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Evangelium vitae

 

Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls 120

Enzyklika Evangelium vitae

von Papst Johannes Paul II.

an die Bischöfe
Priester und Diakone,
die Ordensleute und Laien
sowie an alle Menschen guten Willens

über den Wert und die Unantastbarkeit des menschlichen Lebens

25. März 1995

Herausgeber:
Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz
Kaiserstraße 163, 53113 Bonn


 

Die Enzyklika "Evangelium vitae"  (Evangelium vom Leben) vom 25. März 1995 ist die elfte Enzyklika von Papst Johannes Paul II., die sich vor allem mit der Frage des Lebensrechtes befasst.

Mit dem Untertitel "Über den Wert und die Unantastbarkeit des menschlichen Leben " wendet sich der Papst  "An die Bischöfe, Priester und Diakone, die Ordensleute und Laien sowie an alle Menschen guten Willens" - und wurde beim außerordentliche Konsistorium der Kardinäle 1991 in Rom angeregt. Die Kardinäle hatten damals den Papst einstimmig ersucht, den Wert des menschlichen Lebens und seine Unantastbarkeit unter Bezugnahme auf die gegenwärtigen Umstände und die Angriffe, von denen es heute bedroht wird, mit der Autorität des Nachfolgers Petri zu bekräftigen.

Zu Pfingsten 1991 richtete der Papst ein persönliches Schreiben an alle Bischöfe mit der Bitte um Vorschläge. In diesem Brief hatte der Papst u. a. auch einen Bezug zur Sozial-Enzyklika "Rerum novarum" hergestellt und betont:

"Wie es vor einem Jahrhundert die Arbeiterklasse war, die, in ihren fundamentalsten Rechten unterdrückt, von der Kirche mit großem Mut in Schutz genommen wurde, indem diese die heiligen Rechte der Person des Arbeiters herausstellte, so weiß sie sich auch jetzt, wo eine andere Kategorie von Personen in ihren grundlegenden Lebensrechten unterdrückt wird, verpflichtet, mit unvermindertem Mut den Stimmlosen Stimme zu sein."

Die Enzyklika "Evangelium vitae" umfasst neben der Einleitung und dem Schlussteil vier große Kapitel. Schon ein Blick in das Inhaltsverzeichnis offenbart die ungeheure Tiefe, mit der der Papst das "Evangelium vom Leben" der Menschheit darlegt.


 

Das Inhaltsverzeichnis

Einführung

  • Der unvergleichliche Wert der menschlichen Person

  • Die neuen Bedrohungen des menschlichen Lebens

  • In Gemeinschaft mit allen Bischöfen der Welt

In der Einführung verweist der Papst darauf, dass das "Evangelium vom Leben" den Menschen als Frohe Botschaft verkündet werden soll. Diese Frohbotschaft beginnt mit der Geburt des Jesus-Kindes. Dann stellt der Papst unter Bezugnahme auf das Johannes-Evangelium (Kapitel 10,10, Leben in Fülle) einen Brücke zum ewigen Leben her und erklärt dann den unvergleichliche Wert der menschlichen Person.

Weiter betont Johannes Paul, dass dieses "Evangelium vom Leben" im Herzen jedes gläubigen, aber auch nicht gläubigen Menschen tiefen und überzeugenden Widerhall findet und kommt dann zum eigentlichen Thema der Enzyklika: die neuen Bedrohungen des menschlichen Lebens, die für die Verkündigung besonders dringend sind.

"Schon das Zweite Vatikanische Konzil beklagte an einer Stelle, die von geradezu dramatischer Aktualität ist, nachdrücklich vielfältige Verbrechen und Angriffe gegen das menschliche Leben."

Der Papst nennt hier wörtlich folgende Bedrohungen: Mord, Völkermord, Abtreibung, Euthanasie und auch der (freiwillige) Selbstmord.

Johannes Paul II. sagt im Vorwort auch gleich, dass die Gesetzgebung vieler Länder sogar in Abweichung von den Grundprinzipien ihrer Verfassungen zugestimmt hat, solche gegen das Leben gerichtete Praktiken nicht nur nicht zu bestrafen sondern ihnen sogar volle Rechtmäßigkeit zuzuerkennen. Er bezeichnet dies ein "besorgniserregendes Symptom und keineswegs nebensächliche Ursache für einen schweren moralischen Verfall.

"Entscheidungen, die einst einstimmig als verbrecherisch angesehen und vom allgemeinen sittlichen Empfinden abgelehnt wurden, werden nach und nach gesellschaftlich als achtbar betrachtet."

Dann kommt der Papst zum Hauptthema der Enzyklika und betont, dass das fundamentale Recht auf Leben heute bei einer großen Zahl schwacher und wehrloser Menschen, wie es insbesondere die ungeborenen Kinder sind, mit Füßen getreten wird. Die Enzyklika versteht sich als Appell:

"Achte, verteidige, liebe das Leben, jedes menschliche Leben und diene ihm! Nur auf diesem Weg wirst du Gerechtigkeit, Entwicklung, echte Freiheit, Frieden und Glück finden!"


