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"Hirntod" - Feind des Lebens und der Wahrheit

Ansprache vom Papst Johannes Pauls II. vom 29.08.2000

an die Teilnehmer des Internationalen Kongresses der Transplantations-Gesellschaft

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Die Ansprache Papst Johannes Pauls II. an die Teilnehmer des Internationalen Kongresses der Transplantations-Gesellschaft am 29. August 2000 hat erneut Interesse an der fortdauernden Kontroverse um den `Hirntod´ und die Organtransplantation wachgerufen. Insofern diese Kontroverse im wahrsten Sinne des Wortes eine Sache von Leben und Tod betrifft - körperlich und geistig, ist ein klares Verständnis ihrer Natur für die Wahrung des Lebens und der Wahrheit unabdingbar.

Da die Frage der Organtransplantation ohne das, was der Papst als `wissenschaftlich sichere Mittel und Wege zur Feststellung biologischer Zeichen, dass eine Person wirklich gestorben ist´, nennt, weder logisch noch ethisch richtig beurteilt werden kann, müssen wir zuerst das `Hirntod´-Konzept untersuchen, das zur Rechtfertigung der Entnahme lebenswichtiger Organe von denen als `Spender´ beschriebenen Personen dient.

 

Hirntod

Indem er eine Verschiebung des Schwerpunktes der Todesdefinition `von den traditionellen Herz-Lungen-Kriterien zu dem sogenannten neurologischen Kriterium´ feststellt, erklärt der Hl. Vater, dass dieser Wechsel in der `Einführung des völligen und endgültigen Stillstandes jeder Hirntätigkeit (im Großhirn, Kleinhirn und Stammhirn)´ gemäß den klar definierten Parametern, wie sie gemeinhin von den internationalen Wissenschaftlern vertreten werden, besteht.

Die unterschiedlich festgesetzten Parameter, nach denen eine Person für `hirntot´ erklärt wird, sind jedoch weder `klar festgelegt´, noch richten sie sich danach, was gemeinhin von den internationalen Wissenschaftlern vertreten wird. Vielmehr sind die zahllosen Änderungen des `Hirntod´-Kriteriums, das seit der Veröffentlichung des aufschlussreichen Titels `Eine Definition des Irreversiblen Komas´ 1968 eingeführt wurde - mehr als 30 Kriteriensätze allein in der ersten Dekade -, immer liberaler geworden. Zur selben Zeit hat eine wachsende Zahl von Wissenschaftlern einen eingehenderen Blick auf den `Hirntod´ geworfen und ihre Bedenken geäußert.

Ein moralisch gesichertes Wissen, darüber, dass `der völlige und endgültige Stillstand jeder Hirntätigkeit (im Großhirn, Kleinhirn und Stammhirn)´ eingetreten ist, würde das vollkommene Fehlen jeder Blutzirkulation und Atmung erfordern. Eine Bestätigung dieses Fehlens würde sowohl die Zerstörung des Groß-, Klein- und Stammhirns erfordern, als auch die des Kreislauf- und Atmungssystems.

Keiner der voneinander abweichenden Kriteriensätze des `sogenannten neurologischen Kriteriums´ zur Definierung des Todes erfüllt die Bedingung des Papstes, dass sie `strikt angewendet´ werden müssen, um `den völligen und endgültigen Stillstand jeder Hirntätigkeit (im Groß-, Klein- und Stammhirn)´ festzustellen. In der Tat, der `Hirntod´ ist nicht der Tod, und der Tod sollte nicht bestätigt werden, bevor das gesamte Gehirn zerstört ist und das Atmungs- und Kreislaufsystem vollkommen zusammengebrochen sind.


 

Organtransplantation

Seine Worte aus Evangelium Vitae wiederholend, `mahnte der Hl. Vater an, dass ein Weg des Hegens einer wahren Kultur des Lebens die Organspende sei, vollzogen auf eine ethisch annehmbare Art und Weise´.

