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Tissue Engineering

Was heißt eigentlich ... Tissue Engineering ?


 „Tissue Engineering" ist ein neues biotechnologisches Verfahren, bei dem aus „Stammzellen" ein Implantat oder Organ hergestellt werden kann.

 

 

 


Diese Definition findet man z. B. auf einer Homepage des fzmb Bad Langensalza bei der Vorstellung eines Projektes von Dr. Ingo Wilke. Es wird als vorteilhaft gepriesen, dass die Gefahren von Abstoßungsreaktionen und Infektionen mit HIV, Hepatitis C etc. durch Verwendung von körpereigenem Gewebe für den Patienten einen günstigeren Therapieverlauf bedeuten.

Vordergründig scheint es sich bei dieser neuen Technik um eine ethisch und moralisch neutrale Forschungs- und Behandlungsmethode zu handeln. Bei näherem Hinsehen jedoch eröffnet sich dem Betrachter das gesamte Horrorszenario der modernen Bio- und Medizintechnologie.

Beim „Tissue Engineering"-Verfahren werden aus Patientengewebe in-vitro Implantate hergestellt und diese anschließend reimplantiert.

Konkret sieht das so aus, dass man einzelne Körperzellen des Patienten in einer Zellkultur zu einem neuen größeren Zellverband wachsen lässt und diese neuen Gewebe dann dem Patienten an Stelle geschädigter Gewebe implantiert. Klassisches Einsatzgebiet hierfür ist z. B. die plastische Hautchirurgie bei Verbrennungsopfern.

Ziel der heutigen Forschungen ist jedoch nicht nur der Ersatz einzelner Gewebeschichten, sondern die Züchtung kompletter Organe für die Transplantationsmedizin. Komplexe Organe bestehen jedoch nicht nur aus einem einzigen Gewebe sondern aus unterschiedlichsten speziell ausdifferenzierten Zellverbänden.

Deshalb richtet sich das Hauptaugenmerk der Forscher auf die sog. Stammzellen, also die noch nicht ausdifferenzierten ersten Zellen eines jungen Embryos kurz nach der Befruchtung. Durch Untersuchung der Mechanismen der Zelldifferenzierung hofft man Kenntnisse zu erlangen, mit denen man dann Stammzellen gezielt zur Bildung der gewünschten Gewebe und Organe anregen kann.

Neben Forschungen zur Zelldifferenzierung finden in diesem Arbeitsgebiet auch Arbeiten zur Entwicklung dreidimensionaler Gewebekulturen statt. Diese sollen helfen, den gewünschten Organen die erforderliche äußere Form zu geben.

Vordergründig scheint es sich hier also um ethisch und moralisch neutrale oder gute Forschungs- und Behandlungsmethoden zu handeln. Insbesondere die häufigen Literaturhinweise auf Haut- und Knorpeltransplantationen bei verletzten Unfall- und Verbrennungsopfern sollen diesen Eindruck erwecken und verstärken. Ganz anders sieht es jedoch aus, wenn man die heute unter Tissue Engineering laufenden Forschungen an Stammzellen und insbesondere an menschlichen Stammzellen sieht. Stammzellen können ja nur aus gezeugten und damit lebenden Individuen entnommen werden, der Tod des „Spenders" ist hierbei also ebenso gegeben wie bei der klassischen Organspende, wo der „Spender" an der Spende stirbt.