Religiöse Fragen  >  Papst Pius XII.

Papst Pius XII.

Aufbau und Entfaltung des gesellschaftlichen Lebens

Fragen der Ehemoral


 

Der hohe Beruf der Hebamme

Mit Sorgfalt über der stillen und verborgenen Wiege zu wachen, in der Gott dem von den Eltern gespendeten Keim eine unsterbliche Seele eingießt, Eure Pflege der Mutter angedeihen zu lassen und dem Kinde, das sie unter dem Herzen trägt, zu einer glücklichen Geburt zu verhelfen, das, geliebte Töchter, ist der Inhalt Eures Berufes, das Geheimnis seiner Größe und Schönheit.

Wenn man an das wunderbare Zusammenwirken von Eltern, Natur und Gott denkt, aus dem ein neues Menschenwesen nach dem Bild und Gleichnis des Schöpfers hervorgeht1, wie sollte man da nicht den wertvollen Beitrag, den Ihr zu diesem Werke beisteuert, gebührend würdigen? Die Heldenmutter der Makkabäer ermahnte ihre Söhne: „Ich weiß nicht, wie ihr in meinem Schoß gebildet wurdet: nicht ich habe euch Odem und Leben gegeben, noch fügte ich die Gliedmaßen eines jeden von euch kunstvoll zusammen. Der Schöpfer des Weltalls ist es, der den Ursprung des Menschen bewirkt."2

 

Die sittlichen Grundsätze für den Hebammenberuf im allgemeinen

Wer daher dieser Wiege des werdenden Lebens nahekommt und da auf diese oder jene Weise tätig ist, muss die Ordnung kennen, die dort nach dem Willen des Schöpfers zu beobachten ist, sowie die Gesetze, die für sie bestimmt sind. Denn es handelt sich hier nicht um rein physische und biologische Gesetze, denen vernunftlose Wesen und blinde Kräfte mit Notwendigkeit gehorchen, sondern um Gesetze, deren Ausführung und deren Wirkungen dem selbstbestimmten und freien Mittun des Menschen anvertraut sind.

Diese Ordnung, festgesetzt von der höchsten Vernunft, ist eingestellt auf den vom Schöpfer gewollten Zweck; sie umfasst das äußere Tun des Menschen und die innere Zustimmung seines freien Willens; sie schließt Handlung und auch pflichtgemäße Enthaltung ein. Die Natur stellt dem Menschen die ganze Ursachenreihe zur Verfügung, aus der ein neues menschliches Leben entsteht; am Menschen liegt es, die Lebenskraft freizugeben, an der Natur jedoch, sie weiter zu entwickeln und sie zu ihrer Vollendung zu führen. Wenn der Mensch das Seine getan und die wunderbare Entwicklung des Lebens in Gang gebracht hat, ist es seine Pflicht, dessen Werdegang ehrfürchtig zu achten, eine Pflicht, die es ihm verbietet, das Wirken der Natur aufzuhalten oder seinen natürlichen Ablauf zu verhindern.

So ist der Anteil der Natur und der des Menschen klar umrissen. Eure berufliche Ausbildung und Eure Erfahrung befähigen Euch, Einblick zu gewinnen in das Wirken der Natur und des Menschen sowie in die Maßstäbe und Gesetze, denen beide unterworfen sind: Euer Gewissen, erleuchtet von der Vernunft und vom Glauben, lehrt Euch unter Führung der von Gott gesetzten Autorität, wie weit erlaubtes Tun gehen darf und wo auf der anderen Seite die strengste Pflicht der Unterlassung einsetzt.

Im Lichte dieser Grundsätze haben Wir nun vor, Euch einige Erwägungen über das Apostolat vorzulegen, zu dem Euer Beruf Euch verpflichtet. In der Tat, jeder von Gott gewollte Beruf schließt eine Sendung ein, nämlich die, im Bereich des Berufes selbst die Gedanken und Absichten des Schöpfers zu verwirklichen und den Menschen zu helfen, das Rechtsein und die Heiligkeit des göttlichen Planes zu erfassen wie auch den Wert, der sich aus dessen Verwirklichung für sie selbst ergibt.


   

I. Euer Berufsapostolat betätigt sich in erster Linie durch Eure Persönlichkeit

Fachliches Können als Forderung des Berufs

Warum ruft man Euch? Weil man überzeugt ist, dass Ihr Eure Kunst versteht, dass Ihr wisst, was Mutter und Kind brauchen, welchen Gefahren beide ausgesetzt sind und wie diese Gefahren vermieden oder überwunden werden können. Man erwartet von Euch Rat und Hilfe, natürlich nicht unbedingt, sondern innerhalb der Grenzen des menschlichen Wissens und Könnens gemäß dem Fortschritt und dem gegenwärtigen Stand der Wissenschaft und Praxis Eures Faches.

Wenn man das alles von Euch erwartet, so darum, weil man Vertrauen zu Euch hat, und dieses Vertrauen ist vorwiegend eine Sache der Persönlichkeit. Eure Persönlichkeit muss es einflößen. Dass dieses Vertrauen nicht getäuscht werde, ist nicht nur Euer lebhafter Wunsch, sondern auch eine Forderung Eures Amtes und Eures Berufes und daher eine Gewissenspflicht für Euch. Darum müsst Ihr danach streben, Eure fachlichen Kenntnisse zur höchsten Vollendung zu bringen.

 

Fachliches Können als Voraussetzung apostolischen Wirkens

Indes ist Eure berufliche Tauglichkeit auch eine Forderung und Form Eures Apostolates. Welchen Wert genösse in der Tat Euer Wort in Fragen der Sitte und Religion, die mit Eurem Amt verknüpft sind, wenn Ihr in den Fragen Eures Faches versagt? Umgekehrt wird Euer Eingreifen auf sittlichem und religiösem Gebiet von ganz anderem Gewicht sein, wenn Ihr es versteht, durch Euer überlegenes berufliches Können Achtung einzuflößen. Zu dem günstigen Urteil, das Ihr Euch durch Euer Können erwerbt, wird bei denen, die sich an Euch wenden, die wohlbegründete Einsicht hinzukommen, dass ein überzeugtes und treu geübtes Christentum, weit entfernt, ein Hemmnis der beruflichen Tüchtigkeit zu sein, hierfür vielmehr Ansporn und Gewähr biete. Man wird klar erkennen, dass Ihr Euch bei der Ausübung Eures Berufs Eurer Verantwortung gegenüber Gott bewusst seid; dass Ihr in Eurem Glauben an Gott den stärksten Antrieb findet, mit umso größerer Hingabe zu helfen, je größer die Not ist; dass Ihr aus dem festen religiösen Fundament die Kraft nehmt, unvernünftigen und widersittlichen Wünschen - von welcher Seite immer sie kommen mögen - ein ruhiges, aber unerschrockenes und unentwegtes Nein entgegenzusetzen.

Seid Ihr so als Persönlichkeit wie wegen Eures Wissens und Eurer Erfahrung geehrt und geachtet, dann werdet Ihr innewerden, dass man Euch die Sorge um Mutter und Kind gerne anvertraut, und so werdet Ihr, vielleicht ohne dass Ihr es selber merkt, ein tiefes, oft wortloses, aber sehr wirksames Apostolat gelebten Christentums ausüben. Wie groß auch die Autorität sein mag, die auf dem rein beruflichen Können beruht, so vollzieht sich die Einwirkung von Mensch zu Mensch doch vor allem unter dem zweifachen Siegel wahrer Menschlichkeit und wahren Christentums.


  

II. Die zweite Form eures Apostolats liegt im Eifer, mit dem Ihr für den Wert und die Unverletzlichkeit des menschlichen Lebens

1. Sorge für den Schutz des natürlichen Lebens

Keine „Indikation" gibt das Recht zur direkten Tötung schuldlosen Lebens

Der heutigen Welt tut es dringend not, davon durch das dreifache Zeugnis des Geistes, des Herzens und der Tat überzeugt zu werden. Euer Beruf bietet Euch die Möglichkeit und macht es Euch zur Pflicht, ein solches Zeugnis abzulegen. Mitunter ist ein bloßes Wort, zur rechten Zeit und mit Takt zur Mutter oder zum Vater gesprochen; noch häufiger werden Euer ganzes Verhalten und Euer gewissenhaftes Tun unscheinbar und still auf sie einwirken. Ihr seid mehr als andere befähigt, zu erkennen und zu schätzen, was Menschenleben in sich selbst ist und was es gilt vor der gesunden Vernunft, vor Eurem sittlichen Gewissen, vor der bürgerlichen Gesellschaft, vor der Kirche und vor allem vor dem Angesicht Gottes. Der Herr hat alles andere auf der Erde für den Menschen gemacht; der Mensch selber aber ist seinem Sein und Wesen nach für Gott geschaffen und nicht für irgendein Geschöpf, wenn er auch, was sein Wirken angeht, gleichfalls Pflichten gegen die Gemeinschaft hat. Nun aber ist das Kind ein „Mensch", selbst schon vor seiner Geburt, und zwar im selben Grad und ob des gleichen Rechtstitels wie die Mutter.

Und ferner: jedes Menschenwesen, auch das Kind im Mutterschoß, hat sein Lebensrecht unmittelbar von Gott, nicht von den Eltern, nicht von irgendeiner Gemeinschaft oder menschlichen Autorität. Darum gibt es keinen Menschen, keine menschliche Autorität, keine Wissenschaft, keine medizinische, eugenische, soziale, wirtschaftliche oder ethische „Indikation", die einen Rechtstitel darstellen oder geben könnte zu einer direkten, überlegten Verfügung über schuldloses Menschenleben, das heißt eine Verfügung, die auf Vernichtung abzielt, sei sie Selbstzweck, sei sie Mittel für einen anderen Zweck, der an sich vielleicht nicht unerlaubt ist. So ist zum Beispiel die Rettung des Lebens der Mutter ein sehr edles Ziel; aber die direkte Tötung des Kindes als Mittel zu diesem Ziel ist nicht erlaubt. Die direkte Zerstörung des sogenannten „lebensunwerten Lebens", ob geboren oder noch nicht geboren, wie sie vor einigen Jahren in größtem Ausmaß geübt wurde, lässt sich in keiner Weise rechtfertigen. Als darum diese Praxis begann, hat die Kirche in aller Form als dem natürlichen und positiv göttlichen Recht entgegen und darum als unerlaubt erklärt, selbst wenn es auf Anordnung der öffentlichen Autorität geschieht, diejenigen zu töten, die zwar schuldlos, aber wegen physischer oder psychischer Mängel für die Nation keinen Nutzen, sondern vielmehr eine Belastung darstellen.3 Schuldloses Menschenleben ist unantastbar, und jeder direkte Eingriff in dasselbe ist Verletzung eines der Grundgesetze, ohne die ein sicheres menschliches Zusammenleben unmöglich ist. Wir brauchen Euch nicht im einzelnen über den Sinn und die Tragweite dieses Grundgesetzes in Eurem Beruf zu belehren. Aber vergesst nicht: über jedes menschliche Gesetz, auch über jede „Indikation" erhebt sich unantastbar das Gesetz Gottes.

