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Friday
Fax, 7. Januar 2010, Jg. 13, Nr. 4
Das Internationale Bündnis für
Frauengesundheit veröffentlicht die zehn wichtigsten „Zugewinne" an
Frauenrechten 2009
Das Internationale Bündnis für Frauengesundheit (IWHC),
eine Gruppierung der Abtreibungslobby, beendete das Jahr 2009 mit einer
Auflistung der errungenen "Siege" im Bereich Frauengesundheit und
Frauenrechte: dazu zählen neben "reproduktiven Rechten" auch Rechte für
Homosexuelle und die Legalisierung der Prostitution. Die Definition für
"reproduktive Rechte" des IWHC schließt Abtreibung ein; die Organisation
betrachtet diese als "fundamental", damit eine Frau ihr Recht der Kontrolle
über den Körper, der Selbstbestimmung und der Bewahrung ihrer Gesundheit
verwirklichen könne.
Das IWHC lobt die ersten Amtshandlungen der Regierung
Obama im Bereich der "sexuellen und reproduktiven Rechte" - die Aufhebung
der Mexico-City-Politik, die erneute Finanzierung des Weltbevölkerungsfonds
(UNFPA) und die Schaffung eines neuen US-Büros für Globale
Frauenangelegenheiten - als einen der größten Siege des Jahres 2009.
Außerhalb der USA bedeutet die Verfassungsreform
Boliviens, die Männern und Frauen sexuelle und reproduktive Rechte einräumt,
die Hoffnung für das IWHC, dass auch andere lateinamerikanische Länder
diesem Beispiel folgen werden.
Auf internationaler Ebene wirbt das IWHC mit der
Resolution des UN-Ausschusses für Bevölkerung und Entwicklung (CPD), die den
Schwerpunkt auf die Menschenrechte - auch hinsichtlich der Sexualität -
legt, besonders auf "umfassende Sexualerziehung" und "Dienste der
reproduktiven Gesundheit für Heranwachsende". Solche Begriffe, die hier in
einem nicht-bindenden Dokument auftreten, stehen im Widerspruch zu
wiederholten Erklärungen einzelner Staaten, dass keine neuen Rechte
geschaffen werden sollten, insbesondere kein neues Recht auf Abtreibung.
Nicht erwähnt werden die Siege der Lebensrechtler,
besonders auch in lateinamerikanischen Ländern wie der Dominikanischen
Republik, Honduras und Peru. Diese widerlegen das Argument, dass sich eine
auf "Gewohnheitsrecht" beruhende globale liberale Norm zur Abtreibung
entwickle.
Eine Abstimmung der
UN-Vollversammlung zur "sexuellen Orientierung" offenbart einen Lagerwechsel
katholischer Länder
Eine Analyse der Abstimmung in der Vollversammlung der
Vereinten Nationen im Vormonat über eine Resolution zur Erweiterung der vor
Diskriminierung schützenden Kategorien zeigt, dass traditionell katholische
Länder sich den Progressiven angeschlossen haben.
Für die Streichung eines Bezugs auf den "Allgemeinen
Kommentar" im Vertragswerk stimmte ein siegreiches Bündnis aus konservativen
Ländern, hauptsächlich aus Afrika, der islamischen Welt und der
englischsprachigen Karibik. Die Verliererseite wurde angeführt von den
Ländern der Europäischen Union, Kanada, Australien, Neuseeland und den
Vereinigten Staaten.
Eine Anzahl lateinamerikanischer Länder - Argentinien,
Chile, Kolumbien, Costa Rica, die Dominikanische Republik, Ecuador, El
Salvador, Guatemala, Honduras, Mexiko, Panama, Paraguay, Peru, Uruguay - wie
auch die Philippinen stimmten für eine Beibehaltung des Bezugs, der als neue
Kategorie "sexuelle Orientierung" und "Gender-Identität" aufführt. Diese
Begriffe sind umstritten, weil sie weder klar definiert sind noch in ein
rechtlich-bindendes Dokument Eingang gefunden haben. Aktivisten nutzen dies
für ihre breitangelegte Homosexuellen-Agenda, was die Redefreiheit und
religiöse Freiheiten beschneiden könnte, wie bereits in Schweden, Kanada und
sogar den USA geschehen.
Über die Jahre hin gab es einen Wandel bei den
lateinamerikanischen Delegationen. Sie wurden mehr und mehr von den
Progressiven beherrscht, die sich bei der UNO für Programme einsetzten, die
in ihren eigenen Ländern auf Widerstand gestoßen wären.
Dieser Widerspruch trat auch bei der UN-Abstimmung zutage:
Die Dominikanische Republik, ein Pro-Life-Land, das erst kürzlich eine
Verfassungsänderung zum Schutz der traditionellen Ehe durchsetzte, und die
Philippinen, ein Land mit überwiegend katholischer Bevölkerung, stimmten
zugunsten der neuen Kategorien.
Dagegen waren das kommunistische Kuba und das
linksgerichtete Nicaragua für eine Entfernung des umstrittenen Bezugs.
Brasilien und Bolivien enthielten sich der Stimme, Venezuela blieb der
Abstimmung fern. Möglicherweise spielte hier eine Solidarisierung der
Entwicklungsländer eine größere Rolle als das beabsichtigte Ziel der
Resolution.
Friday
Fax, 14. Januar 2010, Jg. 13, Nr. 5
Kampf um den Vorsitz der
christlichen Partei im Europarat
Beim Kampf um die Führung der Europäischen Volkspartei
(EVP), der christ-demokratischen Gruppe in der Parlamentarischen Versammlung
des Europarats (PACE), steht der italienische Konservative Luca Volontè zwei
sozial-liberalen Politikern gegenüber: Corien Jonker von der holländischen
Christ-Demokratischen Allianz und Göran Lindblad von der schwedischen
Gemäßigten Partei.
Volontè ist ein langjähriger Kollege von Rocco
Buttiglione, Europas bekanntestem katholischen Politiker; er vertritt
ähnliche Positionen und arbeitet mit ihm in akademischen Workshops zur
Förderung der katholischen Soziallehre zusammen.
Der Holländer Jonker unterstützte dagegen im Jahr 2008
eine Resolution der PACE zur Förderung des Zugangs zu sicherer und legaler
Abtreibung in Europa. Er favorisiert auch die Rechte der Homosexuellen. Der
Schwede Lindblad, der beim Verfahren für dieselbe Resolution den Vorsitz
führte und deshalb selbst nicht mit abstimmen konnte, gratulierte dem
Ausschuß ausdrücklich zu seiner Arbeit.
Volontè teilte dem Friday Fax mit, wie wichtig ein
Vorsitzender sei, der sich für die Werte des Lebens und der Familie einsetze
und der die 201 EVP-Mitglieder in den nächsten zwei Jahren entsprechend
führen könne. Die PACE müsse wohl bald über zwei umstrittene Berichte
abstimmen: einmal zur "Diskriminierung auf der Basis der sexuellen
Orientierung und Gender-Identität" und zum anderen über die Feiern zum 15.
Jahrestag der Internationalen Konferenz über Bevölkerung und Entwicklung,
die vermutlich zu einem verstärkten Zugang zu "sicherer" Abtreibung
aufrufen.
Außerdem hat die Versammlung einen neuen Richter für den
Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (ECHR) zu wählen. Dafür stehen
als Kandidaten der Portugiese Joao Bosco Mota Amaral und der Spanier Pedro
Agramunt Font De Mora zur Verfügung, beide bekannt für ihren Einsatz zum
Lebensschutz.
Der gegenwärtige EVP-Vorsitzende György Frunda aus
Rumänien und der Franzose Jean-Claude Mignon geben ihre Ämter ab. Die Wahlen
finden am 25. Januar 2010 in der ersten PACE-Sitzung statt.
US-Außenministerin Clinton
kündigt einen Fünfjahresplan zur Finanzierung der Abtreibung an
In Washington kündigte US-Außenministerin Hillary Clinton
an, die USA würden in den kommenden fünf Jahren für die Förderung der
"reproduktiven Gesundheitsfürsorge und Familienplanung" als weltweites
"Grundrecht" gewaltige Summen bereitstellen. Bereits im vergangenen April
hatte Clinton geäußert, dies beinhalte auch Abtreibung.
Anläßlich des 15. Jahrestages der Internationalen
Konferenz für Bevölkerung und Entwicklung (ICPD) sagte Clinton, es
verblieben nur mehr fünf Jahre, um die Ziele der ICPD zu erreichen. Sie
betonte besonders die Wichtigkeit der Abtreibung als Komponente der
Außenpolitik Obamas. So sei eine der ersten Maßnahmen Obamas die Aufhebung
der Mexiko-City-Politik gewesen, die eine Finanzierung von Programmen der
Familienplanung sehr eingeschränkt habe.
Trotz Wirtschaftskrise kündigte Clinton an, der
US-Kongress habe kürzlich mehr als 648 Millionen US-Dollar der weltweiten
Unterstützung von Programmen für Familienplanung und reproduktive Gesundheit
gewidmet. Das "Herzstück" von Obamas Außenpolitik sei die Global-Health-Initiative
(GHI), für die in sechs Jahren insgesamt 63 Milliarden US-Dollar ausgegeben
werden sollen. Damit wird die Agenda der reproduktiven Rechte mit weltweiten
Gesundheitsbelangen verknüpft. Der Schwerpunkt der GHI, die beim
Weltwirtschaftsgipfel 2002 ins Leben gerufen wurde, ist die Bekämpfung von
HIV/AIDS, Tuberkulose und Malaria.
Bereits im Jahr 2007 war auf der Women-Deliver-Konferenz
Abtreibung mit der "Gesundheit von Mutter und Kind" verknüpft worden. Damals
wollten dieselben Gruppierungen Abtreibungsrechte auch mit den
Entwicklungszielen des Millenniums (MDGs) verknüpfen und in das fünfte
Entwicklungsziel (MDG 5) den "Allgemeinen Zugang zu reproduktiver
Gesundheit" einfügen, um so auch an die entsprechenden Geldmittel
heranzukommen.
Clinton sprach von "neuen Geldmitteln, neuen Programmen
und einer erneuten Verpflichtung, das fünfte Entwicklungsziel zu erreichen,
namentlich eine Verminderung der weltweiten Müttersterblichkeit und
allgemeinen Zugang zu reproduktiver Gesundheit". Dieses Ziel wurde jedoch
nie von der UN-Vollversammlung anerkannt, vielmehr im Jahr 2005 ausdrücklich
zurückgewiesen.
Friday
Fax, 21. Januar, Jg. 13, Nr. 6
Führender Abtreibungsanbieter
kassiert bei der Haiti-Krise, Lebensrechts-Mediziner antworten
Sofort nach dem Erdbeben, das vergangene Woche Haiti
verwüstete, nutzte die International Planned Parenthood Federation (IPPF)
die Krise, um Gelder für ihre Familienplanungsklinik im Land zu beantragen.
Carmen Barroso, die regionale Direktorin der IPPF, rechtfertigte dies damit,
dass die IPPF-Tochter Profamil bereits seit 1984 in Haiti arbeite, um die
sexuelle und reproduktive Gesundheitsfürsorge im Land zu verbessern.
Abtreibung ist in Haiti legal, aber sehr eingeschränkt. Profamil brüstet
sich damit, in einem einzigen Jahr (2005) 600.000 Kondome verteilt zu haben.
Auch sei in den Jahren 2003 bis 2005, in einer Zeit politischer und
wirtschaftlicher Instabilität, eine aggressive Verhütungskampagne
durchgezogen worden.
Laut jüngstem IPPF-Jahresbericht sind in der westlichen
Hemisphäre die Verkäufe von Verhütungsmitteln die zweitgrößte Einnahmequelle
nach den Patientengebühren, insgesamt mehr als 25 Millionen US-Dollar
jährlich. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der
Weltbevölkerungsfonds (UNFPA) gehören zu den führenden Geldgebern der IPPF,
und alle drei gehören einer Gruppierung an, die Familienplanung als
bevorzugten Weg zur Verminderung der Müttersterblichkeit propagiert.
Dies widerspricht einem lange bestehenden Konsens der
Mediziner, wonach ausgebildete Geburtshelfer und Notfallversorgung bei der
Geburt die besten Mittel sind, um die Müttersterblichkeit zu verringern.
Ein Team von Geburtshelfern der Lebensrechts-Organisation
"Matercare International" (MCI) kam nach Haiti, um eine Bedarfserhebung zu
leiten, die langfristige Hilfe für die Frauen Haitis bringen soll. Der
Direktor von MCI und Leiter des Teams, Dr. Robert Walley, teilte dem Friday
Fax mit, sie würden Geburtshilfe im Notfall für die Mütter zur Verfügung
stellen, da viele auf der Straße niederkämen. Die Folge sei eine enorme
Zunahme der Todesfälle bei Müttern.
Haiti ist das einzige Land der westlichen Hemisphäre, das
auf der UN-Liste der 25 bevorzugten Länder für Programme der
Müttergesundheit steht und deshalb ein Maximum an Verhütungsmitteln und
Diensten der reproduktiven Gesundheit erhält. Trotzdem hat Haiti eine der
höchsten Müttersterblichkeitsraten weltweit und die höchste in der
westlichen Hemisphäre. Während in den USA auf 100.000 Lebendgeburten
11Todesfälle kommen, liegt die Rate in Haiti bei 700 Frauen.
Verkannter Held der
Lebensrechte zieht sich nach langjährigem Dienst für den Vatikan zurück
Die Lebensrechtler bei der UNO verabschieden sich von
Kardinal Renato Martino, den sie als großen Helden der internationalen
Bewegungen für das Leben und die Familie betrachten.
Kardinal Martino diente von 1986 bis 2002 als Päpstlicher
Nuntius bei den Vereinten Nationen, einer Zeit, in der die Debatte um die
Abtreibung ihren Höhepunkt erreichte: 1994 bei der Internationalen Konferenz
für Bevölkerung und Entwicklung in Kairo und 1995 bei der
Weltfrauenkonferenz in Peking.
Vor der Kairoer Konferenz gab Papst Johannes Paul II.
mehrere Verlautbarungen heraus, in denen er die wachsende Bedrohung für das
Leben und die Familie herausstellte, die von jener Konferenz zu erwarten
sei. Er forderte Fachleute auf, nach Kairo zu gehen und den Heiligen Stuhl
und dem Lebensrecht verbundene Länder zu unterstützen. Daraus entstand die
Lebensrechtsbewegung bei den Vereinten Nationen. Gleichzeitig initiierte
Papst Johannes Paul II. ein wichtiges Bündnis zwischen muslimischen und
katholischen Staaten.Seit Kairo haben die Kräfte für das Leben in vielen
großen und kleinen Konferenzen erfolgreich Versuche der
Abtreibungsbefürworter blockiert, die Abtreibung zu einem allgemeinen
Menschenrecht machen und Begriffe wie Familie, Gender usw. neu definieren
wollten. Kardinal Martino führte mit seiner Mannschaft die Vorgaben des
Papstes aus und war oft internationalem Spott ausgesetzt.
John Klink, langjähriger Verhandlungsführer des Heiligen
Stuhls bei den Vereinten Nationen, erinnert sich daran, dass er Kardinal
Martino um Anweisungen für eine bevorstehende Verhandlung gebeten hatte.
Dieser antwortete: "Befolgen Sie das Evangelium." Klink weiter: "Seine
Leitung und Unterstützung führten zu Siegen für das Leben und die Familie in
einer Konferenz nach der anderen. Millionen Menschen haben davon profitiert,
dass Seine Eminenz sich nicht drückte, wenn er etwas als richtig erkannt
hatte."
Martino verließ die UNO im Jahr 2002 und kehrte nach Rom
zurück, wo er zum Präsidenten des Päpstlichen Rats für Gerechtigkeit und
Frieden ernannt wurde. Im Jahr 2003 wurde er durch Papst Johannes Paul II.
zum Kardinal erhoben. Im Päpstlichen Rat förderte Martino persönlich die
Herausgabe des "Kompendiums der Soziallehre der Kirche" (2004), das in 38
Sprachen übersetzt und in 56 Ländern gedruckt wurde. Er gründete auch die
Sankt-Matthäus-Stiftung, die weltweit Projekte zur Armutsbekämpfung, zur
Kindererziehung und zur Hilfe für kranke, arme und behinderte Kinder
unterstützt.
Unermüdlich im Kampf für die ungeborenen Kinder, drängte
Kardinal Martino im Jahr 2007 alle Katholiken, kein Geld mehr für Amnesty
International zu spenden wegen dessen Befürworten der Abtreibung als
Menschenrecht. Er intervenierte auch, um das Leben von Terry Schiavo zu
retten, einer amerikanischen Wachkoma-Patientin, der die Ärzte auf
richterliche Anordnung hin im Jahr 2005 Nahrung und Wasser verweigerten, was
unweigerlich ihren Tod bedeutete.
Anmerkung der AKTION
LEBEN: Wegen längerer Erkrankung der
Übersetzerin werden die folgenden Friday Faxe in stark gekürzter Fassung
wiedergegeben.
Friday
Fax, 28. Januar 2010, Jg. 13, Nr. 7
Jüngstes IPPF-Dokument fordert
“Sexuelle Rechte” für Heranwachsende
Aus dem jüngsten Bericht der International Planned
Parenthood Federation (IPPF) ist zu entnehmen, dass sie „umfassende
Sexualerziehung“ für nur zehn Jahre alte Kinder einführen will, wofür
Regierungen, religiöse Institutionen und die Gesellschaft allgemein sorgen
sollen. In einem Vorwort hat Bert Koenders, zuständig für Zusammenarbeit und
Entwicklung in den Niederlanden, behauptet, junge Menschen hätten das Recht,
umfassend über Sexualität informiert zu sein und Zugang zu Verhütungsmitteln
und anderen Leistungen zu haben. Diese Rechte seien angeblich in mehreren
international anerkannten Abkommen und Verträgen verankert, aber leider noch
nicht allgemein umgesetzt.
Die Wissenschaftlerin in Familienfragen Pat Fagan sagt
dazu, die Linke habe es auf die Kinder abgesehen und wolle sie ruinieren ehe
sie Teenager werden.
Ein Rechtsgelehrter weist
warnend darauf hin, dass das Thema Abtreibung eine Nation spalten kann
Der in Sachen Leben und Familie anerkannte Gelehrte Robert
George von der Princeton Universität hat in seiner Rede, die nach dem
jährlich stattfindenden „Marsch für das Leben“ beim sogenannten
„Rosen-Dinner“ gehalten wurde, dargelegt, dass die Entscheidung des Obersten
Gerichtshofes im Jahre 1973 zugunsten der Legalisierung der Abtreibung zu
tiefgreifenden gesellschaftlichen Verwerfungen und noch nie dagewesenen
politischen und religiösen Allianzen geführt habe. Diese seien aufgerufen,
den Kampf anzuführen um die „Seele“ der Nation, wenn dieses Urteil einmal
revidiert werde. „Abtreibung und Embryo verbrauchende Forschung seien die
Kernpunkte der Trennung zwischen den großen politischen Parteien des
Landes.“ Mit diesen Äußerungen spornte er die Unterstützung für den
Kernpunkt Lebensrecht bei den Republikanern an und zog zugleich unzufriedene
Demokraten ins republikanische Lager
Friday
Fax, 4. Februar 2010, Jg. 13, Nr. 8
Ein Lebensrechtler übernimmt
den Vorsitz der Christlichen Partei
Luca Volontè, italienischer Lebensrechtler, wurde zum
Vorsitzenden der Europäischen Volkspartei (EVP), der christ-demokratischen
Gruppe in der Parlamentarischen Versammlung des Europarats (PACE), gewählt.
Sogleich nach der Übernahme seines Amtes standen dort die gewohnten
kontroversen Themen zur Debatte. Dank des koordinierten Widerstandes durch
die EVP wurde ein Bericht, der sich mit der <Diskriminierung aufgrund
sexueller Orientierung> befasste, zurückgezogen und an das Komitee für
juristische und Menschenrechtsfragen der PACE weitergeleitet.
Die Mitgliedstaaten der
Vereinten Nationen debattieren Einzelheiten zur neuen Über-Behörde für
Frauen
Im vergangenen Herbst hat die Vollversammlung der
Vereinten Nationen beschlossen, die bestehende Gender-Struktur (gender
architecture) zu erneuern, indem sich die vier bestehenden Abteilungen für
Frauenfragen zusammenschließen und eine neue große Behörde etabliert wird.
Wie diese aussehen und finanziert werden soll, muss noch erarbeitet werden.
Friday
Fax, 11. Februar 2010, Jg. 13, Nr. 9
Eine chilenische Studie zur
Müttersterblichkeit widerlegt die Behauptungen der Abtreibungsbefürworter
Erste Erkenntnisse eines Biomediziners zur auffallenden
Senkung der Müttersterblichkeit in Chile in den letzten fünfzig Jahren
scheinen die Behauptungen der Abtreibungsbefürworter zu widerlegen, dass die
Liberalisierung der Abtreibungsgesetze notwendig sei zur Senkung der
Müttersterblichkeit.
Die Rate sank von 275 Todesfällen auf 100 Lebendgeburten
im Jahre 1960 auf 18,7 Todesfälle im Jahr 2000, was der größten Abnahme in
einem lateinamerikanischen Land entspricht. Dr. Elard Koch, Epidemiologe an
der medizinischen Fakultät der Universität von Chile, führt dies auf die
chilenischen Maßnahmen für eine <sichere Schwangerschaft> (nicht <sichere
Abtreibung>!) und Geburtshilfe in einer klinischen Einrichtung unter
fachkundiger Assistenz zurück.
Die Vorbereitung eines weiteren
Menschenrechts-Abkommens der Vereinten Nationen zum Alter stößt auf
Widerspruch
Ein Zusammenschluss privater Organisationen (sog.
Nichtregierungsorganisationen – NGOs) hat ein neues Abkommen für die
Menschenrechte älterer Personen sowie den Posten eines Sonderbeauftragten
vorgeschlagen. Zu den Initiatoren zählt auch die einflussreiche
Amerikanische Vereinigung der Rentner (American Assoziation of Retired
Persons – AARP). Aber es gab auch Widerspruch angesichts von Sonderrechten,
die relativierend wirken würden in Bezug auf die Allgemeinen Menschenrechte.
Friday
Fax, 18. Februar 2010, Jg. 13, Nr. 10
Die Konferenz in Afrika der
IPPF dringt auf Abtreibung und Jugendsex
Die International Planned Parenthood Federation (IPPF) war
Gastgeberin der „4. Afrika-Konferenz für Sexuelle Gesundheit und Rechte“ in
der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba. Hauptthemen waren die Förderung der
Sexualerziehung, sexuelle Rechte für junge Menschen und eine Verknüpfung
zwischen „sexuellen Rechten“ und „reproduktiven Gesundheitsrechten“, wobei
traditionelle kulturelle und religiöse Normen zur menschlichen Sexualität
verändert und Abtreibung auf Verlangen in ganz Afrika legalisiert werden
sollen. Als Redner traten Vertreter der einschlägigen Lobby-Gruppen auf,
u.a.: die Präsidentin der IPPF, Dr. Jaqueline Sharpe, ein Vertreter des
UN-Generalsekretärs, der Vorsitzende der Kommission der Afrikanischen Union,
der Leiter von UNAIDS, der Leiter des UN-Entwicklungsfonds für Frauen
(UNIFEM) in Afrika sowie der Leiter des Verbindungsbüros des
UN-Bevölkerungsfonds (UNFPA).
Ein Abgeordneter des
US-Kongresses fordert UN-Delegierte auf, das Leben zu respektieren
In einer Rede bei den Vereinten Nationen hat sich der
Abgeordnete von New Jersey und bewährte Kämpfer für das Leben, Christopher
Smith, an die Vertreter von mehr als 30 Nationen gewandt und diese
aufgefordert, das universelle Recht auf Leben, wie es in der Allgemeinen
Erklärung der Menschenrechte festgeschrieben ist, zu respektieren,
einschließlich der ungeborenen Kinder.
Bei der Zusammenkunft, die von Focus on the Family (Die
Familie im Blick) einberufen worden war, ermutigte Smith als Hauptredner die
Delegierten, dem Druck von UN-Behörden und privaten Organisationen (NGOs) zu
widerstehen, die „Abtreibung zu legalisieren, zu erleichtern und den Zugang
hierzu zu erweitern“.