 

Ein Blick auf den Inhalt der einzelnen Kapitel:

I. Kapitel

Das Blut deines Bruders schreit zu mir vom Ackerboden - Die gegenwärtigen Bedrohungen des menschlichen Lebens

  • "Kain griff seinen Bruder Abel an und erschlug ihn" (Gen 4,8): an der Wurzel der Gewalt gegen das Leben

  • "Was hast du getan?" (Gen 4,10): die Verfinsterung des Wertes des Lebens

  • "Bin ich der Hüter meines Bruders?" (Gen 4,9): eine entartete Vorstellung von Freiheit

  • "Ich muss mich vor deinem Angesicht verbergen" (Gen 4,14): die Verfinsterung des Sinnes für Gott und den Menschen

  • "Ihr seid hingetreten zum Blut der Besprengung" (vgl. Hebr 12, 22.24): Zeichen der Hoffnung und Einladung zum Engagement

II. Kapitel

Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben - Die christliche Botschaft über das Leben

  • "Das Leben wurde offenbart, wir haben es gesehen" (1 Joh 1,2): der Blick ist auf Christus, "das Wort des Lebens", gerichtet

  • "Meine Stärke und mein Lied ist der Herr, er ist für mich zum Retter geworden" (Ex 15,2): das Leben ist immer ein Gut 

  • "Der Name Jesu hat diesen Mann zu Kräften gebracht" (Apg 3,16): in der Ungewissheit des menschlichen Daseins bringt Jesus den Sinn des Lebens zur Vollendung 

  • "Sie sind dazu bestimmt, an Wesen und Gestalt seines Sohnes teilzuhaben" (vgl. Röm 8,29): die Herrlichkeit Gottes leuchtet auf dem Antlitz des Menschen 

  • "Jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben" (Joh 11,26): das Geschenk des ewigen Lebens

  • "Für das Leben des Menschen fordere ich Rechenschaft von jedem seiner Brüder" (Gen 9,5): Achtung und Liebe für das Leben aller 

  • "Seid fruchtbar und vermehrt euch, bevölkert die Erde, unterwerft sie euch" (Gen 1,28): die Verantwortung des Menschen gegenüber dem Leben

  • "Du hast mein Inneres geschaffen" (Ps 139 [138],13): die Würde des ungeborenen Kindes

  • "Voll Vertrauen war ich, auch wenn ich sagte: Ich bin so tief gebeugt" (Ps 116 [115],10): das Leben im Alter und im Leiden

  • "Alle, die an ihm festhalten, finden das Leben" (Bar 4,1): vom Gesetz des Sinai zur Spendung des Geistes

  • "Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben" (Joh 19, 37): am Stamm des Kreuzes erfüllt sich das Evangelium vom Leben

III. Kapitel

Du sollst nicht töten - Das heilige Gesetz Gottes

  • "Wenn du das Leben erlangen willst, halte die Gebote" (Mt 19,17): Evangelium und Gebot

  • "Für das Leben des Menschen fordere ich Rechenschaft vom Menschen" (Gen 9,5): das menschliche Leben ist heilig und unantastbar

  • "Deine Augen sahen, wie ich entstand" (Ps 139 [138],16): das verabscheuungswürdige Verbrechen der Abtreibung

  • "Ich bin es, der tötet und der lebendig macht" (Dtn 32,39): das Drama der Euthanasie

  • "Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen" (Apg 5,29): staatliches Gesetz und Sittengesetz

  • "Deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst" (Lk 10,27): "fördere" das Leben

IV. Kapitel

Das habt ihr mir getan - Für eine neue Kultur des menschlichen Lebens

  • "Ihr aber seid ein Volk, das Gottes besonderes Eigentum wurde, damit es seine großen Taten verkünde" (1 Petr 2,9): das Volk des Lebens und für das Leben 

  • "Was wir gesehen und gehört haben, das verkünden wir auch euch" (1 Joh 1,3): das Evangelium vom Leben verkünden

  • "Ich danke dir, dass du mich so wunderbar gestaltet hast" (Ps 139 [138],14): das Evangelium vom Leben feiern

  • "Meine Brüder, was nützt es, wenn einer sagt, er habe Glauben, aber es fehlen die Werke?" (Jak 2,14): dem Evangelium vom Leben dienen

  • "Kinder sind eine Gabe des Herrn, die Frucht des Leibes ist sein Geschenk" (Ps 127 [126],3): die Familie "Heiligtum des Lebens"

  • "Lebt als Kinder des Lichts!" (Eph 5,8): um eine kulturelle Wende herbeizuführen

  • "Wir schreiben dies, damit unsere Freude vollkommen ist" (1 Joh 1,4): das Evangelium vom Leben ist für die Gesellschaft der Menschen

Schluss

  • "Es erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet" (Offb 12,1): die Mutterschaft Mariens und der Kirche

  • "Der Drache stand vor der Frau...; er wollte ihr Kind verschlingen, sobald es geboren war" (Offb 12,4): das von den Mächten des Bösen bedrohte Leben 

  • "Der Tod wird nicht mehr sein" (Offb 21,4): die Herrlichkeit der Auferstehung



Diese wertvolle Enzyklika zu lesen kann man nur zu empfehlen. Sie ist eine Bereicherung für jeden Menschen. Nchfolgend steht Ihnen der gesamte Text im PDF-Format zur Verfügung.


Zum gesamten Wortlaut der Enzyklika "Evangelium vitae" (im PDF-Format, auch als Druckversion)

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