Das Apostolat Eures Berufes verpflichtet Euch, die Einsicht in das menschliche Leben, die Achtung und Ehrfurcht vor ihm, die Ihr aus christlicher Überzeugung in Eurem Herzen hegt, auch auf andere zu übertragen, dasselbe gegebenenfalls mutig zu vereidigen und, wo es nottut und in Eurer Macht steht, das schutzlose, noch verborgene Leben des Kindes in Eure Hut zu nehmen, Euch stützend auf die Kraft des göttlichen Gebotes: „Du sollst nicht töten!"4 Die Aufgabe solcher Verteidigung stellt sich manchmal als die notwendigste und dringendste; und doch ist sie nicht der vornehmste und wichtigste Teil Eurer Sendung; denn diese ist wahrlich kein ausschließliches Nein, sie ist vielmehr ein planvolles Ja und geht darauf aus, zu fördern, aufzubauen und zu stärken.

 

Weckung der Liebe zum Kind bei den Eltern

Flößt Geist und Herz von Mutter und Vater Hochschätzung des Kindes ein, Verlangen nach ihm, Freude an ihm, liebevollen Empfang des Neugeborenen von seinem ersten Weinen an. Das Kind, gebildet im Schoß der Mutter, ist ein Geschenk Gottes5, der die Sorge für dasselbe den Eltern anvertraut. Mit welcher Feinheit und wie entzückend malt die Heilige Schrift die anmutige Schar der Kinder, wenn sie sich um den väterlichen Tisch reihen! Sie sind der Lohn des Gerechten, wie die Unfruchtbarkeit recht häufig die Strafe des Sünders ist. Hört das Wort Gottes im unübertrefflich schönen Gesang der Psalmendichtung:

„Wie ein fruchtbarer Weinstock, so ist dein Weib drinnen im Hause, wie Sprossen vom Ölbaum, so stehen deine Söhne um den Tisch. Siehe, so wird der Mann gesegnet, der den Herrn fürchtet."6

Von dem Bösen heißt es dagegen:

„Der Vernichtung soll verfallen seine Nachkommenschaft! Im nächsten Geschlecht soll erlöschen sein Name!".7

Legt das Kind gleich nach seiner Geburt - wie es schon die alten Römer taten - in die Arme des Vaters, aber tut es in unvergleichlich höherem Sinn. Bei jenen bedeutete es die Anerkennung der Vaterschaft und der daraus fließenden Autorität, hier ist es der Erweis des Dankes gegen den Schöpfer, die Herabrufung des göttlichen Segens, das feste Versprechen, in ehrfurchtsvoller Gesinnung die Pflicht zu erfüllen zu wollen, die Gott ihm auferlegt hat. Wenn der Herr den treuen Diener lobt und belohnt, weil er die fünf Talente fruchtbringend anlegte8, welches Lob und welchen Lohn wird er dann dem Vater vorbehalten, der das ihm anvertraute Menschenleben, weit mehr wert als alles Gold und Silber der Welt, für Gott behütet und großgezogen hat?

Euer Apostolat richtet sich indes vor allem an die Mutter. Zweifellos spricht die Stimme der Natur in ihr und legt ihr das Verlangen, die Freude, den Mut, die Liebe und den Willen ins Herz, für das Kind zu sorgen; um aber die Einflüsterungen des Kleinmutes in allen ihren Formen zu überwinden, bedarf jene Stimme der Stärkung und gleichsam eines übernatürlichen Einschlags. An Euch liegt es, weniger durch Worte als durch Euer ganzes Benehmen und Handeln die junge Mutter Größe, Schönheit und Adel des Lebens verkosten zu lassen, das in ihrem Schoß erwacht, Form gewinnt und lebt, das von ihr geboren wird, das sie in ihrem Arm trägt und an ihrer Brust nährt; an Euch, in ihren Augen und ihrem Herzen aufleuchten zu lassen, wie reich das Geschenk der Liebe Gottes ist für sie und für ihr Kind. Die Heilige Schrift lässt Euch in vielen Beispielen den Widerhall des Bittflehens und dann der frohen Dankeslieder so vieler Mütter vernehmen, die endlich Erhörung fanden, nachdem sie lange unter Tränen um die Gnade des Muttersegens gebetet hatten. Auch die Schmerzen, welche die Mutter nach dem Sündenfall erleiden muss, um ihr Kind zur Welt zu bringen, knüpfen das sie einende Band nur noch enger. Sie liebt es umso mehr, je mehr Schmerz es sie gekostet hat. Das hat mit rührender und tiefsinniger Schlichtheit der gesagt, der das Herz der Mutter gebildet hat:

Wenn die Frau gebiert, so hat sie Trauer, weil ihre Stunde gekommen ist; hat sie aber das Kind geboren, so gedenkt sie nicht mehr der Not aus Freude darüber, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist."9

Weiterhin zeigt der Heilige Geist durch die Feder des Apostels Paulus die Größe und das Glück der Mutterschaft: Gott schenkt der Mutter das Kind, aber indem er es schenkt, lässt er sie wirksam teilnehmen an der Entfaltung der Blüte, deren Keim er in ihren Schoß eingelegt hatte, und diese Mitwirkung wird zu einem Weg, der sie ihrem ewigen Heil zuführt:

Die Frau erlangt das Heil in der Mutterschaft."10

Diese vollkommende Übereinstimmung von Vernunft und Glaube gibt Euch die Gewähr, dass Ihr voll in der Wahrheit steht und mit unbedingter Sicherheit Euer Apostolat der Hochachtung und Liebe des werdenden Lebens fortführen könnt. Gelingt es Euch, dieses Apostolat an der Wiege des Neugeborenen auszuüben, so wird es Euch nicht zu schwer fallen, das zu erreichen, was Euer berufliches Gewissen im Einklang mit dem Gesetz Gottes und der Natur zum Besten der Mutter und des Kindes vorzuschreiben Euch auferlegt.

Im übrigen haben Wir nicht nötig, Euch, die Ihr hier Eure Erfahrung habt, zu beweisen, wie sehr heute das Apostolat der Hochschätzung und Liebe des neuen Lebens notwendig ist. Leider sind die Fälle nicht selten, wo das Sprechen oder auch nur eine vorsichtige Andeutung vom Kind als einem „Segen" genügt, um Widerspruch oder vielleicht auch Spott hervorzurufen. Weithin herrscht heute die Idee und das Wort von der großen „Last" der Kinder vor. Wie sehr ist doch diese Geisteshaltung dem Gedanken Gottes, der Sprache der Heiligen Schrift, ja auch der gesunden Vernunft und dem natürlichen Empfinden entgegen. Wenn Bedingung und Umstände vorherrschen, unter denen die Eltern ohne Verletzung des göttlichen Gesetzes den „Segen" der Nachkommenschaft vermeiden können, so berechtigen doch diese Fälle einer höheren Gewalt nicht dazu, die Begriffe zu verkehren, die Werte zu missachten, die Mutter gering zu schätzen, die den Mut und die Ehre hatte, Leben zu geben.


  

2. Sorge um das übernatürliche Leben: Spendung der Taufe

Wenn das, was Wir bis jetzt gesagt haben, dem Schutz und der Sorge des natürlichen Lebens gilt, so muss es mit umso mehr Grund seine Geltung haben für das übernatürliche Leben, das das Neugeborene in der Taufe erhält. In der gegenwärtigen Heilsordnung gibt es keinen anderen Weg, dem Kind, das noch nicht den Gebrauch der Vernunft hat, dieses Leben zu vermitteln. Und doch ist der Stand der Gnade im Augenblick des Todes unbedingt notwendig zur Erreichung des Heiles. Ohne ihn ist es nicht möglich, zur übernatürlichen Seligkeit in der beseligenden Schau Gottes zu gelangen. Für den Erwachsenen kann ein Akt der Liebe genügen, um der heiligmachenden Gnade teilhaft zu werden und die fehlende Taufe zu ersetzen; aber dem noch nicht oder soeben geborenen Kind steht dieser Weg nicht offen. Wenn man nun bedenkt, dass die Liebe zum Nächsten uns auferlegt, ihm im Fall der Not beizustehen, und wenn diese Verpflichtung um so schwerer und dringender ist, je größer das Gut, das man vermitteln, oder das Übel, das man ferne halten will, und je weniger der Bedürftige fähig ist, sich selbst zu helfen und zu retten: dann ist es leicht, die weittragende Bedeutung zu verstehen, die der Sorge für die Taufe des Kindes zukommt, da es den Gebrauch der Vernunft noch ganz entbehrt und in schwerer Gefahr schwebt oder sogar vor dem sicheren Tode steht. Zweifelsohne bindet diese Verpflichtung in erster Linie die Eltern; aber in den Fällen dringender Not, wenn keine Zeit zu verlieren und es nicht möglich ist, einen Priester zu rufen, liegt Euch die heilige Pflicht ob, die Taufe zu spenden. Versäumt also nicht, diesen Liebesdienst zu erweisen und dieses Eurem Beruf zufallende Apostolat der Tat auszuüben. Möge Euch Stärkung und Ermutigung das Wort des Heilandes sein:

Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen."11

Und welches Werk der Barmherzigkeit könnte größer und schöner sein, als der Seele des Kindes - zwischen der Schwelle zum Leben, die es kaum überschritten hat, und der Schwelle zum Tode, die es jetzt gleich überschreiten soll - den Eintritt in eine herrliche und beseligende Ewigkeit zu sichern.


