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Embryonenhandel

Der Handel mit Embryonen

von Claude Jacquinot


Mit der nahezu weltweiten Freigabe der Abtreibung ist die Achtung vor dem menschlichen Leben rapide gesunken. So verwundert es nicht, dass der Körper des Menschen zu einem Kaufs- und Verkaufsobjekt, ja zu einem Ersatzteillager reduziert wurde. Besonders betroffen hiervon sind die ungeborenen Kinder. Im internationalen Handel werden von Industrie und Forschungseinrichtungen Höchstpreise für Embryonen gezahlt.

Auf ein austauschbares, anonymes Etwas reduziert, ist der menschliche Embryo heute Kaufs- und Verkaufsobjekt. Unter dem Deckmantel des Schweigens spielt sich weltweit ein wahrer Handel mit Embryonen ab. Die "Nachfrage" nach menschlichen Embryonen nimmt immer noch zu, und das "Angebot" kommt unter moralischen, kommerziellen und finanziellen Bedingungen zustande, die nicht geduldet werden dürfen.

Um den steigenden Bedarf von Forschungslaboratorien, pharmako-dermatologischen und kosmetischen Industrien zu decken, hat eine mächtige internationale Gruppe, deren Aufbau und Methoden so sehr derjenigen der Geheimdienste ähneln, dass man sie eher "Netz" nennen sollte, ihre Fäden kreuz und quer über Europa gespannt. Es sind dies Gesellschaften, die in Verbindung mit Banken stehen, und die ihren Wohlstand dem Handel mit "fötalem Material" verdanken.

Das Geheimnis, mit dem sich dieser Handel umgibt, trägt vielleicht am meisten zu seiner Entlarvung bei. Aus Angst vor der öffentlichen Meinung und vor dem Eingreifen des Gesetzgebers wird der Handel mit Embryonen, gleichgültig zu welchem Zweck, geschickt getarnt.

Professor André Boue vom Internationalen Zentrum des Kindes sagt über diesen Handel:

"Man sollte vermeiden, zu viel Aufmerksamkeit auf dieses Problem zu lenken. Wir könnten sonst bald vor einer restriktiven Gesetzgebung stehen, die jegliche ernsthafte Forschung verunmöglichen würde."

Diejenigen, die durch dieses Stillschweigen in Versuchung geführt werden, unter dem Vorwand der Ruhe und der Leistungsfähigkeit, sollten sich bewusst werden, dass ihre Ziele suspekt sind. Es ist wohl möglich, dass gewisse Experimente mit menschlichen Föten eines Tages therapeutischen Fortschritt ermöglichen könnten; die gegenwärtigen Missbräuche jedoch lassen uns schaudern. Diese Missbräuche werden erst durch die Wahrung des Stillschweigens ermöglicht. Die Lösung liegt also zunächst in der Forderung nach einer Öffnung, nach totaler Transparenz, wie sie Professor Albert Jacquard, Genetiker und Humanist, aufgestellt hat. Wie er glaube auch ich an den Begriff des mündigen Bürgers: Jeder Bürger muss wissen, was in seinem Namen in den Laboratorien geschieht, damit er darüber diskutieren und, wenn nötig, sich dagegen wehren kann.

Diejenigen Tatsachen, die zu einer schweren Beeinträchtigung der Menschenwürde führen könnten, müssen unbedingt öffentlich bekanntgemacht werden. Übergriffe auf das menschliche Leben müssen angezeigt werden. Angesichts gewisser Situationen der Unmenschlichkeit und der Ungerechtigkeit können wir nicht stumm bleiben. Es ist nicht notwendig, ein vollständiges Inventar jeglichen Handels und sämtlicher Manipulationen mit Embryonen zu erstellen, die heimlich zu Zwecken verwendet werden, welche dem Wohl der Menschheit zuwiderlaufen. Es genügt, einzelne Tatsachen zu erwähnen; sie bedürfen keines Kommentars.


Ein erster Handel mit Embryonen zu militärischen Zwecken hat sich entwickelt, dessen Ziele Tod und Zerstörung sind; Ziele, die nichts mit den Forderungen der Wissenschaft zu tun haben. Während mehrerer Jahre wurden Tausende von Föten in den ärmsten Ländern, zum Beispiel in Südkorea, gekauft, zum Preis von 25 Dollar pro "lebensfähigen" Embryo. 1983, anlässlich der 36. Sitzung der UNO-Menschenrechtskommission in Genf, hat der Delegierte Nordkoreas diesen Handel gegenüber einem französischen Experten der Vereinten Nationen, Louis Joinet, enthüllt. Eine amerikanische Gesellschaft hat diese Föten gekauft, die für militärische Laboratorien bestimmt waren, um damit bakteriologische Experimente zur Erforschung der Wirkung gewisser Bomben durchzuführen.

