart 1981

W. Ross, Ist Gott tatsächlich tot? in: Rheinischer Merkur, 14.10.1994

Nietzsche ist tot, aber Gott lebt. „Aber Nietzsche ist verteufelt lebendig, er ist über Marx und Freud und Darwin hinaus die stärkste geistige Potenz, die gegen den alten Gottesglauben angetreten ist, und es steckt noch viel Munition in den Arsenalen seiner Aphorismenbücher."

L. Feuerbach, Das Wesen des Christentums, Bd. 1 und 2, W. Schaffenhauer (Hrsg.), Berlin 1956

Der Spiegel, Nr. 30 vom 25.7.1994, bringt als Titelgeschichte: „ G a u k l e r und Heiler - Was kann Psychotherapie? Seit S. Freud Anfang des 20. Jahrhunderts die Psychoanalyse begründete, haben sich rund 700 Analyseund Therapieformen entwickelt, seriöse und vor allem fragwürdige." Die gruppentherapeutischen und psychotechnischen Formen gehören zweifellos zu den fragwürdigsten, die sich zu Unrecht auf die Tiefenpsychologie Freuds berufen und unbestreitbar mehr Kränkung und Schädigung als Heilung und Heil mit sich bringen.

Die gruppendynamische Bewegung wurde von der amerikanischen „Psychological Warfare" und Friedenspolitik auf den Weg gebracht. Gleich nach dem Zweiten Weltkrieg hielt der kanadische Psychiater-General G. Brock Chisholm am 23.10.1945 vor der Truman-Administration im USInnenministerium den weltbewegenden programmatischen Vortrag über amerikanische Kriegsführung und Friedenspolitik. G. B. Chisholm war von 1955-57 Präsident der „World Federation of Mental Health" (Weltbund für geistige Gesundheit), danach bekleidete er hohe Ämter in der WHO (Weltgesundheitsorganisation). Er erklärte: „Die Umwertung und letztlich Auslöschung des Konzepts von Richtig und Falsch ... sind die Ziele aller effektiven Psychotherapie ... Tatsache ist, dass sich die meisten Psychiater und Psychologen ... von diesen moralischen Ketten gelöst haben ... Wenn die Rasse von ihrer sie verkrüppelnden Last von Gut und Böse befreit werden soll, müssen es Psychiater sein, die hierfür die Verantwortung auf sich nehmen ..." Und weiter: Wohl ist die „Umwertung der Werte" kein Spezifikum der Psycho-Fächer. Aber auf ihrem Terrain wurde der Neomarxismus entwickelt. Hier unterhält er seine wesentlichen „Denkfabriken" wie etwa das ESALEN-Institut (USA) oder das TAVISTOCK-Institut (GB) (zitiert nach Rundbrief GEP 1/1996 und 2/2000) oder die FRANKFURTER SCHULE (D).

Das „neue Paradigma hat die ganze Welt ergriffen" (und hat die Kirchen dabei nicht ausgelassen).

Chisholm vertritt als Angehöriger der „Washington School of Psychiatry" (H. St. Sullivan) die Auffassung, (alle) Kriege hätten ihre Wurzel in (psychischen) Schuld-, Loyalitäts- und Inferioritäts- (Minderwertigkeits-)gefühlen, die letztlich wiederum in der christlichen Lehre vom „Baum der Erkenntnis", vom Sündenfall der ersten Menschen und von der Vertreibung aus dem Garten Eden wurzelten. Adressat der Rede ist die christliche Religion. Dieses „Gift", das wir Christen Sittlichkeit, Sünde, Urschuld, „Zerstörung des Tempels" in uns nennen, will G. B. Chisholm als „moralische Ketten", als „verkrüppelnde Last" abgeworfen sehen oder hinwegtherapieren.

Diese schreckliche Rede erinnert an Fr. Nietzsches Aufruf an seine Brüder: „Zerbrecht die alten Tafeln" (des Mose), die 10 Gebote. Mit ihr hat sich Chisholm als der Promoter der psycho-analytisch-politischen Bewegung der Umerziehung (re-education) und der Unterwanderung des bürgerlich-christlichen Bewußtseins vorgestellt. (Vgl. G. B. Chisholm, The Responsibility of Psychiatry, The William Alanson White Memorial Lectures 2. Series, Psychiatry, Journal of Biology and the Pathology of interpersonal Relation, Vol. 9, No. 1, Febr. 1946.)