  

III. Zum dritten könnte man Euer Berufsapostolat betrachten unter dem Gesichtspunkt des Beistandes, den Ihr der Mutter in der bereitwilligen und hochherzigen Ausübung ihres Mutterberufes leistet

1. Bereitschaft der Eltern zum Dienst am Leben

Kaum hatte die allerseligste Jungfrau die Botschaft des Engels vernommen, als sie antwortete: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Worte."12 Ein „Es geschehe", ein inbrünstiges „Ja" zur Berufung als Mutter. Eine jungfräuliche Mutterschaft, unvergleichlich höher als jede andere; indes wirkliche Mutterschaft, im wahren und eigentlichen Sinn des Wortes.13 Darum schließt der Gläubige beim Beten des „Engel des Herrn", nachdem er das Jawort Marias erwähnt hat, unmittelbar an: „Und das Wort ist Fleisch geworden."14

Es ist eines der Grunderfordernisse der rechten sittlichen Ordnung, dass der Ausübung der ehelichen Rechte die aufrichtige innerliche Annahme des Berufs und der Pflichten der Mutterschaft entspreche. Unter dieser Bedingung wandelt die Frau auf dem vom Schöpfer gebahnten Weg dem Ziele zu, das er seinem Geschöpf bestimmt hat, indem er es in der Ausübung jener Funktion an seiner Güte, seiner Weisheit und seiner Allmacht teilhaben lässt, entsprechend der Botschaft des Engels:

Concipies in utero et paries" - „Du wirst empfangen und gebären."15

Ist dies also die biologische Grundlage Eurer Berufstätigkeit, so wird es der vordringliche Gegenstand Eures Apostolates sein, dahin zu wirken, dass das Empfinden für den Mutterberuf und die Liebe zu ihm lebendig gehalten, wieder geweckt und gestärkt werde.

 

2. Keine Mithilfe zum Zweck der Kinderverhütung

Wenn die Ehegatten es als eine Ehre erachten und schätzen, neues Leben zu wecken, dessen Aufblühen sie mit heiliger Ungeduld erwarten, so ist Eure Aufgabe recht leicht: es genügt, solche innere Einstellung in ihnen zu pflegen; die Bereitschaft, das werdende Leben entgegenzunehmen und dafür zu sorgen, folgt dann von selbst. Leider ist es aber nicht immer so; häufig ist das Kind unerwünscht; schlimmer noch, man fürchtet sich vor ihm. Wie könnte bei solcher Verfassung noch Bereitwilligkeit zur Pflicht bestehen? Hier braucht es den wirksamen Einsatz Eures Apostolates: vor allem ablehnend, indem Ihr jegliche sittenwidrige Mitwirkung versagt; dann auch aufbauend, indem Ihr taktvoll Eure Sorge darauf richtet, Vorurteile, mannigfaltige Besorgnisse oder kleinmütige Vorwände zu zerstreuen, Hindernisse, auch von außen kommende, zu beseitigen.

Wenn man sich an Euch um Rat und Hilfe wendet, nur um die Erweckung neuen Lebens zu erleichtern, um es zu schützen und zur vollen Entfaltung zu bringen, so könnt Ihr ohne weiteres Eure Mitwirkung angedeihen lassen; aber in wie vielen anderen Fällen wendet man sich an Euch, um die Weckung und Erhaltung solchen Lebens zu verhindern, ohne jede Rücksicht auf die Vorschriften der sittlichen Ordnung? Solchen Zumutungen zu willfahren, hieße Euer Wissen und Können erniedrigen, weil Ihr Euch dadurch der Mittäterschaft bei sittenwidrigem Tun schuldig machen würdet; das hieße, Euer Apostolat in sein Gegenteil verkehren. Hier ist ein ruhiges, aber entschiedenes Nein erfordert, das keine Übertretung des Gebotes Gottes und der Entscheidung des Gewissens duldet. Deshalb verlangt Euer Beruf von Euch klare Einsicht in jenes Gebot Gottes, so dass Ihr auf dessen Einhaltung bestehen könnt, ohne hinter seinen Vorschriften zurückzubleiben noch über sie hinauszugehen.


  

3. Das Grundgesetz des ehelichen Aktes

Unser Vorgänger Pius XI. seligen Angedenkens verkündete in seiner Enzyklika Casti connubii vom 31. Dezember 1930 von neuem feierlich das Grundgesetz des ehelichen Aktes und der ehelichen Beziehungen: dass nämlich jeder Eingriff der Gatten in den Vollzug des ehelichen Aktes oder in den Ablauf seiner natürlichen Folgen, ein Eingriff, der zum Ziele hat, in der ihm innewohnenden Kraft zu berauben und die Weckung neuen Lebens zu verhindern, widersittlich ist, und dass keine „Indikation", kein Notstand ein innerlich sittenwidriges Tun in ein sittengemäßes und erlaubtes verwandeln kann.16

Diese Vorschrift hat ihre volle Geltung heute wie gestern, und sie wird sie auch morgen und immer haben, weil sie kein einfaches Gebot menschlichen Rechtes ist, sondern der Ausdruck eines Gesetzes der Natur und Gottes selbst.

Mögen Unsere Worte eine sichere Norm bieten für alle Fälle, in denen Euer Beruf und Euer Apostolat von Euch eine klare und feste Entscheidung verlangen.

 

4. Verwerfung der direkten Sterilisierung

Es wäre sehr viel mehr als ein einfacher Mangel an Bereitschaft zum Dienst am Leben, wenn der Eingriff des Menschen nicht nur einen einzelnen Akt anginge, sondern den Organismus selbst träfe zum Zweck, ihn mittels der Sterilisierung der Fähigkeit zur Weckung neuen Lebens zu berauben. Auch hier habt Ihr für Euer inneres und äußeres Verhalten eine klare Wegweisung in der Lehre der Kirche. Die direkte Sterilisierung - also jene, die als Mittel oder als Zweck darauf ausgeht, die Zeugung unmöglich zu machen - ist eine schwere Verletzung des Sittengesetzes und deshalb unerlaubt. Auch die öffentliche Autorität hat kein Recht, unter dem Vorwand irgendwelcher „Indikation" sie zu erlauben, und noch viel weniger, sie vorzuschreiben oder zum Schaden von Schuldlosen zur Ausführung zu bringen.

Dieser Grundsatz findet sich schon ausgesprochen in der vorhin erwähnten Ehe-Enzyklika Pius' XI.17 Als deshalb vor einem Jahrzehnt die Anwendung der Sterilisierung immer weiter um sich griff, sah sich der Heilige Stuhl genötigt, ausdrücklich und öffentlich zu erklären, dass die direkte Sterilisierung, ob dauernd oder nur zeitweise, ob Sterilisierung des Mannes oder der Frau, unerlaubt ist in Kraft des Naturgesetzes, von dem zu entpflichten, wie Ihr wisst, auch die Kirche keine Gewalt hat.18

Widersetzt Euch deshalb, soweit Ihr vermögt, in Eurem Apostolat diesen widernatürlichen Bestrebungen und versagt Eure Mitwirkung.


  

5. Zur Frage der Zeitwahl in der Ehe

Heutzutage wird außerdem die ernste Frage gestellt, ob und inwieweit die Pflicht der Bereitschaft zum Mutterdienst sich vereinbaren lässt mit der immer mehr sich ausbreitenden Flucht in die Zeiten der natürlichen Fruchtbarkeit (die sogenannten Perioden der Empfängnisunfähigkeit der Frau), was ein klarer Ausdruck des jener Bereitschaft entgegengesetzten Willens zu sein scheint.

 

Wissen um die medizinisch-biologischen Voraussetzungen

Man erwartet von Euch mit Recht, dass Ihr bezüglich der medizinischen Seite gut unterrichtet seid über die bekannte Theorie und die Fortschritte, die sich auf diesem Gebiet noch erwarten lassen, dass aber andererseits Euer Rat und Eure Hilfe sich nicht auf einfache populäre Veröffentlichungen stützen, sondern auf wissenschaftlicher Sachlichkeit und dem bewährten Urteil gewissenhafter Fachmänner in Medizin und Biologie beruhen. Eure Aufgabe ist es, nicht die des Priesters, die Eheleute in persönlicher Beratung oder durch ernste Veröffentlichungen über die biologische und technische Seite der Theorie zu unterrichten, ohne Euch jedoch zu einer Propaganda verleiten zu lassen, die weder zu rechtfertigen noch auch schicklich ist. Aber auch auf diesem Gebiet verlangt Euer Apostolat von Euch als Frauen und Christinnen, die sittlichen Maßstäbe zu kennen und zu verteidigen, denen die Anwendung jener Theorie unterliegt. Und hier ist die Kirche zuständig.

 

Die sittliche Beurteilung

Es sind vor allem zwei Voraussetzungen zu beachten: Wenn die Anwendung jener Theorie nichts weiter besagen will, als dass die Gatten auch an den Tagen der natürlichen Unfruchtbarkeit von ihrem Eherecht Gebrauch machen können, so ist dagegen nichts einzuwenden; damit verhindern oder vereiteln sie tatsächlich in keiner Weise den Vollzug des natürlichen Aktes und seine weiteren natürlichen Folgen. Gerade dadurch unterscheidet sich die Anwendung der Theorie, von der Wir sprechen, wesentlich von dem schon bezeichneten Missbrauch, der in der Verkehrung des Aktes selbst liegt. Geht man indessen weiter, indem man nämlich den ehelichen Akt ausschließlich an jenen Tagen zulässt, dann muss das Verhalten der Eheleute genauer geprüft werden.

Und hier stellen sich Unserer Erwägung wiederum zwei Voraussetzungen. Wenn schon beim Abschluss der Ehe wenigstens einer der Gatten die Absicht gehabt hätte, das eheliche Recht selbst auf die Zeiten der Unfruchtbarkeit zu beschränken, und nicht nur seinen Gebrauch, so dass an den übrigen Tagen der andere Eheteil nicht einmal das Recht hätte, den Akt zu verlangen, so würde dies einen wesentlichen Mangel des Ehewillens in sich schließen, einen Mangel, der die Ungültigkeit der Ehe selbst zur Folge hätte; denn das aus dem Ehevertrag sich herleitende Recht ist ein dauerndes, ununterbrochenes, nicht aussetzendes Recht eines jeden der Gatten dem anderen gegenüber.