Friday
Fax, 25. Februar 2010, Jg. 13, Nr. 11
6 000 werden bei der jährlichen
UN-Konferenz der Feministen nächste Woche erwartet
Tausende Teilnehmer werden in der kommenden Woche im
UN-Hauptquartier erwartet, wenn die jährliche Tagung der Kommission zur
Stellung der Frau (CWS) stattfindet. In Vorbereitung auf das Treffen haben
radikale feministische Gruppen Stellungnahmen vorbereitet und ausgefeilt, um
sie den Delegierten zu unterbreiten. In diesem Jahr wird der 15. Wiederkehr
der Peking-Konferenz zu Frauenfragen gedacht. 1995 wurde damals versucht,
ein „Recht“ auf Abtreibung auf Verlangen durchzusetzen, was fehlschlug, weil
die Regierungen deutlich machten, dass kein neues Recht – vor allem kein
neues „Recht“ auf Abtreibung – in Peking etabliert werden sollte.
Friday
Fax, 4. März 2010, Nr. 12, Jg. 13
Bei der
Peking+15-Konferenz fordern Frauen mehr Gelder für die neue UN-Überbehörde
zu Genderfragen
In dieser
Woche tagte wie jedes Jahr die UN-Kommission zur Stellung der Frau (CSW) in
New York und gedenkt der 15. Wiederkehr der Pekinger Frauenkonferenz (Peking
1995). Während die Delegationen vermutlich die Umsetzung der
Entwicklungsziele des Millenniums in den Ländern thematisieren werden, ist
der Streit entbrannt über Aufbau und Finanzierung der neuen Superbehörde für
Frauen, der im Wesentlichen die vier großen UN-Vereinigungen zugeordnet
werden, die sich mit Frauen- und Gender-Themen befassen: die Abteilung zur
Förderung der Frauen (Division for the Advancement of Women), der UN-Entwicklungsfonds
für Frauen (United Nations-Development Fund for Women), das Internationale
Forschungs- und Ausbildungsinstitut zur Förderung der Frau (International
Research and Training Institute for the Advancement of Women) und das Büro
des Sonderberaters für Genderfragen (the Office of the Special Advisor on
Gender Issues).
Afrikanerinnen befürchten, diese neue Behörde werde sich vor allem mit
Themen der westlichen Feministen beschäftigen anstatt mit dem, was
afrikanische Frauen wirklich brauchten. Sicher ist, wohlhabende US- und EU-Feministen
kümmern sich wenig um die Belange afrikanischer Frauen.
Ein
Bericht zur Alterung der Bevölkerung warnt vor den fatalen Folgen des
Geburtenrückgangs
Der „Bericht zur Alterung der Bevölkerung 2009“, der im Dezember von der UN-Abteilung Bevölkerung, zuständig für statistische Erhebungen der UN-Abteilung für Wirtschaftliche und Soziale Angelegenheiten (DESA), veröffentlicht wurde, weist darauf hin, dass der weltweite Trend des Geburtenrückgangs und der Überalterung fatale wirtschaftliche und gesellschaftliche Auswirkungen auch auf die Entwicklungsländer haben wird, vor allem für die Frauen, die Zielscheibe von UN-Behörden sind zwecks weiterer Reduzierung der Fruchtbarkeit, wobei das Problem in erster Linie durch Bevölkerungsprogramme verursacht wurde.
Friday
Fax, 11. März 2010, Nr. 13, Jg. 13
Unterschiedliche Ansichten zur Reduzierung der Müttersterblichkeit prallen
bei der Peking+15-Konferenz aufeinander
Mehr als
jedes andere Thema stand die Reduzierung der Müttersterblichkeit im
Brennpunkt des diesjährigen Treffens der UN-Kommission zur Stellung der Frau
(CSW). Während alle die Notwendigkeit der Verbesserung der Gesundheit der
Frauen und die Reduzierung der Müttersterblichkeit bejahen, traten zwei
unterschiedliche Vorgehensweisen zutage – wobei die eine Seite auf
Abtreibung setzt.
Während
die Regierungen auf die Bedeutung der Erreichung der Entwicklungsziele des
Millenniums bis 2015 hingewiesen wurden, haben Regierungsdelegationen und
UN-Vertreter den fehlenden Fortschritt beim 5. Ziel, der Verbesserung der
Müttergesundheit, beklagt.
Pfadfinderinnen vertreiben ein Sex-Buch von Planned Parenthood beim UN-Treffen
Die
Weltvereinigung der Pfadfinderinnen und Pfadfinderführer lud im Rahmen des
Jahrestreffens der CWS, das in dieser Woche zu Ende ging, zur Begegnung ein,
wobei Erwachsene ausgeschlossen waren. Dabei durfte die International
Planned Parenthood Federation (IPPF, bei uns als „Pro Familia“ aktiv) eine
Broschüre auslegen, die sich unter dem Titel „Gesund, glücklich und scharf“
(Healthy, Happy and Hot) in erster Linie an junge Menschen mit HIV wendet
und sowohl detaillierte Sexdarstellungen enthält als auch für freien Sex in
vielerlei Spielarten wirbt.
Sonderfax
des C-FAM, 16. März 2010
Auf die
obige Meldung erreichte eine Welle besorgter und empörter Reaktionen die
Redaktion des C-FAM. Dessen Präsident Austin Ruse legt dar, dass es keinen
Zweifel an der Richtigkeit der Meldung geben könne, die von der Vereinigung
der Pfadfinderinnen als nicht zutreffend bezeichnet wurde. Die beanstandete
Broschüre stamme von einer der vorher tagenden Gruppen.
Ruse
führt aus, dass die Pfadfinderinnen die erste Gruppe am Morgen waren und
keine der am Tag zuvor im gleichen Raum stattfindenden Konferenzen in
irgendeiner Weise mit der Zielgruppe der Broschüre zu tun hatte, die auf
Jugendliche zugeschnitten ist. Die Informantin, Sharon Slater von der
familienfreundlichen UN-Organisation “Family Watch Unternational”, durfte
zwar wegen des Ausschlusses Erwachsener nicht unmittelbar an dem Treffen
teilnehmen, hielt sich aber vor dem Raum auf und betrat ihn unmittelbar nach
Öffnung der Türen.
Bezeichnend ist, dass sich die Vereinigung der Pfadfinderinnen nicht
offiziell von der Broschüre distanziert hat. Deren Beziehung zur IPPF geht
auch aus einem Interview der Leiterin der Amerikanischen Pfadfinderinnen,
Kathy Cloninger, im Jahr 2004 hervor.
Friday
Fax, 18. März 2010, Nr. 14, Jg. 13
Die enge
Verbindung der Pfadfinderinnen zur IPPF hat Tradition
Der
Skandal um die Sex-Broschüre der International Planned Parenthood Federation
(IPPF) bei dem UN-Treffen der Weltvereinigung der Pfadfinderinnen und
Pfadfinderführer zieht weitere Kreise. Die Vereinigung verneint weiterhin
jede Beteiligung und bietet unterschiedliche Varianten an: Man habe die
Broschüre weder verteilt – was nie behauptet wurde, aber sie war ausgelegt
und damit angeboten – noch habe man alle „Papierkörbe“ überprüft, ja, die
Broschüre sei gar nicht im Raum ausgelegt gewesen.
Die
Zusammenarbeit mit der IPPF ist vielfach belegt. Vor 14 Jahren sponserten
die Pfadfinderinnen eine Konferenz in Waco, Texas, zum Thema Sexualerziehung
zusammen mit der IPPF, wobei ein Sexkundebuch an die Schüler verteilt wurde
mit dem Titel „Es ist völlig normal“, in dem für Masturbation geworben und
Abbildungen von kopulierenden Paaren sowie ein Jugendlicher gezeigt wurden,
der ein Kondom überzieht. Ferner wurden 9 Gründe für eine Abtreibung
angegeben. Die Zusammenarbeit in Sachen Familienplanung und “reproduktiver
Gesundheit Jugendlicher” lässt sich bis zum Jahr 1990 verfolgen. Auch
personell gab es Verquickungen mit der IPPF.
Auf der
Webseite der Pfadfinderinnen zur gerade zu Ende gegangenen Konferenz der CSW
werden „sexuelle und reproduktive Rechte“ eingefordert, einschließlich
Verhütung und Notfall-Verhütung zur Vermeidung unerwünschter
Schwangerschaften sowie Zugang zu Abtreibung. Es werden erste Stimmen laut,
die amerikanischen Pfadfinderinnen sollten sich vom Weltverband lösen.
Die
Frauenkonferenz endet mit einem “Nein“ zur Abtreibung
Die zwei
Wochen dauernde diesjährige Sitzung der CSW endete mit einer Entschließung
zur Müttersterblichkeit, in der das Wort „Abtreibung“ nicht vorkommt. Die
Delegationen waren in bisweilen hitzige Debatten verwickelt über Begriffe
wie „reproduktive Rechte“, die benutzt werden könnten zur Kaschierung der
Abtreibung, was Vertreter Chiles, des Iran und Santa Lucias ausdrücklich
ausschließen wollten.
Die EU
zeigte sich gespalten, wobei Malta, Polen und der Heilige Stuhl Abtreibung
nachdrücklich verwarfen. Malta wandte sich auch gegen den Begriff „unsichere
Abtreibung“ im Entwurf, denn dies unterstelle, es gebe Abtreibung ohne
physische und psychische Risiken und das Lebensrecht des Ungeborenen werde
negiert.
Viele
Delegationen besonders unter den Lebensrechtlern beschwerten sich wegen
mangelnder Transparenz und fehlender Information vorab sowie massiven Drucks
durch die USA, Einwände fallen zu lassen. Die Resolution wurde schließlich
einstimmig angenommen.
Friday
Fax, 25. März 2010, Nr. 15, Jg. 13
Der
Westen setzt Nikaragua weiterhin unter Druck zugunsten von
Abtreibungsgesetzen
Vor 4
Jahren hat das Parlament von Nikaragua einstimmig ein Gesetz erlassen, das
Abtreibung ohne Ausnahme unter Strafe stellt. Nun wurde es beim UN-Menschenrechtsrat
(CHR) in Genf von 11 Staaten unter Druck gesetzt. Mit von der Partie war
auch Amnesty International mit der Forderung einer „vollständigen
Legalisierung der Abtreibung“, obwohl es offiziell verlauten ließ, man nehme
keine Bewertung bezüglich Abtreibung vor, ob diese richtig oder falsch sei.
Obwohl
erste Erkenntnisse darauf hinweisen, dass die Müttersterblichkeit durch das
Abtreibungsverbot verringert wird, hält der Druck auf Nikaragua durch UN-Behörden,
Geberländer und private Verbände (NGOs) an.
Im
Vormonat hat sich Nikaragua der Überprüfung der Einhaltung der
internationalen Menschenrechte durch den CHR unterziehen müssen, der
Verletzungen der Menschenrechte aufgreift und alle Länder im Rhythmus von 4
Jahren überprüft und Empfehlungen gibt.
Ein
amerikanisches Anwaltsbüro verlangt von Kenia die Liberalisierung der
Abtreibung
Das
amerikanische „Zentrum für Reproduktive Rechte“ (CRR) in New York versucht
neuerlich, mit vorgeschobenen Hinweisen auf angeblich internationales Recht,
die Freigabe der Abtreibung weltweit durchzusetzen. „Schadensfall: Die
Folgen von Kenias restriktivem Abtreibungsgesetz“ heißt ein Bericht des CRR.
Das Land gibt sich eine neue Verfassung und soll dazu veranlasst werden,
seine Abtreibungsgesetze zu liberalisieren. Bisher ist Abtreibung erlaubt in
Fällen von Vergewaltigung, der Gefährdung des Lebens und der Gesundheit der
Mutter, was aber nicht immer umgesetzt wird. In den bisherigen Entwürfen für
eine Verfassung gibt es die Formulierung „Das Leben des Menschen beginnt mit
der Empfängnis“, aber auch Vorschläge mit einem gewissen Spielraum für
Ausnahmen.
Das CRR
verweist auf die hohe Müttersterblichkeit in dem Land und sieht die Ursache
in mangelnder Familienplanung, Verhütung und fehlendem Zugang zu „sicherer“
Abtreibung sowie der „Stigmatisierung“ der Abtreibung. Aber es wird auch die
mangelnde Hygiene, Ausstattung und Verfügbarkeit medizinischer Einrichtungen
und an Personal aufgezeigt. Laut einer Studie der
Weltgesundheitsorganisation hängt die Senkung der Rate nicht von der
Verfügbarkeit der Abtreibung, sondern von der Verfügbarkeit medizinischer
Leistungen ab.
Friday
Fax, 1. April 2010, Nr. 16, Jg. 13
Die
australische Regierung nimmt den Sonderstatus “Nicht-spezifiziertes”
Geschlecht zurück
Im
Vormonat machte die Regierung Australiens Schlagzeilen als erstes Land, das
offiziell ein drittes Geschlecht (neben männlich und weiblich) anerkannte.
Nur wenige Tage später nahm sie diese Entscheidung zurück, was heftige
Diskussionen über die Definition des Begriffs „gender“ hervorrief.
Auslöser
war der Fall eines Patienten, geboren in Schottland und als männlich
eingetragen. Nach 20 Jahren und einer Geschlechtsumwandlung, die ständiger
Einnahme weiblicher Hormone bedurfte, wurde die Einordnung „weiblich“
vorgenommen. Wegen wiederholter Unterbrechung der Hormoneinnahme mit
folgenden Veränderungen sahen sich die Ärzte nicht mehr in der Lage, die
Person zuzuordnen, worauf es zur Bezeichnung „sex not specified“ (Geschlecht
nicht spezifiziert) kam. Selbst bezeichnet sich der Patient als „androgyner
Anarchist“.
Ein UN-Papier
fordert doppelte Anstrengungen zugunsten von „moderner Familienplanung“ und
Abtreibung
Mit dem
Argument der Eindämmung der Mütter- und Kindersterblichkeit und des sozialen
Elends wird im jüngsten UN-Rapport, u.a. gesponsert vom Guttmacher
Institute, gefordert, die Entwicklungsländer sollten ihre Investitionen in
Familienplanung und Abtreibung auf den Umfang von 24 Milliarden(!) US-Dollar
jährlich verdoppeln. Daraus ist zu ersehen, dass die einflussreichen
Bevölkerungskontrolleure nicht die Lösung der eigentlichen Probleme, sondern
nur die Umsetzung ihrer Agenda verfolgen.
Friday
Fax, 8. April 2010, Nr. 17. Jg. 13
CEDAW
würde eine „radikale Veränderung des amerikanischen Rechts“ bedeuten
Anlässlich des 30. Jahrestages des CEDAW (Ausschuss für die Beseitigung der
Diskriminierung der Frau) hat Janet Benshoof, eine führende Feministin,
freimütig erklärt, die Ratifizierung dieses Abkommens durch die USA würde
als ein Machtinstrument „radikales internationales Recht“ einführen. Damit
würden alle Restriktionen bezüglich Abtreibung im heimischen Recht sowie in
Bezug auf Auslandsaktivitäten ausgehebelt.
Benshoof,
gegenwärtig Präsidentin des „Zentrums für Globale Gerechtigkeit“ (Center for
Global Justice) ist Gründerin des Abtreibung befürwortenden „Zentrums für
Reproduktive Rechte“ (Center for Reproductive Rights, vormals Center for
Reproductive Law and Policy).
Ein
UN-Richter fordert die Anklage des Papstes vor dem Internationalen
Strafgerichtshof
Geoffrey
Robertson, hochrangiger UN-Jurist, hat in London von der Regierung die
Festnahme des Papstes während seines bevorstehenden Besuchs in
Großbritannien gefordert. Er solle wegen „Verbrechens gegen die
Menschlichkeit“ vor den Internationalen Strafgerichtshof gebracht werden.
Das Verfahren im Falle des Kriegsverbrechers Slobodan Milosevic sollte auch
auf den Papst als Haupt der Römisch-Katholischen Kirche angewandt werden,
der letztlich verantwortlich sei für die Fälle von sexuellem Missbrauch von
Kindern durch katholische Priester.
Was
vermutlich nicht in den Medien zu hören ist: Robertson betreibt eine große
Anwaltskanzlei in London, die vor allem von Fällen sexuellen Missbrauchs
profitiert. Auch hat er jahrelang gegen den Status des Heiligen Stuhls bei
den Vereinten Nationen als Ständiger Beobachter agitiert.
Friday
Fax, 15. April 2010, Nr. 18, Jg. 13
Die
neueste weltweite Studie zeigt: Die Müttersterblichkeit ist geringer als
vermutet; die politischen Konsequenzen machen den Abtreibungsbefürwortern zu
schaffen
Jahrelang
haben die Vereinten Nationen, einschließlich des Kinderhilfswerks (UNICEF),
der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Weltbank mit falschen Zahlen
operiert und behauptet, jährlich stürben eine halbe Million Frauen durch
Schwangerschaft und Geburt, und sich für die sog. „sichere Abtreibung“ stark
gemacht. Nun hat die angesehene britische Zeitschrift für Medizin „The
Lancet“ in einer Studie die Zahl nach unten korrigiert und mit 342 900 für
2008 angegeben, Tendenz fallend. Vier Hauptgründe hierfür sind sinkende
Geburtenraten, höhere Einkommen und Ausbildungsstand der Frauen, steigende
Verfügbarkeit an grundlegender medizinischer Versorgung und geschultem
Personal.
50% der
Todesfälle kommen auf nur sechs Länder: Indien, Pakistan, Afghanistan,
Nigeria, Äthiopien und die Demokratische Republik Kongo. Überraschend die
Zunahme in drei der reichsten Länder: die Vereinigten Staaten, Kanada und
Norwegen, zugleich Länder mit den liberalsten Abtreibungsgesetzen überhaupt.
Nicht in
der Studie ausgewiesen sind die Sterbefälle durch Abtreibung. Sie liefert
jedoch keine Bestätigung für den von der Abtreibungslobby behaupteten
Zusammenhang von geringerer Müttersterblichkeit und Verfügbarkeit der
Abtreibung, im Gegenteil.
Der
Herausgeber von The Lancet äußerte gegenüber der New York Times, er sei
gedrängt worden, die Veröffentlichung der Studie hinauszuzögern bis nach der
laufenden Sitzung der UN-Kommission zu Bevölkerung und Entwicklung (CPD),
der Women Deliver-Konferenz im Juni und der nächsten UN-Vollversammlung im
September, die sich ebenfalls mit Müttersterblichkeit befassen wird.
Neu zu
wählende Ausschussmitglieder des CEDAW; die Kampagne zugunsten von
Abtreibungsbefürwortern läuft
Der
umstrittene Ausschuss für die Beseitigung der Diskriminierung der Frau, der
die Einhaltung des Abkommens gegen jede Form der Diskriminierung der Frau
(CEDAW) überwacht, bereitet sich auf die Wahl fast der Hälfte seiner
Mitglieder vor. Abtreibungsbefürworter wie die Gruppe „International Women‘s
Rights Action Watch“ (Internationale Aktion zur Überwachung der Rechte der
Frau) haben ihre Mitglieder aufgefordert, bei den Regierungen mit der
Lobbyarbeit zu beginnen, damit nur Mitglieder ernannt werden, die mit den
eigenen Zielen sympathisieren.
Friday
Fax, 22. April 2010, Nr. 19, Jg. 13
Verhandlungen in letzter Minute hinter verschlossenen Türen beim UN-Ausschuss
für Bevölkerung und Entwicklung rufen Verblüffung hervor
Beobachter versuchten verlegen herauszufinden, was bei den
Abschlussverhandlungen hinter verschlossenen Türen im Hauptquartier in New
York falsch gelaufen war. Nach drei Tagen Verhandlungsmarathon nahm der UN-Ausschuss
für Bevölkerung und Entwicklung (CPD) ein acht Seiten umfassendes Papier an
mit dem Titel „Gesundheit, Krankheit, Sterblichkeit und Entwicklung“. Trotz
Zusagen der Regierungen, dass Begriffe wie „Sexualerziehung“ und „reproduktive
Rechte“ nicht aufgenommen würden, wurden diese doch hineingeschmuggelt. Was
nicht auf geradem Weg erreicht werden kann, wird durch die Hintertür
eingeschleust.
Staatlich
finanzierte Abtreibung sei ein Menschenrecht, behauptet ein einflussreiches
Anwaltsbüro
Das für
die Freigabe der Abtreibung kämpfende Zentrum für Reproduktive Rechte (CRR)
behauptet, die internationale Rechtsauffassung des letzten Jahrzehnts weise
nicht nur ein internationales Recht auf Abtreibung, sondern auf staatlich
finanzierte Abtreibung aus. Und weiter: Die „grausame“ Debatte zum Thema
Gesundheitsfürsorge in den Vereinigten Staaten bezüglich Finanzierung der
Abtreibung setze sich über internationales Recht hinweg.
Friday
Fax, 29. April 2010, Nr. 20, Jg. 13
Ein neuer
Gesetzentwurf würde die letzten Hürden abbauen gegen die Finanzierung der
Abtreibung weltweit
Der dem
Repräsentantenhaus vorgelegte Gesetzentwurf würde international die
Finanzierung von Abtreibung, Verhütung und Sexualerziehung ausweiten und das
seit langem geltende sog. „Helms-Ergänzungsgesetz“, das den Einsatz
amerikanischer Auslandhilfe-Gelder zum Zweck der Abtreibung als Mittel der
Familienplanung oder als Anreiz oder Zwang zur Abtreibung untersagt, außer
Kraft setzen.
Wendy
Wright von „Concerned Women of America“ (Betroffene Frauen Amerikas)
bezeichnete den Gesetzentwurf als „eine Form ethnischer Säuberung“, denn es
sei mehr als unverantwortlich, Abtreibung zu exportieren zu den
unterprivilegierten Frauen, die niemals „sicher“, sondern gefährlich sei,
besonders in Ländern ohne ausreichende medizinische Versorgung, sauberes
Wasser und Penizillin. Minderjährige ab 10 Jahren würden zum Sex stimuliert
und damit der Gefahr tödlicher Krankheiten, der Ausbeutung durch Pädophile
preisgegeben und zu Kandidatinnen für Abtreibung gemacht.
Erneuter
Vorstoß zugunsten des umstrittenen Maputo-Aktionsplans in Afrika
In Addis
Abeba fand die Konferenz der Afrikanischen Union (AU) zu Fragen der
Gesundheit von Mutter und Kind statt. Es sollte die Möglichkeit diskutiert
werden, den nicht bindenden sog. Maputo Aktionsplan (PoA) um sexuelle und
reproduktive Gesundheit und Rechte zu erweitern. Der Plan läuft Ende des
Jahres aus und wurde vor allem von der einflussreichen Abtreibungslobby,
allen voran dem UN-Bevölkerungsfonds (UNFPA), instrumentalisiert, um der
Abtreibung Vorschub zu leisten.
Es ging
u.a. um die Erreichung der Entwicklungsziele des Millenniums durch
beschleunigte Reduzierung der Müttersterblichkeit auf dem Kontinent und vor
allem um die Verlängerung der Laufzeit bis zum Jahr 2015.
Ausgehend
von einer Sondersitzung der Gesundheitsminister der AU im Jahre 2006, sollte
der PoA drei Jahre Laufzeit umfassen. Er sah u.a. Abtreibungseinrichtungen
vor und war auf die Vermeidung unerwünschter Schwangerschaften und „unsicherer“
Abtreibung ausgerichtet, womit er von den Abtreibungsbefürwortern
favorisiert wurde als regionaler Sieg in Afrika auf dem Weg zu einem „Menschenrecht
auf Abtreibung“. Von den Befürwortern als Konsens gefeiert, gab es aber auch
Ablehnung von afrikanischen Staatsmännern und den Vorwurf des
Täuschungsmanövers durch den UNFPA und der Manipulation, weil abgesprochene
Textänderungen nicht erfolgten.
Neben dem Maputo Aktionsplan gibt es ein fast gleichlautendes Dokument, das Maputo Protokoll, ein regionaler Vertrag mit bindender Wirkung für die Unterzeichner-Staaten (27 von 53 AU-Mitgliedstaaten). Weitere Ratifizierungen stehen noch aus wegen Widerstands gegen die Legalisierung der „Abtreibung auf Verlangen“.
Friday
Fax, 6. Mai 2010, Nr. 21, Jg. 13
UNFPA und
Abtreibungsbefürworter wollen die “reproduktiven Rechte“ bei
Überwachungsausschüssen durchdrücken
Bei einem
bevorstehenden Treffen in Genf wollen die Abtreibungsbefürworter Amnesty
International (AI), das Zentrum für Reproduktive Rechte (CRR) und der
Bevölkerungsfonds (UNFPA) versuchen, bei zwei Ausschüssen, welche die
Einhaltung von UN-Verträgen überwachen, ein Recht auf Abtreibung als
Menschenrecht zu etablieren. In diesem Fall handelt es sich um die
Ausschüsse zum Abkommen gegen Folter (CAT) und den Internationalen Pakt über
Wirtschaftliche, Soziale und Kulturelle Rechte (ICESCR).