Eine `ethisch annehmbare´ Art und Weise steht im Einklang mit dem Natürlichen Sittengesetz und dessen vier allgemein anerkannten Grundsätzen:

  1. Gutes sollte getan und Böses vermieden werden.
  2. Gutes darf nicht unterlassen werden.
  3. Böses darf nicht getan werden.
  4. Böses darf nicht getan werden, um Gutes zu erreichen.

 

Wenn die Entnahme von Organen den Tod oder eine das weitere Leben beeinträchtigende Verstümmelung des `Spenders´ herbeiführte, wäre dies nicht `ethisch annehmbar´.

Indem er die Entscheidung zur Organspende als eine `endgültige Geste´ beschreibt, warnt der Papst:

"Die menschliche Glaubwürdigkeit einer solchen endgültigen Geste erfordert, dass die Personen über die komplizierten Prozesse genau informiert sind, um auf freie und bewusste Art zustimmen oder ablehnen zu können."

Um genau informiert zu sein, sollte ein Mensch, welcher über Organspende nachdenkt, über die Natur der Organtransplantation unterrichtet werden. Im Besonderen sollte er beraten werden, dass sein Herz vor der Entnahme gesund und eines normales Blutkreislaufs fähig ist und seine Atmung funktioniert, dass er jedoch sterben wird, sobald irgendein lebendes Organ, welches er zum Leben unabdingbar benötigt, entfernt worden ist. Wer eine `Spende´ in Betracht zieht, sollte auch dahingehend beraten werden, dass ihm ein lähmendes Mittel verabreicht werden wird, um ihn an der Bewegung zu hindern, wenn der Körper zur Entnahme geöffnet wird, und er sollte darüber beraten werden, ob ihm vor dieser Organentnahme Betäubungsmittel gegeben werden sollen, wie es Anästhesisten empfehlen.

  • (Anmerkung: Die Verabreichung von Betäubungsmitteln vor der Organentnahme kann und darf jedoch niemals zur Rechtfertigung von Organentnahmen herangezogen werden, denn das Ergebnis nach der Entnahme lebenswichtiger Organe ist immer das gleiche: Ein toter Mensch.)

Damit Freiheit nicht verwechselt wird mit Erlaubtheit, muss erwähnt werden, dass die Freiheit darin besteht, den eigenen Willen in Übereinstimmung mit der rechten Vernunft auszuüben, die das Gute sucht und das Böse meidet. Sich selber oder einen anderen zu ermorden, kann niemals in Übereinstimmung mit der rechten Vernunft sein.

Der Hl. Vater macht eine wichtige Einschränkung bei der Entnahme von Organen im Lichte der `einzigartigen Würde der menschlichen Person´, indem er zur Bedingung macht, dass "lebenswichtige Organe, die einmal im Körper vorkommen, nur nach dem Tod entfernt werden können, d. h. aus dem Körper von jemandem, der sicher tot ist".

Er fügt weiter hinzu, dass "diese Voraussetzung selbstverständlich ist, weil eine andere Handlungsweise das beabsichtigte Herbeiführen des Todes des Spenders durch die Organentnahme bedeuten würde".

Damit lebenswichtige Organe für eine Transplantation geeignet sind, müssen sie jedoch lebende Organe sein, die lebenden Menschen entnommen werden. Wie schon oben erwähnt, sind Personen, die als `hirntot´ zum Tode verurteilt sind, nicht `sicher tot´, sondern im Gegenteil, sicher am Leben.

Somit schließt das Befolgen der Einschränkungen, die der Papst zur Bedingung machte - sowie der von Gott selber in das Natürliche Sittengesetz hineingelegten Verbote - die Transplantation von unpaarigen lebenswichtigen Organen aus, einen Akt, der den Tod des `Spenders´ verursacht und das fünfte Gebot des göttlichen Dekalogs, `Du sollst nicht töten´ (Deut. 5,17) verletzt.

 

Gezeichnet u. a. von:

Paul A. Byrne, M. D.

Prof. Josef Seifert, Ph.D.

Mercedes Arzú Wilson, L. H. D.

Earl E. Appleby, Jr.

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