Wenn hingegen die Beschränkung des Aktes auf die Tage der natürlichen Unfruchtbarkeit nicht das Recht selbst trifft, sondern nur den Gebrauch des Rechts, so bleibt die Gültigkeit der Ehe unbestreitbar; immerhin wäre die sittliche Erlaubtheit solchen Verhaltens der Ehegatten zu bejahen oder zu verneinen, je nachdem die Absicht, ständig sich an jene Zeiten zu halten, auf ausreichenden und zuverlässigen sittlichen Gründen beruht oder nicht. Die Tatsache allein, dass die Gatten sich nicht gegen die Natur des Aktes verfehlen und auch bereit sind, das Kind anzunehmen und aufzuziehen, das trotz ihrer Vorsichtsmaßregeln zur Welt käme, würde für sich allein nicht genügen, die Rechtlichkeit der Absicht und die unbedingte Sittengemäßheit der Beweggründe zu gewährleisten.

Der Grund liegt darin, dass die Ehe zu einem Lebensstand verpflichtet, der einerseits bestimmte Rechte verleiht, andererseits aber auch die Ausführung einer positiven, dem Stand selbst obliegenden Leistung verlangt. In einem solchen Fall lässt sich der allgemeine Grundsatz anwenden, dass eine positive Leistung unterlassen werden kann, wenn unabhängig vom guten Willen der Verpflichteten schwerwiegende Gründe zeigen, dass jene Leistung unzweckmäßig ist, oder beweisen, dass sie vom Berechtigten - in diesem Fall dem Menschengeschlecht - billigerweise nicht verlangt werden kann.

Der Ehevertrag, der den Brautleuten das Recht gibt, dem Naturtrieb Genüge zu tun, versetzt sie in einen Lebensstand, den Ehestand. Den Gatten nun, die mit dem ihrem Stand eigentümlichen Akt von jenem Recht Gebrauch machen, legen die Natur und der Schöpfer die Aufgabe auf, für die Erhaltung des Menschengeschlechtes Sorge zu tragen. Dies ist die charakteristische Leistung, die den Eigenwert ihres Standes ausmacht, das bonum prolis - das Gut der Nachkommenschaft. Der einzelne und die Gesellschaft, das Volk und der Staat, ja die Kirche selbst hängen nach der von Gott gesetzten Ordnung für ihre Existenz von der fruchtbaren Ehe ab. Daraus folgt: den Ehestand ergreifen, fortwährend die ihm eignende und nur ihm erlaubte Fähigkeit gebrauchen und andererseits sich immer und absichtlich ohne schwerwiegenden Grund seiner hauptsächlichen Pflicht entziehen, hieße gegen den Sinn des Ehelebens selbst sich verfehlen.

Von dieser pflichtgemäßen positiven Leistung können nun ernste Beweggründe auch auf lange Zeit, ja für die ganze Dauer der Ehe entpflichten, wie solche nicht selten bei der sogenannten medizinischen, eugenischen, wirtschaftlichen und sozialen „Indikation" vorliegen. Daraus folgt, dass die Einhaltung der unfruchtbaren Zeiten sittlich erlaubt sein kann; und unter den erwähnten Bedingungen ist sie es tatsächlich. Wenn dagegen nach vernünftigem und billigem Urteil derartige persönliche oder aus den äußeren Verhältnissen sich herleitende gewichtige Gründe nicht vorliegen, so kann der Wille der Gatten, gewohnheitsmäßig der Fruchtbarkeit ihrer Vereinigung aus dem Weg zu gehen, während sie fortfahren, die volle Befriedigung ihre Naturtriebes in Anspruch zu nehmen, nur von einer falschen Wertung des Lebens und von Beweggründen kommen, die außerhalb der richtigen ethischen Maßstäbe liegen.

 

Enthaltsamkeit als einzige sittliche Lösung

Nun werdet Ihr dazu vielleicht bemerken, dass Ihr in Ausübung Eures Berufes gelegentlich vor sehr heiklen Fällen steht, nämlich Fällen, in denen das Wagnis der Mutterschaft nicht verlangt werden kann, diese im Gegenteil unbedingt zu vermeiden ist, in denen aber andererseits die Einhaltung der unfruchtbaren Zeiten entweder nicht genügend Sicherheit bietet oder aber aus anderen Gründen von ihr abgesehen werden muss. Und da fragt Ihr nun, wie dann noch die Rede sein könne von einem Apostolat im Dienst der Mutterschaft.

Wenn nach Eurem sicheren und erprobten Urteil die Umstände unbedingt ein „Nein" erfordern, also den Ausschluss der Mutterschaft, so wäre es ein Irrtum und ein Unrecht, ein „Ja" aufzuerlegen oder anzuraten. Es handelt sich hier in Wahrheit nicht um eine theologische, sondern eine medizinische Frage; sie liegt also innerhalb Eurer Zuständigkeit. Indes erfragen die Eheleute in solchen Fällen von Euch keine ärztliche, notwendigerweise verneinende Antwort, sondern die Billigung einer „Technik" der ehelichen Betätigung, die gegen das Wagnis der Mutterschaft gesichert wäre. Damit seid Ihr also schon wieder gerufen, Euer Apostolat auszuüben, insofern Ihr keinen Zweifel lassen werdet, dass auch in diesen äußersten Fällen jede Präventiv-Maßnahme und jeder direkte, unmittelbare Eingriff in das Leben oder die Entwicklung des Keimes im Gewissen verboten und ausgeschlossen ist und dass nur ein Weg offen bleibt, nämlich die Enthaltung von jeglicher Vollbetätigung der Naturanlage. Hier verpflichtet Euch Euer Apostolat zu einem klaren und sicheren Urteil und zu ruhiger Festigkeit.

Indes wird man einwenden, dass solche Enthaltsamkeit unmöglich, dass solcher Heroismus nicht durchführbar ist. Diesen Einwand werdet Ihr heute überall hören und lesen vonseiten derer, die nach Pflicht und Zuständigkeit in der Lage sein sollten, ganz anders zu urteilen. Zur Rechtfertigung wird folgender Beweis vorgebracht: niemand ist zu Unmöglichem verpflichtet, und man kann von keinem vernünftigen Gesetzgeber voraussetzen, dass er mit seinem Gesetz auch zu Unmöglichem verpflichten wolle. Für die Eheleute ist jedoch die Enthaltung auf lange Dauer unmöglich. Sie sind also nicht verpflichtet zur Enthaltsamkeit. Das göttliche Gesetz kann diesen Sinn nicht haben.

Hier wird aus teilweise richtigen Vordersätzen eine falsche Schlussfolgerung gezogen. Um sich davon zu überzeugen, genügt es, den Beweis umzukehren: Gott verpflichtet nicht zu Unmöglichem. Nun aber verpflichtet Gott die Ehegatten zur Enthaltsamkeit, wenn ihre Vereinigung nicht naturgemäß vollziehbar ist. Also ist in diesen Fällen die Enthaltsamkeit möglich. Wir haben zur Bestätigung dieser Beweisführung die Lehre des Konzils von Trient, das in dem Kapitel über die notwendige und mögliche Beobachtung der Gebote auf eine Stelle des hl. Augustinus zurückgreifend lehrt:

Gott befiehlt nichts Unmögliches; er ermahnt vielmehr, während er befiehlt, zu tun, was du kannst, und um das zu bitten, was du nicht kannst, und er hilft, dass du kannst."19

Lasst Euch also in Eurer Berufspraxis und in Eurem Apostolat von diesem aufdringlichen „Unmöglichkeits-Gerede" nicht verwirren, weder in Eurem inneren Urteil, noch in Eurem äußeren Verhalten. Gebt Euch nie her für irgendetwas, das gegen das Gesetz Gottes und Euer christliches Gewissen verstößt. Es hieße den Männern und Frauen unserer Zeit ein Unrecht antun, wenn man sie eines fortgesetzten Heroismus für unfähig hielte. Heute wird aus so vielen Gründen - vielleicht unter dem Zwang der harten Not, manchmal auch im Dienst des Unrechts - Heroismus in einem Grad und Ausmaß geübt, wie man es in vergangenen Zeiten für unmöglich gehalten hätte. Wenn also die Umstände dieses Heldentum wirklich verlangen, warum sollte es dann Halt machen an den Grenzen der Leidenschaften und Naturtriebe? Das ist klar: wer sich nicht beherrschen will, wird es auch nicht können; und wer glaubt, sich beherrschen zu können, dabei aber nur auf die eigene Kraft zählt, ohne aufrichtig und beharrlich die göttliche Hilfe zu suchen, wird elend enttäuscht werden.

Dies zu Eurem Apostolat, das bezwecken soll, die Ehegatten für den Dienst der Mutterschaft zu gewinnen, nicht im Sinn einer blinden Knechtschaft unter dem Drang der Natur, sondern im Sinn einer nach den Grundsätzen der Vernunft und des Glaubens geregelten Handhabung der ehelichen Rechte und Pflichten.


   

IV. Der letzte Gesichtspunkt, unter dem Euer Apostolat in Erscheinung tritt, betrifft den Schutz der rechten Wertordnung sowie den Schutz der Menschenwürde

1. Die modernen Anschauungen über den Vorrang der „Persönlichkeitswerte" im Eheleben

Die „Persönlichkeitswerte" und die Notwendigkeit, sie zu achten - dieser Gegenstand beschäftigt seit zwei Jahrzehnten immer mehr das Schrifttum. In vielen seiner Erzeugnisse ist auch dem spezifischen sexuellen Akt ein eigener Platz angewiesen, um ihn in den Dienst der Persönlichkeit der Gatten zu stellen. Der eigentliche und tiefste Sinn der Ausübung des Gattenrechtes sollte darin liegen, dass die körperliche Verbindung der Ausdruck und die Betätigung der persönlichen und affektiven Vereinigung ist.

Artikel, Aufsätze, ganze Bücher, Konferenzen, besonders auch über die „Technik der Liebe", dienen der Verbreitung dieser Ideen, ihrer Erläuterung mit Ratschlägen an die Brautleute als Führer in der Ehe, damit sie nicht aus Torheit oder missverstandener Scham oder unbegründeter Ängstlichkeit das vernachlässigen, was Gott, der Schöpfer auch der natürlichen Neigung, ihnen anbietet. Wenn aus diesem völligen gegenseitigen Sichschenken der Gatten ein neues Leben entsprießt, so ist das Ergebnis, das außerhalb oder höchstens am Rand der „persönlichen Werte" bleibt; ein Ergebnis, das nicht verleugnet wird, das man aber nicht im Mittelpunkt der Gattenbeziehungen wissen will.