Auf der
Internetseite des CRR heißt es, beim CAT werde man sich auf die „Verletzung
der reproduktiven Rechte“ konzentrieren, wie etwa der „Verweigerung
reproduktiver Gesundheitsdienste, einschließlich Abtreibung und deren
Nachsorge“.
Kritische
Stimmen weisen darauf hin, dass der Begriff „reproduktive Rechte“ in keinem
bindenden UN-Vertrag steht, aber Delegierte diesen Begriff immer wieder an
Abtreibung koppeln, wenn er in einem Abschlussdokument oder einer Resolution
auf unterer Ebene auftaucht. UN-Beobachter haben festgestellt, dass
Überwachungskomitees, allen voran das zum Ausschuss für die Beseitigung der
Diskriminierung der Frau (CEDAW), in bisher mehr als 100 Fällen ihr Mandat
überschritten haben, indem sie Vertragsinhalte anders interpretierten und
Länder unter Druck setzten zwecks Legalisierung und Liberalisierung der
Abtreibung.
Auseinandersetzung beim G8-Gipfel wegen internationaler Finanzierung der
Abtreibung
Die
Auseinandersetzung darüber, ob die Finanzierung von Abtreibung Teil der
Initiativen für Müttergesundheit sein soll, hat die Medienberichterstattung
im Vorfeld des G8-Gipfels beherrscht. Dieser findet Ende Juni zum 36ten Mal
statt, in Huntsville, Kanada. Die gastgebende Nation wurde heftig von den
Vereinigten Staaten, Großbritannien, Abtreibung befürwortenden Verbänden
(NGOs) und den kanadischen Medien kritisiert, weil sie sich weigerte, das
Thema Abtreibung aufzunehmen.
Bereits
im Januar hatte die kanadische Regierung unter Premierminister Stephen
Harper ihre Absicht bekundet, beim Gipfel dem Thema Gesundheit von Mutter
und Kind als Entwicklungsziel Vorrang einzuräumen, was sofort den Widerstand
der Abtreibungslobby im Land hervorrief, weil Familienplanung und Abtreibung
nicht ausdrücklich genannt wurden. Es heißt, die Nicht-Erneuerung der
Verträge durch die Internationale Kanadische Agentur für Entwicklung (CIDA)
mit zwei der größten Abtreibungsanbieter, der International Planned
Parenthood Federation (IPPF) und Marie Stopes International, zur
Finanzierung von Abtreibung im Ausland sei die eigentliche Ursache für den
Protest.
Noch im
Februar und März bestätigten kanadische Regierungsbeamte, dass
Familienplanung und Abtreibung nicht Gegenstand der G8-Initiative zur
Gesundheit von Mutter und Kind seien, als sich die amerikanische
Außenministerin Hillary Clinton Ende März bei einem Treffen der
G8-Außenminister in Quebec einmischte. Für diese sind Müttergesundheit und
„reproduktive Gesundheit“ untrennbar verbunden, einschließlich Verhütung und
Familienplanung sowie der Zugang zu legaler, „sicherer“ Abtreibung. Die
gleiche Position vertrat der Außenminister Großbritanniens.
Obwohl
die kanadische Regierung beim Thema Familienplanung Zugeständnisse machte,
blieb sie in Sachen Abtreibung standfest.
Friday
Fax, 13. Mai 2010, Nr. 22, Jg. 13
Die
Kandidatin für den Obersten Gerichtshof der USA hegt Sympathien für den
Internationalismus
Elena
Kagan wurde von US-Präsident Obama für den Obersten Gerichtshof nominiert.
Eine Durchsicht der eher seltenen Veröffentlichungen und Äußerungen der
Kandidatin lassen das Bild einer liberalen Aktivistin entstehen, deren
Vorliebe für Auslandsrecht die Frage aufwirft, wie sie zur Verfassung der
Vereinigten Staaten steht.
Als erste
weibliche Rektorin der renommierten Harvard Law School spielte sie eine
entscheidende Rolle bei der Änderung der Lehrpläne des ersten Studienjahres.
Das Studium internationalen vergleichenden Rechtes wurde verpflichtend
gemacht, die Verpflichtung zum Studium der amerikanischen Verfassung
hingegen gestrichen.
(Letztlich geht es um die Frage der Vorrangigkeit im Verhältnis von
nationalem und internationalem Recht, ein Konflikt, der auch in der EU
existiert; Anm. d. Übers.)
Die
Konferenz Women Deliver 2 fordert weitere Milliarden Dollar für Abtreibung
Die
Folgekonferenz der ersten Women Deliver (deliver kann heißen: befreien;
liefern; Kinder zur Welt bringen u.a.m.) bringt im Juni in der Hauptstadt
Washington die Abtreibungslobby zusammen, um noch mehr Gelder locker zu
machen als in London im Jahr 2007.
Damals
stand die Gesundheit von Mutter, Neugeborenem und Kind sowie die Reduzierung
der Müttersterblichkeit im Vordergrund. Aber die Teilnehmer waren verblüfft
ob der Betonung der Abtreibung. Bei den meisten Diskussionen ging es um die
Finanzierung und Durchsetzung der „reproduktiven Rechte“, sprich Abtreibung
auf Verlangen.
Auch
jetzt liegt der Schwerpunkt auf Abtreibung; so heißt es, die dritte Säule,
um das Leben der Frau zu retten, sei der Zugang zur Abtreibung. Es gelte,
Hindernisse gegen die „reproduktiven Rechte“ aus dem Weg zu räumen, vor
allem durch Religion und bestehendes Recht.
Die Liste
der Organisatoren vereint alle bekannten Namen im Abtreibungsgeschäft: the
International Planned Parenthood Federation (IPPF), the Center for
Reproductive Rights (CRR), Human Rights Watch, the International Women’s
Health Coalition, Marie Stopes International, Ipas u.a. Als Sponsoren treten
auf der Ölriese ExxonMobil und die Pharma-Giganten GlaxoSmithKline und
Tibotec. Als Konferenzpartner und Geldgeber sind zu finden: der
Bevölkerungsfonds (UNFPA), die Weltgesundheitsorganisation (WHO), das
Kinderhilfswerk (UNICEF) und die Weltbank. Obwohl die Konferenz offiziell
keine Veranstaltung der Vereinten Nationen ist, hat sie doch die
Unterstützung vieler prominenter UN-Vertreter wie der Präsidentin des UNFPA,
Thoraya Obaid.
Friday
Fax, 20. Mai 2010, Nr. 23, Jg. 13
Portugal
legalisiert die Homo-Ehe, während der zu Besuch weilende Papst sie verwirft
Der
portugiesische Präsident Anibal Cavaco Silva hat nach seinem Veto im Januar
nun doch seine Entschlossenheit bekundet, ein Gesetz zur Legalisierung der
sog. Homo-Ehe zu unterzeichnen. Damit ist Portugal das sechste europäische
Land, das diesen Schritt vollzieht (nach den Niederlanden, Belgien, Spanien,
Norwegen und Schweden), und nur wenige Tage nach dem Besuch Papst Benedikts
XVI. in diesem vorwiegend katholischen Land. Der Papst hatte schon zuvor
diese Gesetzgebung als „Angriff auf den naturgegebenen Unterschied zwischen
Mann und Frau“ bezeichnet. Die sozialistische Regierung Portugals erhielt
Unterstützung von den Linksparteien. Die Opposition forderte eine
Volksabstimmung. Das portugiesische Verfassungsgericht jedoch entschied auf
Verfassungsmäßigkeit des Gesetzes.
Obwohl
das Land zu 90% katholisch geprägt ist, zeigt sich ein Trend weg von
katholischen Werten, nachdem es seit Jahren unter dem Druck von
Abtreibungsbefürwortern steht und 2007 seine Gesetzgebung zum Schutz des
Lebens zugunsten der Abtreibung liberalisiert wurde.
Die
gender-belasteten Yogyakarta-Prinzipien im Europarat
Zwei
Initiativen im Europarat zu sexueller Orientierung und Gender-Identität
gelten als erster großer Schritt, um die radikalen Yogyakarta-Prinzipien im
Rahmen internationaler Institutionen zu verankern.
Diese
Prinzipien von 2007 führen Menschenrechte an, die bereits in bindenden
internationalen Verträgen stehen, aber diese Rechte werden so interpretiert,
als ob sie die Rechte Homosexueller einschlössen. Außerdem sollen die
Prinzipien sicherstellen, dass die Meinungs- und Religionsfreiheit nicht die
„Freiheitsrechte von Personen mit unterschiedlicher sexueller Orientierung
und Gender-Identitäten“ verletzen.
Auch die
Empfehlungen des Ministerrates beziehen sich direkt auf diese Prinzipien,
indem es heißt, dass „weder Werte der Kultur, der Tradition noch der
Religion oder Regeln einer ‚Leitkultur‘ herangezogen werden dürfen zur
Rechtfertigung von Hassrede oder jedweder Form der Diskriminierung,
einschließlich aufgrund sexueller Orientierung oder Gender-Identität“. Da
ist von der Achtung für die Homo-Ehe und der Adoption durch homosexuelle
Paare die Rede.
Die
Resolution 1728 der Parlamentarischen Versammlung des Europarates wiederholt
wörtlich die Definition der Yogyakarta Prinzipien zur Gender-Identität. Der
konservativen Europäischen Volkspartei unter ihrem neuen Vorsitzenden, dem
Italiener Luca Volontè, gelang es, mehrere Änderungen einzubringen zur
Abschwächung der radikalsten Forderungen. So gibt es eine Ausnahme für
„religiöse Institutionen und Organisationen“ und es konnten neue Rechte
zugunsten von Homo-Ehe und der Adoption durch homosexuelle Paare verhindert
werden.
Bedenken
aber gibt es in Bezug auf die Aufnahme der „Hassrede“ in den Text, die so
weit gefasst und vage ist, dass daraus eine ernste Gefahr für religiöse
Prediger erwachsen kann.
Friday
Fax, 27. Mai 2010, Nr. 24. Jg. 13
Die
Vereinten Nationen haben es bei Konferenzen in Mexiko City und Tunesien
auf die
Jugend abgesehen
Die
Vereinten Nationen bereiten sich auf die Eröffnung des Jahres der Jugend
vor. Im August wird die Regierung Mexikos Gastgeberin der
Weltjugendkonferenz sein, die zwar keine offizielle UN-Konferenz sein wird,
aber von UN-Behörden unterstützt wird, darunter dem UN-Bevölkerungsfonds
(UNFPA), dem Kinderhilfswerk (UNICEF), dem UN-Entwicklungsprogramm (UNDP)
und der UNESCO.
Nachdem
die mexikanische Regierung sich um Unterstützung an die UN gewandt hat, gibt
es Bedenken wegen des Einflusses des UNFPA und dessen Fixierung auf die
„sexuellen und reproduktiven Rechte“ für Jugendliche. Zu erwarten ist, dass
er ihm passende private Organisationen (sog. NGOs) einlädt und die Kosten
übernimmt. Die Zulassungsmodalitäten sind derart gestaltet, dass Gruppen für
Lebensrecht und Familie kaum Zugang erhalten. Aber nicht nur der erschwerte
Zugang bereitet den Lebensrechtlern Sorge, sondern auch in Bezug auf
inhaltliche Ergebnisse und mögliche Dokumente.
Die
Konferenz hat zwei Foren, eines für die NGOs, das andere für
Regierungsvertreter und Politiker. Mit der Weltjugendkonferenz beginnt ein
Jahr, in dem die internationale Gemeinschaft auf die Jugend schaut. Die UN
planen ihre eigene globale Jugendkonferenz für den Juli 2011 in Tunesien.
Ein
Menschenrechtsaktivist fordert eine Überbehörde aller Kontrollausschüsse bei
den UN
Prof.
Michael O’Flaherty, zuständig für die Yogyakarta Prinzipien, möchte alle
Kontroll-Ausschüsse zur Überwachung der Einhaltung von Verträgen in einer
einzigen Behörde zusammenfassen, ohne die erforderliche Zustimmung der
Mitgliedstaaten einzuholen. Dies fordert er in einem Artikel, der in der
Juni-Ausgabe der Human Rights Law Review erscheinen wird, und der sich mit
dem Dublin-Statement beschäftigt, dem Ergebnis eines privaten Treffens im
November 2009.
Die
Handlungen und Empfehlungen der Kontrollausschüsse sind nicht bindend und
rein beratend. Jede signifikante Änderung in diesem System würde
gleichbedeutend sein mit einer Änderung bestehender Menschenrechtsverträge.
Das
Dublin Statement scheint dies zu erkennen und zugleich umgehen zu wollen.
Reformen, die Änderungen von Verträgen notwendig machten, sollten nur in
Angriff genommen werden, wenn die zu erreichenden Ziele nicht auf andere
Weise realisiert werden könnten. Einflussreiche UN-Behörden sollten ihre
Schlagkraft nutzen, um nicht bindende Empfehlungen auf regionaler Ebene
durchzusetzen.
Friday
Fax, 3. Juni 2010, Nr. 25, Jg. 13
Die
wissenschaftliche Debatte zur Müttersterblichkeit soll versteckt geführt
werden
Bei einem
Symposium der Universität Washington und der angesehenen britischen
Zeitschrift für Medizin The Lancet über die Forschungen zum Thema Gesundheit
von Mutter und Kind wurden die Fachleute von UN-Vertretern und
Abtreibungsbefürwortern aufgefordert, ihre Erkenntnisse zu „harmonisieren“
oder hinter verschlossenen Türen zu diskutieren. Damit sollte verhindert
werden, dass in der Presse Zahlen zur Müttersterblichkeit genannt würden,
die nicht mit den Zahlen übereinstimmen, die von den Lobbygruppen gegenüber
Politikern und wichtigen internationalen Geldgebern genannt werden.
Hierbei
tat sich besonders Ann Starr von der Abtreibung befürwortenden Organisation
mit dem irreführenden Namen „Internationale Fürsorge für Familien“ (Family
Care International - FCI) hervor. FCI hat die Organisation Women Deliver
gegründet, die kommende Woche eine Konferenz in Washington abhält, um mit
massiver UN-Unterstützung Gelder für die Arbeit zugunsten der „reproduktiven
Rechte“ zu sammeln.
Die
umstrittenen Zahlen zur Müttersterblichkeit wurden in einer Studie der
Zeitschrift widerlegt und mit 342 900 beziffert, 60 000 davon aufgrund von
HIV/AIDS. Seit zwanzig Jahren nennen die Abtreibungsbefürworter innerhalb
und außerhalb der UN die hohe Zahl von einer halben Million Todesfällen, um
Maßnahmen einschließlich vermeintlich notwendiger Abtreibung zu fordern.
Der
Herausgeber der Zeitschrift, Dr. Richard Horton, wies die Forderung nach
einem Konsens zurück mit dem Hinweis auf „eine wissenschaftliche Gesamtschau
gemäß den verfügbaren Beweisen“, und zwar unabhängig von den UN innerhalb
der Wissenschaft. Bei der Veröffentlichung der Studie sei er von Aktivisten
unter erheblichen Druck gesetzt worden, damit zu warten, bis wichtige
Konferenzen zur Geldbeschaffung weltweit abgeschlossen seien, darunter der
G8-Gipfel, die UN-Vollversammlung und die Frauenkonferenz Women Deliver der
kommenden Woche.
Ein
IPPF-Bericht fordert sexuelle Rechte für Jugendliche und bestätigt erneute
finanzielle Unterstützung durch die Vereinten Nationen
Der
Abtreibungsriese International Planned Parenthood Federation (IPPF) rühmt
sich in seinem jüngsten Finanzbericht vermehrter Ausgaben bei
Jugendprogrammen und einem erheblichen Anstieg an Geldern vom
UN-Bevölkerungsfonds (UNFPA) mit insgesamt 20% mehr als 2008. Im Vorjahr
brachte die IPPF 140 Millionen US-Dollar zusammen, mehrheitlich von
Regierungen, Schweden, Großbritannien und Japan an der Spitze mit einem
Anteil von 40%. Gelder von Stiftungen und multilateralen Organisationen
stiegen ebenfalls. Obwohl der UN-Bevölkerungsfonds nicht zu den größten
Geldgebern zählt, verdoppelte er seine Zahlungen an die IPPF (von 783 000
Dollar auf 1,36 Millionen).
Vermehrt
wird Geld für die Jugend eingesetzt, wobei ein zentrales Thema die
„sexuellen und reproduktiven Gesundheitsleistungen“ (sprich: Verhütung und
Abtreibung; Anm. d. Übers.) sind. Als die fünf Schwerpunkte werden genannt:
Heranwachsende/junge Leute, HIV/AIDS, Abtreibung, Zugang und Verfügbarkeit,
Werbung. Unter Heranwachsende sind Kinder von 10 bis 14 Jahren gemeint.
Die IPPF
startet auch eine weltweite Initiative mit dem Titel „Macht euch stark für
Sex und Schwangerschaft“, die sich an junge Frauen wendet zwecks „Verhütung
ungewollter Teenager-Schwangerschaften mit dem Angebot ‚sicherer‘ Abtreibung
und Hilfen bei Mutterschaft“. Die Aktivitäten bezüglich Abtreibung sind den
Zahlen nach um 5 Millionen Dollar gesunken, aber „Leistungen im Zusammenhang
mit Abtreibung“ haben sich seit 2005 verfünffacht, Leistungen zur Verhütung
verdoppelt.
Friday
Fax, 10. Juni 2010, Nr. 26, Jg. 13
Women
Deliver 2 ist ein Flop und endet mit Jammern
Die Women
Deliver 2-Konferenz in Washington DC mit 3000 Abtreibungsaktivisten hatte
sich zum Ziel genommen, weitere Finanzierung und Einbindung der Regierungen
für die Strategie zur Reduzierung der Müttersterblichkeit - einschließlich
Abtreibung - zu erreichen. Am Ende der Konferenz blieben mit den
zusätzlichen 1,5 Milliarden(!) US-Dollar der Bill & Melinda Gates Stiftung
die hohen Erwartungen von zusätzlich 12 Milliarden unerfüllt, auch in Bezug
auf das politische Engagement, im Unterschied zu der Konferenz von London
2007; denn es kam zu keinem Regierungsdokument, obwohl Parlamentarier und
Minister hinter verschlossenen Türen bearbeitet wurden. Es fehlten
offizielle Vertreter der US-Regierung trotz der räumlichen Nähe zum
Repräsentantenhaus.
Angesichts der jüngsten Studie vom April in The Lancet zur
Müttersterblichkeit, die geringere Zahlen auswies, versuchte die Leiterin
des Bevölkerungsfonds, Thoraya Abaid, ihre Mitarbeiter durch Vorgaben auf
eine Linie zu bringen gegenüber Öffentlichkeit und Presse, darunter dem
Hinweis „Schätzungen blieben Schätzungen“ und forderte die zusätzlichen 12
Milliarden jährlich, „um den ungedeckten Bedarf an Familienplanung“ zu
befriedigen.
Wie 2007
gab es unverändert Angriffe auf die Religion, besonders die katholische
Kirche, und auf „das religiöse Recht“ als Haupthindernis für die Agenda der
„reproduktiven Rechte“.
Man war
sorgfältig darauf bedacht, jegliche Opposition zu unterbinden. Als am
letzten Tag die Lebensrechtsorganisation National Right to Life Federation
vor dem Gebäude Taschen mit dem Aufdruck „Celebrate Motherhood“ (Feiert die
Mutterschaft) verteilte, die ein Modell des Fötus und Information zu
Strategien der Reduzierung der Müttersterblichkeit enthielten, schritt das
Ordnungspersonal ein, verrammelte den Eingang, verlangte Taschenkontrolle
und sammelte die beanstandeten Taschen trotz Protestes ein, um keine
Botschaft zugunsten des Lebens zuzulassen, obwohl man bei der Konferenz
vorgibt, Müttern helfen zu wollen.
Die
Führung der Vereinten Nationen gerät in Verwirrung angesichts des
zerbrochenen Konsens durch wissenschaftliche Auseinandersetzung zum Thema
Müttergesundheit
Die
tiefen Gräben zwischen hohen UN-Vertretern und Abtreibungsbefürwortern auf
der einen und Wissenschaftlern für Müttergesundheit auf der anderen Seite
bei der Women Deliver 2 Konferenz waren nicht zu übersehen. Sie drohten die
Hoffnungen zu zerschlagen, in den kommenden Monaten 30 Milliarden Dollar für
Familienplanung bei den bevorstehenden Konferenzen, dem G8-Gipfel und der
Nachfolgekonferenz der Entwicklungsziele des Millenniums im September zu
erhalten.
Während
die Leiterin der Weltgesundheitsorganisation, Margaret Chan, die gesetzlich
erlaubte Abtreibung als Schlüssel zur Reduzierung der Müttersterblichkeit
bezeichnete, kommt die Abtreibung in der wissenschaftlichen Studie von The
Lancet, auf die sie sich beruft, nicht vor. Die Leiterin des
UN-Bevölkerungsfonds, Thoraya Abaid, kündigte für September einen eigenen
UN-Bericht an. Der ranghöchste Statistiker der Weltgesundheitsorganisation,
Ties Boerma, hingegen meint, der UN-Bericht komme erst 2011 heraus und
räumte ein, er werde ähnliche Erkenntnisse aufweisen, wenn die gleichen
Daten zugrundegelegt würden. Das ist eher unwahrscheinlich aufgrund der
Verwerfungen zwischen den UN-Behörden, die bedacht sind auf
Konsens-Statistiken, und den auf Unabhängigkeit pochenden Wissenschaftlern.
Die
Wissenschaftler widersprechen sowohl der alten Behauptung, die
Familienplanung verbessere die Gesundheit der Mütter, als auch der Forderung
nach mehr Geld für Familienplanung, um schneller das Entwicklungsziel 5 des
Millenniums zu erreichen. Die Reduzierung der Müttersterblichkeit um 75% bis
2015 sei unrealistisch, weil sie „historischen Trends“ widerspreche.
Friday
Fax, 17. Juni 2010, Nr. 27, Jg. 13
Abtreibungsaktivisten behaupten ein neues Recht auf Müttergesundheit
Bei der
gleichen Women Deliver 2 Konferenz vergangene Woche kündigten Aktivisten die
Erreichung eines neuen internationalen Menschenrechts auf Müttergesundheit
an, was schon vor drei Jahren Ziel einer Kampagne war. Dieses neue Recht
verlange von den Nationen, ihre Abtreibungsgesetze zu liberalisieren und
entsprechende Behörden, Vorgehensweisen und Programme zu schaffen.
In einem
Papier mit dem Titel „Vorbeugung gegen Müttersterblichkeit und
Gewährleistung sicherer Schwangerschaft“ hat das Zentrum für Reproduktive
Rechte (CRR) behauptet, „das Recht der Frau auf Leben, Gesundheit und
Nicht-Diskriminierung“ berechtige sie zur Müttergesundheit und deshalb
müssten die Regierungen den Frauen Zugang zu qualifizierter, angemessener
reproduktiver Gesundheitsfürsorge gewährleisten, diskriminierende Gesetze
und Verhaltensweisen abschaffen … und Frauen erlauben, autonome
Entscheidungen bezüglich des reproduktiven Lebens zu treffen“. Dies schließe
„Verhütung, Beratung in Familienplanung, Sexualkunde und sichere
Abtreibungsdienste“ ein. Das CRR und andere haben Dutzende von Prozessen
laufen in Brasilien, Indien, Südafrika und anderswo, um dieses Recht zu
erkämpfen.
Alicia
Yamin von der Harvard Universität und Mitbegründerin der Kampagne meint, die
Menschenrechte müssten ein fortwährender Diskurs sein, der die „Pathologie
der Macht aushebelt“. Frauen und Kinder stürben nicht wegen eines
medizinischen Problems, es sei ein gesellschaftliches Problem, weil sie
diskriminiert würden. Auch für Prof. Lynne Freedman von der
Columbia-Universität ist die Menschenrechtsarbeit eine Frage von Macht und
Machtveränderung bei einer anderen Vorstellung von menschlichem Wohlergehen
(well-being).
