Sterbehilfe  >  Buchbesprechung

Buchbesprechung

Die palliative Sedierung – Pflege in der Grauzone zur Euthanasie


Alexander Schreiber

Die palliative Sedierung – Pflege in der Grauzone zur Euthanasie

Palliativstationen und Hospize stehen in hohem Ansehen. Sie sind Zufluchtsorte für schwerstkranke und alte Menschen in der letzten Lebensphase. Wenn Patienten unter nicht mehr behandelbaren Schmerzen oder Symptomen leiden, wird die „palliative Sedierung", d.h. die Verabreichung von narkotisierenden Beruhigungsmitteln, eingesetzt, um dem Leidenden die Schmerzen und damit auch die Angst zu nehmen.

Aber die Anwendung dieser Methode wird begleitet von kritischen Stimmen, die unter Hinweis auf internationale Studien warnen, dass mit der palliativen Sedierung die Möglichkeit des Missbrauchs gegeben ist. Statt das Leiden des Patienten zu beseitigen wird durch Überdosierung der Leidende selbst beseitigt, d.h. durch Euthanasie getötet, wobei ein natürlicher Sterbeverlauf vorgetäuscht werden kann, wie es in den Niederlanden bereits zur Normalität gehört.

Dem Autor, selbst in der Krankenpflege tätig, ist es ein dringendes Anliegen, auf diese Gefahren hinzuweisen. Entwicklungen auch in Deutschland, die Aufweichung des ärztlichen Ethos bezüglich der in die Verantwortung des Arztes gestellten Beihilfe zum Selbstmord in den Grundsätzen der Bundesärztekammer vom Februar 2011, die Regelungen zur Patientenverfügung mit dem Kriterium des „mutmaßlichen Willens" eines nicht mehr Entscheidungsfähigen, das Absetzen von Nahrung und Flüssigkeit sowie der Kostendruck in einer überalternden Gesellschaft sind bedenkliche Etappen auf diesem Weg. Der Autor wagt einen Blick zurück in das Euthanasieprogramm der Nationalsozialisten und weist erschreckende Parallelen zu heutigen Forderungen und Begründungen auf.

Nicht ausgespart wird die Perspektive der ohnehin stark belasteten Pflegekräfte und deren Gewissenskonflikten im Bereich dieser „ethischen Grauzone", die sich mit der palliativen Sedierung eröffnet hat. Überzeugend wird der klare Standpunkt der katholischen Kirche dargelegt. Mit einem Appell an die eigene Berufsgruppe zur Wachsamkeit und zum kompromisslosen Einsatz für das Leben wirbt der Autor für die Einrichtung einer Pflegekammer, womit die Politik zum Handeln aufgerufen ist.

Das 80 Seiten umfassende Bändchen ist jedem als Pflichtlektüre zu empfehlen, nicht nur für Angehörige der Pflegeberufe und Familienangehörige zu pflegender und sterbender Personen, sondern auch zur Information und eigenen Vorbereitung auf den letzten Lebensabschnitt.


Dieses Buch ist im Derscheider Verlag, 69518 Abtsteinach erschienen.

ISBN 978-3-930533-09-1  *  1. Auflage 2012  *  www.derscheider.de

Sie können es über die AKTION LEBEN e.V., Postfach 61, 69518 Abtsteinach bestellen.