Nach diesen Theorien hätte Eure Hingabe für das Wohl des noch im Mutterschoß verborgenen Lebens und seiner glücklichen Geburt nur noch eine untergeordnete Bedeutung und rückte in die zweite Linie.

Wenn nun diese relative Bewertung nur die Bedeutung hätte, den Ton mehr auf den Wert der Persönlichkeit der Gatten zu legen als auf den des Kindes, so könnte man streng genommen diese Frage auf sich beruhen lassen; hier handelt es sich indes um eine schwerwiegende Verkehrung der Wertordnung und der vom Schöpfer selbst gesetzten Zwecke. Wir sehen hier die Verbreitung eines Komplexes von Gedanken und Gefühlen, die der Klarheit, der Tiefe, dem Ernst des christlichen Denkens direkt entgegengesetzt sind. Da muss nun Euer Apostolat von neuem einsetzen. Ihr könnt ja in die Lage kommen, als Vertraute der Mutter und Gattin befragt zu werden über die geheimen Wünsche und Intimitäten des Ehelebens. Wie könntet Ihr dann aber, im Bewusstsein Eurer Sendung, der Wahrheit und der rechten Ordnung in der Bewertung und dem Tun der Gatten Geltung verschaffen, hättet Ihr nicht selbst davon genaue Kenntnis und wäret Ihr nicht ausgerüstet mit der Charakterfestigkeit, die nötig ist, um das zu verfechten, was Ihr als wahr und gerecht erkennt?


  

2. Die wahre Ordnung der Ehezwecke

Wahr ist nun aber, dass die Ehe als Natureinrichtung nach dem Willen des Schöpfers zum primären und innersten Zweck nicht die persönliche Vervollkommnung der Gatten hat, sondern die Weckung und Erziehung neuen Lebens. So sehr auch die anderen Zwecke von der Natur gewollt sind, so stehen sie doch nicht auf der gleichen Stufe wie der erste, und noch weniger sind sie ihm übergeordnet; sie sind ihm vielmehr wesentlich untergeordnet. Das gilt für jede Ehe, auch wenn sie unfruchtbar ist; wie man von jedem Auge sagen kann, dass es bestimmt und geformt ist zum Sehen, auch wenn es in anormalen Fällen infolge besonderer innerer und äußerer Umstände nie in der Lage sein wird, zum Sehen zu führen.

Gerade um Schluss zu machen mit allen Unsicherheiten und Entgleisungen, die über die Stufenleiter der Ehezwecke und ihre gegenseitigen Beziehungen Irrtümer zu verbreiten drohten, verfassten Wir selbst vor einigen Jahren20 eine Erklärung über die Ordnung jener Zwecke und gaben als solche das an, was die innere Struktur der Naturanlage selbst kundgibt, was Erbgut der christlichen Überlieferung ist, was die Päpste zu wiederholten Malen gelernt haben, was dann in geeigneter Form vom kirchlichen Gesetzbuch21 festgelegt worden ist. Ja, zur Richtigstellung der entgegenstehenden Auffassungen verkündete kurz hernach der Heilige Stuhl in einem öffentlichen Dekret als unzulässig die Meinung einiger neuerer Autoren, die leugnen, dass der primäre Ehezweck die Weckung und Erziehung der Nachkommenschaft sei, oder lehren, dass die zweitrangigen Zwecke dem primären Zweck nicht wesentlich untergeordnet, sondern ihm gleichgestellt und von ihm unabhängig seien.22


  

3. Die Bedeutung der „Persönlichkeitswerte" für die Ehe

Soll damit vielleicht verneint oder verkleinert werden, was an Gutem und Berechtigtem in den aus der Ehe und ihrer Betätigung sich ergebenden „Persönlichkeitswerten" enthalten ist? Keineswegs! Denn zur Weckung neuen Lebens hat der Schöpfer in der Ehe Menschenwesen bestimmt, gebildet aus Fleisch und Blut, mit Geist und Herz begabt, und sie sind berufen, als Menschen und nicht wie vernunftlose Sinnenwesen Urheber ihrer Nachkommenschaft zu sein. Zu diesem Zweck will Gott die Vereinigung der Gatten. Tatsächlich sagt die Heilige Schrift von Gott, dass er den Menschen nach seinem Ebenbild schuf und dass er ihn als Mann und Weib schuf23, und er hat gewollt - wie es in den heiligen Büchern wiederholt und betont wird -, dass „der Mann Vater und Mutter verlasse und seinem Weib anhange und sie nur ein Fleisch bilden sollen".24

Dies alles ist also wahr und von Gott gewollt; es darf jedoch nicht losgelöst werden von der beherrschenden Aufgabe der Ehe, nämlich vom Dienst am neuen Leben. Nicht allein das gemeinsame äußere Tun, auch die ganze Persönlichkeitsbereicherung, auch der geistige und seelische Reichtum, ja sogar all das Höchste und Tiefste an Seelischem in der Gattenliebe als solcher ist nach dem Willen der Natur und des Schöpfers in den Dienst der Nachkommenschaft gestellt worden. Aus der Natur der Sache heraus bedeutet das vollkommene Eheleben auch die völlige Hingabe der Eltern an das Wohl der Kinder, und die Gattenliebe selbst in ihrer Stärke und ihrer Zartheit ist eine Forderung der vollen Sorge um das Kind und die Gewähr ihrer Verwirklichung.25

Das Zusammenleben der Gatten und den ehelichen Akt auf eine reine Organ-Funktion zur Übertragung der Keime herabmindern, hieße, das Heim, das Heiligtum der Familie, in ein gewöhnliches biologisches Laboratorium verwandeln. Deshalb haben Wir in Unserer Ansprache vom 29. September 1949 an den Internationalen Kongress der katholischen Ärzte die künstliche Befruchtung in aller Form aus der Ehe hinausgewiesen. Der eheliche Akt ist in seinem natürlichen Gefüge eine persönliche Betätigung, ein gleichzeitiges und unmittelbares Zusammenwirken der Gatten, das durch die Natur der Handelnden und die Eigenheit der Handlung der Ausdruck des gegenseitigen Sichschenkens ist und dem Wort der Schrift gemäß das Einswerden „in einem einzigen Fleisch" bewirkt.

Dies ist viel mehr als die Vereinigung von zwei Keimen, die auch künstlich zustandekommen kann, also ohne die natürliche Handlung der Gatten. Der eheliche Akt, so wie die Natur ihn angeordnet und gewollt hat, ist ein persönliches Zusammenwirken, zu dem die Brautleute im EheAbschluss sich gegenseitig das Recht übertragen.

Ist daher diese Leistung in ihrer naturgemäßen Form von Anfang an dauernd unmöglich, so ist der Gegenstand des Ehevertrages mit einem wesentlichen Mangel behaftet. Das ist es, was Wir damals gesagt haben:

Man vergesse nicht: nur die Zeugung eines neuen Lebens nach dem Willen und dem Plan des Schöpfers bringt in einen erstaunlichen Grad der Vollkommenheit die Verwirklichung der angestrebten Ziele mit sich. Sie ist zugleich angepasst der körperlichen und geistigen Natur und der Würde der Gatten wie der normalen und glücklichen Entwicklung des Kindes."26

Sagt deshalb der Braut oder Jungvermählten, die mit Euch auf die Werte des Ehelebens zu sprechen kommen sollte, dass diese Persönlichkeitswerte im leiblichen Bereiche oder dem der Sinne wie in dem des Seelischen echt sind, dass sie aber vom Schöpfer in der Stufenleiter der Werte nicht an die erste, sondern an die zweite Stelle verwiesen wurden.


  

4. Ehe ist nicht höchster Lebenswert

Fügt eine andere Erwägung bei, die Gefahr läuft, in Vergessenheit zu geraten: alle die zweitrangigen Werte auf dem Gebiet und in der Betätigung der Zeugungskraft gehören in den Bereich der den Ehegatten eigentümlichen Aufgabe, Urheber und Erzieher neuen Lebens zu sein. Eine hohe und edle Aufgabe, - die jedoch nicht zum Wesen des vollkommenen Menschseins gehört, als ob es in irgendeiner Weise oder irgendeinem Grad eine Herabminderung der menschlichen Persönlichkeit bedeutete, wenn der natürliche Fortpflanzungstrieb nicht zur Betätigung käme. Der Verzicht auf jene Betätigung - besonders wenn er aus edelsten Beweggründen geschieht - ist keine Verstümmelung der persönlichen seelischen Werte. Von jenem freiwilligen Verzicht aus Liebe zum Reich Gottes hat der Herr gesagt:

Non omnes capiunt verbum istud, sed quibus datum est" - „Nicht alle erfassen dieses Wort, sondern nur die, denen es gegeben ist."27

Die Zeugungsfunktion, auch in ihrer rechten und sittlichen Form des Ehelebens, im Übermaß verherrlichen, wie es heute nicht selten geschieht, ist deshalb nicht nur ein Irrtum und eine Verirrung; die letztere birgt in sich auch die Gefahr einer Verstandes- und Gefühlsentgleisung, die geeignet ist, gute und hehre Gesinnungen zu verhindern oder zu ersticken, besonders in der noch unerfahrenen Jugend. Denn schließlich: welcher normale, an Leib und Seele gesunde Mensch möchte zu der Zahl der an Charakter und innerem Gehalt Minderwertigen gehören?

Möge es Eurem Apostolat da, wo Ihr Euren Beruf ausübt, vergönnt sein, hier aufklärend zu wirken und die richtige Wertordnung einzuprägen, damit die Menschen ihr Urteil und Verhalten derselben angleichen.


  

5. Wahrung der menschlichen Würde in der Betätigung des Zeugungstriebes

Unsere Darlegung über die Aufgabe Eures Berufsapostolats wäre trotzdem unvollständig, wenn Wir nicht noch ein kurzes Wort anfügten über den Schutz der Menschenwürde bei der Betätigung des Zeugungstriebes.