Die Basis
für das neue Recht sieht Yamin in einer nicht bindenden Resolution des
Menschenrechtsrates (HRC) von 2009, in der es heißt, vermeidbare
Müttersterblichkeit sei eine Frage von Gesundheit, Entwicklung und
Menschenrecht. Diese Resolution wurde von der Europäischen Union
vorangetrieben und kam nach zwei Jahren intensiver Lobbyarbeit von Seiten
der Abtreibungsbefürworter hinzu.
Die IPPF
macht sich stark für das Recht auf Abtreibung bei den Vorbereitungen für die
hochrangige Nachfolgekonferenz zu den Entwicklungszielen des Millenniums
Unter dem
Schlagwort „Ein Versprechen ist ein Versprechen“ hat die IPPF eine neue
Kampagne gestartet zugunsten der Erreichung des umstrittenen
Entwicklungszieles MDG 5b, den „allgemeinen Zugang zur reproduktiven
Gesundheit bis 2015“. Nach der IPPF umfasst dieses Ziel alle Leistungen
einschließlich umfassender Sexualerziehung, Zugang zu Verhütung,
Schwangerschaftsuntersuchung, Geburtshilfe bei Komplikationen und Leistungen
für sichere Abtreibung. Raffiniert wird argumentiert, das MDG des
allgemeinen Zugangs zur reproduktiven Gesundheit sei im Jahr 2000 zwar nicht
aufgenommen worden, aber 2005 hätten die Länder die reproduktive Gesundheit
als „missing link“ (Bindeglied) anerkannt.
Immer
wieder haben die UN-Mitgliedstaaten darauf hingewiesen, dass keine neuen
Ziele, vor allem kein neues Ziel der reproduktiven Gesundheit, von der
Vollversammlung verhandelt oder akzeptiert wurden, obwohl die Aktivisten
jeweils hart dafür kämpften.
Trotz
dieser Fehlschläge haben sie immer wieder versucht, die reproduktive
Gesundheit an bestehende Ziele anzuhängen. Im Jahr 2006 erschien im Anhang
eines Berichtes des damaligen Generalsekretärs Kofi Annan das Ziel 5b, das
aber niemals die Zustimmung der Vollversammlung erhielt. Die
Abtreibungsaktivisten aller Couleur werden nicht locker lassen mit Blick auf
die MDG-Nachfolgekonferenz vom 20. bis 22. September im UN-Hauptquartier in
New York und den Verhandlungen der Mitgliedstaaten über ein Schlussdokument
in den kommenden Wochen.
Friday
Fax, 24. Juni 2010, Nr. 28, Jg. 13
Das
UN-Büro für Menschenrechte rührt weiterhin die Trommel für ein neues
Menschenrecht der Müttergesundheit
Das Büro
des Hochkommissars für Menschenrechte hat einen Bericht an den
UN-Menschenrechtsrat herausgegeben zu „Vermeidbarer Müttersterblichkeit und
Morbidität und Menschenrechte“, in dem ein neues Recht der Müttergesundheit
verlangt wird. Als Hauptargument bezüglich der Vermeidbarkeit wird dabei die
„unsichere Abtreibung“ angeführt und auf Handlungsbedarf von Seiten der
Regierenden hingewiesen, um angeblich diskriminierende Gesetze, Haltungen
und Ungleichheiten zu beseitigen.
Das
Zentrum für Reproduktive Rechte (CRR) verkündet stolz seine Führungsrolle
darin, die Müttersterblichkeit in die Agenda der Menschenrechte gebracht zu
haben.
Bei der
Vorstellung des Berichts in Genf wurden alle Einwände von Lebensrechtlern
abgeschmettert. Der Vertreter des Vatikans als Regierungsdelegation durfte
nicht sprechen, obwohl Abtreibungsbefürwortern wie Amnesty International und
dem CRR dies zugestanden wurde.
Patrick
Buckley von der englischen „Gesellschaft zum Schutz der Ungeborenen Kinder“
(SPUC) wies auf die Widersprüche des Berichts hin. Obwohl vorgeburtliche
Untersuchung und geschulte Geburtshelfer als wirksamste Mittel zur
Reduzierung der Müttersterblichkeit aufgeführt würden, liege die Betonung
auf dem Zugang zur Abtreibung und entlarve damit den ideologischen Trend, um
ein Recht auf Abtreibung als Menschenrecht zu etablieren, womit der wahre
Sinn eines echten Menschenrechts verdreht und negiert werde.
Die
US-Regierung startet eine massive internationale Kampagne zu den „Rechten“
Homosexueller
US-Außenministerin Hillary Clinton verkündete auf einem Empfang,
„Menschenrechte sind Rechte Homosexueller und die Rechte Homosexueller sind
Menschenrechte, ein für allemal“. Der Empfang galt dem von Präsident Obama
proklamierten „Monat der Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender“
(LGBT) und folgte auf einen Vorfall bei den Vereinten Nationen, wo
US-Parlamentarier laut eine sofortige Aktion zur Akkreditierung einer Gruppe
für die Rechte Homosexueller beim Wirtschaft- und Sozialrat (ECOSOC)
forderten.
Aber
Clinton geht es explizit um eine weltweite Kampagne für diese „Rechte“ durch
Kontakte mit Regierungen, einen jährlichen Bericht über die Behandlung der
LGBT in jedem Land. Das Büro für Afrikanische Angelegenheiten werde jede
Botschaft um eine Bericht bitten. Die Sache habe Priorität.
Das geht so weit, dass sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit offizielle Vertreter wie US-Botschafter für LGBT-Gruppen oder Individuen öffentlich stark machen. Schließlich hat der Präsident selbst in seiner Ansprache zum Vatertag die Gelegenheit wahrgenommen zu betonen, dass das Großziehen in Familien viele Formen habe, einschließlich der Aufzucht von Kindern durch „zwei Väter“.
Friday
Fax, 1. Juli 2010, Jg. 13, Nr. 29
Die G8-Staaten starten weltweit
eine Initiative zur Müttergesundheit ohne Bezugnahme auf Abtreibung
Die Gruppe der acht führenden Industrieländer (G8) hielt
Ende Juni unter der Führung Kanadas ein Forum in Toronto ab und startete die
sog. Muskoka-Initiative zur Förderung der Gesundheit von Müttern und
Kindern. Sowohl der kanadische Premierminister Stephen Harder als auch die
Ministerin für Internationale Zusammenarbeit, Beverley Oda, hatten sich im
Vorfeld gegen die Finanzierung von Abtreibung zwecks angeblich damit
verbundener Senkung der Müttersterblichkeit ausgesprochen. Dennoch nennt die
Initiative als eines ihrer globalen Ziele den "allgemeinen Zugang zu
reproduktiver Gesundheit bis 2015" mit Bezug auf die sog. Entwicklungsziele
des Millenniums (MDGs). Diese Formulierung wurde in einem Anhang zu einem
Bericht des UN-Generalsekretärs dem fünften MDG zugeordnet, ist aber äußerst
umstritten, weil diese Zielsetzung bei den ursprünglichen Verhandlungen über
die MDGs von den Mitgliedstaaten nicht akzeptiert worden war.
Die G8-Initiative wird von Abtreibungsbefürwortern wie dem
Weltbevölkerungsfonds (UNFPA) und der International Planned Parenthood
Federation (IPPF) unterstützt. Diese vertreten die Auffassung, eine
Verbesserung der Müttergesundheit sei nur durch reproduktive Gesundheit zu
erreichen, was den flächendeckenden Zugang zu Verhütung aller Art und
"sicherer" und legaler Abtreibung einschließt.
Abtreibungsbefürworter zitieren Studien des Guttmacher-Instituts
(Forschungszweig der IPPF) und des UNFPA, wonach durch die Politik der
reproduktiven Gesundheit die Müttersterblichkeit um bis zu 70 % reduziert
werden könne. Jedoch zeigen neueste Studien, dass geringere
Müttersterblichkeitsraten vor allem in den Ländern erzielt werden, die
Abtreibung einschränken.
Die G8 sicherten der Muskoka-Initiative insgesamt 5
Milliarden US-Dollar zu, davon 1,3 Milliarden von den USA, verteilt auf zwei
Jahre; weitere 2,3 Milliarden kommen von Ländern, die nicht zu den G8
gehören, sowie von der Gates-Stiftung.
Die Wahlen im CEDAW-Ausschuß
versprechen noch mehr Abtreibungsförderung
Diese Woche fanden im UN-Hauptquartier in New York die
Wahlen für 12 freigewordene Sitze im Überwachungsausschuß zum Übereinkommen
zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (CEDAW) statt.
Nahezu alle 186 Vertragsstaaten beteiligten sich an der Wahl aus 21
Kandidaten, und das Ergebnis war je ein Vertreter aus den Ländern Türkei,
Paraguay, Algerien, Ägypten, Israel, Japan, Bangladesh, Slowenien,
Mauritius, Osttimor, Schweiz und Kroatien, die ab Januar 2011 für vier Jahre
für den CEDAW-Ausschuß arbeiten werden.
Obwohl die Ausschuß-Mitglieder laut Vertrag "unabhängig"
sein sollen, sind viele Angestellte oder haben Beraterpositionen bei
Abtreibung fördernden privaten Verbänden (sog. NGOs). So kommt es, daß der
Ausschuß sich dezidiert für Liberalisierung und Legalisierung von Abtreibung
einsetzt, obwohl im CEDAW-Vertrag Abtreibung nicht vorkommt. Bisher sind
über 80 Länder zu ihrer Abtreibungsgesetzgebung befragt worden und erhielten
danach entsprechende "Empfehlungen".
Der Einfluß des CEDAW-Ausschusses wird vermutlich noch
zunehmen, da verschiedene Überwachungsausschüsse sich zusammenschließen und
gemeinsame Empfehlungen erarbeiten. Der CEDAW-Ausschuß hat außerdem seine
frühere Vorsitzende Dubravka Simonivic zur Berichterstatterin ernannt, die
die Umsetzung der Empfehlungen in den einzelnen Staaten überwachen soll,
obwohl die Länder nicht an die Weisungen gebunden sind.
Friday
Fax, 8. Juli 2010, Jg. 13, Nr. 30
Die USA greifen Ägypten wegen
der Rechte Homosexueller an
Im Juni griffen mehrere Vertreter der USA bei der UNO
Ägypten an, weil dieses Land weitere Untersuchungen über die Organisation
"Internationaler Ausschuß für die Menschenrechte von Schwulen und Lesben"
(IGLHRC) verlangte, die sich für den Status eines Sonderberaters beim
Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen (ECOSOC) beworben hatte.
Die Angriffe gipfelten letzte Woche in einem scharfen Verweis durch
US-Botschafterin Susan Rice, die unter Umgehung von Ägypten und des sog.
NGO-Ausschusses eine Entscheidung beim ECOSOC herbeiführen will.
Rice bezog sich auf den von der Regierung Obama
propagierten "Monat des Stolzes der Lesben, Schwulen, Bisexuellen und
Transgender" und behauptete, in einigen Ländern werde die „sexuelle
Orientierung“ als Verbrechen betrachtet und mit unbeschreiblicher Gewalt und
Demütigung geahndet. Tatsächlich ist nicht die „sexuelle Orientierung“,
sondern die Praktizierung von Homosexualität und Sodomie in fast der Hälfte
der UN-Staaten verboten.
Andererseits suchen die USA Ägypten für andere Belange der
Vereinten Nationen zu gewinnen, besonders für die Friedenspolitik im
Mittleren Osten. Im Juni 2009 initiierte Präsident Obama an der Kairoer
Universität eine Strategie der Beziehungen zwischen USA und Muslimen mit dem
Ziel, laufende Militäroperationen zum Erfolg zu führen, für den Frieden im
Mittleren Osten und die Nuklearkrise im Iran, aber auch, um Demokratie,
religiöse Freiheit und Frauenrechte in der Region zu fördern. Sexuelle
Orientierung kam in Präsident Obamas einstündiger Rede in Kairo nicht vor.
Die Vereinten Nationen
errichten, was eine Milliarden-Dollar-Behörde für radikalen Feminismus
werden könnte
Letzten Freitag stimmte die UN-Vollversammlung nach
vierjährigen Verhandlungen dafür, die vier mit Frauenthemen befaßten
UN-Büros UNIFEM (Entwicklungsfonds der Vereinten Nationen für Frauen),
INSTRAW (Internationales Institut für Forschung und Ausbildung zur Förderung
der Frauen), DAW (Abteilung für Frauenförderung) und OSAGI (Büro des
Sonderberaters für Gender und Frauenförderung) zu einer neuen Einrichtung
namens "UN Women" zusammenzuschließen, die eine Politik der sog.
Gender-Gleichheit verfolgt.
Die Grundlage für UN Women bildet die sog. Pekinger
Aktionsplattform, die ein Ende der Diskriminierung von Frauen forderte und
besonders die Bereiche Erziehung, Beschäftigung, politische Teilhabe und
Menschenrechte in den Blick nimmt. UN Women wird von einem
Unter-Generalsekretär in vierjähriger Amtszeit mit der Möglichkeit der
Wiederwahl geleitet, und es gibt Spekulationen, daß die frühere chilenische
Präsidentin Michelle Bachelet gewählt werden soll, eine Sozialistin, die
sich in ihrer politischen Karriere für reproduktive Gesundheit und
Frauenrechte eingesetzt hat. Das Leitungsgremium besteht aus 41 Mitgliedern:
zehn aus Afrika, zehn aus Asien, vier aus Osteuropa, fünf aus Westeuropa und
anderen Staaten, sechs aus Lateinamerika und der Karibik und sechs aus
Beitragsländern, davon vier Sitze für die Hauptgeberländer und zwei Sitze
für Geber aus Entwicklungsländern.
Wendy Wright, Präsidentin von Concerned Women of America,
teilte dem Friday Fax mit, das Geld ginge besser direkt an bedürftige
Gebiete und Menschen zugunsten erprobter Programme statt an eine Behörde zur
Etablierung der eigenen Leute.
Friday
Fax, 15. Juli 2010, Jg. 13, Nr. 31
Radikale Autonomie im Vorfeld
der Weltjugendkonferenz in Mexiko gefordert
Im Hinblick auf die Weltjugendkonferenz, die Ende August
in Leon, Mexiko, stattfinden soll, wurden zwei Dokumente veröffentlicht, die
neue "Rechte" für Jugendliche fordern, die aus Expertensicht in direktem
Gegensatz zu traditionellen Normen und internationalem Gesetz stehen.
In einem Entwurf, der Regierungsvertretern vorgelegt
werden soll, wird "umfassende Entwicklung für Jugendliche einschließlich
humanistischer Erziehung und Sexualerziehung" gefordert; außerdem sollen
Gender-Kontexte Berücksichtigung finden und ein "allgemeiner Zugang zu
reproduktiver Gesundheit einschließlich Familienplanung als Methode zur
Senkung der Müttersterblichkeit für heranwachsende Mädchen und junge Frauen"
garantiert werden.
Dies steht im Widerspruch zum allgemein anerkannten
Erziehungsrecht der Eltern, das beispielsweise in Artikel 5 des
Übereinkommens über die Rechte des Kindes (CRC) festgelegt ist. Der Entwurf
nimmt zwar auf viele andere internationale Dokumente Bezug, erwähnt aber
weder das CRC-Übereinkommen noch "Eltern" oder "Kinder".
Vergangenen Mai fand in Brasilien eine gesamtamerikanische
Jugend-Vorkonferenz statt, bei der die sog. "Charta von Bahia" verabschiedet
wurde. Offiziell nur in Portugiesisch veröffentlicht, heißt es auf einer
UN-Website in Englisch: "Das Dokument fordert bessere Lebensqualität für die
gesamte amerikanische Jugend, Berücksichtigung der ethnischen und rassischen
Unterschiede und des Gender, vollen Zugang zu sexueller Gesundheit und
reproduktiven Dienstleistungen sowie gleichberechtigten Zugang zu Programmen
zur Vermeidung unerwünschter Schwangerschaften, außerdem
Entscheidungsbefugnis über Schwangerschaften."
Obwohl die Veranstalter der Konferenz in Mexiko den bei
den UN akkreditierten Jugendorganisationen die Teilnahme als Beobachter
zugesagt haben, soll mehreren NGOs die Teilnahme bislang verweigert worden
sein. Die Ergebnisse der Konferenz werden vermutlich im Herbst von der
UN-Vollversammlung bestätigt werden.
Der UN-Generalsekretär kündigt
ein neues Team von "Superhelden" an
Schon seit Monaten bereitet sich die internationale
Gemeinschaft auf den Folgegipfel über die Entwicklungsziele des Millenniums
(MDGs) im September vor. UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon kündigte nun
kürzlich ein Team aus prominenten Politikern und Philanthropen an, das die
acht MDGs voranbringen soll. Sorge bereitet, daß mehrere prominente
Befürworter von Bevölkerungskontrolle und Abtreibung auf seiner Liste
stehen:
Präsident Paul Kagame von Ruanda und der spanische
Premierminister José Luis Rodríguez Zapatero sind als Vorsitzende
vorgesehen. Zapateros sozialistische Regierung verfocht gegen den Widerstand
von Millionen Spaniern eine Liberalisierung der Abtreibung, die
Legalisierung der homosexuellen "Ehe" und die Entfernung der religiösen
Erziehung aus den Lehrplänen der Schulen.
Als weitere Mitglieder des neuen Teams sind vorgeschlagen:
Ex-Präsidentin Michelle Bachelet von Chile - sie hat sich in ihrem Land für
die Zulassung der "Pille danach" und für erweiterten Zugang zu Diensten der
reproduktiven Gesundheit eingesetzt und soll möglicherweise künftig die neue
Einrichtung "UN Women" leiten; die Milliardäre Bill Gates und Ted Turner,
die bereits Millionen für Abtreibung und Maßnahmen zur Verhütung
investierten; der kolumbianische Universitätsprofessor Jeffrey Sachs, Leiter
des UN-Millenniums-Projekts, der sexuelle und reproduktive Dienste und
Rechte unbedingt mit den MDGs verknüpfen will.
Im Mai 2009 soll ein geheimes Treffen der Milliardäre
stattgefunden haben, an dem auch Bill Gates und Ted Turner teilnahmen und
bei dem auf Initiative von Bill Gates beschlossen wurde, die
"Überbevölkerung" anzugehen. Zapatero wird außerdem Gastgeber des ersten
Treffens des neuen Teams diesen Monat in Madrid sein.
Friday
Fax, 22. Juli 2010, Jg. 13, Nr. 32
Die USA drücken die
Akkreditierung einer Homosexuellen-Gruppe durch, die religiöse Freiheit
bekämpft
Der Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen
(ECOSOC) stimmte diese Woche mit 23 Ja-, 13 Nein-Stimmen bei 13 Enthaltungen
und 5 Abwesenden über die Akkreditierung des "Internationalen Ausschusses
für die Menschenrechte von Schwulen und Lesben" (IGLHRC) ab. Die USA setzten
eine sofortige Abstimmung durch, obwohl einige Mitglieder noch offene Fragen
hatten.
Im Juni dieses Jahres hatte sich Ägypten dafür
ausgesprochen, die Sache auf Eis zu legen, weil der IGLHRC sich nicht äußern
wollte, ob er die Strafverfolgung von religiösen Lehrern unterstütze, die
gegen Homosexualität predigen. Der IGLHRC befürwortet die sog.
Yogyakarta-Prinzipien, die "sexuelle Orientierung und Gender-Gleichheit" als
neue Kategorien für den Schutz vor Diskriminierung in die
Menschenrechtsverträge bringen wollen. Unter anderem fordern die
Yogyakarta-Prinzipien strafrechtliche Konsequenzen für Kritiker der
Homosexualität.
Der ECOSOC überging mit dieser Abstimmung sieben frühere
Entscheidungen des Ausschusses für private Organisationen, die in den
letzten zehn Jahren eine Bewerbung der Homosexuellen-Gruppe abgelehnt
hatten. In der Woche vor der Abstimmung waren die UN-Mitgliedstaaten von
Aktivisten für Homosexuellenrechte bedrängt worden. Ein Delegierter teilte
mit, seine Gesandtschaft habe mehrere Telefonanrufe eines US-Botschafters
erhalten.
US-Präsident Obama begrüßte die Anerkennung des IGLHRC und
sah es als wichtigen Schritt für die Menschenrechte an, da nun der IGLHRC
seinen "rechtmäßigen Sitz am Tisch der Vereinten Nationen" einnehmen werde.
Der Nuntius des Irak zum neuen
Leiter der Gesandtschaft des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen
ernannt
Ende letzter Woche ernannte Papst Benedikt XVI. Erzbischof
Francis Assisi Chullikatt zum neuen Ständigen Beobachter des Heiligen Stuhls
bei den Vereinten Nationen in New York. Er ist der Nachfolger von Erzbischof
Celestino Migliore, der kürzlich zum päpstlichen Nuntius in Polen ernannt
wurde.
Erzbischof Chullikatt ist 1953 in Bolghatti, Indien,
geboren. Er begann seinen Dienst als Vatikan-Diplomat 1988 und wirkte in
Honduras, in mehreren südafrikanischen Ländern und auf den Philippinen.
Bereits in den Jahren 2000 bis 2004 war er Berater für die Gesandtschaft des
Heiligen Stuhls bei der UNO in New York. Dann arbeitete Chullikatt im
vatikanischen Staatssekretariat in Rom, bis er 2006 als Nuntius für den Irak
und Jordanien berufen wurde. Er beherrscht fließend Englisch, Spanisch,
Französisch, Italienisch und Latein. Während seiner Zeit im Irak zeichnete
er sich durch großen Mut aus, indem er verfolgte Christen und andere
religiöse Minderheiten engagiert verteidigte und dafür persönliche Gefahren
und Angriffe auf seine Residenz in Kauf nahm. Papst Benedikt XVI., dem das
Wohl der Christen im Mittleren Osten sehr am Herzen liegt, wurde bald auf
Chullikatt aufmerksam.
Erzbischof Migliore war fast acht Jahre lang Leiter der
Gesandtschaft des Heiligen Stuhls. In seine Amtszeit fällt die Resolution
der UN-Vollversammlung über ein Verbot aller Formen des menschlichen Klonens
(2005). Im Jahr 2004 hatte eine UN-Resolution dem Heiligen Stuhl einen
höheren Status zuerkannt. Im Jahr 2006 war erstmals die Formulierung
"sexuelle und reproduktive Gesundheit" in einen Vertrag eingeflossen,
nämlich in das Übereinkommen über die Rechte von Personen mit Behinderungen
(CRPD). Es war stets die Priorität des Heiligen Stuhls und anderer
Delegationen von Pro-Life-Organisationen, solche Formulierungen abzuwehren,
weil sie von Abtreibungsbefürwortern mit Abtreibung gleichgesetzt werden.
Erzbischof Chullikatt wird Mitte September anläßlich der
UN-Vollversammlung in New York erwartet.
Friday
Fax, 29. Juli 2010, Jg. 13, Nr. 33
Ein UN-Ausschuß greift
Mutterschaft an und fordert neue "Rechte" für Frauen
Der Ausschuß zur Überwachung des Übereinkommens zur
Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (CEDAW), bestehend aus
23 angeblich unabhängigen Experten, überprüfte in seiner 46. Sitzung acht
Länder. Der Ausschuß ist bekannt für seine notorische Förderung der
Abtreibung (als eines der neuen "sexuellen und reproduktiven Rechte") und
anderer ideologischer Positionen wie Gender anstelle des traditionellen
Verständnisses der Geschlechterrollen und der Werte der Familie. Diesmal
endete die Sitzung mit einem Angriff auf die Mutterschaft.
Der Delegierte der Russischen Föderation berichtete über
ein neues Zwei-Jahres-Programm des Gesundheitsministeriums, das den
Schwerpunkt auf Vermeidung von Abtreibungen und den Schutz des Lebens legt.
Erstmals sei jetzt die Geburtenrate höher als die Abtreibungsrate gewesen,
und auch die Müttersterblichkeit nach Abtreibung und Entbindung sei
zurückgegangen. Der Ausschuß kritisierte, die Regierung fördere ein
überkommenes Mutterbild und die alte Rollenverteilung zwischen Mutterschaft
und Berufstätigkeit. Rußland wurde vom holländischen Mitglied des Komitees
bezüglich seiner Gesetzgebung zum Schutz von lesbischen, bisexuellen und
transsexuellen Frauen vor Diskriminierung befragt und, unterstützt vom
brasilianischen Kollegen, aufgefordert, dafür zu sorgen, daß die sexuellen
und reproduktiven Rechte der Frauen auf Wissenschaft und nicht Religion
gegründet seien.