Dreißig Jahre später veröffentlichte der Studentenpfarrer O. Nigsch, Linz a. d. Donau, in der Zeitschrift „Gruppendynamik" 1975/6 die fünf wichtigsten Ziele der Bewegung, die hier nur (in programmatischer Form) referiert und kommentiert werden können:

1. Ziel: Ent-Institutionalisierung der Gesellschaft, also Abschaffung oder Umfunktionierung der Institutionen Familie, Kirche, Unternehmen, Justiz, Rechtsstaat, damit die „therapeutische Gesellschaft" auf dem „Ground Zero" errichtet werden kann.

2. Ziel: Ent-Bürokratisierung, bürokratische Entscheidungen sollen in gruppendynamischen Prozessen vorbereitet und herbeigeführt werden.

3. Ziel: Ent-Hierarchisierung der Gesellschaft. Die Hierarchen, Autoritäten, Vorgesetzten, Experten sollen entmachtet oder abgesetzt werden, damit alle Gleiche unter Gleichen werden können.

4. Ziel: Ent-Funktionalisierung des Bildungssystems. Die Schule soll nicht mehr Stätte der Wissensvermittlung, der Bildung und Erziehung, der Vorbereitung auf Leben und Beruf sein, sondern Trainingsboden der Verhaltenstherapie, -änderung und -kontrolle, der staatlichen Konditionierung des Denkens, Urteilens, Bewußtseins werden. Die Zeugnisnoten in den Grundschulklassen und die „Pisa-Studie" zeigen, wie weit die Ent-Funktionalisierung schon fortgeschritten ist.

5. Letztes Ziel der gruppendynamischen Bewegung ist die Ent-Stabilisierung der Bildungssubjekte. Entstabiliserte, labile, ich-schwache Persönlichkeiten mit einem „entstrukturierten Über-Ich" und einem „entsublimierten Es" sind therapiebedürftig, sind auf Führung durch Psychagogen, auf Verhaltenskonditionierung durch Psychosynthese-Trainer oder Neurolinguistische Programmierer so angewiesen wie etwa der Fisch im Aquarium auf das Wasser, weil in ihnen das „Gottessyndrom ausgemerzt" und das „Konzept von Gut und Böse" (= Sittlichkeit) ausgelöscht wurde.

Der gruppendynamischen Bewegung geht es in erster Linie um Vor-Arbeiten, d.h. um Destruktion, Auflösung, Ablösung, Zersetzung der christlich-abendländischen Kultur. Erst danach kommt die Hauptarbeit: Die Errichtung der Alternativ-Kultur, der „therapeutischen Gesellschaft" (Chisholm/Moreno) innerhalb der Neuen Weltordnung. Wiederum knapp 30 Jahre später (2003-05) liegen die gruppendynamisch inspirierten Seelsorge- und Bildungsprogramme der bischöflichen Ordinariate, der Ordenshäuser und der Priesterseminare im deutschsprachigen Raum (Folgen 1 bis 9 dieser Broschüre) vor, allerdings auch Schadensbilanzen.


  

Anmerkungen zu Folge 2

Kongregation für das katholische Bildungswesen (Z. Kardinal Grocholewski), Orientierungshilfen für den Gebrauch der Psychologie bei der Aufnahme und Ausbildung von Priesteramtskandidaten (4.-6. Februar 2002) - nicht veröffentlicht

K. Kardinal Lehmann, Die Kirche ist getroffen, in: FAZ, 22.7.2002

Rat für Kultur (P. Kard. Poupard) und Rat für den interreligiösen Dialog (Erzb. M. Fitzgerald), Jesus Christus - Bringer des lebendigen Wassers - Eine christliche Reflexion über „New Age", 2003

J. L. Moreno, Die Grundlagen der Soziometrie - Wege zur Neuordnung der Gesellschaft, Köln-Opladen 1954

ders., Gruppenpsychotherapie und Psychodrama, Stuttgart 1959

J. L. Moreno kann als der Erfinder des Psychodramas und des psychodramatischen Rollenspiels, sowie als Protagonist der „Ausmerzung des Gottessyndroms" und als Architekt der neuen „therapeutischen Gesellschaft" angesehen werden.