Wert und Ordnung der sexuellen Lust

Derselbe Schöpfer, der in seiner Güte und Weisheit für die Erhaltung und Fortpflanzung des Menschengeschlechtes sich des Wirkens von Mann und Frau bedienen wollte, weshalb er sie in der Ehe vereinte, hat auch angeordnet, dass die Gatten in jener Betätigung Freude und Glück an Leib und Seele empfinden. Wenn deshalb die Gatten diese Freude suchen und kosten, tun sie nichts Böses. Sie nehmen entgegen, was der Schöpfer ihnen bestimmt hat.

Nichtsdestoweniger müssen auch hier die Eheleute es verstehen, in den Grenzen des rechten Maßhaltens zu bleiben. Wie beim Genuss von Speise und Trank, sollen sie sich auch beim sexuellen Genuss nicht zügellos dem sinnlichen Drang überlassen. Der rechte Maßstab ist folgender: der Gebrauch der natürlichen Fortpflanzungsanlage ist sittlich erlaubt nur in der Ehe, im Dienst und nach der Ordnung der Zwecke der Ehe selbst. Daraus folgt, dass auch nur in der Ehe und unter Beobachtung dieser Regel das Verlangen und der Genuss jener Freude und Befriedigung zulässig sind. Denn das Genießen untersteht dem Gesetz des Tuns, aus dem es stammt, und nicht umgekehrt das Tun dem des Genießens. Und dieses vernünftige Gesetz betrifft nicht nur die Substanz, sondern auch die Umstände des Tuns, so dass man bei Wahrung der Substanz des Aktes sich verfehlen kann in der Art seiner Ausführung.

 

Verschiebung der Ehezwecke zugunsten rein hedonistischer Befriedigung

Die Übertretung dieser Norm ist so alt wie die Erbsünde. In unserer Zeit läuft man jedoch Gefahr, das Grundgesetz selbst aus dem Auge zu verlieren. Gegenwärtig pflegt man tatsächlich in Wort und Schrift (auch von Seiten mancher Katholiken) die notwendige Eigengesetzlichkeit, den Selbstzweck und Eigenwert des Sexuellen und seiner Betätigung zu behaupten, unabhängig vom Ziel der Weckung neuen Lebens. Man möchte die von Gott selbst getroffene Ordnung einer Überprüfung und Neuregelung unterziehen. Man möchte bezüglich der Art, wie der Instinkt befriedigt werden soll, keine andere Beschränkung zulassen als die Innehaltung des Wesens der Instinkthandlung. Damit träte an die Stelle der sittlichen Pflicht der Beherrschung der Leidenschaften die Freiheit, blind und zügellos den Launen und dem Drang der Natur sich zu fügen, was über kurz oder lang nur zum Schaden der Sittlichkeit, des Gewissens und der menschlichen Würde sich auswirken kann.

Wenn die Natur ausschließlich oder wenigstens in erster Linie ein gegenseitiges Sichschenken und Besitzen der Gatten in Freude und Lust angestrebt hätte und wenn sie jene Handlung angeordnet hätte, nur um ihre persönliche Erfahrung im höchstmöglichen Grad glückvoll zu gestalten und nicht um sie zum Dienst am neuen Leben anzutreiben, dann hätte der Schöpfer in der ganzen Einrichtung des Naturaktes einen anderen Plan zur Anwendung gebracht. Nun aber ist im Gegenteil dies alles unter- und eingeordnet jenem großen Gesetz der „generatio et educatio prolis" - „Weckung und Erziehung von Nachkommenschaft", das heißt der Verwirklichung des ersten Zwecks der Ehe als Ursprung und Quelle des Lebens.

Leider überspülen unaufhörlich Sturzwogen von Hedonismus die Welt und drohen in der wachsenden Flut der Vorstellungen, Wünsche und Handlungen das ganze Eheleben in die Tiefe zu ziehen, nicht ohne ernste Gefahren und schweren Nachteil für die Hauptaufgabe der Ehegatten.

Allzu oft scheut man sich nicht, diesen antichristlichen Hedonismus zur Lehre zu erheben, indem man aufdringlich das Verlangen erweckt, in der Vorbereitung und in der Tätigkeit der ehelichen Verbindung den Genuss immer intensiver zu gestalten, als ob in den ehelichen Beziehungen das Sittengesetz sich auf den ordnungsmäßigen Vollzug des Aktes beschränkte und alles übrige, mag es getätigt werden wie es will, gerechtfertigt würde vom Erguss der gegenseitigen Liebe, geheiligt durch das Sakrament der Ehe, verdienstlich an Lob und Lohn vor Gott und vor dem Gewissen. Um die Würde des Menschen und die Würde des Christen, die dem Übermaß der Sinnlichkeit einen Zügel anlegen, kümmert man sich nicht.

 

Die christliche Sittenlehre schützt die Würde des Menschen vor dem Übermaß des Sinnlichen

Nein, der Ernst und die Heiligkeit des christlichen Sittengesetzes erlauben keine zügellose Befriedigung des sexuellen Instinktes, um so nur auf Lust und Genuss auszugehen, jenes Gesetz erlaubt es vernunftbegabten Menschen nicht, weder was das Wesen, noch was die Umstände der Handlung angeht, sich in solchem Ausmaß unterjochen zu lassen.

Der eine oder andere möchte ins Feld führen, dass das Glück in der Ehe dem Genuss der ehelichen Beziehungen ganz parallel laufe. Nein: das Glück in der Ehe entspricht vielmehr genau der Achtung der Gatten voreinander, auch in ihren intimsten Beziehungen; nicht als ob sie unsittlich verurteilten oder ablehnten, was die Natur darbietet und der Schöpfer geschenkt hat, sondern weil diese Achtung und die gegenseitige Hochschätzung, die sie schafft, eines der stärksten Elemente einer reinen und eben dadurch um so zarteren Liebe ist.

Widersetzt Euch in Eurer Berufstätigkeit, soviel Ihr könnt, dem Ansturm dieses ausgeklügelten Hedonismus, der seelischer Werte bar und deshalb christlicher Eheleute unwürdig ist. Zeigt, dass die Natur ganz gewiss das instinktive Verlangen nach Genuss gegeben hat und es in der gültigen Ehe billigt, aber nicht als Zweck in sich selbst, vielmehr letztlich für den Dienst am Leben. Verbannt aus Eurem Innern jenen Kult des Genusses und tut Euer Bestes, um die Verbreitung einer Literatur zu verhindern, die meint, die Vertraulichkeit des Ehelebens bis in alle Einzelheiten beschreiben zu sollen unter dem Vorwand, aufzuklären, anzuleiten und zu beruhigen. Um die zarten Gewissen der Eheleute zu beruhigen, genügen im allgemeinen der gesunde Menschenverstand, der natürliche Instinkt und eine kurze Unterweisung über die klaren und einfachen Grundsätze des christlichen Sittengebotes. Wenn einmal unter besonderen Umständen eine Braut oder junge Gattin ausführlichere Anweisungen über irgend einen Einzelpunkt benötigt, so ist es an Euch, ihnen taktvoll eine dem Naturgesetz und dem gesunden christlichen Gewissen entsprechende Aufklärung zu geben.

Unsere Unterweisung hier hat nichts zu tun mit Manichäismus oder Jansenismus, wie manche glauben machen wollen, um sich selbst zu rechtfertigen. Sie ist nur eine Ehrenrettung der christlichen Ehe und der Persönlichkeitswürde der Ehegatten.

Diesem Zweck zu dienen, ist besonders in unseren Tagen eine drängende Pflicht Eurer Berufssendung.


 

Schluss

Damit sind Wir zum Abschluss dessen gekommen, was Wir Euch darlegen wollten. Euer Beruf eröffnet Euch ein weites Feld des Apostolates unter vielfachen Gesichtspunkten: ein Apostolat nicht so sehr des Wortes als der Tat und Führung; ein Apostolat, das Ihr nutzbringend ausüben könnt, nur wenn Ihr Euch des Zieles Eurer Sendung und der Mittel zu seiner Erreichung klar bewusst bleibt und wenn Ihr ausgestattet seid mit einem festen und entschiedenen Willen, der in tiefer religiöser Überzeugung wurzelt und vom christlichen Glauben und der christlichen Liebe beseelt und gestählt ist.

Wir rufen die machtvolle Hilfe des Lichtes und der Kraft Gottes auf Euch herab und erteilen Euch als Unterpfand überreicher Gnaden von oben in herzlichem Wohlwollen den Apostolischen Segen.


   

Ergänzung zur Ansprache vom 29. Oktober 195128

Begrüßung von zwei Familienorganisationen

In der Ordnung der Natur gibt es unter den sozialen Einrichtungen keine, die der Kirche mehr am Herzen läge, als die Familie. Deren Wurzel gleichsam, die Ehe, hat Christus zur Würde eines Sakramentes erhoben. Die Familie selbst hat in allem, was ihre unverletzlichen Rechte, ihre Freiheit und ihre Ausübung ihrer hohen Aufgabe angeht, in der Kirche immer Verteidigung, Schutz und Hilfe gefunden.

Wir empfinden daher, geliebte Söhne und Töchter, eine besondere Freude, den Nationalkongress der „Front der Familie" und der kinderreichen Familien hier bei Uns zu begrüßen und Euch Unsere Befriedigung auszusprechen über Eure Anstrengungen für die Ziele, die Ihr im Auge habt, und Unsere väterlichen Wünsche für ihre glückliche Durchführung.

Eine Familienbewegung, die sich wie die Eure dafür einsetzt, die Idee der christlichen Familie im Volk voll und ganz zu verwirklichen, wird sich immer unter dem Antrieb der sie beseelenden inneren Kraft wie auch der Bedürfnisse des Volkes, in dessen Mitte sie lebt und wächst, in den Dienst jenes dreifachen Zieles stellen, das den Gegenstand Eurer Bestrebungen bildet: Einfluss ausüben auf die Gesetzgebung im weiten Bereich, der mittelbar oder unmittelbar die Familie berührt; Solidarität der christlichen Familien untereinander; christliche Familienkultur. Dieses dritte Ziel ist das eigentliche; die beiden anderen sollen helfen, es zu unterstützen und zu fördern.

