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Klonen

Therapeutisches Klonen - was ist das ?

Kein Tag ohne neue Meldungen. Vor allem der Begriff „therapeutisches Klonen" machte Furore, nachdem im Herbst 2000 das britische Parlament dazu seine Zustimmung gab. Daraufhin machte sich im übrigen Europa Nervosität breit. Es geht schließlich nicht nur um wissenschaftliche Meriten, sondern um in Aussicht stehende Milliarden Umsätze.

 

Aber schon das Etikett, mit dem das „therapeutische Klonen" seinen Siegeszug angetreten hat, ist irreführend, so Prof. Linus S. Geisler in der Frankfurter Rundschau vom 19.02.2001. Denn das Klonverfahren selbst hat keinen therapeutischen Nutzen. Es ist zunächst nur eine Methode, Zellen herzustellen, die die Fähigkeit haben, sich unter Umständen auch zu einem vollständigen Individuum zu entwickeln.

Am Anfang der Manipulation steht der „Kerntransfer". Eine Körperzelle eines erwachsenen Menschen wird in eine entkernte weibliche Eizelle eingeführt und mit ihr verschmolzen.

Nach einer Entwicklung von ca. 6 Tagen werden dem so gezeugten Embryo Stammzellen entnommen und der Embryo dabei vernichtet, also getötet.

Dann erfolgt die Kultivierung der embryonalen Stammzell-Linien auf eine Nährlösung. Sie entsteht dadurch, dass eine große Zahl hochträchtiger Mäuse getötet und ihre Embryonen zur Herstellung der Nährlösung homogenisiert (homogen machen, vermischen) werden.

Stammzellen, so Prof. Geisler, gelten als unsterblich und pluripotent, also fähig, sich in jede der 270 Zelltypen des menschlichen Körpers auszudifferenzieren.

Ein anderer Plan besteht darin, diese Ausdifferenzierungsfähigkeit in unterschiedlichste Körperzellen zur Gewebereparatur, Gewebezüchtung oder Schaffung ganzer Organe zu nutzen.

Das Ganze wurde bisher an Tieren erprobt, ob und wann es einmal beim Menschen funktioniert, ist noch offen.

Vielfach werden Hoffnungen geweckt. Bislang bedient sich die Forschung des Klonens zu Therapiezwecken vornehmlich des Tierexperiments. Anders als suggeriert, sind wir von einem funktionierenden Therapiekonzept für den Menschen noch weit entfernt und niemand kann sagen, ob es auch wirklich klappen wird.

Die Diskussion um das sog. „therapeutische Klonen" ist ein Paradebeispiel dafür, wie man ein Thema auf der „Mitleidschiene" mit armen Kranken zu einer breiten Akzeptanz führen kann.

Dabei kennt man nicht einmal die zugrunde liegenden Mechanismen, aber man tut so, als sei bereits morgen mit therapeutischen Erfolgen zu rechnen. Eine ganze Reihe wesentlicher Probleme der embryonalen Stammzellen-Forschung sind noch ungelöst. So muss z. B. eine 100%ige Reinheit der Kulturen garantiert sein, schreibt Prof. Linus S. Geisler, damit bei der Übertragung embryonaler Stammzellen keine Tumore ausgelöst werden! Es sei seit langem bekannt, dass undifferenzierte frühe embryonale Zellen nach der Verpflanzung Mischtumore oder Karzinome auslösen könnten. Die krebsige Entartung des Transplantats wolle man mit sog. Suizid-Genen verhindern. Prof. Geisler schreibt, wenn von Krebstherapie durch embryonale Stammzellen in Zukunft die Rede ist, sollte ihre potentielle krebserzeugende Wirkung nicht verschwiegen werden. Ebenso muss die Virenfreiheit der Zellkulturen sichergestellt sein.

Diese wenigen Aspekte für sich genommen zeigen schon, wie trügerisch gewisse Hoffnungen sind, aber auch, wie bemüht man um eine breite Akzeptanz für diese grenzüberschreitenden Forschungen und Manipulationen ist.

Die ganzen trügerischen Verheißungen von mehr „Lebensqualität" lassen sich wissenschaftlich nur dann möglicherweise oder teilweise verwirklichen, wenn für die Forschungen Massen von menschlichen Eizellen zur Verfügung stehen.

Um einen Klon zu erzeugen, sind nach tierexperimentellen Erfahrungen Hunderte von Eizellen erforderlich, was bedeutet, dass Millionen menschlicher Eizellen benötigt würden.

Aber „woher nehmen, wenn nicht stehlen"? Die hormonelle Stimulation der Eierstöcke zu einer Superovulation und die „Aberntung" der Eizellen ist nicht unproblematisch. Hierbei kann es zu einem sog. ovariellen Hyperstimulationssyndrom kommen. Je nach Schwere kommt es zu Flüssigkeitsansammlungen in Herzbeutel und Bauchraum, Thrombosen und Versagen von Kreislauf-, Nieren-, Lungen- oder Leberfunktion. Sogar Todesfälle wurden in einzelnen Fällen bei zuvor gesunden jungen Frauen beschrieben, so Prof. Linus S. Geisler. Der „Bedarf" ist aber wohl auch mit diesen konventionellen Methoden nicht zu decken. Die Jagd nach anderen Möglichkeiten ist bereits angelaufen: Es gibt ein Internet-Angebot von amerikanischen Agenturen für Eizellen zu Preisen von 6.000 US-Dollar an aufwärts und Tauschangebote aus England, in denen eine In-vitro-Befruchtung gegen Abgabe der Hälfte der Eizellen kostenlos zu haben ist.

  • Im Juli 1999 bot eine Londoner Privatklinik Frauen eine unentgeltliche Sterilisation an - im Gegenzug für die Überlassung der Eier, berichtet Prof. Geisler.

  • Ungefähr 20.000 menschliche Eizellen ließen sich aus den Eierstöcken einer bei einem Autounfall als hirntot erklärten Frau gewinnen. Auf einer Konferenz wurde von dem Vorgehen von Laboratorien in den USA berichtet, die versuchten, Eizellen von im vierten oder fünften Monat abgetriebenen Mädchen zu gewinnen und zu verwerten. Auch könnten Eierstöcke nach Totaloperationen, in Nährlösungen gehalten, als Reservoir dienen.

Deshalb: Frauen aufgepasst !


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