Von den Fidschi-Inseln wurde verlangt, für
gleichgeschlechtliche Paare die "Ehe" und Fortpflanzungstechniken verfügbar
zu machen und Prostitution Erwachsener straffrei zu stellen. Albanien wurde
befragt, was die Regierung unternehme, um Homophobie und Gewalt gegen
Schwule, Lesben und Transsexuelle zu bekämpfen.
Obwohl im CEDAW-Vertrag weder Abtreibung oder Gender noch
sexuelle Orientierung oder reproduktive Rechte genannt werden und die
Empfehlungen des Ausschusses nicht-bindend sind, versuchen
Abtreibungsaktivisten, die eigenmächtigen Interpretationen der
Überwachungsausschüsse zu benutzen, um damit die Gesetze zum Schutz vor
Abtreibung weltweit auszuhebeln.
Der lateinamerikanische
Wirtschaftsgipfel fördert Abtreibung und verurteilt "Lesbophobie"
Vertreter von mehr als 30 Ländern Lateinamerikas und der
Karibik kamen zur 11. Sitzung der Regionalen Frauenkonferenz des
Wirtschaftsausschusses für Lateinamerika und die Karibik (ECLAC) in
Brasilien zusammen. Die Teilnehmer, hauptsächlich Gender-Berater ihrer
jeweiligen Regierungen, verabschiedeten ein nicht-bindendes
Ergebnisdokument, genannt "Brasilianischer Konsens", mit der Empfehlung, bei
der UN-Vollversammlung zu den Entwicklungszielen des Millenniums, die im
September 2010 stattfinden wird, besondere Aufmerksamkeit auf das Ziel 5B zu
richten, das den allgemeinen Zugang zu reproduktiver Gesundheit betrifft.
Das Dokument empfiehlt weiter, die Staaten sollten ihre Gesetze dahingehend
überprüfen, ob Frauen, die eine Abtreibung vornehmen ließen, bestraft oder
"denunziert" (angeprangert, gebrandmarkt) würden. Das Stichwort
"Denunziation" (öffentliche Verurteilung) ist neuerdings ein Instrument für
die Liberalisierung der Abtreibung, indem argumentiert wird, Gesetze zum
Schutz vor Abtreibung seien "grausam und inhuman" gegen Frauen. Das
ECLAC-Dokument fordert auch die Umsetzung der Gender-Politik, zum einen
durch Bekämpfung der "Gewalt" gegen Homosexuelle und zum andern durch
hochqualifizierten allgemeinen Zugang zu sexueller und reproduktiver
Gesundheitsfürsorge. Auch sollte die Hausarbeit von Frauen vergütet werden.
Michelle Bachelet, frühere Präsidentin Chiles und
Kämpferin für sexuelle und reproduktive Rechte, wünschte sich dazu in den
einzelnen Ländern einen mehrheitsgestützten "politischen Willen", damit der
Konsens durchgesetzt werde.
Inzwischen wird das Dokument bei den Vereinten Nationen
heiß debattiert. Die Pro-Life-Gruppe "Movimiento Defensa de la Vida"
(Bewegung zur Verteidigung des Lebens) kritisierte diesen „Konsens“, weil er
nicht im Einklang mit den Gesetzen, der Politik und Kultur der überwiegenden
Mehrheit der Mitgliedstaaten des ECLAC stehe. Die argentinische Zeitung
Buenos Aires Herald veröffentlichte einen Überblick, wonach mehr als 82 %
der Bevölkerung in Nicaragua, 73 % der Brasilianer, 71 % der Mexikaner und
66 % der Chilenen eine Legalisierung der Abtreibung in nahezu allen Fällen
ablehnen.
Friday
Fax, 5. August 2010, Jg. 13, Nr. 34
Die Afrikanische Union
unterwirft sich dem Druck zugunsten von Abtreibung als Abhilfe gegen
Müttersterblichkeit
Beim jährlichen Gipfeltreffen der Afrikanischen Union (AU)
in Kampala, Uganda, stimmten die Regierungen überein, Mütter- und
Kindersterblichkeit zur Priorität für den Kontinent zu erheben. Außerdem
wurde der umstrittene, allerdings nicht-bindende Maputo-Aktionsplan (PoA)
auf weitere fünf Jahre ausgeweitet und die "Kampagne zu beschleunigter
Verminderung der Müttersterblichkeit in Afrika" (CARMMA) von bisher 20 auf
alle 53 afrikanischen Länder ausgedehnt.
UN-Behörden, besonders der Weltbevölkerungsfonds (UNFPA)
und außerafrikanische private Verbände (NGOs) übten Druck auf die AU aus,
reproduktive Rechte und Dienstleistungen, insbesondere legale Abtreibungen
und Sexualerziehung fordernd. Ausgebildete Geburtshelfer und Ausrüstung für
Notfallversorgung von Schwangeren und Gebärenden waren dagegen kaum ein
Thema.
Der Maputo-Aktionsplan aus dem Jahr 2006 war vor seiner
Verabschiedung von mehreren Delegierten wegen seiner Bestimmungen über
Abtreibung abgelehnt worden und ging schließlich nur deshalb durch, weil
diese Bestimmungen entfernt werden sollten, was aber nicht geschah. Es war
ursprünglich ein Drei-Jahres-Plan, der nun bis zum Jahr 2015 laufen soll, im
Einklang mit den Entwicklungszielen des Millenniums der UNO.
Die AU-Mitgliedstaaten verpflichteten sich, 15 % ihres
Budgets für Gesundheit, vor allem für Frauen und Kinder, aufzuwenden und
erinnerten die Geberländer an ihre Zusagen. So hatten die G8-Staaten erst
kürzlich 7,3 Milliarden US-Dollar für Müttergesundheit bewilligt. Weitere
Mittel könnten aus dem Globalen Fonds zur Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose
und Malaria abgezweigt werden.
Großbritannien kündigt einen
Plan an, die radikale Sex-Agenda in den Entwicklungsländern voranzutreiben
Andrew Mitchell, Chef des britischen Ministeriums für
Internationale Entwicklung (DFID), präsentierte jüngst vor
Entwicklungsexperten, Medizinern und der Öffentlichkeit einen Plan namens "
Choice for Women“ (Wahl für Frauen - erwünschte Schwangerschaften, sichere
Geburten), der im Rahmen der Müttergesundheit in den Entwicklungsländern "in
noch nie dagewesener Weise den Schwerpunkt Familienplanung" verwirklichen
soll.
Dieser "Ansatz des Vorrangs der Familienplanung" vor
medizinischer Versorgung bei Schwangerschaft und Geburt kam unter Beschuß,
als das angesehene britische Medizinjournal "The Lancet" im April in einer
Studie darlegte, daß ausgebildete Geburtshelfer, Notfallversorgung,
verbesserte Ausbildung und wirtschaftliche Verhältnisse bei abnehmenden
Geburtenraten im Jahr 2008 zu einer Verminderung der weltweiten
Müttersterblichkeit von 500.000 auf 342.900 geführt haben; Familienplanung
wurde dabei nicht einmal erwähnt.
Der "Choice for Women"-Plan entspricht dagegen einer
Politik, die auch in Großbritannien selbst verfolgt wird: Neue Gesetze
schlagen allgemeine Sexualerziehung, beginnend bei Fünfjährigen vor;
Heranwachsende (darunter versteht man Kinder von 10 bis 14 Jahren) sollen in
sexuelle Praktiken Erwachsener eingeführt werden. Gerade wurde bekannt, daß
mehr als 1.000 Mädchen im Alter bis zu 12 Jahren hormonelle Verhütungsmittel
verschrieben wurden, was in Großbritannien ohne Wissen und Zustimmung der
Eltern möglich ist.
Der fragwürdige Plan beeinflußt auch die Position der EU
in einem Entwurf zu den Verhandlungen beim bevorstehenden Gipfel über die
Entwicklungsziele des Millenniums.
Friday
Fax, 12. August 2010, Jg. 13, Nr. 35
Durch den Kampf um Abtreibung
verliert Barack Obamas Ansehen in Kenia an Glanz
Mit 23 Millionen US-Dollar unterstützten die USA in Kenia
die Kampagne im Vorfeld der Volksabstimmung über eine neue Verfassung. Diese
soll der überzogenen Macht des Präsidenten und der Korruption im Land ein
Ende bereiten. Gegner beklagen, ebensolche Machtmittel und Korruption seien
eingesetzt worden, um die Kenianer irreführenderweise zu überzeugen, das
Dokument diene dem Lebensrecht.
Im Juli hatte der katholische Bischof von Nairobi die
Gläubigen aufgefordert, mit NEIN zu stimmen wegen der Klausel zugunsten von
Abtreibung. Am 2. August erschien in der Daily Nation ein ganzseitiger
Artikel mit der Beteuerung, „der Verfassungsentwurf legalisiert die
Abtreibung NICHT“, denn er enthalte die Formulierung „das Leben beginnt mit
der Empfängnis“. Außerdem wurde die Kirchenführung beschuldigt,
Falschinformationen zu verbreiten.
Bereits seit April werden von Marie Stopes International,
einer weltweit agierenden Abtreibungsorganisation, Dienste über Handys
angeboten. Im Mai veröffentlichte eine Gruppe praktischer Ärzte eine Schrift
mit dem Titel "Standards und Richtlinien zur Versorgung mit legalen,
sicheren Abtreibungsdiensten in Kenia". In der Woche der Abstimmung
veröffentlichten elektronische und Print-Medien Studien, die angeblich
belegen, daß Kenias hohe Müttersterblichkeitsrate auf illegale Abtreibungen
zurückzuführen sei.
US-Präsident Obama hatte Vizepräsident Biden nach Nairobi
entsandt, Druck auf Präsident Kibaki und Premierminister Raila Odinga
auszuüben, und danach US-Botschafter Michael Ranneberger mit dem Anliegen
der USA betraut. Im Juli erfuhren die Kenianer durch ein Schreiben von
US-Abgeordneten, daß die US-Regierung die Kampagne mit 23 Millionen
US-Dollar unterstützte.
Nach Informationen an das Friday Fax waren Scharen von
kenianischen Regierungsvertretern und Beamten landauf, landab unterwegs in
Sachen Werbung für Zustimmung. Die wenigen Gegner im Parlament gerieten
unter massiven Druck von hohen Beamten, dem sie mitunter nicht standzuhalten
vermochten.
Am 4. August stimmten 67 % der Kenianer für die neue
Verfassung.
Ein amerikanischer Missionar in Kenia meint, die Aktion
der USA habe den Kenianern die Augen geöffnet. Kenias Idol Obama, dessen
Großmutter väterlicherseits in Kenia lebt, erscheine nun in einem neuen
Licht, besonders innerhalb der Kirche.
Die Organisation der
Amerikanischen Staaten fördert Abtreibung in Lateinamerika
Ein jüngst veröffentlichtes Papier weckt die Befürchtung,
daß der Inter-Amerikanische Ausschuß für Menschenrechte mit Sitz in der
Hauptstadt Washington ein weiterer Ort der Förderung der Abtreibung unter
dem Deckmantel der „reproduktiven Gesundheit“ und Familienplanung wird. Die
Veröffentlichung unter dem Titel "Zugang zu Diensten der Müttergesundheit
aus der Sicht der Menschenrechte" deckt sich mit dem „neuen internationalen
Menschenrecht“ auf Müttergesundheit der Abtreibungsbefürworter bei der
Women-Deliver-2-Konferenz im Juni dieses Jahres ebenfalls in Washington DC.
Der Bericht zitiert die Amerikanische Konvention über
Menschenrechte, die ausdrücklich am Recht auf Leben vom Augenblick der
Empfängnis an festhält, was aber nicht erwähnt wird. Bezug genommen wird
hauptsächlich auf Empfehlungen des Ausschusses zum Übereinkommen zur
Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (CEDAW), die den
Informationsmangel über reproduktive Gesundheit als Hindernis für den Zugang
zu Diensten der Müttergesundheit bezeichnen und das Recht der Frauen auf
personale Integrität mit dem Zugang zu modernen Familienplanungsdiensten
gleichsetzen.
Der Bericht behauptet durchgehend, die Mitgliedstaaten der
Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS) hätten die Verpflichtung,
Müttergesundheit als Recht anzuerkennen, sonst würden sie Frauen
diskriminieren und deren Gleichheit vor dem Gesetz mißachten. Zitiert wird
auch die sog. Kairoer Aktionsplattform aus dem Jahr 1994, die
Müttersterblichkeit reduzieren will, indem sie "unsichere" durch "sichere" -
also legale - Abtreibung ersetzt. Der Bericht schließt mit 14 Empfehlungen.
Der Inter-Amerikanische Ausschuß ist ein autonomes Organ
der OAS und hat keine Befugnis, die Amerikanische Konvention zu
interpretieren. Abtreibungsgruppierungen wie das Zentrum für Reproduktive
Rechte (CRR) haben jedoch eine Strategie ausgearbeitet, gemäß der sie den
Inter-Amerikanischen Ausschuß als Plattform zur Förderung der Abtreibung
benutzen wollen. Auf diesem Weg sollen die Abtreibungsgesetze in
Lateinamerika geändert und die Amerikanische Konvention über Menschenrechte
neu geschrieben werden.
Friday
Fax, 19. August 2010, Jg. 13, Nr. 36
Der Weltbevölkerungsfonds
mißbraucht das Internationales Jahr der Jugend zur Ausbeutung von Kindern
Am Donnerstag, 12. August 2010, rief die
UN-Vollversammlung offiziell das Internationale Jahr der Jugend (IYY) mit
dem Thema "Dialog und gegenseitiges Verständnis" aus. Ein Schwerpunkt liegt
dabei auf Gesundheit und Entwicklung, insbesondere den Entwicklungszielen
des Millenniums (MDGs). Beobachter befürchten, der Weltbevölkerungsfonds
(UNFPA) und seine Verbündeten werden dies nutzen, um neue "Rechte" auf
sexuelle und reproduktive Gesundheitserziehung und -dienste für Jugendliche
zu fördern.
Die UNO hat dem IYY beträchtliche Mittel gewidmet,
einschließlich einer neuen übergreifenden Website, und hat die Jugend-Agenda
in die Arbeit der wichtigsten UN-Büros integriert. UNFPA-Direktorin Thoraya
Obaid trug bei der Eröffnung des IYY eine Gemeinsame Erklärung der
beteiligten UN-Einrichtungen vor.
Planungsgrundlage für das IYY ist das sog.
"Welt-Aktionsprogramm für die Jugend" (WPAY), ein Dokument, das 1995 ohne
Diskussion von der UN-Vollversammlung angenommen wurde. Es überträgt dem
UNFPA die führende Rolle bei der Förderung der "reproduktiven Gesundheit für
Heranwachsende". Dieser Begriff erscheint nun in zahlreichen Programmen und
Lehrplänen und bedeutet, daß der UNFPA und andere internationale
Organisationen sexuelle und reproduktive Rechte einschließlich Zugang zu
Verhütung und Abtreibung für Jugendliche zwischen 10 und 14 Jahren fördern.
Der UNFPA betreut als eine der wichtigsten Initiativen
Y-PEER mit dem Schwerpunkt der Peer-Education (Jugendliche werden
ausgebildet, ihre Altersgenossen zu unterrichten). Im Ausbildungshandbuch
gibt es Kapitel über einen Kondom-Wettbewerb, wie man religiöse Führer
überzeugt, die Agenda der reproduktiven Gesundheit umzusetzen, sowie mehrere
Übungen, die den Unterschied zwischen Gender und Sex vermitteln - Sex sei
biologisch, Gender ein soziales Konstrukt. Schwerpunktgebiete für Y-PEER
sind laut deren Website Osteuropa und Zentralasien, der Mittlere Osten und
Afrika, darunter viele muslimische Länder.
Human Rights Watch beschuldigt
Argentinien zu Unrecht der Vertragsverletzung bezüglich Abtreibung
Die Menschenrechtsorganisation "Human Rights Watch"
veröffentlichte letzte Woche einen Bericht mit dem Ziel, Abtreibung in
Argentinien zu fördern. Das Land wurde kritisiert, es halte internationales
Recht nicht ein. Der Bericht mit dem Titel "Illusionen über Fürsorge: Mangel
an Verantwortlichkeit für reproduktive Rechte in Argentinien" enthält den
Vorwurf, nationalistische Interessen in Verbindung mit orthodoxer
katholischer Predigt über Familienwerte hätten die Politik Argentiniens
gegen Verhütung und zugunsten des Bevölkerungswachstums untermauert.
Der Bericht zitiert mehrere internationale Verträge und
Ausschüsse über Menschenrechte, darunter das Übereinkommen zur Beseitigung
jeder Form von Diskriminierung der Frau (CEDAW), den Internationalen Pakt
über bürgerliche und politische Rechte (ICCPR), das Übereinkommen über die
Rechte des Kindes (CRC), den Internationalen Pakt über wirtschaftliche,
soziale und kulturelle Rechte (ICESCR) und das neue Übereinkommen über die
Rechte von Personen mit Behinderungen (CRPD).
Aber tatsächlich enthält kein einziger internationaler
Menschenrechtsvertrag ein Recht auf Abtreibung. Das CRC enthält eine
Bestimmung zum Schutz des Lebens (Präambel und Art. 6), und der ICCPR hält
fest: "Jeder Mensch hat ein angeborenes Recht auf Leben. Dieses Recht ist
gesetzlich zu schützen. Niemand darf willkürlich seines Lebens beraubt
werden." (Art. 6,1)
Ausschüsse haben keine Autorität, bindende
Interpretationen zu Vertragsbestimmungen vorzugeben. Trotzdem hat im
vergangenen Monat auch der CEDAW-Ausschuß Argentinien kritisiert und
aufgefordert, bestehende Gesetze, die Abtreibung bestrafen, zu revidieren
und sicherzustellen, daß Sexualerziehung in allen Schulstufen durchgeführt
wird.
Friday
Fax, 26. August 2010, Jg. 13, Nr. 37
Chaos und Ideologie beherrschen
die UN-Jugendkonferenz in Mexiko
Diese Woche begann in Leon, Mexiko, die
Weltjugendkonferenz, die in vier parallelen Konferenzen für Jugendliche, für
Regierungen, für Parlamentarier und als sog. Global Interactive Forum
stattfindet. Teilnehmer berichten von ideologischer Verbohrtheit und beinahe
totalem Chaos. Der angekündigte mexikanische Präsident erschien nicht.
Ein beim Regierungstreffen verteiltes inoffizielles
Dokument, in dem zur Förderung der sexuellen Enthaltsamkeit und der Werte
der Familie aufgerufen wurde, sei von Abtreibungsbefürwortern niedergemacht
worden. Ein Vertreter der International Planned Parenthood Federation (IPPF)
habe das Mikrophon ergriffen und die Organisatoren gebeten, die Kontrolle zu
behalten und "Infiltration" zu verhindern.
Die Verhandlungspartner der Regierungen fühlten sich
frustriert, als sie Verbesserungsvorschläge zum Entwurf des
Ergebnisdokuments, der sog. "Erklärung von Guanajuato", vorlegen wollten,
der Moderator der Arbeitsgruppe über Gender-Gleichheit jedoch erklärte, es
seien keine Diskussionen über Ergänzungen zum Dokument vorgesehen, sondern
nur eine breite Diskussion über das Thema ganz allgemein. Ein afrikanischer
Delegierter brachte die Stimmung auf den Punkt: "Was sollen wir hier
überhaupt?"
Die Konferenz für Jugendliche umfaßte 300 Vertreter, deren
Reisekosten vom UNFPA getragen wurden, der Empfehlungen zugunsten sexueller
Rechte und Abtreibung vorschlug, die dann auch dem Regierungsforum
präsentiert werden sollten. Die Jugendlichen arbeiteten am Dienstagabend
unter der Schirmherrschaft verschiedener Erwachsenengruppen ein radikales
Dokument aus, das Anlaß zu ernsten Befürchtungen gibt.
Die UN-Bürokratie setzt sich
für die Adoption durch Homosexuelle in Mexiko ein
Inmitten einer kontroversen juristischen
Auseinandersetzung um die Adoption durch Homosexuelle hat das UN-Büro des
Hochkommissars für Menschenrechte eine Kampagne veranstaltet, die
offensichtlich zum Ziel hat, das Gesetz gegen Adoption durch Homosexuelle in
Mexiko City zu kippen. Etwa fünf Millionen Menschen erhielten eines Tages
U-Bahn-Tickets mit der Aufschrift "Verschiedenheit annehmen -
Diskriminierung beenden".
Außerdem äußerte der Stellvertretende Hochkommissar für
Menschenrechte Kyung-wha Kang bei einer Frauenkonferenz in Mexiko City: "Die
'Ehe' zwischen Homosexuellen ist ein Recht, das die Möglichkeit der Adoption
von Kindern einschließt." Die Vereinten Nationen seien stets dafür gewesen,
daß alle Menschen ohne Ansehen ihrer sexuellen Orientierung sich der Fülle
der Rechte erfreuen könnten.
Rechtsexperten betonen, daß die Vereinten Nationen niemals
entschieden hätten, sexuelle Orientierung als Teil einer Allgemeinen
Erklärung der Menschenrechte oder eines anderen UN-Vertrags anzusehen.
Kurz nachdem im Verwaltungsbezirk Mexiko City homosexuelle
"Ehen" anerkannt worden waren, entschied der Nationale Oberste Gerichtshof
(SCJN), solche "Ehen" sollten in allen 31 Staaten Mexikos möglich sein.
Bisher hat noch keiner entsprechende Gesetze, einige haben sogar
ausdrücklich dagegen gestimmt. Die ganze Debatte wird sehr kontrovers
geführt, und einige haben öffentlich erklärt, Beamte könnten bestochen
worden sein, damit sie für Homosexuellen-Rechte stimmten.
Obwohl die Vereinten Nationen niemals Erklärungen über
Homosexuellen-Rechte, eine Homosexuellen-"Ehe" oder ein Adoptionsrecht
abgaben, wie von Kang behauptet, wird Kang höchstwahrscheinlich weder gerügt
noch auch nur kritisiert werden. Die UN-Bürokratie ignoriere folgenlos die
Mitgliedstaaten und die Vollversammlung, äußerte sich ein UN-Experte.
Weltjugendkonferenz endet kontrovers und chaotisch
Vergangene Woche endete in León, Mexiko, die
Weltjugendkonferenz (WYC) mit der Annahme der sog. "Erklärung von
Guanajuato", die vom 22. bis 25. September 2010 einer hochrangigen
UN-Versammlung zur Überprüfung der Entwicklungsziele des Millenniums (MDGs)
präsentiert werden soll.
Die Delegierten waren sehr frustriert, weil sie vom
Verhandlungsprozeß ausgeschlossen waren. Sie sollten lediglich Entwürfe
unterschreiben, die von einem Ausschuß, bestehend aus Vertretern weniger
Länder, erarbeitet worden waren, dessen Büro zudem noch unauffindbar war.
Bei der letzten Sitzung beschwerten sich einige Länder
über den Mangel an Transparenz und den chaotischen Verlauf. Chile, Ecuador,
Nicaragua, Bolivien und die USA bemängelten, daß wegen Verzögerungen bei den
Übersetzungen das Dokument nicht einmal gelesen werden konnte.
Der Entwurf stammte von einer Gruppe jugendlicher
Delegierter, die mehrheitlich vom Weltbevölkerungsfonds (UNFPA), der
eindeutig Abtreibung befürwortet, ausgewählt und bezahlt worden waren. Die
Empfehlungen enthielten Forderungen nach Übernahme des Gender-Konzepts,
umfassender Sexualerziehung und "sicherer" Abtreibung.
Als am Ende der Konferenz einige Länder ausdrücklich
ablehnten, die Empfehlungen der WYC als Anhang an die Erklärung der
Regierungen zuzulassen (was ihnen offiziellen Charakter verleihen würde),
verwies man sie lediglich auf die Möglichkeit, durch ihre Außenministerien
bis Ende September schriftliche Vorbehalte einzureichen.
Sex-Spiele bei der Ausstellung
der Weltjugendkonferenz
Hauptereignis für die schätzungsweise mehr als 5000
Teilnehmer der Weltjugendkonferenz in León, Mexiko, war das sog.
"Interactive Global Forum", eine riesige Ausstellung mit hunderten Ständen
und Darbietungen. Sie offenbarte, was UN-Kreise unter "altersgemäßer
Sexualerziehung" verstehen:
Die International Planned Parenthood Federation (IPPF),
der weltweit größte Anbieter von Abtreibungen, verbreitete die Broschüre
"Gesund, glücklich und geil"; eine Organisation namens RECREA bot einen
Tisch mit Kondomen und einem hölzernen Phallus; die Wände der
Ausstellungsbude waren mit pornographischen Fotos bedeckt; in zwei
Glaskästen zeigte man Gummimodelle der männlichen und weiblichen Genitalien
sowie ein breitgefächertes Sortiment an Kondomen; ein Stand war mit
einschlägiger Damenunterwäsche behängt; es gab Demonstrationen über das
Aufziehen von Kondomen und sexuell getönte Spiele; Poster forderten Zugang
zu umfassender Sexualerziehung, Verhütungsmitteln und Abtreibung für junge
Menschen.