Philippe Pons, Korrespondent der Zeitung "Le Monde" in Südkorea, hat in einem Artikel mit der Überschrift "Embargo für Babys" ebenfalls über diesen Handel berichtet. Der Transport von Korea nach den USA wurde durch die Fluggesellschaft Japan Airlines durchgeführt.

Ebenfalls per Flugzeug wurden fötale Organe nach London verschickt, wo seit 1972 eine Bank für fötales Gewebe besteht: "The Fetal Tissue Bank" im Royal Marsden Hospital. Eine Umfrage bei den gerichtlichen Behörden hat ergeben, dass französische Ärzte bei dieser englischen Institution Bestellungen aufgegeben haben. Interdisziplinäre, stark strukturierte Forschergruppen haben verschiedene Untersuchungen an Embryonen durchgeführt, die durch Kaiserschnitt lebend entnommen worden waren, zum Beispiel in den Embryologie-Laboratorien der Universität Bordeaux. Biologen haben "Transplantationsversuche" gemacht, bei denen für eine einzige Gewebsübertragung einundzwanzig Föten verwendet wurden.

Um die Entnahme von fötalen Organen weiter voranzutreiben, möchten diese Forscher eine Koordination in der Art des "Euro-Transplant"  aufbauen, unter der Ägide eines "ethischen Komitees", das ihnen auf moralischer Ebene eine Garantie geben soll. Sie möchten den "Austausch" zwischen den verschiedenen europäischen Städten fördern, um von den Möglichkeiten zu profitieren, die sich ergeben, wenn ein Abort mittels Kaiserschnitt durchgeführt wird.

Man muss sich der Zusammenhänge, die zwischen der Verwendung von menschlichen Embryonen und fötalen Organen und dem sogenannten therapeutischen Abort bestehen, deutlich bewusst werden. Die angestrebte Generalisierung der Entnahme von embryonalen Organen führt unweigerlich zu einer unrechtmäßigen und banalisierten Zunahme der Aborte. Die Forscher betonen, dass die Organe bei toten Embryonen entnommen werden, sie vergessen jedoch zu erwähnen, dass diese Föten zuvor getötet wurden. In manchen Fällen nutzen Chirurgen die Gelegenheit, wenn eine Frau nach einer Abtreibung eine Sterilisation verlangt, den Uterus anlässlich der Tubenligatur zu öffnen und so zu einem intakten Fötus zu kommen. Die Technik der Aspiration wird nicht verwendet, da durch diese der Fötus total zerstört wird und somit nicht mehr verwendbar ist.

In der Bundesrepublik Deutschland haben die Behörden aufgrund eines Vorstoßes des hessischen Abgeordneten Roland Rösler ernsthafte Nachforschungen angestellt. Dadurch ist es ihnen gelungen, Verkäufe von Föten festzustellen, vor allem in Gießen und München. Während mehrerer Jahre hat ein Arzt in einem städtischen Krankenhaus von München ohne Wissen seiner Vorgesetzten Föten an eine private Gesellschaft verkauft, welche ihm 150, 200 und später 300 DM pro Fötus bezahlte. Aus anderen Untersuchungen geht hervor, dass Biologen in der Stadt Lich (BRD) menschliche Föten zur Herstellung von "cytotoxischen antiretikulären Seren" verwendet haben, welche die Zellregeneration fördern sollen ...


In anderen Ländern wurden menschliche Föten zu anderen Zwecken verwendet. Im Kinderspital Helsinki und auch in Cleveland (USA) wurden Föten um die 21. Schwangerschaftswoche enthauptet; die isolierten Köpfe wurden perfundiert, um den Kohlenhydratstoffwechsel im Gehirn zu untersuchen. In Italien versuchen Forscher, menschliche Föten in Gefäßen, welche als künstlicher Uterus dienen, zur Entwicklung zu bringen.

Ein besonderes Problem stellt die Verwendung von Föten dar, welche durch In-Vitro-Fertilisation entstanden sind. Es handelt sich dabei um "überzählige" Embryonen, die nicht in den Uterus implantiert wurden, und die heimlich für verschiedene Untersuchungen verwendet werden können. (Der Ausdruck "Experimentieren" wird tunlichst vermieden, da er eine Abwehrreaktion hervorrufen könnte. Die Forscher bedienen sich lieber des doppelsinnigen Ausdrucks "therapeutischer Versuch".) 