 

1. Materielle und äußere Nöte der Familie von heute

Wir haben oft und bei den verschiedensten Gelegenheiten zu Gunsten der christlichen Familie gesprochen und in den meisten Fällen mit der Absicht, ihr zu helfen oder andere zu retten, insbesondere um ihr in den Nöten des Krieges beizuspringen. Die durch den ersten Weltkrieg verursachten Schäden waren noch lange nicht geheilt, als der zweite noch furchtbarere Weltbrand ausbrach, um sie ins Unermessliche zu steigern. Viel Zeit und viel menschliches Mühen und noch größeren göttlichen Beistand wird es brauchen, bis die tiefen Wunden, die diese beiden Kriege der Familie geschlagen haben, recht vernarbt sind. Ein anderes Übel, das teilweise ebenso in den Kriegszerstörungen, darüber hinaus aber auch in Übervölkerung oder in verkehrten oder selbstsüchtigen Bestrebungen seinen Grund hat, ist die Wohnungsnot. Alle, die sich als Gesetzgeber, Staatsmänner, Mitglieder sozialer Werke bemühen, hier Abhilfe zu schaffen, erfüllen, sei es auch nur indirekt, ein Apostolat von größter Bedeutung.

Dasselbe gilt für den Kampf gegen die Geißel der Arbeitslosigkeit, für die Regelung eines hinreichenden Familieneinkommens, damit die Mutter nicht gezwungen ist, wie es nur zu häufig vorkommt, außerhalb des Hauses Arbeit zu suchen, sondern sich mehr dem Mann und den Kindern widmen kann.

Die Arbeit zugunsten der religiösen Schule und Erziehung bedeutet ebenfalls einen wertvollen Beitrag zum Wohle der Familie, wie auch die Pflege einer gesunden Natürlichkeit und anspruchslosen Lebensart, die Stärkung ihrer religiösen Überzeugungen, die Schaffung einer Atmosphäre christlicher Reinheit, die geeignet ist, sie von den schädlichen äußeren Einflüssen wie von all jenen krankhaften Erregungen freizuhalten, die in der Seele des Jugendlichen ungeordnete Leidenschaften wecken.

Aber es gibt noch eine tiefergreifende Not, vor der man die Familie bewahren muss, nämlich die entwürdigende Versklavung, zu der sie eine Denkart herabwürdigt, die sie zu einem bloßen Organismus im Dienste der sozialen Gemeinschaft macht mit dem Zweck, ihr eine hinreichende Masse von „Menschenmaterial" zu liefern.


  

2. Zu Fragen der Ehemoral

Noch ein anderes Übel bedroht die Familie, freilich nicht erst seit gestern, sondern schon seit langer Zeit. Es wächst jedoch zur Zeit zusehends und kann der Familie zum Verhängnis werden, weil es ihre Wurzel angreift: Wir meinen die Erschütterung der Ehemoral in ihrer ganzen Ausdehnung.

Wir haben im Lauf der letzten Jahre jede Gelegenheit wahrgenommen, um den einen oder anderen wesentlichen Punkt jener Moral aufzuzeigen, und erst kürzlich legten Wir sie in ihrem großen Zusammenhang dar. Wir wiesen dabei nicht nur die Irrtümer zurück, die sie untergraben, sondern erhellten auch positiv ihren Sinn, ihre Aufgabe, ihre Bedeutung, ihren Wert für das Glück der Ehegatten, der Kinder und der ganzen Familie, für den Bestand und das größere Wohl der Gemeinschaft, angefangen vom häuslichen Herd bis zu Staat und Kirche.

 

Jegliches unschuldige Menschenleben ist unantastbar

Im Mittelpunkt dieser Lehre erschien die Ehe als eine Einrichtung im Dienste des Lebens. In enger Anlehnung an diesen Grundsatz stellten Wir im Sinne der steten Lehre der Kirche einen Satz heraus, der eine der wesentlichen Grundlagen nicht nur der Ehemoral, sondern überhaupt der Sozialethik im allgemeinen ist, dass nämlich der direkte Angriff auf schuldloses Leben als Mittel zum Zweck - im vorliegenden Fall zum Zweck der Erhaltung eines anderen Lebens - unerlaubt ist.

Das schuldlose menschliche Leben, ganz gleich in welchem Zustand es sich befindet, ist vom ersten Augenblick seiner Existenz an jedem direkten Angriff entzogen.

Dies ist ein Grundrecht der menschlichen Persönlichkeit und nach christlicher Lebensauffassung von allgemeiner Gültigkeit, ebenso gültig für das Leben, das noch verborgen im Mutterschoß ruht, wie für das schon zur Welt gekommene Leben; ebenso gültig gegen die direkte Abtreibung wie gegen die direkte Tötung des Kindes vor, während und nach der Geburt. Wie begründet auch die Unterscheidung zwischen diesen verschiedenen Entwicklungsstufen des geborenen oder noch nicht geborenen Lebens sein mag im profanen wie kirchlichen Recht und für gewisse bürgerliche und strafrechtliche Folgen, - nach dem Sittengesetz handelt es sich in all diesen Fällen um ein schweres und unerlaubtes Attentat auf das unverletzliche menschliche Leben.

 

Was ist im Konfliktfall zu tun?

Dieser Grundsatz gilt ebenso für das Leben des Kindes wie für das Leben der Mutter. Niemals und in keinem Fall hat die Kirche gelehrt, dass das Leben des Kindes jenem der Mutter vorzuziehen sei. Es ist irrig, die Frage mit dieser Alternative zu stellen: entweder das Leben des Kindes oder das Leben der Mutter. Nein! Weder das Leben der Mutter noch das Leben des Kindes dürfen einem Akt direkter Vernichtung unterzogen werden. Für den einen wie für den anderen Teil kann nur die eine Forderung bestehen: alles aufzubieten, um das Leben beider zu retten, das der Mutter und das des Kindes.29

Es ist eine der schönsten und edelsten Bestrebungen der Medizin, immer neue Wege zu suchen, um das Leben beider sicherzustellen. Bleiben aber trotz aller Fortschritte der Wissenschaft jetzt auch in Zukunft noch Fälle übrig, in denen man mit dem Tode der Mutter rechnen muss, wenn diese die Geburt des Lebens, das sie in sich trägt, zu Ende führen und es nicht unter Verletzung des Gebotes Gottes „Du sollst nicht töten!" zerstören will, so bleibt dem Menschen, der sich bis zum letzten Augenblick mühen wird, zu helfen und zu retten, nichts übrig, als sich in Ehrfurcht vor den Gesetzen der Natur und dem Walten der göttlichen Vorsehung zu beugen.

 

Die Güterabwägungstheorie findet hier keine Anwendung

Aber - so wendet man ein - das Leben der Mutter, und insbesondere der Mutter einer kinderreichen Familie, ist ein unvergleichlich höherer Wert als das eines noch nicht geborenen Kindes. Die Anwendung der Güterabwägungstheorie auf den Fall, der uns gegenwärtig beschäftigt, hat schon in juristische Erörterungen Aufnahme gefunden. Die Antwort auf diesen viele bedrückenden Einwand ist nicht schwer. Die Unverletzlichkeit des keimenden Lebens eines Schuldlosen hängt nicht von seinem größeren oder geringeren Wert ab. Bereits vor mehr als zehn Jahren hat die Kirche die Tötung des als „wertlos" erachteten Lebens in aller Form verurteilt. Wer die traurigen Ereignisse kennt, die diese Verurteilung hervorriefen, wer die verhängnisschweren Folgen zu erwägen weiß, zu denen man gelangen würde, wollte man die Unantastbarkeit schuldlosen Lebens nach seinem Wert bemessen, der weiß sehr wohl die Beweggründe zu schätzen, die zu jenem Entscheid geführt haben.

Wer kann übrigens beurteilen, welches von den beiden Leben das kostbarere ist? Wer kann wissen, welchen Weg jenes Kind gehen wird, zu welcher Höhe der Leistung und der Vollkommenheit es gelangen wird? Hier werden zwei Größen miteinander verglichen, von denen man die eine gar nicht kennt.

 

Ein illustrierendes Beispiel

Wir möchten hier ein Beispiel anführen, das vielleicht einigen von Euch schon bekannt ist, das aber deswegen nichts von seinem eindrucksvollen Wert einbüßt.

Es geht auf das Jahr 1905 zurück. Da lebte eine junge Frau adliger Abstammung, noch adliger jedoch von Gesinnung. Leider war sie schwächlich und von zarter Gesundheit. Als Mädchen hatte sie eine kleine Rippenfellentzündung durchgemacht, die jedoch geheilt zu sein schien.

Als sie sich glücklich verheiratet hatte und fühlte, wie sich in ihrem Schoß neues Leben regte, musste sie sehr bald feststellen, wie ein eigenartiges Übel ihre Gesundheit untergrub, das die beiden tüchtigen Ärzte, die mit liebender Sorge ihre Gesundheit überwachten, sehr beunruhigte. Die frühere Rippenfellerkrankung, jener schon geschlossene Infektionsherd war wieder aufgebrochen. Nach Meinung der Ärzte war keine Zeit zu verlieren. Wollte man die zarte Frau retten, so musste man ohne Aufschub die medizinische Abtreibung einleiten. Auch der Gemahl begriff seinerseits die Schwere des Falles und gab sein Einverständnis zum schmerzlichen Eingriff.

Als jedoch der behandelnde Geburtshelfer ihr sehr taktvoll die Entscheidung der Ärzte mitteilte und ihr nahelegte, ihrem Gutachten beizupflichten, antwortete sie fest und entschieden: „Ich danke Ihnen für Ihre teilnehmenden Ratschläge; ich kann jedoch das keimende Leben meines Kindes nicht töten! Ich kann und kann es nicht! Ich spüre schon seinen Herzschlag in meinem Schoß; das Kind hat das Recht zum Leben; von Gott kommt es und es muss Gott kennenlernen, um ihn zu lieben und in ihm glücklich zu werden." Auch der Gemahl bat, flehte sie an, beschwor sie; sie blieb unbeugsam und erwartete ruhig den Ausgang. Ein Mädchen kam normal zur Welt; sofort nach der Geburt verschlechterte sich jedoch der Gesundheitszustand der Mutter. Der Infektionsherd in der Lunge erweiterte sich; der Verfall der Gesundheit schritt voran. Zwei Monate später lag sie im Sterben; sie sah noch einmal ihr Kleines, das gesund bei einer kräftigen Amme heranwuchs; die Lippen bewegten sich noch einmal zu seligem Lächeln, dann starb sie friedlich.