Der Weltbevölkerungsfonds, der zusammen mit der
mexikanischen Regierung die WYC organisiert hatte, erklärte in einer
Pressemitteilung, der Schwerpunkt der Arbeit werde künftig verstärkt auf den
Altersgruppen der 6- bis 17-Jährigen sowie der 18- bis 24-Jährigen liegen.
"Unwirksamen Programmen" wie z. B. Abstinenzbewegungen zur Vermeidung von
Teenager-Schwangerschaften sollten Mittel entzogen werden, die dann für die
Tätigkeit im Sinne des UNFPA zur Verfügung stünden.
Friday
Fax, 9. September 2010, Jg. 13, Nr. 39
Jugendliche Lebensrechtler
richten eine "Erklärung an die UNO und die Welt"
In dieser Woche verfaßte das Internationale Bündnis der
Jugend eine Petition, die ebenfalls bei der Vollversammlung der Vereinten
Nationen präsentiert werden soll. Die "Erklärung an die UNO und die Welt"
enthält acht grundlegende Prinzipien als Erwiderung auf das sog.
Welt-Aktionsprogramm für Jugendliche (WPAY), das 1995 zum Internationalen
Jahr der Jugend von der UN-Vollversammlung angenommen worden war und
sexuelle und reproduktive "Rechte" sowie radikale Autonomie für Jugendliche
forderte. Ähnliche Inhalte hatte auch das Dokument der jüngsten
Weltjugendkonferenz in León, Mexiko.
Die Erklärung des Internationalen Bündnisses der Jugend
versteht sich als Alternative und will aufzeigen, daß radikale
Jugendorganisationen nicht für die Mehrzahl der Jugendlichen sprechen.
Inhaltlich stützt sich die Petition vor allem auf die Allgemeine Erklärung
der Menschenrechte und das Übereinkommen über die Rechte des Kindes und
betont das Elternrecht und das Naturrecht sowie das Recht auf gesunde
zwischenmenschliche Beziehungen.
Das Katholische Institut für
Familie und Menschenrechte (C-FAM) hat den Text der Erklärung auf seine
Website
www.c-fam.org gestellt
und sucht dafür 50.000 Unterschriften von jungen Leuten.
Das Ende der Amtszeit der
Leitenden Direktorin beim UN-Bevölkerungsfonds
Thoraya Obaid, die zehn Jahre lang das Amt der
Exekutiv-Direktorin beim Abtreibung befürwortenden UN-Bevölkerungsfonds
(UNFPA) innehatte, hielt letzte Woche vor dem Direktorengremium ihre
Abschiedsrede und blickte dabei auf ihre "größten Errungenschaften" zurück,
wobei sie vor allem die Förderung der "reproduktiven Rechte" hervorhob. Laut
Obaid sei heute das Konzept der reproduktiven Gesundheit weitgehend
akzeptiert und in die internationale, nationale und regionale Politik
integriert.
Obaid hatte hart gekämpft, damit "allgemeiner Zugang zu
reproduktiver Gesundheit" als Teil der Entwicklungsziele des Millenniums
(MDGs) anerkannt würde, was die UN-Mitgliedstaaten bisher jedoch ablehnten.
In der Amtszeit Obaids erhöhte sich das Budget des UNFPA von 400 Millionen
auf 700 Millionen US-Dollar, und die Reichweite der Aktivitäten nahm zu. In
der Afrikanischen Union (AU) hatte der UNFPA das Maputo-Protokoll und den
Maputo-Aktionsplan durchgedrückt, der seither von Aktivisten zur Ausweitung
der Abtreibungsrechte benutzt wird. Neueste Zielgruppe des UNFPA sind
Jugendliche und Heranwachsende; der UNFPA hatte auch eine führende Rolle bei
der Weltjugendkonferenz in Mexiko gespielt. Obaid beendete ihre Rede mit
einem Plädoyer für allgemeine reproduktive Gesundheit und Rechte; diese
Botschaft möge dem bevorstehenden UN-Gipfel über die MDGs überbracht werden,
der von 20. bis 22. September stattfindet.
Friday Fax, 16. September
2010, Jg. 13, Nr. 40
Abtreibungsbefürworter loben
die neu ernannte Chefin der UN-Frauenbehörde
Die frühere Präsidentin Chiles, Michelle Bachelet, wurde
nun definitiv zur Generalsekretärin für die im Juli errichtete Superbehörde
"UN Women" ernannt, die vier UN-Einrichtungen vereint, die sich mit
Frauenthemen befassen. Die sog. GEAR-Kampagne, die sich für die Schaffung
und Finanzierung der neuen Behörde eingesetzt hatte, nahm auch starken
Einfluß auf das Auswahlverfahren für die Leiterin. Die Wahl Bachelets wurde
besonders von Abtreibung befürwortenden Einrichtungen wie der amerikanischen
IPPF begrüßt.
Bachelet hatte als Präsidentin von Chile die Einführung
der abtreibenden "Pille danach" unterstützt und war Ehrenvorsitzende bei der
jüngsten Women-Deliver-Konferenz in Washington.
Andere Kandidatinnen auf der Liste waren Rosario Manalo,
langjähriges Mitglied im Überwachungsausschuß zum Übereinkommen zur
Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (CEDAW), Geeta Rao
Gupta, Präsidentin des Internationalen Zentrums für Frauenforschung (ICRW),
das behauptete, die Entwicklungsziele des Millenniums (MDGs) könnten nicht
ohne internationale Abtreibungsrechte erreicht werden, sowie Radhika
Coomaraswamy, die als UN-Sonderberichterstatterin für Gewalt gegen Frauen
das Abtreibungsverbot Nicaraguas angegriffen hatte - also durchweg Personen,
die Abtreibung fördern.
UN Women verfügt über ca. 220 Millionen US-Dollar, wozu
alle 192 UN-Mitgliedstaaten einen Beitrag leisten. Die GEAR-Kampagne will
sich dafür einsetzen, daß in wenigen Jahren Mittel von 1 Milliarde US-Dollar
zur Verfügung stehen.
Die Vereinten Nationen erwägen
eine internationale Steuer zur Förderung der Entwicklungsziele des
Millenniums
Sechzig Nationen haben für den UN-Gipfel über die
Entwicklungsziele des Millenniums (MDGs) nächste Woche in New York eine
Erklärung vorbereitet, worin sie eine internationale Steuer vorschlagen, um
die Finanzlücke von 324 bis 336 Milliarden US-Dollar jährlich in den Jahren
2012 bis 2017 zu schließen. Die seit 2006 bestehende sog. Führungsgruppe für
Innovative Finanzierung der Entwicklungsarbeit, der Japan, Belgien und
Frankreich angehören, traf sich vor zwei Wochen in Paris und diskutierte
einen Expertenbericht vom Juli. Darin wird vorgeschlagen, weltweit pro 1000
US-Dollar Umsatz eine Steuer von 5 Cent zu erheben, was jährlich mehr als 30
Milliarden US-Dollar einbringen würde.
Die Europäische Union hat diese Steuer bereits akzeptiert
und möchte den Vorschlag nun auch in die Vereinten Nationen einbringen. Die
USA und die Schweiz sind gegen diese Idee. Zum Gelingen des Projekts sei
jedoch die Mitwirkung der USA unbedingt erforderlich, so die Befürworter.
Michael Miller, Experte für Lösungen gegen Armut und für
wirtschaftliche Entwicklung, kritisierte diese Form einer weltweiten
Solidaritätsabgabe zur Rettung der Entwicklungsziele des Millenniums. Die
Menschen in den Entwicklungsländern dürften nicht für Experimente von
Bürokraten mißbraucht werden. Sinnvoller sei, daß die wohlhabenden Länder
ihre Märkte für fairen Wettbewerb öffneten und die Subventionierung der
Landwirtschaft beendeten.
Friday
Fax, 23. September 2010, Jg. 13, Nr. 41
Die Vereinten Nationen
akzeptieren endlich die berichtigten Zahlen zur weltweiten
Müttersterblichkeit
Im April hatten unabhängige Wissenschaftler aufgezeigt,
daß die UN-Führung, allen voran die Weltgesundheitsorganisation (WHO), über
Jahre die Anzahl der Todesfälle bei Müttern fälschlicherweise überhöht bei
einer halben Million weltweit angesetzt hatte. Ein Bericht der Vereinten
Nationen korrigiert nun diese Zahl auf etwa 350.000, mit sinkender Tendenz.
Als die Medizinzeitschrift "Lancet" die unabhängigen
Ergebnisse seinerzeit publizieren wollte, teilte deren Herausgeber der New
York Times mit, Rechtsanwälte hätten Druck auf ihn ausgeübt, die Zahlen
nicht vor Ende des UN-Gipfels über die Entwicklungsziele zu veröffentlichen.
UN-Forscher und Frauenrechtsgruppen hatten im Juni die Autoren der
Lancet-Studie aufgefordert, ihre Ergebnisse den UN-Statistiken anzugleichen,
um nicht Medien und Geldgeber zu verwirren. Denn UN-Generalsekretär Ban
Ki-Moon versucht, weitere 169 Milliarden US-Dollar für Mütter- und
Kindergesundheit aufzutreiben.
Die WHO-Chefin Margaret Chan zitierte falsch und
behauptete, der Bericht besage, legale Abtreibungen hätten die Todesfälle
bei Müttern gesenkt. Der Bericht erwähnte jedoch weder Abtreibung noch
Familienplanung, sondern bezeichnete bessere wirtschaftliche Entwicklung,
Erziehung, Gesundheitsfürsorge und niedrigere Geburtenraten als
entscheidende Faktoren.
Mediziner fordern ein Handeln
der Vereinten Nationen zur Stärkung der Müttergesundheit
Am Vorabend des Gipfels über Entwicklungsthemen kam es bei
einer Präsentation vor UN-Delegierten zu heftigen Angriffen auf das Projekt,
das Abtreibung an die erste Stelle setzt, um Müttersterblichkeit zu
bekämpfen. Das Expertengremium drängte die Regierungen, mehr auf
grundlegende medizinische Fürsorge als auf Abtreibung zu setzen, um
Todesfälle im Zusammenhang mit Schwangerschaft zu vermindern. Die
Kontroverse um das Ziel der Müttergesundheit besteht bereits seit dem
Millenniumsgipfel im Jahr 2000. Seither wurde versucht, eine Sprachregelung
einzuführen, die Abtreibung meint, was die Staaten ausdrücklich ablehnten.
Die Experten kritisierten auch die
Weltgesundheitsorganisation, die von "sicherer" Abtreibung spricht, wenn sie
eigentlich "legale" Abtreibung meint, d.h. die Bezeichnungen "sicher" bzw.
"unsicher" werden im Sinne einer rechtlichen statt medizinischen Definition
verwendet, was völlig falsche Vorstellungen nährt.
Dr. Elard Koch, Epidemiologe an der Universität von Chile,
nannte ein höheres Bildungsniveau und verbesserte medizinische Versorgung
der Mütter als wichtigste Faktoren zur Senkung der Müttersterblichkeit,
nicht jedoch legale Abtreibung. Vielmehr sei in Chile die
Müttersterblichkeitsrate gesunken, nachdem die Regierung Abtreibung verboten
habe.
Die Schwerpunktsetzung auf "reproduktive Gesundheit"
(gemeint ist flächendeckender Zugang zu Verhütungsmitteln und Abtreibung,
Anm.) sei nicht zielführend, so auch Dr. Obi Ideh, praktizierender
Gynäkologe in Nigeria. Dr. Robert Walley, Leiter von MaterCare
International, beschrieb die Situation nach dem Erdbeben in Haiti, wo Mütter
ihre Babys im giftigen Schlamm gebären mußten, und rief die internationale
Gemeinschaft auf, ihre Verantwortung für Mütter in Not in den
Entwicklungsländern wahrzunehmen.
Friday
Fax, 30. September 2010, Jg. 13, Nr. 42
Der Skandal um Rockstar Bono
überschattet den UN-Gipfel über Entwicklung
Die ONE-Foundation des Rockstars Bono hat im Jahr 2008
anscheinend 15 Millionen US-Dollar an öffentlichen Zuwendungen erhalten,
aber weniger als 200.000 US-Dollar an private Wohlfahrtseinrichtungen
verteilt. 8 Millionen seien für Löhne aufgewendet worden, der Rest sei an
die Lobby gegangen, unter anderem als kostspielige Geschenke an
Nachrichtenzentralen, um eine günstige Berichterstattung über den UN-Gipfel
zu forcieren.
Überraschenderweise kritisierte dann sogar die Chefin der
Weltgesundheitsorganisation, Margaret Chan, die Politik der Vereinten
Nationen. Sie sagte, die Geberländer hätten keine klare Vorstellung von
ihren Investitionen und keine geeigneten Maßstäbe für Fortschritt oder
Scheitern. Den Empfängerländern fehle es an Motivation, weil sie zu wenig an
den Planungen beteiligt würden.
Weitere Geldmittel für Entwicklung waren ein
beherrschendes Thema auf dem UN-Gipfel. Obwohl die Rede von bedeutsamen
Neuinvestitionen zur Verbesserung der Gesundheitsfürsorge in den
Entwicklungsländern war, wurde doch klar, daß der überwältigende Schwerpunkt
der Ausgaben auf politischer Lobbyarbeit und Familienplanungsprogrammen
liegt. Dies spiegelt sich im Ergebnisdokument unter Abschnitt
Müttergesundheit, wo alle sechs Paragraphen auf vermehrten Zugang zu
Familienplanung und sexueller und reproduktiver Gesundheit abheben mit
Ausnahme eines einzigen.
Kritiker bemängeln Fehler im
jüngsten Bericht über Müttersterblichkeit
Der jüngste UN-Bericht zur Müttergesundheit befürwortet
weiterhin legale Abtreibung und Familienplanung neben vorgeburtlicher
Betreuung und ausgebildeten Geburtshelfern. Diese Strategie gründete bereits
auf früheren Berichten, die noch jährlich 536.000 Todesfälle von Schwangeren
angaben, davon 78.000 durch illegale Abtreibungen. Der neue Bericht
korrigierte die Gesamtzahl der Todesfälle auf insgesamt 358.000 und machte
keine Angaben zu Abtreibungen. Dabei haben angeblich nur 63 von 173
einbezogenen Ländern vollständige Aufzeichnungen über Todesursachen; 24
Länder haben keinerlei Aufzeichnungen. Kritiker bemängeln vor allem die
Undurchsichtigkeit und Fehlerhaftigkeit der Erhebungsmethoden.
Dr. Guiseppe Benagiano, ehemals tätig bei der
Weltgesundheitsorganisation, räumte ein, daß in einigen Ländern die
Abtreibungsraten nach der Legalisierung der Abtreibung angestiegen seien.
Vollständiges Datenmaterial steht zur Verfügung über die
Länder Chile, Irland, Malta und Polen, wo Abtreibung rechtswidrig und die
Müttersterblichkeit gering ist. Der UN-Report zeigt dagegen mehr Todesfälle
als angenommen für Indien, wo Abtreibung legal und weit verbreitet ist.
Friday
Fax, 7. Oktober 2010, Jg. 13, Nr. 43
Ein Kämpfer für die Gesundheit
der Mütter
Dr. Robert Walley ist Kopf, Herz und Seele von MaterCare
International, einer Einrichtung, die er gründete, um durch ein globales
Netz von gleichgesinnten Ärzten die Müttersterblichkeit weltweit zu senken.
Auslöser war eine persönliche Erfahrung als junger Arzt in Nigeria, wo er
erleben mußte, wie eine junge Mutter und ihr ungeborenes Baby starben, weil
die Ausrüstung für den dringend notwendigen Kaiserschnitt fehlte.
Walley verließ seine Heimat Großbritannien, weil er es
nicht über sich brachte, die staatlich verlangten Abtreibungen
durchzuführen, und zog mit seiner Familie nach Kanada.
MaterCare arbeitet mit Hilfe privater Geldgeber und
Freiwilliger - ohne Unterstützung durch Staat oder Kirche - und hat bereits
Auszeichnungen für Forschungen zu nachgeburtlichen Blutungen erhalten. In
Westafrika unterhält MaterCare einen mobilen Hilfsdienst, der
Notfallversorgung für Mütter in ländlichen Gebieten leistet; außerdem wurde
der Bau eines Fachkrankenhauses zur Behandlung von Fisteln finanziert.
Durch MaterCare International erhielten auch die Vereinten
Nationen und Wohlfahrtsorganisationen in Entwicklungsländern Impulse für
effizientere Arbeit.
Nach dem Erdbeben in Haiti setzte sich MaterCare
International für die dort betroffenen Mütter ein. Unermüdlich wirbt Dr.
Walley um Ärzte, Freiwillige und dringend benötigte Geldmittel.
Ausdrückliche Ermutigung erhielt er durch Papst Johannes Paul II.
Amnesty International fordert
Freigabe der Abtreibung in Lateinamerika
Am 28. September, "Tag für die Freigabe der Abtreibung in
Lateinamerika und der Karibik", veröffentlichte Amnesty International (AI)
eine Erklärung, die vor allem Chile, El Salvador und Nicaragua aufforderte,
Abtreibung sofort straffrei zu stellen. AI und seine nicaraguanischen
Partner sandten 37.000 Unterschriften an Präsident Daniel Ortega, die auf
die Abschaffung der Abtreibungsgesetze des Landes zielten.
AI behauptete, Abtreibungsverbote würden Selbstmord und
Abtreibungsversuche auf eigene Faust fördern. Die Erklärung lobte Kuba, das
bereits vor mehreren Jahrzehnten die Abtreibung freigab, sowie Mexico City,
das im Jahr 2007 Abtreibung straffrei stellte.
AI bezog sich auf internationale und regionale
Menschenrechtsvereinbarungen. Es existiert jedoch keinerlei Recht auf
Abtreibung in einem derartigen Vertrag.
Bereits letztes Jahr griff AI Nicaragua an und behauptete,
die Gesetze des Landes verstießen gegen das Übereinkommen gegen Folter (CAT)
und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe.
AI, 1961 von einem katholischen Konvertiten gegründet,
verhielt sich lange neutral in Sachen Abtreibung. Der 2007 erfolgte
Gesinnungswandel zugunsten der Abtreibung veranlaßte viele katholische
Führungspersönlichkeiten und Einrichtungen, AI die Unterstützung zu
entziehen. Im Jahr 2009 erhielt AI eine Zuwendung von 1 Million US-Dollar
durch die Ford-Foundation, die sich seit langem für Bevölkerungskontrolle
einsetzt und Organisationen finanziert, die Abtreibung und Verhütung in den
Entwicklungsländern fördern.
Friday
Fax, 14. Oktober 2010, Jg. 13, Nr. 44
Ein historisches Ereignis in
Europa bewahrt das Recht auf Gewissensfreiheit
Ein dramatischer Umschwung im Europarat bestätigte das
Recht auf Gewissensfreiheit für medizinisches Personal in Europa.
Der sog. McCafferty-Report, eine Resolution unter
Federführung der britischen Politikerin Christine McCafferty, sah Strafe und
Registrierung für Ärzte vor, die aus Gewissensgründen keine Abtreibungen
durchführen wollen, um dadurch private und konfessionelle Kliniken zu
Abtreibungen zu zwingen.
Ein Bündnis, angeführt von Luca Volonte aus Italien und
Ronan Mullen aus Irland, sicherte dagegen die Verabschiedung von 29
Zusatzartikeln, wodurch die Resolution vollständig entschärft wurde
zugunsten des allgemein anerkannten Rechts auf Gewissensfreiheit. McCafferty
selbst stimmte schließlich gegen ihr eigenes Werk.
Die verabschiedete Resolution legt fest, daß auf keine
Klinik, Einrichtung oder Person Druck ausgeübt werden darf, sie nicht
verantwortlich gemacht werden oder Diskriminierung erleiden dürfen, wenn sie
sich in irgendeiner Weise weigern, Abtreibungen durchzuführen, zu erlauben
oder daran mitzuwirken.
Mehrere bindende internationale Vereinbarungen garantieren
das Recht auf Verweigerung aus Gewissensgründen, z. B. der Internationale
Pakt über bürgerliche und politische Rechte (ICCPR), die Europäische
Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten und die Charta
der Grundrechte der Europäischen Union. Eine Anzahl ärztlicher Vereinigungen
hatten den ursprünglichen McCafferty-Report verurteilt.
Katholiken protestieren gegen
drohende Bevölkerungskontrolle auf den Philippinen
Katholische Persönlichkeiten und Laiengruppen wehren sich
gegen zwei Gesetzesentwürfe, die Maßnahmen zur Bevölkerungskontrolle
vorsehen. Der Staat soll reproduktive Gesundheitsdienste nicht nur für
Erwachsene, sondern auch für Jugendliche und Kinder bereitstellen,
insbesondere "moderne" Methoden der Familienplanung wie Pillen, Spiralen,
Spritzen und Kondome. Schüler, auch katholischer Schulen, sollen
verpflichtende "altersgemäße Sexualaufklärung" erhalten. Der Senat beruft
sich dabei auf internationale Verträge.
Die philippinische Bischofskonferenz hat dazu eine
öffentliche Stellungnahme vorgelegt, welche die Katholiken zu Protest und
zivilem Ungehorsam ermutigt.
Kürzlich erhielten die Philippinen 1,2 Millionen US-Dollar
vom UN-Bevölkerungsfonds für Projekte der reproduktiven Gesundheit in
ländlichen Gebieten. Während des UN-Gipfels im September in New York hatten
Präsident Benigno Aquino und US-Außenministerin Hilary Clinton einen Vertrag
unterzeichnet, der 434 Millionen US-Dollar für Entwicklungsarbeit auf den
Philippinen vorsieht.
Die Verfassung der Philippinen aus dem Jahr 1987 schützt
das ungeborene Leben ab der Empfängnis und läßt keine Ausnahmen zu.
Friday
Fax, 21. Oktober 2010, Jg. 13, Nr. 45
Prominente Philosophen prallen
bei einer Abtreibungskonferenz aufeinander
An der Universität von Princeton fand am Wochenende eine
von Abtreibungsbefürwortern organisierte Konferenz statt, bei der Peter
Singer, Professor für Bioethik, und John Finnis, emeritierter Professor der
Philosophie der Universität von Oxford, den "moralischen Status des Embryos"
erörterten.
Singer behauptet, ein Kind habe keinerlei moralischen
Status, weil es noch kein Selbstbewußtsein besitze. Frances Kissling,
Verfechterin des Rechts auf Abtreibung, pflichtete ihm bei, man müsse sich
von der Idee des Bösen befreien.
Finnis argumentierte, Biologie und Metaphysik bestimmten
den Status des Fötus, nicht die Ethik, wie von Singer vorgeschlagen. Er
unterstrich, daß Rechte anzuerkennen seien und nicht zugeschrieben würden,
und wies Singers Ansatz zurück, der ungeborenen Kindern die Personalität
absprach.
Singer verteidigte seine utilitaristische Sichtweise, die
Kindstötung stützt. Abtreibung sei die Tötung eines menschlichen Wesens,
jedoch nicht unmoralisch. Es könne sogar eine moralische Pflicht geben,
Menschen mit fehlendem Selbstbewußtsein zu töten, z. B. Behinderte.
Teilnehmer aus Lebensrechtskreisen beklagten die
Zusammensetzung einiger Arbeitsgruppen und der Eröffnungssitzung, die
Ausgewogenheit und Befürworter einer klaren Pro-Life-Position vermissen
ließen.
Gemeinsamer Brief an einen
UN-Ausschuß
Das Katholische Institut für Familie und Menschenrechte
(C-FAM) und der Alliance Defense Fund (ADF) unterbreiteten gemeinsam einen
Brief beim UN-Ausschuß zur Überwachung des Internationalen Pakts über
wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (ICESCR), worin kritisiert
wird, der Ausschuß mißbrauche seine Autorität, um verdeckt internationale
Abtreibungsrechte voranzutreiben. Der Ausschuß wird sich voraussichtlich
nächsten Monat in Genf treffen, wobei das Recht auf sexuelle und
reproduktive Gesundheit gutgeheißen werden soll.