Die Presse hat die Projekte der Doktoren Patrick Steptoe und Robert Edwards aufgegriffen. Diese propagieren jetzt die Implantation von menschlichen Embryonen in den Uterus von Tieren (Kaninchen und Schafen), um die Technik der künstlichen Befruchtung zu verbessern. In Frankreich werden zum selben Zweck tiefgefrorene menschliche Embryonen aufbewahrt, im Labor für Tierphysiologie des nationalen landwirtschaftlichen Versuchsinstituts in Jouy-en-Josas, Seite an Seite mit Embryonen von Kälbern. Mensch und Tier könnten einander nicht besser gleichgestellt werden.

Ein internationales Unternehmen, die Gesellschaft Flow Laboratories Inc., floriert dank dem weltweiten Verkauf von Zellen, welche aus menschlichen oder tierischen Embryonen, ohne jegliche Unterscheidung, entnommen wurden. Diese Firma, die das "fötale Material" vertreibt, hat ihren Gesellschaftssitz in Virginia und steht in Verbindung mit einer Bank in Irvine, Schottland. Unter Bezugnahme auf den Katalog der "Flow"-Gesellschaft kann man Zellen von Embryonen weißer und schwarzer Hautfarbe, ganz nach Wunsch, bestellen. Für die Industrie, den Handel oder die Forschung stellen die Embryonen niemals menschliche Wesen dar. Die Eigenschaften eines menschlichen Wesens werden nur denjenigen zugestanden, die sich ihrer bedienen.

Kürzlich hat in Österreich ein Skandal Aufsehen erregt, nachdem ein Handel mit menschlichen Embryonen entdeckt worden war, die zur Herstellung von Schönheitsprodukten bestimmt waren. In der Wiener Poliklinik wurden die Embryonen zum Preise von 300 Schilling das Stück gehandelt. Ein Biologe von Weltruf, Professor André Lwoff, Nobelpreisträger, hat kürzlich in Frankreich die Verjüngungscremes ins Gespräch gebracht. Die Werbung für gewisse Hautbehandlungspräparate mit Embryo-Extrakten nimmt zu.

Die französiche Zeitung Le Quotidien de Paris hat für ein Schönheitspräparat der Marke `Collin´, "mit menschlichen Embryonen", Werbung betrieben. Eine Untersuchung hat ergeben, dass dieses Präparat durch die Expansion Biologique Francaise, eine Filiale von Elf Aquitaine, vertrieben wird. Der vorsitzende Generaldirektor dieser Kosmetika-Gruppe gab an, dass das verwendete "fötale Material" bei einer Gesellschaft in Monte Carlo gekauft worden sei, welche ihrerseits das "Ausgangsmaterial" bei einer großen Firma in der Gegend von Lyon gekauft habe. Es handelt sich hier um einen verdächtigen internationalen Umweg, der es den ursprünglichen Verkäufern ermöglicht, einen bedeutenden Gewinn zu erzielen, dank einem Kapitaltransport ins Ausland und unter Umgehung der geltenden Bestimmungen über die Wechselgeschäfte.


Angesichts dieser Geschäftemacherei, dieser Betrügereien, dieser Manipulationen wäre es illusorisch anzunehmen, einfach moralische Empfehlungen könnten genügen, um einer solchen Eskalation Einhalt zu gebieten. Es braucht einen Gesetzestext, um diese Verirrungen, diese Tötungs- und Verstümmelungspraktiken zu verhindern, deren Opfer die wehrlosesten aller menschlichen Wesen sind. Der Zivilisationsgrad eines Volkes lässt sich am gesetzlichen Schutz ermessen, den dieses den Schwächsten bietet.

Die wesentliche Bedeutung eines Verfassungstextes liegt in den Prinzipien, die er aufstellt, und die absolute Gültigkeit haben müssen. Unsere grundlegende Pflicht ist der Respekt vor dem Leben des Nächsten.

André Malraux, dieser "Amputierte des Ewigen", wie er sich in seinen "Antimemoiren" nannte, sagt uns:

"Der Menschlichkeit fehlt etwas Grundlegendes: eine Art geistiges Element, welches die technische Macht des modernen Menschen in Schranken hält."

Und Jean Rostand fügt hinzu:

"Der Mensch ist zu mächtig geworden, als dass er es sich erlauben könnte, mit dem Bösen zu spielen."

Es ist heutzutage notwendig, dass sich die Wahrheiten unseres Glaubens durchsetzen. Die Welt braucht Leute, die eine innere Sicherheit besitzen, Bürger, die das Recht auf menschliches Leben und das Recht des menschlichen Lebens bekannt machen.