G. Leutz, Das klassische Psychodrama nach J. L. Moreno, Berlin-Heidelberg 1974 


   

Anmerkungen zu Folge 3

Programm „Frauenseelsorge 2003", hrsg. vom Erzbischöflichen Ordinariat München-Freising, Ref. 7/FB

Zu NLP-Practitioner und Master-Practitioner-Ausbildungslehrgängen lädt die Volkshochschule der Stadt Münster ein. Demnach ist NLP, Neurolinguistische Programmierung, „ein leistungsfähiges Modell menschlicher Erfahrung und Kommunikation. Mit den Prinzipien (acht werden genannt) der NLP können sie menschliches Denken, Fühlen, Handeln ganz genau beschreiben, um schnelle (!) Veränderungen zu initiieren." NLP-Practioner sind Veränderungsagenten des Sozialismus, der neuen „Therapeutischen Gesellschaft", in der jeder jeden analysiert, therapiert, programmiert und sanktioniert, sie zählen zur Berufsgruppe der „formating advisors". (Vgl. Kapitel 9)

Vgl. auch das Programm 2004/05 des Hauses für Bildung und Therapie der Pallottiner, Pallottistr. 2, 85354 Freising: eine Mixtur aus Enneagramm - Kontemplation - Heilende Gemeinschaft - Wachsen und Reifen durch meditativen Tanz - Yoga und Jesus - Atemtherapie. Die 18 Dozentinnen und Dozenten haben neben ihrer theologischen Ausbildung und Priesterweihe folgende Zusatzqualifikation für Bildung und Therapie erworben: Gestalttherapie, Hypnotherapie, körperzentrierte Psychotherapie, YogaStudium, Pastoralpsychologie, Gesundheitstraining Siomonton, Ausbildung in TZI, Enneagrammtraining, Körperarbeit und Bibliodrama, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und Psychodrama, Gruppentherapie, Christliches Partnerschaftstraining, Supervision und Atemtherapie und Katathymes Bilderleben. Ein eintägiger Kurs im Hause kostet etwa 50,- Euro, ein Kurs vom 8.-12. November kostet: 170,- Euro Vollpension im EZ + 250,- Euro Kursgebühr. Ein Kurs mit P. Dr. J. Müller SAC und Team vom 5.-25. Februar kostet 1.550,- Euro (inkl. Vollpension und Therapiekosten).

Vgl. auch das Programm der SkF-Beratungsstelle Rosenheim-Prien, 2. Hj. 2004: Sozialpädagoginnen und Gruppentherapeutinnen mit „Schweigepflicht" bieten psychosoziale Beratung und Begleitung mit Meditation und Gruppen-Angeboten an.


   

Anmerkungen zu Folge 4

Kath. Fachhochschule NRW-University of Applied Sciences - Aachen-Köln-Münster-Paderborn, Ausbildungsordnung für den Studiengang „Master of Science in Supervision", http://www.kfhnw.de

zum Vergleich: Deutsche Gesellschaft für Supervision e.V. (DGSV), Supervisionsausbildung, 6.1.2003

zu Skinner, siehe Kapitel 9

zu Moreno, siehe Kapitel 2

zu Maslow, siehe Kapitel 9

R. Cohn, Zur Grundlage des themenzentrierten interaktionellen Systems, in: Gruppendynamik 1974 / H. 3, S. 150-159

dies., Von der Psychoanalyse zur themenzentrierten Interaktion (TZI), München 1980


    

Anmerkungen zu Folge 5

Die wissenschaftliche Freud-Kritik in Israel, Frankreich, Kanada und Deutschland bringt die Freudianer in Bedrängnis. Sie müssen die Vorhaltungen „Lüge", „Schwindel", „Betrug durch Geheimhaltung von Originaltexten", Unwissenschaftlichkeit, Scharlatanerie, Ideologie, „prinzipieller Atheismus" widerlegen. Vgl. www.psychiatrie-und-ethik.de  des „Internationalen Netzwerks der Freud-Kritiker - INFC" und die ausgewählten Titel der Freud-Kritiker:

H. J. Eysenck, Sigmund Freud, Niedergang und Ende der Psychoanalyse, List, München 1985

P. Gay, Ein gottloser Jude, Fischer, Frankfurt 1988

H. Israels, Sigmund Freud - Ein pathologischer Lügner, in: Psychologie heute, Nr. 24, S. 47-49

ders., Der Fall Freud - Die Geburt der Psychoanalyse aus der Lüge, Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 1999

M. Pohlen, M. Bautz-Holzherr, Psychoanalyse - Das Ende einer Deutungsmacht, Rowohlt, Reinbek 1995

H. Selg, Sigmund Freud - Genie oder Scharlatan?, Eine kritische Einführung in Leben und Werk, Kohlhammer, Stuttgart 2002 D. E. Zimmer, Tiefenschwindel, Rowohlt, Reinbek 1986.

Der Stand der wissenschaftlichen Diskussion um die Tiefenpsychologie und die Psychotechniken macht es unverständlich, dass das Diözesanbildungswerk im Ordinariat Münster den Kritikern an Gruppendynamik mit „rechtlichen Schritten" des StGB, das Ordinariat München mit dem CIC „droht", anstatt mit Gegenargumenten oder Rechtfertigungen.


      

Anmerkungen zu Folge 6

T. Moser, Schule der Anpassung - Der Kongreß für Gruppendynamik und Gruppenpsychotherapie in Bonn, in: FAZ, 17.10.1969

ders., Für eine Radikalisierung des Verstehens - Kongreß der Gruppendynamiker in Göttingen, in: FAZ, 28.10.1971

ders., Gottesvergiftung, stb 533, Frankfurt 1976/2003

ders., Von der Gottesvergiftung zu einem erträglichen Gott - Psychoanalytische Überlegungen zur Religion, Kreuz, Stuttgart 2003

ders., Die Fähigkeit zur Andacht, in: Psychologie heute, nv. 2003, S. 36-41

E. Friedell, Kulturgeschichte der Neuzeit - Die Krisis der europäischen Seele von der schwarzen Pest bis zum Ersten Weltkrieg, Bd. 1 bis 3, Beck, München 1931/1974


    

Anmerkungen zu Folge 7

Zu „Feng Shui" erklärt die Feng Shui-Beraterin U. Hohnwald (Münstersche Zeitung, 26.2.2004): „Feng Shui ist eine chinesische Lehre von der Harmonie des Wohnens. Sie beschäftigt sich mit der Wirkung des natürlichen und selbstgeschaffenen Lebensraumes auf den Menschen." Ein dem Verfasser bekannter Professor für japanische Sprachen übersetzt Feng Shui allerdings mit „brausende Stürme" und „tosende Wogen".

Zu „Gestalttherapie auf der Linie von P. Willigis Jäger": Das Recollectio-Haus in Münsterschwarzach mit den bekanntesten Leitern P. Wunibald Müller, P. Anselm Grün und P. Willigis Jäger arbeitet mit acht weiteren Dozenten zusammen. Von diesen ist eine Ordensfrau zuständig für „Leibarbeit", eine Ärztin (Dipl.-Psych.) qualifiziert für Gestalttherapie und therapeutische Beratung, sie hat also ihre Spezialkenntnisse bei den anarchistischen Gestalttherapeuten Fr. Peris, H. Pätzold und B. Goodman erworben. Weitere vier Mitarbeiter sind Benediktiner und zuständig für „spirituelle" Begleitung, ein promovierter Theologe arbeitet als „therapeutischer Begleiter und klinischer Psychologe". P. Dr. Müller weist sich als „klinischer Psychologe" und „Psychotherapeut" aus, der seine „höheren Weihen" im gruppendynamischen ESALEN-Institut/Kalifornien erhielt, nachdem er dort von 1979 bis 1983 die „Fächer" Gruppendynamik, alternativer Lebensstil und religionskritische Psychoanalyse studiert hatte. Vom gruppendynamischen „Vatikan" erhielt er die profane „missio", das Recollectio-Haus in ein gruppendynamisches Oberzentrum der katholischen Kirche in Deutschland umzuwandeln.