Im Brief von C-FAM und ADF heißt es, der Ausschuß habe
nicht die Autorität zu behaupten, der Vertrag enthalte ein Recht auf
sexuelle und reproduktive Gesundheit, da ein solcher Terminus nicht darin
erwähnt werde. Und selbst wenn der Vertrag den Begriff enthielte, so
schließe das Recht auf sexuelle und reproduktive Gesundheit keineswegs
Abtreibung ein.
Im vergangenen Jahr hatte der Ausschuß einen sog.
"Allgemeinen Kommentar" veröffentlicht, worin die Länder angewiesen wurden,
weit gefaßte neue Menschenrechte auf der Basis des Gender-Konzepts zu
gewähren.
Die Bemühungen, ein neues Recht auf sexuelle und
reproduktive Gesundheit über die Ausschüsse einzuführen, gehen zurück auf
ein Gespräch am runden Tisch in Glen Glove, New York, im Jahr 1996. Damals
versuchte man ein internationales Recht auf Abtreibung zu schaffen, indem
einige Menschenrechtsverträge durch die Überwachungsausschüsse neu
interpretiert werden sollten.
Kein einziges ausgehandeltes UN-Dokument enthältein Recht
auf Abtreibung. Der einzige Vertrag, der einen Bezug auf die sexuelle und
reproduktive Gesundheit enthält, ist die Konvention über Rechte von Personen
mit Behinderungen, bei deren Annahme 15 Länder explizit erklärten, der
Terminus schließe Abtreibung aus.
Friday
Fax, 28. Oktober 2010, Jg. 13, Nr. 46
Die Länder wehren sich gegen
Versuche, bei den Vereinten Nationen ein neues "Recht" auf Sexualerziehung
zu schaffen
Ein Bericht von Victor Muñoz, der Sexualerziehung für
Kinder "von den ersten Lebensabschnitten an" als neues, staatlicherseits
sicherzustellendes Menschenrecht fordert, stieß bei den Vereinten Nationen
auf heftigen Widerstand, vor allem bei den Delegierten aus Afrika,
Lateinamerika, der Karibik und der Organisation der Islamischen Konferenz;
auch Rußland, die Arabische Liga, der Heilige Stuhl und die USA verurteilten
das Papier. Die Schweiz, Norwegen, Kanada und Argentinien zählten zu den
Befürwortern des Berichts; die Europäische Union äußerte "volle und
rückhaltlose" Unterstützung für Muñoz.
Der Bericht zitiert nicht-bindende Empfehlungen und andere
UN-Dokumente wie die umstrittenen UNESCO-Richtlinien zur Sexualerziehung und
die sog. Yogyakarta-Prinzipien. Muñoz betont vor allem die Information über
"sexuelle Verschiedenheit", also die Lebensformen von Lesben, Schwulen,
Transsexuellen, Bisexuellen und Transgender-Personen. Er greift
Abstinenzprogramme an, weil sie auf "Fremdbestimmtheit" beruhten. Das
Erziehungsrecht der Eltern dürfe den Rechten der Kinder und Jugendlichen
nicht zuwiderlaufen.Malawi, das für den afrikanischen Block sprach,
verneinte eine allgemeine Vereinbarung über solche Ideen zur
Sexualerziehung; Muñoz interpretiere die UN-Dokumente selektiv. Auch der
karibische Block äußerte starke Mißbilligung und warf Muñoz vor, er
überschreite sein Mandat und verfolge eigene Interessen.
Die UN-Vollversammlung wird sich voraussichtlich im
Dezember mit dem Bericht befassen.
Eine weltweite Bewegung im
Aufwind
Robert George, Professor an der Princeton Universität,
verfaßte vor einem Jahr - zusammen mit Charles Colson von den Evangelikalen
und Timothy George, einem Theologieprofessor - die sog.
Manhattan-Deklaration, die inzwischen eine halbe Million
Unterstützungsunterschriften aufweist. Ausgelöst wurde die Aktion durch die
Besorgnis, daß die Politiker die Bedeutung des Begriffs der religiösen
Freiheit aus den Augen verloren haben. Dieser "Aufruf an das christliche
Gewissen" bekräftigt nicht nur christliche Werte, sondern demonstriert auch
ökumenische Einheit von evangelikalen, katholischen und orthodoxen Führern.
Inzwischen haben sich Nachahmer gefunden aus Westminster in Großbritannien,
Canberra in Australien und Rhode Island in den USA.
Die Verfasser stimmen darin überein, daß religiöse
Freiheit das Recht auf öffentliche Bezeugung des christlichen Glaubens
beinhaltet. Das christliche Verständnis von religiöser Freiheit, Leben und
Ehe werden bekräftigt. Das Ziel sei nicht nur politischer Einfluß, so
George, sondern auch das Eingeständnis, daß die christliche Gemeinschaft
ihren eigenen Ansprüchen nicht gerecht geworden sei.
George war besonders beeindruckt durch das Beispiel der
Laien, die Hand in Hand mit den kirchlichen Autoritäten arbeiteten.
Kirchenführer in Texas und Kalifornien nutzten die Manhattan-Deklaration als
Anlaß für katechetische Unterweisung. Ein Programm in Oakland namens "Weg
nach Manhattan" dient der Unterrichtung von Menschen, die mehr über diese
Werte wissen wollen.
George hofft, die Manhattan-Deklaration werde die politische Stimme der christlichen Öffentlichkeit aktivieren. "Es ist wichtig, daß wir aus dem Reichtum der Religion schöpfen", meint er.
Friday
Fax, 4. November 2010, Jg. 13, Nr. 47
UN-Organisation fördert
Sexualerziehung von Geburt an
Die Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung,
Wissenschaft und Kultur (UNESCO), einst hoch geachtet wegen ihrer
Unabhängigkeit und Integrität, arbeitet jetzt als Partner des SIECUS (US-Rat
für Sexuelle Information und Erziehung), einem Bildungszweig des
umstrittenen Kinsey-Instituts.
Der Sexualwissenschaftler Alfred Kinsey gründete sein
Institut an der Universität von Indiana und wurde in den 40er und 50er
Jahren durch seine Arbeiten über das menschliche Sexualverhalten bekannt.
Kritiker beschuldigten ihn der Förderung der Pädophilie. 1964 entstand der
SIECUS, dessen erste Direktorin Dr. Mary Calderone war, die frühere
ärztliche Leiterin von Planned Parenthood.
Im September veröffentlichte die UNESCO Richtlinien zur
Sexualerziehung mit dem Ziel legaler Abtreibung und der Förderung der
Masturbation bei fünfjährigen Kindern. Aufgrund intensiver Kritik und
Ablehnung wurden diese Richtlinien zunächst zurückgezogen - um im Dezember
erneut zu erscheinen. Eine der Hauptautorinnen dieser Richtlinien ist die
frühere Direktorin des SIECUS.
In einem Anhang mit "Leitprinzipien" findet sich ein von
Kinsey inspirierter Lehrplan Sexualerziehung für Kinder von der Geburt bis
zu fünf Jahren. Darin werden Eltern angeleitet, ihren Kleinkindern
anatomisch realistische Puppen zum Spielen zu geben, sie über die
verschiedenen sexuellen Beziehungen zu informieren und sie bei der
Masturbation zu unterstützen. Keinesfalls dürften Eltern in Bezug auf
Gender-Identität und sexuelle Orientierung traditionelle oder religiöse
Werte vertreten, da dies die Kinder in ihrer Entwicklung behindere. Die
Kinder sollten "genitales Vergnügen erfahren" und sich ab drei Jahren mit
"sexuellen Spielen" beschäftigen.
Ein kürzlich erschienener Bericht der US-Regierung legt
offen, daß SIECUS zwischen 2002 und 2009 insgesamt 1,6 Millionen US-Dollar
an staatlichen Mitteln erhalten hat.
Eine UNESCO-Arbeitsgruppe will außerdem das Moratorium der
UNO zum menschlichen Klonen kippen, indem sie vorschlägt, nur das
therapeutische Klonen zu verbieten, nicht aber zu Forschungszwecken mit
allen Spielarten.
Eine UN-Lobbyistin arbeitet
hinter den Kulissen zwecks Ausübung von Druck auf Regierungsdelegationen
Ein vertrautes Gesicht bei den Vereinten Nationen ist
Salma Hamid, Vertreterin des UN-Weltbevölkerungsfonds (UNFPA), einer
Organisation, die ein Recht auf Abtreibung durchsetzen will und in die
chinesische Ein-Kind-Politik verwickelt ist. Man sieht Hamid oft bei
offiziellen Verhandlungen, die Regierungsvertretern vorbehalten sind, obwohl
sie keine Delegierte ist und der UNFPA keine UN-Delegation. Als Hamid noch
Delegierte für Saudi-Arabien war, setzte sie sich für den Schutz des Lebens
und der Familie ein. Jetzt hingegen als Vertreterin des UNFPA fördert sie
"sexuelle und reproduktive Gesundheit". Sie schlug sogar vor, Ländern, die
Programme für Familienplanung nicht akzeptieren, die finanzielle Hilfe zu
entziehen.
Hamid hat die Resolution "Unterstützung von Bemühungen,
Geburtsfisteln auszurotten" angestoßen, die in der Fassung des Jahres 2008
durch ca. 120 Länder befürwortet wurde. Mehrere Staaten meldeten damals
jedoch ausdrücklich den Vorbehalt an, daß Bezugnahme auf "sexuelle und
reproduktive Gesundheit" nicht so interpretiert werden dürften, als
förderten sie ein Recht auf Abtreibung oder die Finanzierung von
Abtreibungen.
Das schwerwiegende, aber behandelbare Problem der Fisteln
im Zusammenhang mit blockierter Wehentätigkeit wird vom UNFPA dazu benutzt,
um die Agenda der "sexuellen und reproduktiven Rechte" einschließlich
Abtreibung auszubauen und der Öffentlichkeit schmackhaft zu machen. Dr.
Robert Walley, der seit 1995 in Afrika arbeitet und Müttersterblichkeit und
Geburtsfisteln bekämpft, kritisierte dies heftig. Aber die Kritik mindert
kaum den Druck durch die Resolution, die von der unermüdlichen Hamid mit dem
UNFPA im Rücken angeführt wird.
Friday
Fax, 11. November 2010, Jg. 13, Nr. 48
USA unter Druck wegen der
Menschenrechte
Anfang November reiste eine 35-köpfige Delegation der USA
nach Genf, um sich der "Allgemeinen regelmäßigen Überprüfung" ihrer
Menschenrechtspolitik zu unterziehen, die im Turnus von vier Jahren vor dem
Menschenrechtsrat stattfindet. Das Verfahren ergab nicht weniger als 228
Empfehlungen an die USA; sie wurden vor allem gedrängt, eine Anzahl
umstrittener Verträge und Deklarationen zu ratifizieren oder Vorbehalte
gegen ratifizierte Verträge zurückzuziehen.
Die US-amerikanische Delegation versicherte, sie fühle
sich "streng verpflichtet", das Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von
Diskriminierung der Frau (CEDAW) sowie einen Vertrag über Behinderte zu
ratifizieren; dafür sei jedoch eine Zwei-Drittel-Mehrheit im US-Senat nötig.
Das Katholische Institut für Familie und Menschenrechte
(C-FAM) argumentierte, die größte Herausforderung für die USA auf dem Gebiet
der Menschenrechte sei die systematische Verletzung des Lebensrechts der
Ungeborenen, was im Endbericht aber ignoriert wurde. Erwähnung hingegen fand
die Forderung Norwegens nach umfassender Beseitigung von Beschränkungen der
Abtreibung bei Vergewaltigung mit Schwängerung in bewaffneten Konflikten.
Beträchtliche Aufmerksamkeit fand die Betonung der Förderung von
Homosexuellen-"Rechten" durch die US-Regierung. Einige europäische Länder
fragten nach den „Rechten“ Homosexueller, dies müsse einschließen, das
"Gesetz zum Schutz der Ehe" und die Militärpolitik des "Don't Ask, Don't
Tell" ("Frage nicht, sage nichts" - US-amerikanisches Militärgesetz, das den
Status von Homosexuellen regelt, Anm. d. Übers.) zu widerrufen.
Die Überprüfung ergab sich aus den von viel Publizität
begleiteten Anstrengungen der Regierung Obama, dem UN-Menschenrechtsrat
beizutreten, der wie sein Vorgänger, der "Ausschuß für Menschenrechte", in
der Kritik steht, weshalb die Regierung Bush sich fernhielt. Im Land selbst
gibt es heiße Debatten um die Ratifizierung der anstehenden
Menschenrechtsverträge. Besonders das CEDAW-Übereinkommen gilt als Favorit
liberaler Kreise zugunsten der Abtreibungsrechte. Kritiker warnen, daß eine
radikale feministische Agenda Einzug halten würde. Der für die Überwachung
des Vertrags zuständige CEDAW-Ausschuß hat bereits auf mehr als 80 Länder
Druck ausgeübt, damit sie ihre Abtreibungsgesetze liberalisieren, obwohl das
Übereinkommen selbst Abtreibung gar nicht erwähnt.
Planned Parenthood behauptet,
der Sex-Führer für Jugendliche sei ein Bestseller
Der weltweit führende Anbieter von Abtreibung, die
International Planned Parenthood Federation (IPPF), verbreitet nach wie vor
die Broschüre "Gesund, glücklich und geil", die seit der
Welt-Jugend-Konferenz im August in León, Mexiko, zum Favoriten avanciert
ist.
Zielgruppe sind junge Menschen mit HIV. Die Broschüre
animiert zu Sex mit wechselnden Partnern, oralem, analem und
gleichgeschlechtlichem Sex. Bei Sex nach Konsum von Alkohol oder Drogen
solle man Kondome bereithalten. Familienplanungskliniken würden helfen,
ungewollte Schwangerschaften zu verhüten oder abzutreiben. Die Jugendlichen
werden angehalten, ihre sexuellen Aktivitäten vor den Eltern geheim zu
halten.
Die Broschüre ist jetzt auch in russischer Sprache
erhältlich. Laut USAID (US-Behörde für internationale Entwicklung) hat
Rußland die zweithöchste Rate an HIV-Infizierten in Osteuropa und Eurasien.
Die Präsidentin der IPPF in Europa, Dr. Elena Dmitrieva, eine Russin, leitet
auch die Stiftung "Gesundes Rußland", die durch USAID gegründet wurde und
Verhütungsmittel zur AIDS-Prävention unter 13- bis 19-jährigen Jugendlichen
propagiert. Gemäß der Website von USAID flossen im Jahr 2008 etwa 77
Millionen US-Dollar in Programme in Rußland, mit einem Teil davon wurden
Informationen zur Familienplanung und reproduktiven Gesundheit für mehr als
25.000 Russen ermöglicht. Rußland leidet unter einer demografischen Krise.
Vorhersagen der UN sprechen von einem Verlust von 43 Millionen Bürgern in
den kommenden 40 Jahren, weshalb Präsident Putin Belohnungen für Familien
mit mehr als zwei Kindern anbietet.
Derzeit gibt es in den USA auch eine Auseinandersetzung
bei den Pfadfinderinnen über deren Verbindung zur IPPF.
Friday Fax, 18. November
2010, Jg. 13, Nr. 49
Eine UN-Lobbyistin teilt sich
den Preis für Lebensrecht von 600.000 US-Dollar mit anderen
Jeanne Head, ehemalige Hebamme, ist bei UN-Delegierten
bekannt für ihre Erfahrung in der Lebensrechtsarbeit und ihr
Hintergrundwissen zu einschlägigen UN-Dokumenten; man wendet sich gerne an
sie um Rat. Am 16. November 2010 verlieh ihr die Gerard Health Foundation
einen Preis, der Personen und Organisationen für "bedeutsame Erfolge bei der
Förderung der Heiligkeit des menschlichen Lebens und im Einsatz zum Schutz
und zur Bewahrung des Lebens" zuteilwird.
Ihr Traum, Schauspielerin zu werden, führte Head vom
Mittleren Westen nach New York. Dort geriet sie, wie sie bekennt, "wider
Willen" in die Lebensrechtsarbeit, nachdem der Staat New York das liberale
Abtreibungsgesetz verabschiedet hatte. Als sie die Bestrebungen erlebte,
Abtreibung zu einem internationalen Menschenrecht zu machen, führte sie dies
- ähnlich "widerwillig" - zur Arbeit bei den Vereinten Nationen. Im Jahr
1997 ging sie in den Ruhestand. Während ihre Arbeit bei den UN ein
Vollzeitjob ist, vertritt sie ehrenamtlich das Internationale Bündnis für
Lebensrecht und den Nationalen Ausschuß für Lebensrecht.
Ihre Bewunderer weisen auf ihren katholischen Glauben und
ihre Berufung. Sie machten es ihr möglich, anderen zu helfen, die ungeheure
Wichtigkeit der Heiligkeit allen menschlichen Lebens besser zu verstehen,
meint der Priester Philip Bené, ein Delegierter des Heiligen Stuhls. Ein
anderer Delegierter bezeugte gegenüber dem Friday Fax, daß unabhängig von
ihrem umfassenden Wissen ihre schiere Präsenz genüge, die Verantwortlichen
bei den Verhandlungen zu stärken.
Ihre Arbeit hat Head zu wichtigen Weltkonferenzen geführt,
darunter Peking, Istanbul, Rom, Kairo und Kopenhagen. Mit fünf weiteren
Preisträgern wird sie im Januar in Washington ihre Ehrung entgegennehmen.
Ein internationalistischer
Lehrplan dringt in amerikanische Schulen vor
"International Baccalaureate" (IB) heißt ein
Studienprogramm, das an ca. 1.000 Universitäten und in 139 Ländern weltweit
bereits Eingang gefunden hat. Ursprünglich an staatlichen High Schools
beheimatet, hat dieser neue Lehrplan inzwischen auch Mittel- und
Grundschulen und sogar eine Reihe katholischer Schulen erreicht. IB kommt
von einer nicht kommerziellen Organisation, die 1968 in der Schweiz
gegründet wurde und bereits früh Geld von den Vereinten Nationen erhielt,
ebenso vom 20th-Century-Fund und von der Ford-Stiftung. Auch die UNESCO und
die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung finanzieren einige IB-Projekte.
Vorsitzende der sog. "Baccalaureate Foundation" ist Carol
Bellamy, die früher das Weltkinderhilfswerk UNICEF leitete. Während ihrer
Amtszeit verlegte sich UNICEF auf Abtreibungsrechte, Sexualerziehung für
Kinder mit Anleitung zur Promiskuität und eine radikale feministische
Agenda. Auch die UNESCO verfolgt diese Ziele.
Lisa McLoughlin, führende Kritikerin
des IB, weist auf dessen Propagierung von Vielfalt, Multikulturalismus und
Internationalismus hin, aber wie stehe es mit den traditionellen Fächern?
Sie begann mit Aufklärungsarbeit, als der IB-Lehrplan die High School ihrer
Familie erreichte. Sie erstellte die Website
www.truthaboutib.com, worin sie vor IB
warnt: Bis vor kurzem habe IB die sog. Earth-Charta unterstützt, die
Bevölkerungskontrolle und Sozialismus vertrete. Der Lehrplan sei gegen
traditionelle Werte gerichtet, relativiere die Moral und die Werte der
Familie und basiere auf vagen Richtlinien. Es bestehe außerdem ein Mangel an
Transparenz. Deshalb sollten Schulen keine Steuergelder für das Programm
aufwenden, und katholische Schulen sollten sich der IB zugrundeliegenden
liberalen, internationalistischen Philosophie bewußt werden.
Friday
Fax, 24. November 2010, Jg. 13, Nr. 50
Anhörung zum
CEDAW-Übereinkommen vor dem Senatsausschuß
Am 18. November 2010 fand vor einem Unterausschuß des
US-Senats eine Anhörung über eine mögliche Ratifizierung des umstrittenen
Übereinkommens zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau
(CEDAW) statt. Trotz anhaltender und umfassender Kritik an dem 30 Jahre
alten Vertrag war die Veranstaltung ausgesprochen einseitig besetzt, da fünf
der sechs Redner zugunsten des Übereinkommens sprachen. Präsident Jimmy
Carter hatte CEDAW zwar unterzeichnet, das Vertragswerk war jedoch nie durch
die US-Regierung ratifiziert worden; dazu hätte es der Zwei-Drittel-Mehrheit
im Senat bedurft.
Dr. Susan Yoshihara, Vizepräsidentin der Abteilung
Forschung des Katholischen Instituts für Familie und Menschenrechte (C-FAM),
beleuchtete in ihrem schriftlichen Gutachten die Erfahrungen mit dem
Ausschuß, der die Einhaltung des CEDAW-Vertrags überwacht. In den
nicht-bindenden Empfehlungen dieses Ausschusses werde das Übereinkommen
eigenwillig interpretiert, als enthalte es neue "Rechte", wodurch mindestens
83 Länder gedrängt worden seien, ihre Abtreibungsgesetze zu liberalisieren,
obwohl der Vertrag das Thema gar nicht erwähnt.
Auch Geena Davis, eine Aktivistin aus Afghanistan und
Vertreterin einer Abtreibung befürwortenden Frauenorganisation, trat bei der
Anhörung auf. Sie behauptete, die Ratifizierung des Vertrags sei notwendig,
um die Rechte der Frauen in Afghanistan zu sichern. CEDAW stünde keineswegs
im Widerspruch zu islamischen Gesetzen in Afghanistan oder zum
inneramerikanischen Recht. Janet Benshoof, eine andere Aktivistin, hatte
jedoch bereits bei einer früheren Veranstaltung erklärt, die Ratifizierung
des CEDAW-Übereinkommens würde eine radikale Umgestaltung des amerikanischen
Rechts nach sich ziehen.
Die Anhörung war auf ca. 200 Teilnehmer begrenzt worden,
fast alle waren Vertreter der Lobby-Gruppe "CEDAW 2010", was diese mit ihren
Aufklebern "Ratifiziert CEDAW" bekundeten.
Vereinte Nationen und private
Verbände gemeinsam für Abtreibung in Afrika
In Accra, Ghana, tagte eine viertägige Konferenz zum Thema
"Unser Versprechen halten: Unsicherer Abtreibung in Afrika begegnen".
Veranstalter waren der UNECA (UN-Wirtschaftsausschuß für Afrika) in
Zusammenarbeit mit dem ghanaischen Gesundheitsministerium, mit Ipas, dem
afrikanischen Büro der International Planned Parenthood Federation (IPPF),
Marie Stopes International, dem Afrikanischen Frauen-Netzwerk für
Entwicklung und Kommunikation sowie dem Afrikanischen Netzwerk für
medizinische Abtreibung.
Die Konferenzteilnehmer bekräftigten ihre Absicht, den
Zugang zu "sicherer und legaler Abtreibung" in Afrika auszuweiten, damit die
Müttersterblichkeit reduziert werde. (Grund für hohe
Müttersterblichkeitsraten ist bekanntermaßen die mangelhafte medizinische
Versorgung; Abtreibung hingegen trägt zur Erhöhung der Müttersterblichkeit
bei!) Sie forderten die Regierungen der afrikanischen Länder auf, Gesetze,
die Abtreibung unter Strafe stellen, zu revidieren. Restriktive Gesetze und
religiöse Organe seien Hindernisse dafür.
Aissatou Gaye von UNECA bedauerte, daß trotz der Pekinger
Aktionsplattform von 1995 viele Länder immer noch restriktive Gesetze
hätten, weshalb illegale Abtreibungen durchgeführt würden. Die Pekinger
Konferenz hatte jedoch ausdrücklich kein "Abtreibungsrecht" schaffen wollen
und festgestellt, die Abtreibungsgesetzgebung sei Sache der einzelnen
Staaten.
Ein Informationsblatt der UNO bestätigt, daß Abtreibung in
die Souveränität der einzelnen Nationen falle und die Vereinten Nationen
nirgendwo auf der Welt Abtreibung oder auf Abtreibung bezogene Aktivitäten
unterstützten. Trotzdem machten sich in den vergangenen Jahren mehrere
UN-Organisationen wie z. B. der UNFPA oder UNICEF für Abtreibung stark, so
auch UNECA, dessen Aufgabe eigentlich ist, die wirtschaftliche und soziale
Entwicklung in der Region und die internationale Zusammenarbeit zu fördern.