Viele Jahre gingen dahin. Man konnte in einem Schwesternheim eine junge Ordensfrau sehen, die ganz der Pflege und Erziehung verlassener Kinder hingegeben war und sich mit Augen voll mütterlicher Liebe über die kleinen Kranken neigte, wie wenn sie ihnen das Leben schenken wollte. Das war sie, das Kind des Opfers, die jetzt mit ihrem edlen Herzen so viel Gutes wirkte unter der verlassenen Jugend. Das unerschrockene Heldentum der Mutter war nicht umsonst!30

Wir fragen jedoch:

  • Ist denn das christliche, ja auch nur das menschliche Empfinden schon so sehr geschwunden, dass kein Verständnis mehr da ist für das wunderbare Opfer der Mutter und für die sichtbare Führung der göttlichen Vorsehung, die aus diesem Opfer eine so edle Frucht hervorwachsen ließ?

 

Die indirekte Tötung des keimenden Lebens

Wir haben absichtlich immer den Ausdruck gebraucht „direkter Angriff auf das Leben eines Schuldlosen", „direkte Tötung". Denn wenn z.B. die Rettung des Lebens der zukünftigen Mutter, unabhängig von ihrem Zustand der Schwangerschaft, dringend einen chirurgischen Eingriff oder eine andere therapeutische Behandlung erfordern würde, die als keineswegs gewollte oder beabsichtigte, aber unvermeidliche Nebenfolge den Tod des keimenden Lebens zur Folge hätte, könnte man einen solchen Eingriff nicht als einen direkten Angriff auf schuldloses Leben bezeichnen. Unter solchen Bedingungen kann die Operation erlaubt sein wie andere vergleichbare ärztliche Eingriffe, immer vorausgesetzt, dass ein hohes Gut, wie es das Leben ist, auf dem Spiele steht, dass der Eingriff nicht bis nach der Geburt des Kindes verschoben werden kann und kein anderer wirksamer Ausweg gangbar ist.

Da also die erste Aufgabe der Ehe im Dienst am Leben besteht, gilt Unser besonderes Wohlgefallen und Unser väterlicher Dank jenen Ehegatten, die aus Liebe zu Gott und im Vertrauen auf ihn mutig eine zahlreiche Familie gründen und aufziehen.

 

Zur Frage der erlaubten Geburtenregulierung

Anderseits fühlt die Kirche Teilnahme und Verständnis für die wirklichen Schwierigkeiten des Ehelebens in unserer heutigen Zeit. Deswegen haben Wir in Unserer letzten Ansprache über die Ehemoral die Berechtigung und zugleich die tatsächlich weit gesteckten Grenzen für eine Regulierung der Nachkommenschaft herausgestellt, die - im Gegensatz zur sogenannten „Geburtenkontrolle" - mit dem Gesetz Gottes vereinbar ist.

Man kann sogar hoffen - doch überlässt hier die Kirche das Urteil natürlich der medizinischen Wissenschaft -, dass es gelingt, diesem erlaubten Verhalten eine genügend sichere Grundlage zu geben, und die neuesten Berichte scheinen eine solche Hoffnung zu bestätigen.


 

Schluss:

Vertrauen auf die Kräfte der Natur und der Übernatur

Im Übrigen helfen zur Überwindung der vielfachen Prüfungen des ehelichen Lebens vor allem ein lebendiger Glaube und der häufige Empfang der Sakramente. Daraus erwachsen Kraftquellen, von denen sich jene, die außerhalb der Kirche leben, nur schwer eine klare Vorstellung machen können. Und mit diesem Hinweis auf die höheren übernatürlichen Kraftquellen möchten Wir Unsere Ansprache schließen. Auch Euch, geliebte Söhne und Töchter, könnte es eines Tages widerfahren, dass Ihr Euren Mut wanken fühlt unter dem wuchtigen Sturm, der um Euch, oder noch viel gefährlicher, innerhalb der Familie, ausgebrochen ist, durch die Lehren nämlich, welche die gesunde und normale Auffassung der christlichen Ehe zu unterhöhlen drohen. Habt Vertrauen! Die Kräfte der Natur, vor allem aber jene der Gnade, mit denen der Herr im Sakrament der Ehe Eure Seelen beschenkt hat, sind wie ein starker Fels, an dem die brandenden Wogen des stürmischen Meeres sich brechen. Und wenn Tragödien wie Krieg und Nachkriegszeit der Ehe und Familie - heute noch blutende Wunden geschlagen haben, so haben doch gerade in jenen Jahren die unentwegte Treue und unerschütterliche Standhaftigkeit der Ehegatten und die bis zu unvorstellbaren Opfern bereite Mutterliebe in ungezählten Fällen wahre und leuchtende Siege davongetragen.

Setzt daher zäh und mutig Eure Arbeit fort, voll Vertrauen auf die göttliche Hilfe, als deren Unterpfand Wir Euch und Euren Familien aus übervollem Herzen Unseren väterlichen Apostolischen Segen erteilen.


    

Fußnoten:

  1. Vgl. Gen. 1,26-27.

  2. 2 Makk. 7,22.

  3. Dekret des Heiligen Offiziums, 2. Dezember 1940; Acta Ap. Sedis, vol. XXXII (1940) 553-554.

  4. Exod. 20,13.

  5. Ps. 127,3.

  6. Ps. 128, 3-4.

  7. Ps. 109, 13.

  8. Vgl. Matth. 25, 21.

  9. Joh. 16,21.

  10. 1 Tim. 2,15.

  11. Matth. 5,7.

  12. Luk. 1,38.

  13. Vgl. Gal. 4,4.

  14. Joh. 1,14.

  15. Vgl. Luk. 1,31.

  16. Vgl. Acta Ap. Sedis, vol. XXII (1930) 559 ff.

  17. a. a. O. S. 564-565.

  18. Dekret des Heiligen Offiziums, 22. Februar 1940; Acta Ap. Sedis, vol. XXXII (1940) 73.

  19. Conc. Trid. sess. 6 cap. 11; Denzinger n. 804. - St. Aug., De natura et gratia, cap. 43 n. 50; Migne PL vol. XLIV col. 271.

  20. 10. März 1944.

  21. Can. 1013 § 1.

  22. Heiliges Offizium, 1. April 1944; Acta Ap. Sedis, vol. XXXVI (1944) 103.

  23. Gen. 1,27.

  24. Gen. 2,24; Matth. 19,5; Eph. 5,31.

  25. Vgl. Summa Theol. III q. 29 a. 2; Suppl. q. 49 a. 2 ad 1.

  26. Acta Ap. Sedis, vol. XLI (1949) 560.

  27. Matth. 19,11

  28. Ansprache an die Teilnehmer des Kongresses der „Front der Familie" und des Verbandes der kinderreichen Familien: 26. November 1951. AAS XLIII (1951) 855-860. Original: italienisch.

  29. Vgl. Pius XI., Enzyklika Casti connubii, 31. Dezember 1930. - Acta Sp. Sedis, vol. XXII (1930) 562-563.

  30. Vgl. Andreas Majocchi, Tra bistori e forbici, 1940, S. 21 ff.


  

Aus der Schriftenreihe der Aktion Leben e.V.

Elasah Drogin: Margaret Sanger - Gründerin der modernen Gesellschaft, Heft 1

Carol Everett / Valerie Riches: Die Drahtzieher hinter der Schulsexualerziehung, Heft 2

Prof. Dr. Manfred Balkenohl: Reflexionen zu den Entwürfen einer Bioethik-Konvention - Ihre Inhalte und Mängel, Heft 3

P. Martin Ramm FSSP: Den Stimmlosen Stimme sein - Zum Kampf für das Lebensrecht der ungeborenen Kinder, Heft 4

Papst Pius XII. / Papst Johannes Paul II.: Die sittlichen Grenzen der ärztlichen Forschungs- und Behandlungsmethoden / Humanae vitae - ethische Norm und autonome Moral, Heft 5

Dr. Bruno Hügel: Künstliche Befruchtung - ein Ausweg bei Unfruchtbarkeit?, Heft 6  

Renate Boel: Die Wirkung der Anti-Baby-Pille vor und nach der Empfängnis, Heft 7

Dr. Trautemaria Blechschmidt: Evolutionstheorie - mehr als eine Hypothese?, Heft 8

Roland Rösler: Der patentierte Hugo - eine Betrachtung zur Verwertung des Menschen, Heft 9

Rudolf Willeke: Hintergründe der 68er-Kulturrevolution - Frankfurter Schule und Kritische Theorie, Heft 10

Walter Ramm: „Hauptsache: gesund!" - Problemkreis der pränatalen Diagnostik und Abtreibungstötung bis zur Geburt, Heft 11

Walter Ramm: Hirntod und Organtransplantation - Informierte Zustimmung?, Heft 12

Walter Ramm: Die Patientenverfügung, Heft 13  

Walter Ramm: Der achte Schöpfungstag? - Darf der Mensch Gott ins Handwerk pfuschen?, Heft 14  

Gabriele Kuby: Vergiftung durch Bilder, Heft 15

Prof. Dr. Wolfgang Waldstein: Das Naturrecht - Pluralistische Gesellschaft und Naturrecht, Heft 16

Steven W. Mosher: Die malthusianische Täuschung - Die Ursprünge der Bevölkerungskontrolle, Heft 17

Simone Barich: Wer ist Pro Familia?, Heft 18

Alfonso Kardinal López Trujillo: Familienwerte contra „Safe Sex", Heft 19  

Rudolf Willeke: Gruppendynamik - Das Trojanische Pferd in der Stadt Gottes, Heft 20

Prof. Dr. Manfred Balkenohl: Moderne Befruchtungstechnologien - Anmerkungen aus ethischer Perspektive, Heft 21

Prof. Dr. Wolfgang Waldstein: Der Wert des Lebens - Hirntod und Organtransplantation, Heft 22

Dr. med. Paul A. Byrne, Prof. Dr. Cicero G. Coimbra, Prof. Dr. Robert Spaemann, Mercedes Arzú Wilson: „'Hirntod' ist nicht Tod!", Heft 24


Diesen Beitrag downloaden (PDF- Druckversion)

zurück zur Themenauswahl "Religiöse Fragen"