Das Haus will Priester und Ordensleuten mit der Geisteskrankheit unserer Zeit („Burn-out-Syndrom") die Möglichkeit geben, sich über einen längeren Zeitraum „geistig-spirituell und psychisch zu sammeln". Nach dem Leitmotiv des Hauses ist die größte Krise unserer Zeit spiritueller Natur (H. Nouwen), deshalb werden Orte benötigt, „wo Menschen noch stärker im Geiste wachsen können und in der Lage sind, die emotionalen Konflikte in ihre spirituelle Entwicklung zu integrieren".

Das Recollectio-Haus für „Personal Growth" und „Mental Health" - die Leitung des Hauses nimmt theologische und katholische Begriffe nicht in den Mund - setzt ganz (einseitig) auf Tiefenpsychologie, gruppendynamische Therapie und Spiritualität, auf psychotherapeutische Begleitung anstatt auf seelsorgerliche Betreuung der im Glauben verunsicherten (psychisch angesengten oder ausgebrannten) Geistlichen.

Die heilende Wirkung des Glaubens kommt lediglich dadurch ins Spiel, dass die Gruppenteilnehmer zweimal wöchentlich an der Eucharistiefeier und täglich an der Vesper teilnehmen können, wenn sie das wollen.

Dr. W. Müller betätigt sich außerhalb des Hauses als Buchautor und Referent, z. B. am 29.10.2002 bei der Katholischen Hochschulgemeinde Bayreuth zum Thema: „Küssen ist Beten - Sexualität und Spiritualität". Der Text des Vortrags lässt Zweifel an der mentalen Gesundheit des Referenten aufkommen.Keinen Zweifel am Glaubensabfall des P. Willigis Jäger lässt Th. Wittstadt (Die kosmische Religion kennt keinen Erlöser. P. Willigis Jäger, in: Theologisches 8/9 und 10, 2003) aufkommen.

Das Heil- und Sinnangebot des Recollectio-Hauses verdankt sich der Religion des Sexualismus (S. Freud), der gottlosen Gruppendynamik (Gestalttherapie) des pantheistischen Kosmos und der Esoterik, vermischt mit einigen Spurenelementen des Christentums.


      

Anmerkungen zu Folge 8

Deutsche Bibelgesellschaft und Katholisches Bibelwerk (Hrsg.), Ideenheft zum Jahr der Bibel 2003, Stuttgart 2003

G. M. Martin, Sachbuch Bibliodrama - Praxis und Theorie, Stuttgart 2001 Christen für den Sozialismus (Hrsg.), Theorie und Praxis einer alternativen Bibellektüre, Münster 1979

G. A. Leutz, Imagination und Psychodrama, in: Gruppendynamik 1975, Heft 2 


      

Anmerkungen zu Folge 9

U. Renz, Die Psychologie soll es richten, in: Deutsche Tagespost, 20.3.2004 KNA-Basisdienst, 18.3.2004

R. Dörner, Bitte nur reife „Reife-Prüfer", in: Deutsche Tagespost, 3.4.2004 P. Klasvogt, Bessere Förderung und Begleitung, in: Deutsche Tagespost, 25.3.2004

P. Klasvogt, Vor Eintritt ins Priesterseminar, in: Kirche & Leben, 28.3.2004

Orientierungshilfen 2002, siehe Kapitel 2

Abr. H. Maslow, Die Psychologie des Seins, Kindler, München 1981

B. F. Skinner, Jenseits von Freiheit und Würde, Rowohlt, Reinbek 1973

ders., Was ist Behaviorismus?, Rowohlt, Reinbek 1978

K. Adam, Das Tier im Menschen - Zum Tode von B. F. Skinner, in: FAZ, 21.8.1990

T. Moser, siehe Kapitel 6

K. Lehmann, Die Kirche ist getroffen, in: FAZ, 22.7.2002


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