Friday
Fax, 2. Dezember 2010, Jg. 13, Nr. 51
Papst leitet weltweite
Gebetsvigil für das ungeborene Leben
Am Samstag, 27. November 2010, führte Papst Benedikt XVI.
in Rom eine Gebetsvigil für das ungeborene Leben durch, an der sich Länder
rund um die Erde beteiligten. Die Vigil war bereits im Juni für die Vesper
zum 1. Adventssonntag angekündigt worden, die in der katholischen Kirche das
neue liturgische Jahr eröffnet. Die US-amerikanische Bischofskonferenz
(USCCB) setzte sich sehr dafür ein, so daß hunderte Diözesen und Pfarreien
in den USA und weltweit mitmachten. Sie stellte Informationen und Gebete
bereit, die laut Deirdre McQuade vom Pro-Life-Sekretariat der USCCB auch von
Australien, Kanada und Teilen Lateinamerikas verwendet wurden.
In seiner Ansprache ermutigte Papst Benedikt alle, die
weltweit in der Lebensrechtsbewegung mitarbeiten. Die katholische Kirche
lehre beständig, was auch das Zweite Vatikanische Konzil erklärt habe: Das
menschliche Leben müsse vom Augenblick der Empfängnis an mit der größten
Sorgfalt geschützt werden. Papst Benedikt warnte vor Utilitarismus; kein
Mensch dürfe zum bloßen Instrument für den Nutzen oder die Interessen
anderer erniedrigt werden. Die Kirche schenke ihre Sorge stets den
Ungeborenen, Zartesten, die am meisten durch die Selbstsucht der Erwachsenen
und die Verdunkelung der Gewissen bedroht seien.
Am Ende der Vigil betete Papst Benedikt ein eigens für
diesen Anlaß verfaßtes Gebet: "Erwecke in uns neu die Achtung für jedes
ungeborene Leben; mache uns fähig, in der Frucht des Mutterschoßes das
wunderbare Werk des Schöpfers zu sehen; öffne unsere Herzen, um großzügig
jedes Kind willkommen zu heißen, das zum Leben kommt."
Nach der Vigil verweilte der Papst außergewöhnlich lange
in der Petersbasilika, um tausende junge Familien zu begrüßen und deren
Kindern einen besonderen päpstlichen Segen zu spenden.
Aufregung um
Welt-Jugendkonferenz
Im Frühjahr 2010 kündigten die Vereinten Nationen für Juli
2011 eine Konferenz für Jugendliche an, die das Internationale Jahr der
Jugend beschließen sollte. Tunesien erklärte sich zunächst als Gastland
bereit und begann mit der Organisation der Veranstaltung, zog jedoch seine
Bewerbung im August 2010 verunsichert wieder zurück. Momentan besteht
keinerlei Konsens über Termin, Gastland, Finanzierung oder Tagungsort, so
daß fraglich ist, ob die Konferenz überhaupt stattfinden kann. Ein
Delegierter teilte dem Friday Fax mit, die USA und Japan hätten sich
geweigert, die Kosten von schätzungsweise mehr als 15 Millionen US-Dollar zu
tragen.
Doch auch die Welt-Jugendkonferenz im vergangenen August
zu Beginn des Internationalen Jahres der Jugend in Leon, Mexiko, war erst in
letzter Minute zusammengetrommelt worden und dementsprechend chaotisch
verlaufen. Obwohl keine offizielle Veranstaltung der UNO, hatten ihr mehrere
UN-Behörden und Mitgliedstaaten ihre Unterstützung gegeben. Zwar wurde das
Abschlußdokument, die sog "Erklärung von Guanajuato", gegen Ende
entscheidend verbessert, aber die Lebensrechtler sind äußerst besorgt wegen
einer radikalen Stellungnahme, die eine Neudefinierung der
Gender-Identitäten, umfassende Sexualerziehung und Abtreibung fordert und
die dem Dokument angefügt werden sollte.
Überraschenderweise wurde beim Gipfel im September die
Welt-Jugendkonferenz nur kurz erwähnt, und die Erklärung von Guanajuato kam
überhaupt nicht auf den Tisch. Im Dritten Ausschuß war wider Erwarten auch
nichts von Vorbereitungen zu einer neuen Welt-Jugendkonferenz zu hören.
Die letzte der Jugend gewidmete UN-Konferenz fand 1998 in
Lissabon statt und handelte von der Verantwortung der Minister für die
Jugend. Diese Konferenz erstellte die sog. Lissabon-Erklärung, die auch
Vorschläge des Heiligen Stuhls zur Bedeutung von Ehe und Familie als
Keimzelle der Gesellschaft enthält.
Friday
Fax, 9. Dezember 2010, Jg. 13, Nr. 52
Kampagne von UNO und IPPF zur
Straffreiheit bewußter HIV-Ansteckung
Die International Planned Parenthood Federation (IPPF) und
UNAIDS (Gemeinsames Programm der Vereinten Nationen zu HIV/AIDS) versuchen
mit einer Kampagne die Abschaffung von Gesetzen zu erreichen, die von
HIV-Infizierten verlangen, ihre Sexualpartner über das tödliche
Ansteckungsrisiko zu informieren. Im Zusammenhang mit der Kampagne
veröffentlichte die IPPF eine Sammlung von Interviews unter dem Titel
"Hinter Gittern", die implizieren, solche Strafgesetze stigmatisierten
Personen mit HIV. Absicht dieser Strafgesetze ist es jedoch, Sexualpartner
vor der Ansteckung mit dem tödlichen Virus zu schützen.
Die IPPF-Kampagne "Den Haß bestrafen,
nicht HIV" wurde auf der Internationalen AIDS-Konferenz im Juli 2010 in Wien
initiiert. Diese war von UNAIDS und der Weltgesundheitsorganisation (WHO)
gesponsert worden. Ein dazu produziertes Video stellt sexuelle Szenen dar
und erweckt den Eindruck, daß homosexuelle Praktiken, Drogengebrauch und
Prostitution gefördert werden sollen - die vom Zentrum für die Kontrolle von
Krankheiten als die drei höchsten Risiken für eine Übertragung von AIDS
eingeschätzt wurden. IPPF und UNAIDS unterhalten auch die Website
www.stigmaindex.org, die vor allem die
Straffreiheit der bewußten HIV-Übertragung fordert.
Wendy Wright, Präsidentin von Concerned Women for America, meint, dies zeige klar, daß die IPPF glaube,
verbotener Sex sei wichtiger als das Leben selbst, und sie nehme in Kauf, das Leben anderer Menschen zu riskieren zur Durchsetzung ihrer Sex-Agenda. Die Kosten für schützende Gesetze verblaßten neben den Kosten, die mit HIV/AIDS verbunden seien.Auch die bei einer UN-Veranstaltung der Pfadfinderinnen im
März verteilte IPPF-Broschüre "Gesund, glücklich und geil" behauptet, die
Pflicht von HIV-Infizierten, ihre Krankheit zu offenbaren, verletze deren
Rechte.
Aktivisten der Homosexuellen
verbreiten ein neues Handbuch zur Verwirklichung der "Rechte" Homosexueller
Homo-Aktivisten haben mit einem Handbuch und einer Website
einen neuen “Werkzeugkasten” herausgebracht, der Methoden aufzeigt, wie ein
umstrittenes Dokument, die „Yogyakarta Prinzipien“, umgesetzt werden sollen.
Diese nicht-bindenden Prinzipien wurden 2007 von einer ausgewählten Gruppe
von angeblichen Experten für Menschenrechte erarbeitet, darunter
UN-Sonderberichterstatter und Mitglieder von Ausschüssen zu UN-Verträgen.
Sie schlagen eine Neuinterpretation der lange bestehenden Menschenrechte
vor, so daß diese besondere Rechte für Homosexuelle einschließen, z. B. die
Adoption von Kindern, Technologien für Fortpflanzung und staatlich
finanzierte Geschlechtsumwandlung. Tatsächlich würden traditionelle Rechte
wie freie Meinungsäußerung und Religionsausübung beschnitten werden, falls
sie in Konflikt mit den "Freiheitsrechten von Personen unterschiedlicher
sexueller Orientierungen und Gender-Identitäten" gerieten.
Die Website zitiert Gerichtsentscheidungen sowie die
Behauptung, "Gender-Identität" und "sexuelle Orientierung" seien neue
Kategorien der Nicht-Diskriminierung – was die Mehrheit der
UN-Mitgliederstaaten wegen fehlender Definition der Begriffe und
umstrittener Agenden der Yogyakarta-Prinzipien bisher zurückgewiesen haben.
Konservative befürchten, die Homosexuellen-Aktivisten
würden die angeführten Zitate benutzen, um einen neuen "internationalen
Konsens" zu behaupten oder ein neues internationales "Gewohnheitsrecht" zu
etablieren.
Piero Tozzi, langjähriger Rechtsberater beim Alliance
Defense Fund, stellt klar, daß die Zitate der Yogyakarta-Prinzipien keine
neuen internationalen Normen schaffen können. Internationales
Gewohnheitsrecht beruhe nicht auf Wortwiederholungen, sondern entwickle sich
aus einer "allgemeinen und beständigen" Praxis der Staaten heraus, über
lange Zeit.
Obwohl im letzten Monat die Einbeziehung des Begriffs der
"sexuellen Orientierung" erfolgreich abgewehrt werden konnte, steht zu
befürchten, daß die Yogyakarta-Prinzipien bei künftigen UN-Treffen verstärkt
zur Sprache kommen, besonders bei der hochrangigen UN-Konferenz über
HIV/AIDS im Sommer 2011.
Friday
Fax, 17. Dezember 2010, Jg. 14, Nr. 1
Die Vereinigten Staaten greifen
eine Resolution auf zugunsten "sexueller Orientierung"
Die USA feierten den Tag der Menschenrechte (am 10.
Dezember), indem sie erklärten, den Begriff der "sexuellen Orientierung"
nachträglich noch in die UN-Resolution über "Außergerichtliche Verfahren,
Schnellverfahren oder willkürliche Hinrichtungen" einzufügen, obwohl die
Mehrheit der Mitgliedstaaten vor einigen Wochen erst dagegen gestimmt hatte.
US-Botschafterin Susan Rice sagte, man gebe sich nicht
geschlagen, sondern wolle diesen Kampf gewinnen. UN-Generalsekretär Ban
Ki-Moon pflichtete ihr bei und rief dazu auf, Homosexualität weltweit zu
erlauben und legale Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung zu
beenden.
Im November, als erstmals über die Resolution beraten
wurde, lehnte es die Mehrzahl der Länder ab, den "umstrittenen und nicht
genau definierten Begriff" der sexuellen Orientierung in ein offizielles
Dokument zu übernehmen. Der Block der islamischen Staaten äußerte Besorgnis
über den Versuch, neue Rechte zu kreieren, die weder diskutiert noch
vereinbart worden seien.
Ein Vertreter der afrikanischen Gruppe forderte die
internationale Gemeinschaft auf, darüber zu sprechen, warnte aber zugleich
davor, eine solch bedeutende Resolution als Vehikel für eine umstrittene
Agenda zu benutzen. Belgien verteidigte die Absicht der USA und behauptete,
es sei nicht wichtig, ob "sexuelle Orientierung" oder "Gender-Identität" im
internationalen Recht klar definiert seien; die Bezugnahme darauf solle
lediglich den Betroffenen einen besonderen Schutz bieten. Die Delegation von
Surinam meinte, es gebe andere schutzbedürftige Gruppen, die aber keine
starke Lobby hinter sich hätten.
Argentinien, Belgien, Brasilien, Kroatien, Frankreich, die
Niederlande, Neuseeland, Norwegen sowie die EU stellten sich auf die Seite
der USA.
Eine Gruppe weist auf die
zunehmende Diskriminierung gegen Christen in Europa hin
Die Wiener Gruppe, die das "Dokumentationsarchiv für
Intoleranz und Diskriminierung gegen Christen" geschaffen hat,
veröffentlichte jüngst einen Bericht, der für den Zeitraum von fünf Jahren
über 200 Fälle der Intoleranz und Diskriminierung gegen Christen
dokumentiert: den Mord an Luigi Pavese, Oberhaupt der katholischen Bischöfe
in der Türkei; 100.000 Euro Strafe für einen Fernsehsender in Spanien, der
eine Werbeserie zugunsten der Familie und gegen homosexuelle Lebensart
ausstrahlte; den Fall des italienischen Politikers Rocco Buttiglione, dessen
Nominierung zum EU-Kommissar zurückgezogen wurde, weil seine katholische
Glaubensüberzeugung in Bezug auf Homosexualität nicht genehm war.
Der Bericht bezeichnet Diskriminierung als
Beeinträchtigung der persönlichen Grundrechte auf freie Meinungsäußerung,
Gewissensfreiheit und freie Religionsausübung. Intoleranz wird definiert als
Fälle, wo Christen oder gelebtes Christsein ins Abseits gedrängt werden,
besonders im öffentlichen Leben.
Der Bericht enthält auch Empfehlungen an europäische
Regierungen und die Europäische Union (EU): Gesetze müßten geschaffen
werden, welche die Grundrechte der Christen schützten. Das öffentliche
Bewußtsein müsse sensibilisiert werden, und die Medien sollten sich fair
verhalten. Denkbar wäre auch eine offizielle Überwachung mit Erhebung von
Daten über fragwürdige Fälle. Die EU könne ähnliche Maßnahmen ergreifen, um
sicherzustellen, daß die Autonomie der Kirchen respektiert werde, wie es im
Vertrag von Lissabon festgelegt sei.
Während seines Besuchs in England wertete auch Papst
Benedikt XVI. die Diskriminierung von Christen als ernstzunehmendes Thema
für Europa. Die zunehmende Marginalisierung der Religion, besonders des
Christentums, sei sogar in Ländern festzustellen, die großen Wert auf
Toleranz legten. Sie würden die christliche Stimme am liebsten in den rein
privaten Bereich zurückdrängen.
Der Bericht des
"Dokumentationsarchivs" (s.
www.IntoleranceAgainstChristians.eu) ist
gedacht als erster Schritt hin zu einer Lösung des wachsenden Phänomens.
Friday
Fax, 23. Dezember 2010, Jg. 14, Nr. 2
Die USA stimmen für "sexuelle
Orientierung" in der UN-Vollversammlung
Die USA machten ihr Versprechen wahr und setzten sich
zusammen mit der Europäischen Union, den nordischen Ländern und Kanada dafür
ein, den Begriff der "sexuellen Orientierung" in eine wichtige Resolution
einzubringen. (s. a. Friday Fax vom 17. Dezember)
Sie hatten damit Erfolg und erreichten, daß in letzter
Minute 23 Länder, die vorher dagegen gestimmt hatten, nun für die Einfügung
des umstrittenen Begriffs stimmten. Es handelte sich hauptsächlich um kleine
Inselstaaten sowie Länder Lateinamerikas und der Karibik. Die USA selbst
unterstützten jedoch die Endversion der Resolution nicht, was
verständlicherweise Fragen über deren tatsächliche Motive auslöste.
Gegner führen ins Feld, daß der Begriff "sexuelle
Orientierung" unbestimmt und umstritten sei; es bestehe keinerlei Grundlage
in irgendeinem internationalen Instrument der Menschenrechte. Die
islamischen Staaten sprachen von einer Fehlinterpretation der Allgemeinen
Erklärung der Menschenrechte und anderer Menschenrechtsverträge, die von den
Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen niemals approbiert worden seien. Eine
Delegation nannte das Vorgehen "internationales juristisches Abenteuertum".
Südafrika forderte einen Diskussionsprozeß der Regierungen, um eine
anerkannte Definition des Begriffs zu erarbeiten.
Präsident Obama applaudierte den Befürwortern des
US-Antrags. Es müsse nun weltweit das Gespräch über Einbeziehung, Gleichheit
und Diskriminierung einsetzen. Am 22. Dezember 2010 unterzeichnete Obama ein
Gesetz, welches das Verbot für Homosexuelle aufhebt, beim US-Militär zu
dienen.
Der Europäische Gerichtshof
verneint ein Recht auf Abtreibung im europäischen Recht
Vergangene Woche urteilte der Europäische Gerichtshof für
Menschenrechte in Straßburg im Fall "A., B. und C. gegen Irland", die
europäische Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten
enthalte in Artikel 8 kein Menschenrecht auf Abtreibung; Abtreibungsgesetze
fielen in den Zuständigkeitsbereich der souveränen Staaten.
Drei anonyme Klägerinnen hatten geltend gemacht, Irlands
strenge Abtreibungsgesetze verletzten ihr Menschenrecht auf Privatsphäre.
Sie waren nach Großbritannien gereist, um Abtreibungen vornehmen zu lassen,
da sie glaubten, sie könnten in Irland keine Hilfe finden.
Lebensrechtler hatten befürchtet, der Gerichtshof würde
eine europäische Variante der Gerichtsentscheidung des Obersten Gerichtshofs
der USA von 1973 liefern, der das Recht auf Privatsphäre sehr weit ausgelegt
und alle staatlichen Gesetze zur Beschränkung der Abtreibung zu Fall
gebracht hatte. Der Europäische Gerichtshof ging diesen Weg nicht, erkannte
aber in einem Fall die Verletzung des Rechts auf Privatsphäre an.
Es handelte sich um eine Frau, die ausgesagt hatte, sie
sei unsicher gewesen, welche Auswirkungen ihre Schwangerschaft auf ihren
Krebs und welche Auswirkungen medizinische Untersuchungen auf ihr
ungeborenes Kind gehabt hätten und ob eine Abtreibung in ihrem Fall legal
gewesen wäre. Irland habe hier das Privatleben der Klägerin insofern
verletzt, als die "abschreckende Wirkung" des Gesetzes die Frau gehindert
habe, ausreichende Informationen über ihre Situation zu erhalten.
Kritiker des Urteils äußerten, die Entscheidung des
Gerichts habe sich mehr auf die unsicheren Gefühle der Frau gestützt als auf
einen Beweis, daß tatsächlich ein Gesundheitsrisiko bestanden hätte. Die
Konvention verlange von den Klängern, zuerst alle Mittel vor nationalen
Gerichten auszuschöpfen, bevor ein Fall in Straßburg angenommen werde. Der
Gerichtshof habe sich angemaßt, den Ärzten in Irland vorzuschreiben, wann
sie eine Abtreibung "verordnen" müßten. Man könne aber wenigstens froh sein,
daß der Gerichtshof nicht dem Druck derer nachgegeben habe, die in der
Konvention ein "Recht auf Abtreibung" entdecken wollten, das alle
EU-Mitgliedstaaten verpflichten würde, das Töten der Ungeborenen zu
legalisieren.
Die Entscheidung des Gerichtshofs bindet nur die 47
europäischen Länder, die Mitglieder der Konvention zum Schutz der
Menschenrechte und Grundfreiheiten sind; sie hat keine unmittelbare
Auswirkung auf internationales Recht außerhalb Europas.
Friday
Fax, 30. Dezember 2010, Jg. 14, Nr. 3
Die Länder weisen den Begriff
der "sexuellen Orientierung" im Vertrag mit Europa zurück
Im Rahmen der Verhandlungen zur alle fünf Jahre
stattfindenden Überprüfung eines Vertrags zwischen der Europäischen Union
und den sog. ACP-Staaten (Afrikanische, karibische und pazifische Gruppe von
Staaten) versuchte die EU, den Begriff der "sexuellen Orientierung" als
Kategorie der Nicht-Diskriminierung in den Vertrag zu bringen.
Der Generalsekretär der Parlamentarischen Versammlung der
79 ACP-Staaten wandte sich deshalb im Oktober 2010 mit einem Brief an das
Europäische Parlament (EP) und verwahrte sich dagegen, Werte, die in der
Partnerschaft nicht freiwillig geteilt würden, insbesondere die Agenda der
Homosexuellen, auferlegt zu bekommen; beide Parteien müßten die jeweiligen
sozialen und kulturellen Unterschiede respektieren.
Im Dezember antworteten einige Mitglieder des EP gereizt,
es gebe keinen Kompromiß beim Grundsatz der Nicht-Diskriminierung, der die
sexuelle Orientierung einschließe. Erst kürzlich hatte die EU Afrika daran
erinnert, daß sie mehr als die Hälfte der Entwicklungshilfe für den
Kontinent aufbringe und Afrikas wichtigster Handelspartner sei.
Das Scheitern der Europäer, den umstrittenen Begriff in
den Vertrag mit den ACP-Staaten einzufügen, ist ein Rückschlag für eine im
Jahr 2007 etablierte Strategie, die Begriffe "sexuelle Orientierung" und
"Gender-Identität" im internationalen Recht zu verankern.
Die Befürworter meinen,
wahrhaft umfassende Sexualerziehung zeitige Erfolge
Kein anderes Thema ruft heißere Debatten bei den Vereinten
Nationen hervor als das Thema "Sexualerziehung für Kinder". Bei einem
Treffen im vergangenen Herbst beantworteten liberale Delegierte den
Vorschlag des Heiligen Stuhls für Programme der Enthaltsamkeit mit Spott und
Hohn.
Doch solche Programme zeigen erstaunliche Resultate: Dr.
Hanna Klaus, Missionsschwester und erfahrene Gynäkologin, entwickelte das
Programm Teen STAR, das Heranwachsende an ihre Fruchtbarkeit heranführt und
sie mit Methoden der natürlichen Empfängnisregelung (NER) vertraut macht.
Laut Klaus eröffnet das Programm jungen Leuten konkrete Wege, wie sie mit
den von ihnen erlebten emotionalen Veränderungen und dem damit verbundenen
Druck umgehen können, indem sie ein besseres Verständnis für ihre eigene
biologische Fruchtbarkeit entwickelten.
Sie lehnt die Programme zur Sexualerziehung ab, weil diese
eine negative Sicht der Sexualität vermittelten, so Klaus. Weder das
Bereitstellen von Verhütungsmitteln noch die bloße Ermahnung zur Bewahrung
der Keuschheit helfe den Jugendlichen, ihre biologische Fähigkeit zur
Fortpflanzung zu integrieren.
Klaus' Programm beabsichtigt mehr, als Schwangerschaften
und sexuell übertragbare Krankheiten zu vermeiden. Mit Teen STAR zeigte
sich, daß während des einjährigen Kurses 90 % der Teilnehmer sexuell
abstinent blieben; bis zur Hälfte der Mädchen und Jungen, die bereits
sexuelle Kontakte hatten, stellten ihre sexuelle Aktivität ein. Die Methode
von Teen STAR sei streng wissenschaftlich ausgerichtet. Jungen und Mädchen
werden getrennt angesprochen: Männliche Teenager lernen, ihre stetige
Fruchtbarkeit zu respektieren; weibliche Teenager werden über ihre Zyklen
der Fruchtbarkeit und das damit zusammenhängende emotionale, psychische und
spirituelle Wohlbefinden unterrichtet. Auf diese Weise integriert das
Programm unterschiedliche Disziplinen, um das Selbstverständnis der
Heranwachsenden über den Sex hinaus gegen den gesellschaftlichen Druck zu
stärken.
Natürliche Empfängnisregelung könnte
bei internationalen Hilfsorganisationen an Interesse gewinnen, weil sie
kostengünstig ist. USAID (US-Behörde für internationale Entwicklung) stellte
letzte Woche "Geburtenkontrolle per Smartphone" vor zur Berechnung des
weiblichen Zyklus‘.
Fachleute für NER weisen darauf hin, daß die Methoden der Berechnens weniger
zuverlässig sind als jene, die sowohl die Temperaturmessung als auch die
Prüfung der Viskosität des Vaginalschleims einbeziehen.
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Quellenangabe:
Das Friday Fax wird wöchentlich herausgegeben von Austin Ruse, Direktor des Catholic Family and Human Rights Institute (C-FAM) in New York. Die vorliegenden Beiträge wurden verfaßt von Samantha Singson (Nr. 3a, 4b, 5a, 6b, 7b, 9a, 10a, 11a), Piero A. Tozzi J. D. (Nr. 3b, 4a, 5b, 8, 10b - mit Katharina Rothweiler), Amy DeRosa (Nr. 6a, 11b) und Susan Yoshihara Ph. D. (Nr. 7a, 9b).
Das Friday Fax wird wöchentlich herausgegeben von Austin Ruse, Direktor des Catholic Family and Human Rights Institute (C-FAM) in New York.
Die genaue Anschrift lautet:
Catholic and Human Rights Institute
866 United Nations Plaza, Suite 427
New York, New York 10017
Tel. (212) 754-5948
Fax (212) 754-9291
Die Friday-Fax-Texte werden im Auftrag der AKTION LEBEN e. V. (Postfach 61, D-69518 Abtsteinach) durchgesehen und die wichtigsten Passagen in deutscher Sprache zusammengefaßt, ggf. wörtlich übersetzt. Sie sollen der Information über die laufende Entwicklung bei den Vereinten Nationen in Sachen Lebensrecht und Familie im umfassenden Sinn dienen.
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